Hallo Finjen,
mir fehlt jetzt zwar die Zeit, aber einige kurze Antworten will ich doch geben:
Was mir aber auch hier wieder neben den sehr guten, neutralen
Hinweisen zur Vorgehensweise ins Auge springt und stört, sind
Deine Vorbehalte gegen Pflegeeltern, Jugendämter etc.
Ich begleite häufig Scheidungs-/Trennungseltern durch diese schwere Zeit. Zwangsläufig habe ich oft mit Jugendämtern - und zwar mit mehr als einem - zu tun.
Dort gibt es vereinzelt gute und engagierte Mitarbeiter. Aber es ist Glücksache auf so einen Mitarbeiter zu treffen. Und selbst solche Mitarbeiter werden durch Überlastung durch zuviele Fälle verschlissen.
Dafür kann der Jugenamtsmitarbeiter zwar nichts, aber jeder - egal warum - schlechtarbeitende Mitarbeiter ist ein Schaden für die Kinder.
Als „Nebenprodukt“ meiner ehrenamtlichen Arbeit kommen „Fälle“" hinzu, wo Eltern den Kindern weggenommen werden.
Manuela aus http://www.youtube.com/watch?v=TeX4a3zjPqE ; http://www.youtube.com/watch?v=9qsAFgUJ9Og : http://www.youtube.com/watch?v=OkJb5de6B0o&feature=r… habe ich nach der Kindesherausnahme kennengelernt und erfahre immer noch von ihr wie es weitergeht.
Hier hat das Jugendamt über Jahre hinweg ein Urteil des OLG ignoriert.
Mir sind (inzwischen) mehrere Familien, teilweise persönlich bekannt, wo die Familie ohne Verschulden in eine aberwitzige Geschichte geraten sind und ihre Kinder für lange Zeit, manchmal auch für immer verloren haben.
Schon vor Jahren wurde die BRD deswegen vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verurteilt. Eltern, die sich an (manche) Jugendämter wenden um Familienhilfe zu bekommen, gehen nicht selten große Risiken ein: http://www.menschenrechte.ac.at/docs/04_2/04_2_09 ; http://www.coe.int/t/d/menschenrechtsgerichtshof/dok…
Die Links sind nur eine klitzekleine Auswahl, von den Veröffentlichungen. Wobei, auch die Veröffentlichungen der Fälle auch nur die Spitze eines Eisberges ist.
Manuela (die in Youtube) musste ihre HP vom Netz nehmen, weil das Jugendamt drohte, dass die Kinder sonst anonym untergebracht werden. Die Kritik am Jugendamt würde das Kindeswohl schädigen. Aber da ging nicht mal das ansonsten jugendamtshörige Gericht darauf ein.
Dafür wirst Du Gründe haben, das ist in Ordnung, aber ich
möchte das nicht unkommentiert lassen.
Bitte nimm es als sachliche Kritik an Deinem, ansonsten sehr
hilfreichen und empathischen (bzgl. Supermom) Posting.
Meine Position bzgl. Pflegeeltern ist eine etwas andere.
In meinen Überlegungen steht das Kind im Mittelpunkt, erst
dann kommen die leibl. Eltern.
Genau so sehe ich es auch. Ein Kind soll im Mittelpunkt stehen und wegen seiner selbst geliebt werden.
Originalgespräch eines Busfahrers mit einer Freundin von mir: „wir haben jetzt ein neues Pflegekind“. Freundin: „warum?“ Busfahrer: „was meinen Sie womit wir unser Haus abbezahlen?“
Erklärung zu finden: http://www.jugendamt.nuernberg.de/pflege/finanzielle…
Mein Kommentar: leibliche Eltern haben soviel Geld und Unterstützung natürlich nicht für ihre leiblichen Kinder. Die müssen Kinderzimmer usw. selbst finanzieren.
Das tun die meisten Eltern. Wie oben geschrieben ist nicht jede Kindesherausnahme gerechtfertigt. Kinder leiden auch, wenn sie, z. B. wegen Überreaktionen von Jugendamtsmitarbeitern, von ihren Eltern weg müssen.
Ich wünsche jedem Kind:
„Menschen, die für dieses Kind Elternverantwortung und
Elternrollen übernehmen“
Das wollen viele leibliche Eltern, sie werden aber daran gehindert.
Ob die besagten Menschen miteinander verwandt sind, ist mir
dabei weniger wichtig.
Das ist aber vielleicht dem Kind wichtig?
Wichtig ist mir, dass die Erwachsenen das Kind auf seinem Weg
begleiten und ihm Halt und Unterstützung geben.
Es gibt nun mal leibliche Eltern, die dazu nicht bzw. nicht
ohne Unterstützung in der Lage sind.
Diese gibt es zweifellos. Da halte ich auch eine Herausnahme für gerechtfertigt.
Aber es gibt auch Pflegeeltern, die für das Pflegekind schädlich sind. Beispiele: http://www.wz-newsline.de/?redid=203829 und http://www.vaeternotruf.de/pflegeeltern.htm
Das muss ich Dir eigentlich nicht erzählen, ich weiß. 
Aber vielleicht liest die Fragende ja auch mit, vielleicht
vermitteln meine paar Sätze eine etwas andere Sicht auf das
Thema?
Was wäre an einer geeigneten Pflegefamilie denn so schlecht
für das Kind?
Weil, wenn die Mutter ihr Leben - auch im Interesse ihres Kindes das sie zu lieben scheint - wieder auf die Reihe bekommt, eben die bessere Wahl ist.
Das KÖNNTE verhindern, dass das Kind in eine fremde Pflegefamilie kommt. Es ist häufig sehr schwer, Kinder von den Pflegefamilien wieder zu den „Ursprungseltern“ zurück zu bekommen.
Pflegeeltern kämpfen oft mit allen möglichen Mitteln um ihren Pflegling. Hinzu kommt eine gewisse Entfremdung, da man sein Kind bei den Pflegeeltern nur sehr selten und sehr kurz sehen kann.
Aus abgebender/ weggenommener Elternsicht völlig klar, aber
was ist denn aus Kindessicht?
Es hat doch alles Gründe, warum Pflegeeltern, welche
Verantwortung für ein einst fremdes Kind übernommen haben, für
das Kind kämpfen.
Das sind auch Gründe im Interesse der Pflegeeltern. Nicht alle denken ans Wohl des Pflegekindes.
Diese Gründe KÖNNEN auch finanzieller Natur sein. Pflegeeltern sind keine Adoptiveltern und ihnen sollte klar sein, dass sie vorübergehend das Kind pflegen.
Es hat verschiedene Gründe, warum Besuchskontakte oft nur
selten stattfinden. ( Es soll nicht den Rahmen sprengen, also
keine Aufzählung)
Einer ist, dass die Kinder danach häufig große Schwierigkeiten
haben, sich in ihrem neuen Lebensumfeld wieder sicher und
geborgen zu fühlen; mit Mühe aufgebautes schwindet.
Klar, dem Kind könnte z. B. beim Besuchskontakt (wieder) klar geworden sein, dass es (trotz allem) seine eigenen Eltern liebt. Die Sehnsucht könnte wieder „aufgebrochen“ sein.
Ich weiß von einigen Pflegefamilien, wo positive Kontakte zur
Ursprungsfamilie bestehen.
Ebenso weiß ich, wie verantwortungsvoll sich eine Mutter
zeigt, die stark belastet ist und merkt, dass sie in ihrer
Lebenssituation nicht gut für ihr Kind sorgen kann, so sehr
sie es auch liebt und das beste für es wünscht und die
Entscheidung fällt/ mitträgt, das Andere für das Kind sorgen.
Kann verantwortungsvoll sein oder auch nicht. Vermutlich geht dann die „Abnabelung“ des Kindes leichter. Kind könnte sich denken, dass die Mutter sie nicht liebt, weil sie so leichtherzig mit der Fremdbetreuung umgeht.
Ich habe Hochachtung vor Eltern, die ihrem Kind ermöglichen,
positive, neue Elternpersönlichkeiten zu erleben und ihnen die
Erlaubnis geben, in einer Pflegefamilie aufzuwachsen.
Nicht jede Erlaubnis wird freiwillig und im Wissen um die Konsequenz gegeben. Der Vater von Talea hatte auch erst unterschrieben. Manuela hat unterschrieben, weil sie sich „bedroht“ fühlte.
Das zeigt für mich, sich als Eltern verantwortlich zu zeigen.
Bei den Großeltern funktioniert das meist besser und entspannter.
Besser?
O.K.
Weil die Großeltern Teile des Systems sind.
Großeltern sind Teile der Familie. Pflegeeltern eher ein Teil des Systems. Übrigens gibt es mehr als ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, wo ausgeurteilt wurde, dass die Familie bei der Betreuung der Kinder zu bevorzugen ist. Natürlich wenn sie erziehungsgeeignet ist.
Ob das besser und entspannter funktioniert, möchte ich einfach
in Frage stellen.
Sicher gibt es Verwandtenpflegschaften, die gut im Sinne des
Kindes funktionieren.
Aber häufig genug geht das Leben des Kindes seinen vertrauten
Gang weiter, es ist weiter in dem belasteten System und seinen
Strukturen. Hinzu kommt häufig,
dass die Großeltern sich verantwortlich fühlen für ihre eigene
Erziehung, vermeindliche Fehler, die sie gemacht haben…
Warum sollten sie? Pflegeeltern machen auch Fehler.
Entspannt wäre das dann nicht.
Einfacher erstmal und auf den ersten Blick besser.
Aber ich denke, man sollte einen zweiten Blick wagen und sich
parteilich auch für das Kind einsetzen.
Genau: im Sinne des Gesetzes nur Herausnahme aus der weiteren Familie, wenn das unumgänglich ist. So bleiben dem Kind wenigstens Teile seiner Wurzeln erhalten.
Nebenbei zieht sich das Thema Alkohol in Familien häufig ja
auch noch durch mehrere Generationen.
Mein Bruder brauchte keinen Durchzug durch die Generationen. Er ist der Einzigste in unserer Familie, der Alkoholiker ist.
Das Erleben neuer, unbelasteter und vor allem heilsamer
Erfahrungen würde so durch den Verbleib in gewohnten
Strukturen verhindert.
Ich lebe ein völlig anderes Leben als meine Eltern. Mein Sohn ein wieder ganz anderes Leben. Gewohnte Strukturen ziehen sich nicht zwangläufig weiter durch die Familie.
Bei aller Liebe und Mühe die ich den Großeltern einfach mal
positiv unterstelle, ist das Kind doch ständig konfrontiert
mit der Thematik: "meine Tochter/ Schwiegertochter konnte
nicht für Dich sorgen, sie hat zuviel Alkohol getrunken, es
gab viel lauten Streit und die Polizei kam deshalb immer
wieder"
Was erzählen die Pflegeeltern dem Kind, wenn es fragt warum es nicht bei Mama und Papa lebt? Doch wohl ähnliches bis zum Gleichen.
Ich sehe meine Zeilen als Ergänzung, nicht als Widerspruch zu
Deiner Antwort.
Mir fehlte die andere Gewichtung:
- Position parteilich für das Kind und seine Entwicklung
Genau, für das Kind. Wenn die Mutter ihr Leben nicht „kindgerecht anpasst“ dann muss das Kind zu Pflegeeltern. Aber die Mutter sollte die Möglichkeit haben, ihr Leben zu ändern. Danach sollte das Kind die Möglichkeit haben, seine Mutter wieder zu bekommen.
- Pflegefamilie als Hilfe für ein Kind in einer schwierigen
Lebenssituation, dessen leibliche Eltern aus
wasauchimmerfürGründen nicht so für das Kind sorgen können,
wie das Kind es verdient hat.
ja, aber nur wenn die Familie nicht wirklich selbst dazu in der Lage ist. Beispiel Urteil Kutzner
Dagegen steht ( nicht von Dir, aber häufig von Eltern gesagt):
- "Man darf doch keiner Mutter die Kinder wegnehmen!
Genau. Diesen Satz wirst Du von mir NIIIEEE hören. Mein Wahlspruch ist: Allen Kindern beide Eltern. Und er kann gerne zusätzlich erweitert werden: Allen Kindern beide Eltern und ihre eigene Familie!
Um jeden Preis Therapie und Verbleib des Kindes im
Familiensystem"
Und das sehe ich anders.
Aussagen, dass sie ja keine Alkoholikerin ist, werden ihr vermutlich weder beim Jugendamt noch bei Gericht helfen.
Die Leute dort, sehen das mit ziemlicher Sicherheit anders. Also nicht lange fackeln, und eine Therapie machen.
Dem schließe ich mich wiederum vollkommen an.
Drücke dem Kind und den Eltern und dem betreuenden Jugendamt
die Daumen, einen guten, gangbaren Weg für Alle zu finden.
Ich will jetzt nicht alle Fälle und Argumente hier schreiben die mir bekannt sind.
Klar muss ein Kind dort herausgenommen werden, wo ihm Gefahr droht.
Ich drücke dem Kind die Daumen und bete und hoffe, dass hier mal einer der guten JA-MA am Werk ist.
Gruß
Ingrid