Kalkulationszins bei Kapitalwertmethode?

Hallo liebe Experten,

übe gerade fleißig für eine Investitionsrechnungs-Klausur, eine Sache verstehe ich leider noch nicht ganz.

Was ist ausschlaggebend für die Festlegung des Kalkulationszinsfußes bei der Kapitalwertmethode?
Handelt es sich dabei um die gewünschte Mindestverzinsung des Unternehmers?
Oder ist das der Zins, den ich bei der Bank bekommen würde, wenn ich mein Eigenkapital anlege statt es zu investieren bzw. der Zins für die Aufnahme von Fremdkapital. Es heißt ja Sollzinsen = Habenzinsen.

Im meinem Lehrbuch steht:
„Der Zinssatz ist die gewünschte Mindestverzinsung des Investors und entspricht dem Zinssatz, zu dem der Investor Kapital beschaffen kann“

Ja was denn nun? Dieser Satz scheint sich doch irgendwie zu widersprechen!

Würde mich sehr freuen, wenn ihr mich aufklären könntet was hier nun richtig und was falsch ist.

Danke schon mal im Vorraus.

VG
Antje

Auch hallo.

Was ist ausschlaggebend für die Festlegung des
Kalkulationszinsfußes bei der Kapitalwertmethode?

Können diese beiden Skripte evtl. weiterhelfen: http://www.zingel.de/pdf/04kart.pdf & http://www.zingel.de/pdf/01frml.pdf ?

Im meinem Lehrbuch steht:
„Der Zinssatz ist die gewünschte Mindestverzinsung des
Investors und entspricht dem Zinssatz, zu dem der Investor
Kapital beschaffen kann“

Ja was denn nun? Dieser Satz scheint sich doch irgendwie zu
widersprechen!

Wenn man zwischen zwei alternativen Geldanlagen wählen kann, wird man sich wohl für die ertragreichere entscheiden, oder ? :wink:

HTH
mfg M.L.

Ja was denn nun? Dieser Satz scheint sich doch irgendwie zu
widersprechen!

Wenn man zwischen zwei alternativen Geldanlagen wählen kann,
wird man sich wohl für die ertragreichere entscheiden, oder ?
:wink:

Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß Du von BWL nun wahrlich keine Ahnung hast, dann wäre dieser hiermit erbracht.

C.

Naja,

war ja klar, dass DU keinen Gegembeweis erbringst.
Schliesslich fällt das auch in die Kategorie Finaznmathematik.

Guten morgen,

Was ist ausschlaggebend für die Festlegung des
Kalkulationszinsfußes bei der Kapitalwertmethode?

vor etlichen Jahren saß ich mal in einem Seminar mit einem gewissen Herrn B., der seinerzeit ein MDAX-Unternehmen leitete und uns erzählte, wie er die Rentabilität von Akquisitionen untersuchte. Dabei ging es um 5 Jahres-Pläne, um Prüfungen undundund. Irgendwann meldete sich ein vorwitziger Student, der fragte, wie denn der weise Herr B. auf den Diskontierungszinssatz für die vielen tollen EBITs kam. Die Antwort lautete sinngemäß, daß er den Zinssatz für Bundesobligationen nähme und drei Porzent draufschlagen würde.

Wir haben dann anschließend versucht ihm zu erklären, daß seine ganze Planerei für den Eimer ist, solange der Zinssatz willkürlich derart gewählt wird.

Will sagen: Mit dem Kalkulationszinsfuß steht und fällt die ganze Rechnerei und der Zinssatz ist eigentlich nicht zu ermitteln. Das ist die Praxis.

In der Theorie werden diverse Ansätze unterschieden. Die gebräuchlichsten sind die finanzierungsorientierte und der opportunitätsorientierte. Der erstere berücksichtigt die Art der Finanzierung und ermittelt (u.U. gewichtet) über Fremd- und Eigenkapitalkosten die erforderliche Verzinsung des aufgenommenen Kapitals und verlangt dann für die Investition (logischerweise) mindestens den gleichen Zinssatz.

Der opportunitätsorientierte Ansatz berücksichtigt die zur Verfügung stehenden alternativen und risikogleichen Anlagemöglichkeiten, d.h. es wird geprüft, was sich denn für das aufgenommene Kapital anderweitig für Verzinsungen erreichen lassen und verlangt von der Investition (logischerweise) mindestens den gleichen Zinssatz. Diesen Ansatz halte ich für den eigentlich richtigen, aber dennoch nicht umsetzbaren, denn die Berechnung des Risikos fällt in den Bereich der Kaffeesatzleserei.

Verwandt mit dem opportunitätsorientierten Ansatz ist das CAPM, mit dem versucht wird, den richtigen Zinssatz über den Kapitalmarkt zu berechnen. Der Umstand, daß dort gerechnet wird, verlagert den Fehler allerdings nur.

Es heißt ja
Sollzinsen = Habenzinsen.

[…]

Im meinem Lehrbuch steht:
„Der Zinssatz ist die gewünschte Mindestverzinsung des
Investors und entspricht dem Zinssatz, zu dem der Investor
Kapital beschaffen kann“

Ja was denn nun? Dieser Satz scheint sich doch irgendwie zu
widersprechen!

Nein, er paßt zur vorstehenden Gleichung und ergibt sich aus dem theoretischen Konstukt des vollkommenen Kapitalmarktes. Aus Sicht des Kreditgebers ist das Risiko der Kreditvergabe mit dem Risiko der Investition identisch, so daß er dem Investierenden das Geld zum gleichen Zinssatz leiht, wie der als Rendite für die Investition veranschlagt.

Der Ansatz des vollkommenen Kapitalmarktes vernachlässigt allerdings so unwesentliche Kleinigkeiten wie Kostendeckungs- bzw. Gewinnstreben des Kreditgebers, Informationsdefizite und Mißtrauen des Kreditgebers. In der Praxis ist der vollkommene Kapitalmarkt daher eher selten anzutreffen.

Gruß,
Christian

war ja klar, dass DU keinen Gegembeweis erbringst.

Wie du jetzt sehen kannst, findet sich wundersamerweise eine weitere Antwort von mir im Brett. Daß das ein bißchen gedauert hat, liegt daran, daß ich meine Antworten nicht aus bereits vorhandenen und mal schnell ergoogleten Links, die mit der Frage bestenfalls peripher zu tun haben, zusammenstückle.

Schliesslich fällt das auch in die Kategorie Finaznmathematik.

Nein, das fällt in die Rubrik Investitions- und Kapitalmarkttheorie. „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ sagte man früher, heute sagt man http://home.arcor.de/berger.chris/fresse.mp3

C.

Hallo Christian,

erstmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Habe gestern Abend noch ein Weilchen darüber gegrübelt, und bin letztendlich dann doch noch selbst auf diesen deinen Ansatz gekommen:

In der Theorie werden diverse Ansätze unterschieden. Die
gebräuchlichsten sind die finanzierungsorientierte und der
opportunitätsorientierte. Der erstere berücksichtigt die Art
der Finanzierung und ermittelt (u.U. gewichtet) über Fremd-
und Eigenkapitalkosten die erforderliche Verzinsung des
aufgenommenen Kapitals und verlangt dann für die Investition
(logischerweise) mindestens den gleichen Zinssatz.

Aber trotzdem schön, die Richtigkeit nochmal von dir bestätigt zu bekommen :smile:

Danke :smile:

VG
Antje