Servus,
ich versuche jetzt nicht die ganzen Lösungen zu bringen, sondern Vorschläge zu machen.
Zu dieser Unterscheidung:
Liegt das nicht immer daran das man Tankstellen in 2 „Arten“
unterscheidet?:
-Billigtankstelle: Qualität des Sprits lässt zu Wünschen
übrig,aber dazu wesentlich günstiger
darf man sich fragen, ob schon jemals ein Audi davon den Kolbenfresser gekriegt hat, wenn er mal nicht das „Special-Efficiency-MO2Care-Super“ bekommen hat, sondern ganz banales OVM-Super.
Das Stichwort dazu heißt „homogenes Gut“. Weiterführend dazu die Frage, wie es die Marken-Kaffeeröster schaffen, ein und das selbe Produkt bei Aldi für ein paar Euro anzubieten und trotzdem in ihren eigenen Shops die Preise zu halten.
Und noch ein anderes Stichwort: „Markttransparenz“ - Man kann sich vorstellen, dass ein Autofahrer zwischen 1/4 voll und Reserve an immerhin mehr als einer Tankstelle vorbeifährt, und die Preisaushänge sind ja herich groß genug.
Das:
So würde ich mir jetzt erst mal die Preisunterschiede erklären
von z.B. Aral und HEM
geht in Richtung Aldi-Kaffee. Dazu gibts noch das Stichwort „Preisdifferenzierung“, ein extremes aber rasch in die Hosen gegangenes Gegenbeispiel sind die seit einigen Jahren eingeführten neuen S-Bahn-Triebwagen 425, in denen sich die 1. Klasse von der 2. genau dadurch unterscheidet, dass den Reisenden der 1. Klasse gnädigerweise hölzerne Armlehnen angeboten werden… Kurz: Was ich als Konsument als unterschiedlich empfinde, muss in Wirklichkeit nicht unbedingt so sehr unterschiedlich sein. Erst wenn ich deutlich wahrnehme, dass der Preisunterschied nicht zum empfundenen Unterschied der angebotenen Produkte passt, verhalte ich mich vernünftig und gebe mein Abo 1.Klasse zurück.
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Warum wird der Kaffee pro Pfund viel billiger angeboten als
vor ein paar Jahren? Unser Lehrer sagt die Differenzen sind
groß im Bezug vor 10 Jahren oder so
Wobei der vor 10 Jahren auch schon am Boden war.
Bei Kaffee ists ja übrigens so, dass das fragliche Gut gar nicht mal so homogen ist: Es gibt zwei hauptsächliche Varietäten der Pflanze, Arabica und Robusta. Die äthiopische Urform Arabica ist ein Sensibelchen, und die Orte, an denen er freiwillig wächst, sind bereits seit langer Zeit ausgereizt.
Als (relativ) ertragreiches „Cash Crop“ wurde - hier verrate ich mehr, weil das nicht ohne weiteres Schulstoff sein kann - im Verlauf der letzten 30 Jahre die Kultur von Robusta-Kaffee überall gepusht, wo den u.a. deutschen Entwicklungs"profis" nix Besseres einfiel.
Und das in einer Situation, wo schon zu Zeiten noch funktionierender Kaffee-Boards z.B. in den 1960er Jahren in Brasilien Dampflokomotiven zeitweise mit Kaffeebohnen gefeuert wurden, um die gigantischen aus dem Markt genommenen Mengen irgendwie nutzen zu können und los zu werden.
Kann es sein das zuviel Kaffee auf dem Markt vorhanden ist?
Vietnam, Java, einige afrikanischen Länder sind relativ neu auf einen vorher bereits gesättigten Markt gestoßen.
Einzelheiten - etwa den sehr geringen Einfluss des Rohkaffeepreises auf die Endverbraucherpreise und vor allem die sehr geringe Abhängigkeit der nachgefragten Menge vom Preis (Wie viel mehr Kaffee trink ich denn, wenn er billiger ist? - Nachfrageelastizität), auf der anderen Seite die Tatsache, dass eine Kaffeeplantage im Gegensatz z.B. zu Weizen nicht in einem Jahr angelegt wird und im nächsten Jahr in Ertrag steht (Angebotselastizität) setz ich jetzt nicht voraus - ich finde, hier geht der Lehrer über sein Ziel hinaus. Unser VWL-Prof hat im ersten Semester maximal die Eierstände auf dem Göttinger Wochenmarkt als Praxisbeispiel („introducing Adam Smith“) angeführt, und die funktionieren sehr viel einfacher als der Weltkaffeemarkt.
Dann würde das ja nicht mehr zutreffen…
Eine Frage der Menge. Auch hier wieder das Stichwort „Elastizität des Angebots“ und „Elastizität der Nachfrage“.
Anders könnte ich es mir nur so erklären,dass im Laufe der
Zeit die Maschinen zum Anbau von Kaffee verbessert worden
sind—>Maschineller Fortschritt.
Technischen Fortschritt hats hier schon in den letzten 20 Jahren auch noch gegeben, aber nicht in nennenswertem Umfang. Aber was es in den meisten kaffeebauenden Ländern gibt, sind immer mehr Leute, die von irgendwas leben wollen oder müssen, gleichzeitig ein immer enger werdendes Feld, auf dem sie ihre Arbeitskraft überhaupt noch irgendwie verwertet kriegen. Meine Schwägerin stammt aus einer Familie von Kaffeebauern aus der Dominikanischen Republik - dort wird der (wegen der lokalen klimatischen und Bodenbedingungen eigentlich hervorragende) Kaffee bloß noch von ein paar alten Leuten aus Tradition gebaut. Putzen gehen oder Prostitution in den Strandhotels ist interessanter.
Wieder zurück zu den Stichworten „homogenes Gut“ und „Preisdifferenzierung“:
Ich weiß jetzt nicht, wo Du herkommst - wenn aus dem Südwesten, sagt Dir der Name Mohrbacher vielleicht etwas. Das ist eine winzige Rösterei in Ludwigshafen, von der Altkanzler Kohl seinen Kaffee während seiner ganzen Bonner und Berliner Zeit bezogen hat. Da mag man keinen Zucker mehr und eher selten mal Milch oder Sahne im Kaffee, das würde alles bloß stören. Eine Nase voll von dem Aroma, und Du stehst wieder auf… - Im Kontrast dazu, stell Dir mal die „Vanille-±Green Pepper-Macchiato“-Grauslichkeiten von St***bucks und so vor: Da kann man doch grad reinrühren, was man will, die zugesetzten Aromen und die Hitze machens aus. Merkste was: Robustapampe als endkrasse Spezialität vermarkten geht auch, wenn man einen Dollen findet, ders bezahlt. Hier wird durch eine kluge Taktik der verarbeitenden Industrie, verbunden mit der Dummheit der Verbraucher (>> Markttransparenz), Kaffee überhaupt erst zum homogenen Gut (vgl. Benzin), so dass alles, was auf dem Erzeugermarkt passiert, ausschließlich über den Preis stattfinden kann: Wer die fünf Cent billiger anbietet, kriegt den Kontrakt, fast egal was er für ein Zeug liefert. Und sein Mitbewerber kann nichts anderes tun, als eben auch noch einen Cent rauszuquälen: Die Läden, wo am Kaffee „Tres Marias“ oder „Maragogype“ oder „Jamaica Blue Mountain“ oder sowas dransteht, kann man schnell zählen: Es ist alles eins, >> homogenes Gut.
Das ist jetzt viel weniger strukturiert geworden, als ich mirs zurechtgelegt hatte - wahrscheinlich aber nicht wegen Blödheit meinerseits, sondern weil das Kaffee-Kapitel wirklich einigermaßen facettenreich ist. Und letztlich findet Markt auch bloß auf Wandtafeln und Flipcharts in so einem schönen klaren Kreuz zwischen Ordinate und Abszisse statt, in RL hat er paar Dimensionen mehr. Wenns Dir wirr vorkommt - einfach vergessen, vielleicht sind ja ein paar Anstöße dabei.
Schöne Grüße
MM