Hallo Volker,
Ein Arzt sagte mir mal, dass im Grunde beides das Gleiche
verursachen, nämlicht die verstärkte Durchblutung, aber die
Kälte zusätzlich die Nerven betäubt.
das würde ich so nicht sagen. Es ist alles andere als das Gleiche. Zwischen Wärme und Kälte gibt es nämlich mindestens einen entscheidenden Unterschied: Wärme verursacht i.d.R. eine reflektorische Vasodilatation (Gefäßerweiterung) und somit eine Hyperämisierung (gesteigerte Durchblutung) der betroffenen Region, wohingegen Kälte eine reflektorische Vasokonstriktion (Gefäßverengung) und somit eine Hypoperfusion (verminderte Durchblutung) bewirkt.
Auf eine Brandwunde ist sicher kein Hitzebpaket angebracht,
Genau. Man versucht das überhitzte Gewebe schnellstmöglich herunterzukühlen, um weitere Gewebsschädigungen zu verhindern. Des Weiteren wird nach der unmittelbaren Verbrennungsphase lokal durch die Kühlung die Durchblutung reduziert, wodurch sich insbes. bei Verbrennungen 2. Grades die Blasenbildung bei anständiger Kühlung deutlich verringern lässt. Gleichzeitig nutzt man den von dir bereits erwähnten schmerzlindernden Effekt aus.
bei einer Stoßverletzung nimmt man auch eine Kältepackung,
Auch das stimmt. Durch die kälteinduzierte Vasokonstriktion lassen sich etwaige Hämatome auf ein Minimum reduzieren und auch möglichen Schwellungen (durch die posttraumatische Hyperämisierung) kann man durch konsequente Kühlung vorbeugen, da die Kälte der Hyperämisierung entgegenwirkt.
aber wann ist Kälte und wann ist Wärme wirklich gut?
Grundsätzlich kann man sagen, dass Kälte überall dort indiziert ist, wo eine lokale Verminderung der Durchblutung vorteilhaft ist, wie z.B. Prellungen, Schwellungen, Blutergüsse, Verbrennungen etc. Dies allerdings nur für eine begrenzte Zeit und in begrenztem Maß während der Akutphase.
Wärme wird überall dort angewandt, wo eine bessere lokale Durchblutung von Vorteil ist, wie z.B. bei Muskelverspannungen, Muskelkater, „Hexenschuss“, kalte Hände, kalte Füße, auch bestimmte Entzündungen (z.B. Nasennebenhöhlenentzündung) oder Darmgrimmen u.s.w.
Eine Sonderform der Kälteanwendung ist der Wadenwickel. Er zielt nicht auf die Minderdurchblutung der Waden ab, sondern er nutzt die meist gute Durchblutung der Waden, um die erhöhte Körpertemperatur bei hohem Fieber in vertretbarer Geschwindigkeit (0,5°C/h) auf einen vertretbaren Wert (~38.5°C) herabzusetzen.
Gruß
Huttatta