Kalorien und die liebe Energiebilanz

Hallo,

nach vielen verschiedenen Seiten im Web bin ich leider immer noch nicht schlauer…

Was ich inzwischen kapiert habe:

  • wenn ich abnehmen will, muss ich weniger Kalorien zu mir nehmen, als ich verbrauche
  • wenn ich zu wenige Kalorien zu mir nehme, schaltet mein Körper aus Angst vor Hungersnot auf Sparflamme und ich nehme nicht ab

Bei verschiedenen Energie-Rechnern, die ich online gefunden habe, schwankt alleine schon der Grundumsatz stellenweise um 1000 Kalorien. Ebenso der Gesamtbedarf an Kalorien.

Auf manchen Seiten liest man, dass man 7000 Kalorien die Woche einsparen muss, um 1 kg abzunehmen. Auf anderen Seiten ist von 500 Kalorien die Woche die Rede - mehr wäre ungesund.

Wie sieht das denn nun genau aus?

Angenommen, ich habe einen Gesamtbedarf von 3000 Kalorien (bei leichter Tätigkeit). Ab wieviel Kalorien täglich schaltet mein Körper auf die „gefährliche“ Sparflamme?

Und wo kriege ich nun einen wirklich brauchbaren Wert her, wie hoch mein Grundumsatz oder Gesamtbedarf ist? Ein Rechner sagt, ich habe 2000 Kcal Grundumsatz, ein anderer behauptet, das wäre der Gesamtbedarf. Da soll nochmal einer durchblicken, wieviele Kalorien ich nun wirklich zu mir nehmen sollte, um abzunehmen… *seufz*

Vielleicht weiß ja jemand von euch mehr, was mir hilft!

Viele Grüße
Merlinchen

Hai, Merlinchen,

Du sammelst gerade Erfahrung mit dem Problem der Durchschnitte.
Z.B. Grundumsatz: da gibt es Extreme, wie mich (ich fall aus dem Bett und bin schon an meinem Arbeitsplatz, verbringe den Tag auf einem Stuhl sitzend und mein Metabolismus ist, dank nicht freiwilliger Hungerkuren in der Jugend, auf Bunker-Mentalität eingestellt) und meinen Schwager (gelernter Schmied und Steinsetzer, sportbegeistert, ständig im Schwarzwald mit 'nem Fahrrad unterwegs). Mit dem, was ich an einem Paddelwochenende insgesamt verbrauche, kann der nicht mal seinen Grundumsatz für einen Tag decken.

Du kannst Dich im Prinzip nur auf die Signale Deines eigenen Körpers zurückziehen; z.B. ist Hunger-haben ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, daß Du zu wenig Kalorien zu Dir nimmst - wenn Du plötzlich Kopfschmerzen bekommst und/oder zittrig wirst, hat Dein Alabasterleib schon richtig Probleme und die Wahrscheinlichkeit, daß er auf’s Bunkern umschaltet, ist hoch.

Was bleibt? Ausprobieren. Du musst für Dich persönlich rausbekommen, wieviel Nahrung Du brauchst, um klarzukommen. Also zunächst die Kalorien nur leicht reduzieren (und Verbrauch erhöhen) und schauen, was passiert.

Noch ein Tip: prüfe nicht über’s Gewicht. Wenn Du Muskelmasse aufbaust (die dann auch im Ruhezustand feste verbrennt), dann kann es sein, daß Dein Gewicht zunächst sogar höher wird… Such Dir lieber 'ne Hose, die Du gerade nur knirsch zukriegst - und die benutzt Du dann als Prüfmittel.

Gruß
Sibylle

Hallo Merlinchen,

nach vielen verschiedenen Seiten im Web bin ich leider immer
noch nicht schlauer…

nicht so viel lesen :wink:

Was ich inzwischen kapiert habe:

  • wenn ich abnehmen will, muss ich weniger Kalorien zu mir
    nehmen, als ich verbrauche

Richtig!

  • wenn ich zu wenige Kalorien zu mir nehme, schaltet mein
    Körper aus Angst vor Hungersnot auf Sparflamme und ich nehme
    nicht ab

Richtig!

Bei verschiedenen Energie-Rechnern, die ich online gefunden

Stop!
Was du oben geschrieben hast ist genau richtig. Die Konsequenz daraus ist, dass du den Output steigern musst, also bewegen, bewegen, bewegen. Wenn du das unterlässt, wirst du immer wieder Gefahr laufen, dass dein Körper auf Sparflamme schaltet.

Wie sieht das denn nun genau aus?

Die zugeführten Kalorien nur maßvoll reduzieren. Dabei auf „unregelmäßige“ Kalorienzufuhr achten (also mal mehr mal weniger essen), damit der Körper nicht frühzeitig auf Sparflamme schaltet. Und dann einen Sport suchen, der dir Spaß macht und (statt rechnen und lesen) einfach anfangen mit bewegen, bewegen, bewegen …

Und auch den Tipp von Sibylle beachten: Schmeiß für die nächsten Monate die Waage zum Fenster raus (das ständige Wiegen belastet nur die Birne). Ob deine Figur sich verändert, merkst du in erster Linie an den Klamotten.

Viel Spaß beim Sport und viel Erfolg beim Abnehmen wünscht dir
Roland

Hallo Merlinchen,

Sibylle und mein Vorschreiber haben ganz recht: Es gibt Durchschnittswerte, die du dir nicht aufzwingen solltest. Das führt nur zu Frust.

Lieber langsam rantasten an die Sache - und keine radikalen Schnitte - dann kommt es in deinem Körper auch nicht zu dem berühmt-berüchtigten Hungersnot-Jojo-Effekt.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: Lies nicht so viel über den ganzen Kram, sondern probiere mit Lust viele neue Rezepte aus, koche viel selbst, genieße das Essen - gerne auch WeightWatchers Rezepte oder Low Fat-Sachen, dann lernst du von allein, was gut tut und dir schmeckt!

Zähl dabei keine Kalorien und Fettaugen und lass nach und nach deinen Körper, deine Geschmacksnerven und deinen Instinkt über dein Essen und die Lust am Essen entscheiden. Nimm dir nicht zu hohe, harte Ziele vor (sprich 4 Kilo in 4 Wochen), die dich nachher frusten.

Aus meiner Erfahrung ist es erstmal wichtig, den Genuss am Essen wiederzufinden, dann kommt das andere von alleine. Das gilt jetzt eher für Frauen, die sehr diäterfahren und gebeutelt sind und eher mehr abnehmen müssen. Wenn man nur 5 Kilo einmalig abnehmen muss, ist das was anderes, als wenn man 20 oder gar 30 Kilo vor sich hat. Der „Berg“ ist einfach höher - und ständig über MOnate und eventuell 2,3 Jahre essenslustfeindliches Zählen von irgendwelchen Punkten, Fettaugen oder Kalorien hat zumindest bei mir eher die Motivation gekillt. Erst seit ich das locker angegangen bin, flutschte es:smile:).

Grüßlis + viel Erfolg,

barbara

hallo merlinchen,

mir ist bewusst, dass ein menschl. organismus keine maschine ist, aber gewisse rahmenbedingungen herrschen auch da; daher halte ich das:

  • wenn ich zu wenige Kalorien zu mir nehme, schaltet mein
    Körper aus Angst vor Hungersnot auf Sparflamme und ich nehme
    nicht ab

für falsch, nicht richtig etc… auch wenn es immer wieder so einfach behauptet wird. wie soll dein körper zur aufrechterhaltung seiner betriebstemperatur, den versch. bewegungen auf einmal weniger energie verbrauchen, bzw. bei ‚guter ernährung‘ mehr?

meine erklärung für den jojo effekt (neben den div. psychologischen erklärungen): wenn du abnimmst, nimmst du muskel/fett zu gleichen anteilen ab (angeblich, such bitte im netz, bzw. ich fand dazu was unter http://www.fitness.com), wenn du zunimmst nimmst du aber mehrheitlich fett zu (meist fast 100%). der muskelanteil deines körpergewichts ist aber wesentlicherer beitrag zu deinem grundumsatz als der fettanteil. daher ist der beim, auch nach nur gringfügiger wieder-zunahme deines körpergewichts, geringer als zuvor bei gleichem gewicht.

ausschliessen kan man aber wohl nicht, dass die 100ste diät nicht doch auch dauernde auswirkungen auf deinen metabolismus hat.

Bei verschiedenen Energie-Rechnern, die ich online gefunden
habe, schwankt alleine schon der Grundumsatz stellenweise um
1000 Kalorien. Ebenso der Gesamtbedarf an Kalorien.

liess mal bei wikipedia dein eintrag zu kalorien.

menschen sind keine kaloriemeter. damit werden aber die kalorienangaben auf den nahrungsmitteln, bzw. in den div. büchern ermittelt. kaloriemeter heisst, das entsprechende nahrungsmittel wird in einem gefäss verbrannt und die entstehende wärmeenergie wird gemessen. inwiefern ist dir, mir, uns allen bekannt, was das mit den vorgängen des nahrungsmittel-abbaus in unserem körper zu tun hat?

Auf manchen Seiten liest man, dass man 7000 Kalorien die Woche
einsparen muss, um 1 kg abzunehmen.

so weit ich weiss, stimmt das - rein wissenschaftlich entspricht dies der menge, die in 1kg fett enthalten ist (aber auch das wurde mit einem kaloriemeter gemessen!)

ob das medizinisch sinnvoll ist - keine ahnung, angeblich leben zu ca. 20% unterernährte lebewesen länger, bei mäusen kann das bis 50% ihrer lebenszeit sein (gab da mal einen artikel in geo).

Und wo kriege ich nun einen wirklich brauchbaren Wert her, wie
hoch mein Grundumsatz oder Gesamtbedarf ist?

schliess dich einen tag lang an eine gasmaske an und bewege dich nicht mehr :wink: dann misst du über die gasmaske, wieviel sauerstoff du ein- und wieviel du ausatmest. die differenz lässt sich dann in den gesamt-grundumsatz-pro-tag umrechnen.

…natürlich kann man auch etwas mehr spekulieren, und aus den geschlechts- und alterspez. statistsichen mittelwerten (!) der, beim grundumsatz als relevant erachteten grössen (zb. fett / muskelanteil (s.o)) einen grundumsatz angeben. die unterschiede die du gelesen hast kommen vermutlich von den unterschieden in den zugrundegelegten statistiken und bei anderen annahmen.

alles grund genug, die kalorientabllen wegzuwerfen, nachdem man sich einige grundtrends gemerkt hat (fett/eiweiss/kohlehydrat-kalorien, obst & grün = gut, sahnetorte = schlecht - aber welche bedeutung hat schon ‚gut‘ und ‚schlecht‘? :wink: und dann den natürlichen bewegungsdrang durch unnatürliche massnahmen wie sport wecken.

im wissen mehr fragen aufgeworfen als beantwortet zu haben und in der hoffnung, dass sich irgendwann der trend zum eigenen denken durchsetzen mag*,

stefan

*angesichts der unmenge an nahrungsmittel- und diätindustrie, medienaussagen, büchern und etc. finde ich das meist sehr schwer…