Hallo.
So wie ich informiert bin, sind im Moment eigentlich nur
Naturwissenschaftler (vor allem Ingenieure, Elektrotechniker
usw.) auf dem Arbeitsmarkt wirklich gefragt - und dazu ist,
soviel ich weiß, ein Mathe LK schon fast Vorraussetzung.
Erstens
, Naturwissenschaftler sind Physiker, Chemiker oder dergleichen, Ingenieure sind bitte Ingenieurwissenschaftler
.
Mathematiker sind eine Wertung für sich, Mathematiker eben.
Zweitens ist das mit der immer wieder gescholtenen Mathematik eines der größten existierenden Mißverständnisse. In der Elektrotechnik keulst Du bspw. tatsächlich 4 wirklich zutiefst harte Semester Mathematik. Dazu kommen noch Themengebiete, die dann in angrenzenden Veranstaltungen vorkommen, die aber nicht jeder Zwangsweise über sich ergehen lassen muß. Bei den Elektrotechnikern spielt im allgemeinen beispielsweise die Algebra nur eine sehr untergeordnete Rolle, wer sich aber in Richtung Informationstechnik vertieft, kriegt es da knüppeldick, weil es dort eben notwendig ist.
Diese 4 Semester Mathematik sind aber alles andere als nicht zu schaffen. Die DEvise lautet: Dranbleiben, durch die Literatur ackern und an einer kleinen Uni studieren, damit man in allen kritischen Fächern (nicht nur Mathe) den Betreuer hinterhergeschmissen bekommt.
Darüber hinaus ist eigentlich nur logisches Denkvermögen und ein ganz durchschnittliches mathematisches Verständnis notwendig. Bei vielen sogenannten „Geisteswissenschaftlern“ ist es erwiesenermaßen so, daß sämtliche technischen Fächer - vor allem der Oberhammer Etechnik, aber auch der humanere Maschbau - eigentlich nur ausgeschlossen wird, weil immer das Scheckgespenst „Oh Gott, Mathe! Physik! Hartes Grundstudium!“ bemüht wird. Wenn ich mich natürlich mit der Motivation dort hineinsetze, „Ich bring das sowieso nicht …“ kann es auch nicht klappen. Der Wille, sich selbst Schmerz zufügen zu wollen, muß vorhanden sein
. Im Hauptstudium wird es dann deutlich ruhiger!
Wohlbemerkt: Wahre Mathenieten haben selbstverständlich eher geringe Chancen; beim normalsterblichen angehenden Student ist das jedoch keineswegs gegeben.
Ebenfalls bekannt ist, daß bereits die schulische Vorbildung maßgeblich verantwortlich dafür ist, ob ein normaler Schüler wirklich zur Matheniete geformt wird. Hier spielt hauptsächlich erneut die innere Einstellung, die Mentalität eine Rolle. Geht man so heran, wie immer mehr Jugendliche heutzutage „Mathe ist scheiße…“, „Physik ist Schwachsinn…“, „Chemie, den Mist braucht kein Mensch…“ - tja, dann wird man so gut wie automatisch auch zur ultimativen Niete, wenn man sich bei dieser eigentlich reinen Kopfsache nicht wieder fängt.
Halt Dir immer vor Augen: An einer - vorzugsweise kleinen - guten Uni wird Dir alles mehr als gut beigebracht, zwar schnell und intensiv, aber methodisch deutlich effektiver als in der Schule, inkl. toller Betreuung. Mathematikleistungskurs ist da überhaupt kein Diskussionspunkt.
Nebenbei: Der Mathe-LK ist sowieso ein überschätzter Mythos. Er ist eigentlich nur in den bildungsschwachen Bundesländern zu gebrauchen, um wenigstens ein halbwegs erträgliches Niveau zu ermöglichen. Bayern, BaWü und Sachsen haben dieses Problem aber nicht: Hier ist oft der Grundkurs faktisch stoffgleich zum Leistungskurs, nur ist der Leistungskurs vom reinen Rechenschwierigkeitsgrad her intensiver. Mehr ist es in der Tat nicht - man braucht sich nur die Lehrpläne anschauen. Ein ordentlicher Grundkurs (Sachsen, BaWü, Bayern) reicht dicke für jedes naturwissenschaftliche Studium jedweden Niveaus
(ich selbst studiere Elektrotechnik und im Zweitstudium Mathe und habe mir nie den schier sinnlosen Mathe-LK gegeben).
Wie gesagt, bemühen müßtest Du Dich schon, es sei denn, Du wärst tatsächlich die erwähnte Kategorie „echte Mathe/Physikniete“, dann bleib lieber Geisteswissenschaftler.
Nachtrag: Selbst wenn Du ein rein technisches Studium vergeigst (Zeitpunkt: Vordiplom), kannst Du ja entweder von Anfang an meta- oder interdisziplinäre Studiengänge wählen, oder dann wechseln, falls Du es an den Baum gefahren hast.
Bspw. Wirtschaftsingenieurwesen. Gibt es in den verschiedensten Facetten. Wer in Etechnik scheiterte und nicht zum reinen Maschinenbau geht, ist oft gut bei den WiIngs aufgehoben, weil dort das Nebenfach Etechnik weit verbreitet ist. Es gibt auch Maschinenbau als Nebenfach und und und. Mechatronik z.B. steht auf der Hälfte zwischen Maschbau und Etechnik, orientiert sich aber vornehmlich am etwas entspannteren Niveau des Maschbaus. Physikingenieurwissenschaften steht auf der Mitte von Etechnik und Physik. Informationssystemtechnik steht auf der Mitte zwischen Etechnik und Informatik.
Möglichkeiten, Optionen, Alternativen - fast unerschöpflich. Du mußt Dich nurmal auch mit der Materie auseinandersetzen. Das fehlt eben im breiten Rahmen, warum auch heute noch Natur-, Ingenieur- und Technikwissenschaften so unter regelrechten Mangelerscheinungen beim Personal leiden.
MfG