Das ist der Stand meines Wissens. Ob es in dieser Hinsicht
etwas Neues gegeben hat, weiss ich nicht.
Derartige Experimente werden auch heute noch durchgeführt und wie damals liefern sie wiedersprüchliche Ergebnisse. In manchen Experimenten kommt es zu den beschriebenen Wärmeeffekten und sogar zur Bildung von Helium und schnellen Neutronen, wie sie für die Kernfusion typisch sind und in anderen Fällen passiert nichts. Sehr seltenen kommt es allerdings auch zu Explosionen, bei denen plötzlich so große Energiemengen freiwerden, daß die gesamte Versuchsanordnung zerstört wird.
Eine solche explosive Energiefreisetzung dürfte es gewesen sein, die Fleischmann seinerzeit bewog seine Entdeckung voreilig als Lösung des Energieproblems zu verkaufen. Was er nicht ahnte war, daß es extrem schwierig ist, diesen Effekt zu reproduzieren. Als also andere Experimentatoren versuchten seine Experimente zu wiederholen, passierte nichts, was unweigerlich dazu führte, daß der Effekt als nicht existent und Fleischmann als Schwindler hingestellt wurde.
Allerdings ist auch denjenigen, die Fleischmanns Hypothese als grundweg falsch deklarierten ein Irrtum unterlaufen. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Kernphysiker, die infolge ihrer Betriebsblindheit die Möglichkeit ausgeschlossen haben, daß der Effekt beispielsweise auch von chemischen Eigenschaften des verwendeten Palladiums beeinflußt werden könnte. Da in Atommeilern und Fusionsreaktoren derartige Parameter keine Rolle spielen wurde wie selbstverständlich vorausgesetzt, daß das auch in diesem Fall so sein müsse. Folglich hat man einfach das nächstbeste Stück Palladium in ein Wasserglas gehängt, Strom angelegt und nichts beobachtet. In Versuchen, bei denen die von Fleischmann beschriebenen Bedingungen bis hin zur aufwendigen chemischen Vorbehandlung des Palladiums peinlich genau eingehalten werden, zeigen sich aber immer wieder die von ihm beschriebenen Erscheinungen (manchmal aber leider auch nicht).
Momentan sieht es so aus, als ob der Effekt zwar existiert, aber (mit Ausnahme weniger nicht reproduzierbarer Einzelfälle) so wenig Energie liefert, daß er technisch nicht nutzbar ist. Es gibt sogar Hinweise darauf, daß die Fusion im Becherglas nur ein Beispiel für eine ganze Gruppe von Effekten ist, die man unter dem Begriff Chemical Assisted Nuclear Reactions zusammenfaßt und die durch Kernreaktionen gekennzeichnet sind, welche als Begleiterscheinungen chemischer Reaktionen auftreten und für die es mittlerweile auch theoretische Erklärungen gibt.
Ein besonders exotischer Fall ist die Entstehung von Gold bei der Zündung eines Gemisches vom Kalomel und Schwarzpulver. Auch wenn dabei offenbar nur wenige Quecksilberatome in Gold und Platin umgwandelt werden, sind vermutlich Heerschaaren von Alchimisten mit ihren Versuchen zur Goldherstellung erfolgreich gewesen, ohne es zu wissen.