Junghund - Leinenverhalten & mehr

Ein liebes Hallo an alle Hundefreunde. :smile:

Zu aller erst… es fällt mir etwas schwer mein Problem zu äußern, da ich genau weiß, dass der Fehler an mir und meinem Verhalten liegt.

Also… mein 5 Monate altes Bichon Frise-Mädchen lebt seit knapp 5 Wochen bei mir, ist ein ausgesprochen wundervolles Hündchen, doch manchmal hat sie ihre beschwerlichen Phasen, die sie immer häufiger an den Tag legt.

In der Wohnung ist sie größtenteils gehorsam, folgt auf Kommandos wie „Sitz“ oder „Komm“, aber sobald sie draußen beim Gassiegehen an der Leine läuft, kennt sie einen nicht mehr. Nicht einmal das Leckerlie erregt die gewünschte Aufmerksamkeit. Hauptsächlich zieht und zerrt sie an der Leine, Jault und winselt, wenn ich ihr verbiete gewisse Bereiche (z.B.Parkplätze)zu betreten und versucht jeden Menschen, der sie auch nur für wenige Bruchteile einer Sekunde anblinzelt, anzuspringen.(ihr „Begrüßungsritual“)Meistens bleibt mir da nur die Möglichkeit sie wegzuziehen, was sich bei vielen Menschen mit ihrem „Gutschi gutschi guu!“ als wirkliche Herausforderung entpuppt.
Das sie mir Draußen nicht gehorcht, macht mich etwas traurig, da ich sie gerne hin und wieder auf großen Wiesenplätzen ohne Leine laufen lassen wöllte, nun aber Angst habe sie würde mir weglaufen… :frowning:

Auch schrecklich: Sie sammelt alles auf, was groß genug ist, um in ihr Maul zu passen; von Zigarettenfolie bis zu getrocknetem Hundekot war schon alles dabei. Da man nie weiß, ob Hundehasser „böse Überraschungen“ verstecken, reagiere ich fast immer hektisch und fische ihr das Fundstück aus dem Maul. (Heute erst angelte ich einen kastaniengroßen kieselstein heraus…)

Auch etwas, was an die Grenzen meines Wissens stößt:

Wie lasse ich sie am Besten alleine zurück?
Sie folgt mir in der Wohnung fast auf Schritt und tritt, selbst wenn ich nachts kurz auf dem Kloo verschwinde, tapst sie mir nach und schaut vor der Badezimmertür nach dem Rechten.
Wie ihr euch nun denken könnt, ist es schier unmöglich „mal eben so“ und unauffällig zu verschwinden, um mit ihr erfolgreich das Allein-sein zu üben.

Da auch die Beschäftigung vieles ausmacht, hier eine ungefähre Liste ihres Tagesplan (Hin und wieder schwankt es, da ich von ZUhause aus arbeite und hin und wieder Termine dazwischen kommen.)

6:30 Uhr: Gassie gehen (~ 10 Minuten)
-> Gemeinsame Spielzeit (~ 10-15 Minuten)
8:00 Uhr: 1. Mahlzeit
9:00 Uhr: Gassie gehen (~ 15-30 Minuten)
-> Gemeinsame Spielzeit (~10-15 Minuten)
11:00 Uhr: gepflegtes Nickerchen
12:00 Uhr: 2. Mahlzeit
12:30 Uhr: Gassie gehen (~15-30 Minuten)
-> Gemeinsame Spielzeit [~10-15 Minuten)
15:00 Uhr: 3. Mahlezeit
15:30 Uhr: Gassie gehen [~15-30 Minuten]
-> gemeinsame Spielzeit [~10-15 Minuten)
18:00 Uhr: Letzte Mahlzeit
18:30 Uhr: Vorletztes Gassie gehen [~15 Minuten)
-> Spielzeit [-10-15 Minuten)
Meistens schläft sie danach 2-3 Stunden durch.
23:00 Uhr: Letztes Gassie gehen [~ 10 Minuten)
-> Absolute Schlafenszeit, da wird auch (fast) immer durchgeschlafen

Zwischendurch kommt es Öfters vor, dass wir spontane Ausflüge machen, bei denen wir mehrere Stunden draußen sind (Sofern das Wetter mitspielt)
Dann gibt es jeden Tag Zeit fürs Lernen, je nachdem wie Fit wir beide sind. Ansonsten verbringt sie die zeiten zwischen Fressen und Häufchen machen mit dem Anknabbern oder Spielen ihres Spielzeugs, sich-von-mir-streicheln-lassen oder kleinen Denkspielchen, die sie über alles liebt. (Dafür verstecke ich einige Leckerchen in einer zuklappbaren Pappkiste, bzw. in einer trocknen und unverschlossenen Plastikflasche. - Sie braucht meistens weniger Zeit das „Rätsel“ zu lösen, als ich, um es mir auszudenken. :wink:
Obwohl ich sie spüren lasse, dass sie zur Familie gehört, versuche ich ihr deutlich zu machen, wer hier das Alphaweibchen ist.

Trotz allem bleiben meine Probleme bestehen, seit einer Woche spekuliere ich sogar darauf, dass sie in etwas wie einer „Trotzphase“ steckt, in der sie hin und wieder aufbellt, wenn ihr etwas nicht passt, oder sich störisch gegen die Leine stemmt, wenn ich sie von einem potentiellen Straßenfund wegziehen will.

Habt ihr Tipps für mich? :frowning:

Hallo,

herzlich Willkommen bei der Ausbildung eines jungen Hundes.

Als Nicht-Experte (und ich will auch keiner werden) für Welpen- bzw. Junghundeerziehung kann ich keine wirklich detaillierten Handlungsanweisungen geben. Das ist auch per „Ferndiagnose“ relativ schwierig, selbst für Experten.

Die Standardvorgehensweise beim Lernen des Alleinseins ist langsame Steigerung in winzigen Schritten. Dazu beginnt man mit dem Kommando Platz/Bleib und deponiert den Hund damit im Körbchen. Nun geht man aus dem Zimmer und macht die Tür zu. Ist der Hund still, geht man nach 30 Sekunden wieder rein und lobt. Macht der Hund Terror, versucht man, einen terror-freien Moment zu erwischen, geht rein und lobt. Das macht man 3 oder 4 mal am Tag. Die Zeit ganz langsam minutenweise ausdehnen, je nach Erfolg.

Was ich im Tagesablauf vermisse, ist Kontakt zu Artgenossen und Spielen mit Artgenossen. Auch das Thema „Hundeschule“ kommt irgendwie nicht vor. Wäre das eine Idee für Dich? Dort kann man sich den Hund anschauen und Dir konkrete Tipps für Trainingseinheiten geben. Die geeignete Vorgehensweise fürs Alleinbleiben ist z.B. nicht für jeden Hund gleich (Verlassensangst vs. Kontrollverlust) - jemand, der den Hund sieht, kann besser helfen. Die gängigsten Kommandos können dort erlernt werden - sitz, komm, bleib sind sehr wichtig, weil praktisch alles darauf aufbaut.

Gruß,

Myriam

Hallo nochmal,

Die Hundeschule stand bislang immer außen vor, da diese Preise im 3 stelligen Bereich teilweise unerschwinglich waren und es noch immer sind. (Leider kann ich nur einen geringen Lohn vorweisen, zum Leidwesen meines Hündchen. :/)

Sozialer Kontakt in der Nachbarschaft gestaltet sich ebenso als schwierig, da hier größtenteils sehr große oder alte Hunde im Nachbarschaftsbereich leben.

Hallöle,

hast du die Möglichkeit, mit deinem Hund im Garten zu spielen?
Falls ja, locke sie doch mit ihrem Lieblingsspielzeug und wenn das klappt, kannst du es auch im Park/Feld versuchen. Sie kommt dann „immer öfter“.
Wenn nicht, dann LAUF WEG! Hat bei meinen Hunden immer super geklappt. Sie laufen automatisch hinterher.
Es ist jedenfalls für jeden Hund wichtig, auch mal ohne Leine toben zu dürfen

LG Dendra

Die Hundeschule stand bislang immer außen vor, da diese Preise
im 3 stelligen Bereich teilweise unerschwinglich waren und es
noch immer sind. (Leider kann ich nur einen geringen Lohn
vorweisen, zum Leidwesen meines Hündchen. :/)

Das Angebot an Hundeschulen und -trainern ist heutzutage so groß, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es in Deinem Umkreis keine erschwingliche Möglichkeit gibt. Du musst ja keinen ganzen Kurs buchen, ein paar gezielte Stunden oder die Teilnahme an einer Junghundspielstunde reichen für den Anfang.

Die Billig-Variante wäre das Arbeiten mit einem guten Buch, das erfordert allerdings viel Disziplin von Dir. Dieses Buch hier ist sehr gut:

Das Kosmos Erziehungsprogramm für Hunde
ISBN:3440106381 Buch anschauen

Was den Geldmangel angeht: lege schon mal ein Sparbuch für Tierarztkosten an, auf dass Du jeden Monat ein paar Euronen einzahlst. Ansonsten wird es unschön, wenn der Hund mal tatsächlich etwas Giftiges oder Spitzes verschluckt.

Sozialer Kontakt in der Nachbarschaft gestaltet sich ebenso
als schwierig, da hier größtenteils sehr große oder alte Hunde
im Nachbarschaftsbereich leben.

Suche aktiv Kontakt zu Besitzern von passenden Spielgefährten. Es gibt in Deiner Nähe sicherlich vielbesuchte Hunde-Spaziergebiete - da muss man hin und Kontakte knüpfen. Wenn der Hund nicht bald positiven Kontakt zu Artgenossen bekommt und auch ohne Leine spielen kann, hast Du recht bald einen hysterisch kläffenden Leinenpöbler - das macht keinen Spaß.

Gruß,

Myriam

Hallöle,

hast du die Möglichkeit, mit deinem Hund im Garten zu spielen?

Leider nein, allerdings gibt es einen kleineren Park 50 meter vom haus weg und ein schönes, großes und landschaftliches Elbufer einen halben kilometer entfernt.
Wie sieht dann die Alternative zum „Nicht ohne Leine Wegrennen“ aus?

Wie sieht dann die Alternative zum „Nicht ohne Leine
Wegrennen“ aus?

In gewissem Rahmen beginnt man an der normalen Leine (1,80 Leine, bitte nicht so einen Flexi-Dreck). Für das tatsächliche, aufbauende Training wäre eine Voraussetzung eine gesicherte Freilaufmöglichkeit oder eine 10m-Schleppleine (kannst Du selbst basteln aus Nylonseil aus dem Baumarkt und einem Karabinerhaken).

Das Problem ist vermutlich, dass der Hund draußen alles interessanter findet als Dich. Du musst also interessant sein, der Hund muss lernen, dass es sich immer lohnt, zu Dir zu kommen. Im gegensatz dazu sollte das Trainingsgelände eines sein, das reizarm ist - geh ruhig am Anfang mit dem Hund oft dieselbe Strecke, dann wird es langweilig.

Ein Training kann so aussehen:

  • Hund an der Leine, Spaziergang in langweiligem Gebiet
  1. Schritt: Hund schaut Dich an, Du lobst und belohnst ihn sofort
  2. Schritt: Du gibst fröhlich Kommando „Hundename, schau/look!“. Hund schaut, Du lobst und belohnst ihn sofort.
  3. Schritt: wie 1 oder 2, aber an Schleppleine
  4. Schritt: Kommando „Hundename, hier/komm!“, in die Hocke gehen -> die meisten Hunde kommen dann von selbst auf Dich zu, loben/belohnen.
  5. Schritt: wie 4, ohne in die Hocke zu gehen

Ziel ist, dass der Hund auf Dich achtet.

Hier mehr Infos zum Schleppleinentraining:
http://www.ig-podenco.de/SLtricks.htm
http://www.muensterlaender-freunde.de/data/schlepple…
http://www.dogforum.de/ftopic19254.html

Gruß,

Myriam

Ein Bekannter von mir hatte ein ähnliches Problem. Er ist dann zu einer Hundespielwiese gegangen. Dort hatb er seinen Hund erst mal an einer langen Leine gelassen. Deinem Hund fehlen anscheinend Kontake zu anderen Hunden. Erkundige dich mal, ob es eine Art Hundespielwiese gibt oder einen Park, in dem viele Hunde sind.
Wenn so ein gravierender Unterschied zwischen dem verhalten in der Wohnung (Revier) und Freilauf ist, dann kann es auch daran liegen, dass der Hund verunsichert ist. Nimm etwas aus der Wohnung mit zum freilauf, zum Beispiel ein Spielzeug aus der Wohnung.
Bei meinem Bekannten hats geklappt.
Ich selber habe leider keinen Hund.
Micha

Ich habe mich einmal zum Thema „Welpenspielstunde“ umgehört, fand da bislang allerdings nirgendwo eine „Altersbeschränkung“. Kann es sein, dass mein Hund mit 5 Monaten da bereits zu alt für ist?

Ich habe mich einmal zum Thema „Welpenspielstunde“ umgehört,
fand da bislang allerdings nirgendwo eine
„Altersbeschränkung“. Kann es sein, dass mein Hund mit 5
Monaten da bereits zu alt für ist?

Das kommt auf die Zusammensetzung der existierenden Gruppe an und auf das Verhalten Deines Hundes gegenüber anderen Hunden/Welpen. Ideal wäre eine Gruppe „Halbstarker“, auch da gibt es Gruppen, die heißen dann nur anders (Junghundespielstunde o.ä.). Es bleibt Dir also nichts übrig als in den jeweiligen Hundeschulen anzurufen und zu fragen.

Gruß,

Myriam

Hallo,

du solltest wirklich eine (GUTE) Hundeschule besuchen.

Wenn deine Hündin drin gehorcht und draussen nicht, übst du zu wenig unter Ablenkung. Steigere die Ablenkung ganz langsam. Wenn das Leckerli nicht interessant genug ist, ist es nicht LECKER genug und vielleicht ist der Hund zu satt.
Draussen ist die Ablenkung so gross, dass schon ein tolles Leckerli her muss. Probiere aus, was dein Hund am tollsten findet, und etwas Hunger schadet nicht. Vielleicht Fleischwurst? Hackfleisch? Ja, ist etwas matschig, aber kann sehr hilfreich sein.
Ich habe meiner Hündin das sehr zuverlässige Kommen mit Hackfleisch beigebracht. Setzte mich mit meinen Kindern in einem grossen Dreieck auf die Wiese, jeder hatte eine Portion Hackfleisch. Wir riefen sie abwechselnd beim Namen mit KOMM, und dann bekam sie etwas Hackfleisch. Wenn sie herkam, ohne gerufen worden zu sein, wurde sie ignoriert. Sie lernte sehr schnell, wie der Blitz herzurasen, wenn sie gerufen wurde. Mein Hund ist jetzt schon über ein Jahr alt, und noch immer bekommt sie JEDES Mal eine Belohnung, wenn sie auf Zuruf herkommt. Sie kommt sehr zuverlässig und in 49 von 50 Fällen auch bei starker Ablenkung.
Ach ja, ganz wichtig: Es muss IMMER eine positive Folge für den Hund haben, wenn er gerufen wird. Also rufen und dann anleinen ist ein NO-GO. Gewöhne deinen Hund daran, dass er, wenn du ihn rufst, immer etwas noch tolleres bekommt als das was er gerade hat.

Ziehen an der Leine: Bleibe konsequent sofort stehen, wenn dein Hund an der Leine zieht. Warte, bis die Leine locker hängt, dann gehst du weiter. Du kommst auf diese Weise nicht weit, aber es ist nötig. Mit der 10m-Schleppleine kommst du etwas weiter :smile:

Das mit dem Anspringen solltest du im Moment, bis du mehr Aufmerksamkeit von deinem Hund bekommst, dadurch vermeiden, dass du dort spazierengehst, wo kaum Menschen unterwegs sind. Wenn ein Mensch kommt, zieh ein Spielzeug aus der Tasche, renn mit deinem Hund und spiel mit ihm, damit du interessanter bist als der andere Mensch.

Das mit dem Aufsammeln von allem moeglichen wird im Lauf der Zeit etwas besser werden, du musst aber unbedingt AUS mit ihr üben.
Also gib ihr z.B. einen Büffelhautknochen und halte ein Super-Leckerli vor die Nase. Wenn sie den Knochen fallen lässt, sagst du AUS. Lass ihr dann den Knochen wieder und mach das ab und zu. Nicht den Knochen dann wegnehmen! Sie muss die Erfahrung machen, dass es für sie nur von Vorteil ist, etwas fallen zu lassen, sobald du AUS sagst.

Alleine lassen üben:
Mach irgendwann ganz kurz die Tür vor ihrer Nase zu. Komm nach 2 Sekunden sofort wieder, kein Aufhebens davon machen, kein Lob, es ist nichts besonderes, wenn du weg bist!
Die Zeit kannst du dann sekundenweise steigern.

Lerne Clickertraining! Damit kann ein Hund fast alles lernen.
Übrigens, das Kosmos-Buch ist wirklich sehr gut.

Viel Erfolg!

Julia