Kälte oder Wärme?

Hallo,

ich habe die Erfahrung gemacht, dass mir meist Wärme hilft, z.B. bei Rückenschmerzen o.ä., bei welchen Problemen sollte ich diese Wärme nicht anwenden?
Ein Arzt sagte mir mal, dass im Grunde beides das Gleiche verursachen, nämlicht die verstärkte Durchblutung, aber die Kälte zusätzlich die Nerven betäubt.
Auf eine Brandwunde ist sicher kein Hitzebpaket angebracht, bei einer Stoßverletzung nimmt man auch eine Kältepackung, aber wann ist Kälte und wann ist Wärme wirklich gut?
Gruß Volker

Servus Volker,

meiner Erfahrung nach ist das Körpergefühl entscheidend. Wer bei einem Bänderriß Eispackungen verschrieben bekommt, aber dabei starke Schmerzen bekommt, der soll es lassen, umgekehrt genauso.
Auch bei Halsschmerzen sind sowohl Warmhalten als auch Kühlen gleichermaßen anerkannt - was immer besser hilft!

Am besten ist, auf sich selbst zu hören - im Allgemeinen kommt dabei was Gutes raus.

Wovon ich bisher nichts gehört habe ist, daß es jemanden bei Bauchschmerzen nach Kälte verlangt hätte - da ist die Wärmflasche immer noch „the one and only“.
Ansonsten gibts das ganze Spektrum von Ohren- über Hals und Wundschmerz bis zu Muskelverspannungen (hier auch meist Wärmeverlangen, macht ja auch Sinn im Sinne beschleunigten Stoffwechsels) und Gelenkproblemen: Der eine mag es warm, der andere kalt.
Warum also für alles Regeln aufstellen? Warum nicht machen, was guttut?

Hallo Volker,

Ein Arzt sagte mir mal, dass im Grunde beides das Gleiche
verursachen, nämlicht die verstärkte Durchblutung, aber die
Kälte zusätzlich die Nerven betäubt.

das würde ich so nicht sagen. Es ist alles andere als das Gleiche. Zwischen Wärme und Kälte gibt es nämlich mindestens einen entscheidenden Unterschied: Wärme verursacht i.d.R. eine reflektorische Vasodilatation (Gefäßerweiterung) und somit eine Hyperämisierung (gesteigerte Durchblutung) der betroffenen Region, wohingegen Kälte eine reflektorische Vasokonstriktion (Gefäßverengung) und somit eine Hypoperfusion (verminderte Durchblutung) bewirkt.

Auf eine Brandwunde ist sicher kein Hitzebpaket angebracht,

Genau. Man versucht das überhitzte Gewebe schnellstmöglich herunterzukühlen, um weitere Gewebsschädigungen zu verhindern. Des Weiteren wird nach der unmittelbaren Verbrennungsphase lokal durch die Kühlung die Durchblutung reduziert, wodurch sich insbes. bei Verbrennungen 2. Grades die Blasenbildung bei anständiger Kühlung deutlich verringern lässt. Gleichzeitig nutzt man den von dir bereits erwähnten schmerzlindernden Effekt aus.

bei einer Stoßverletzung nimmt man auch eine Kältepackung,

Auch das stimmt. Durch die kälteinduzierte Vasokonstriktion lassen sich etwaige Hämatome auf ein Minimum reduzieren und auch möglichen Schwellungen (durch die posttraumatische Hyperämisierung) kann man durch konsequente Kühlung vorbeugen, da die Kälte der Hyperämisierung entgegenwirkt.

aber wann ist Kälte und wann ist Wärme wirklich gut?

Grundsätzlich kann man sagen, dass Kälte überall dort indiziert ist, wo eine lokale Verminderung der Durchblutung vorteilhaft ist, wie z.B. Prellungen, Schwellungen, Blutergüsse, Verbrennungen etc. Dies allerdings nur für eine begrenzte Zeit und in begrenztem Maß während der Akutphase.

Wärme wird überall dort angewandt, wo eine bessere lokale Durchblutung von Vorteil ist, wie z.B. bei Muskelverspannungen, Muskelkater, „Hexenschuss“, kalte Hände, kalte Füße, auch bestimmte Entzündungen (z.B. Nasennebenhöhlenentzündung) oder Darmgrimmen u.s.w.

Eine Sonderform der Kälteanwendung ist der Wadenwickel. Er zielt nicht auf die Minderdurchblutung der Waden ab, sondern er nutzt die meist gute Durchblutung der Waden, um die erhöhte Körpertemperatur bei hohem Fieber in vertretbarer Geschwindigkeit (0,5°C/h) auf einen vertretbaren Wert (~38.5°C) herabzusetzen.

Gruß
Huttatta

Hi!

Mein Arzt sagt: Ausprobieren. Das was die Schmerzen lindert ist gut, das was sie verstärkt nicht.

Tara

Im allgemeinen und kurz gefasst auf alle entzündlichen Sachen (überhitztes Gewebe, Eiterbildung) kalte Auflagen, auf degenerative Erkrankungen - Schmerzen durch Abnutzung ( kühles Gewebe, oft minderdurchblutet) warme Auflagen. Sicher gibt auch Ausnahmen.

Danke und ein Zusatz der etwas o.T. ist
Hallo,
herzlichen Dank.
Dass Durchblutung durch Wärme gegünstig wird ist klar, die Argumentation ging (hoffentlich richtig erinnert ist ca. 20 J her), dass wenn man etwas kaltes auf die Körperstelle tut, der Körper (zunächst beim erfrieren, da gibt es ja eine „Rangfolge“, was geopfert wird) erst versucht die Stelle zu erwärmen.
Mit ist auch jetzt beim Lesen eurer Re´s dieser Hintergrund genauer eingefallen, deshalb das Argument: Kälte betäubt.

Zusatz:
Ich hatte mehrfach innerhalb kurzer zeit im Ellenbogen, so dass der Doc sagte, er müsse es verkleben, da die Salben nichts brachten.
Eine der salben war für die Iontophorese geeignet,da ich die spannungen, Strömstärken etc. nicht kannte wollte ich keinen Selbstversuch machen, fand aber eine „Bienengiftsalbe“.
Beide 1:1 zusammengemixt und innerhalb ganz weniger Tage war´s weg und ist nie wiedergekommen.
Da habe ich die verstärke Durchblutung genutzt um den Wirkstoff näher an das Geschehen zu bringen.
Aus der OP wurde nichts, mein Arzt hat aber trotzdem gelacht.

Ich höre also auch auf meine innere Stimme, mein Gefühl und Wohlbefinden entscheidt, klar.

Gruß Volker