Kamin im Dielenhaus?

Hallo in die Runde,

etwas spezielle Frage vielleicht: Inwieweit gab es im 14ten Jhd. im Dielenhaus einen Kamin?

Und wie sahen generell, falls vorhanden, in Bürgerhäusern zu diesen Zeiten Kamine aus? Ich habe zwar im Archiv schon was gefunden - Rechteckiger Rauchfang -, aber das war doch sehr spärlich und bezog sich wohl eher auf das frühe MA.

Beim „ausgoogeln“ kommt nicht so richtig war rum… Oder ich bin blind.

Beste Grüsse,
MDEREK

Hallo MDEREK,

hier

http://www.museumsdorf.de/dorf/rundgang/objekte/hof_…

hab ich gefunden, dass im niederdeutschen Hallenhaus generell Kamine erst im 19. Jahrhundert nachgewiesen sind. Mit Ausnahme der ostfriesischen Bauformen, wo sie bereits im 16. Jahrhundert auftreten.

Der von unten her eher unkontrolliert empordringende Rauch trug zur Konservierung von Reet- und Strohdächern bei.

Frühere Kamine sind immer in einer Wand ein- bzw. an diese angebaut, vgl. spätmittelalterliche Herrenhäuser. Diese „feudale“ Bauform z.B. im französischen Bürgerhaus noch weit ins 19. Jahrhundert erhalten. Im Dachstuhl mehr oder weniger frei stehende Kamine eine ziemlich moderne Angelegenheit.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin,

vielen Dank für deine prompte Antwort. Ich habe mir den Link angesehen. Sehr interessant, aber leider bezieht er sich eher auf Bauernhäuser.
Was ich suche, ist viel mehr: Ob es einen Kamin Ende des 14ten Jhd. in Kaufmannshäusern (Dielenhäuser) der Backsteingotik gab. Und wenn ja, wie diese dann wohl aussahen.
Vielleicht habe ich mich gestern auch nicht konkret genug ausgedrückt. Es geht um städtische Häuser gutbetuchter Bürger. Wie sah der Kamin dort über der Feuerstelle aus… Oder vielmehr: War die Feuerstelle in der Küche schon eine Art Kamin?

Der von unten her eher unkontrolliert empordringende Rauch
trug zur Konservierung von Reet- und Strohdächern bei.

Dies galt wohl auch im Kaufmannshaus, wo der Rauch im Dach auch die gelagerten Waren konservierte. Ich finde jedoch des öfteren Zeichnungen, auf denen ein Kamin gemalt ist, der von der Kochstelle mindestens in den ersten Stock reicht.
Frage ist nur, ob dies schon ab dem 14ten Jhd. galt?

Frühere Kamine sind immer in einer Wand ein- bzw. an diese
angebaut, vgl. spätmittelalterliche Herrenhäuser. Diese
„feudale“ Bauform z.B. im französischen Bürgerhaus noch weit
ins 19. Jahrhundert erhalten. Im Dachstuhl mehr oder weniger
frei stehende Kamine eine ziemlich moderne Angelegenheit.

Soll das heissen, dass diese Art von Kaminen im Dachboden endeten, bzw. Außen nur bis zum Dachansatz gingen?

Beste Grüsse,
mderek

Hallo !

Aus " Deutsche Hausaltertümer". Bis zum 16. Jahrhundert. Von Moritz Heyne.

Für das 8.Jahrhundert :

Auf dem durch geschlagenen und geglätteten Lehm hergestellten Hausähren brennt ohne weitere Vorrichtung das Feuer. Die Scheite liegen selbst noch nicht auf dem Feuerbock.

Fortschritte in dieser Beziehung ergeben die Ausbildung der Häuser durch den Geschoss- und den Steinbau.
Sobald der offene Dachstuhl der Dielendecke weicht, kann die alte Feuerstatt in der Mitte eines Raumes nicht mehr bleiben. Sie rückt an die Wand und damit ist seine Änderung gegeben.

Schon wenn der Einraum des alten Hauses durch Absperrungen sich umgestaltet, muss, sofern diese Absperrungen durchwärmt sein sollen, für eine andere Heizanlage gesorgt werden.

Nach römischem Vorbild legt man den steinernen Kamin in den Steinhäusern an. Wo das hölzerne Haus bleibt, gibt es eine Einrichtung, die nichts mehr mit der römischen zu tun hat und für die der deutsche name Ofen übertragen wird. Dieses Gerät war in der altgermanischen Zeit nur zu technischen Zwecken, für das Schmelzen und Glühen von Metallen und das Brennen irdener Gefässe, dann später zum Backen des Brotes in Gebrauch. Ein von Steinen und Lehm errichtetes kleines rundes Bauwerk, das den Herd zum Zusammenhalten der Hitze leichsam einrahmte, unten mit weitem Feuerloch, oben mit Rauchabzug versehen.
Lange wird namentlich der Ofen ein unelegantes Stück gewesen sein, dessen man sich nur aus Not bediente.
Um den durch das Rauchloch entweichenden Rauch ganz vom gemache auszuschliessen, dient ein über dem Ofen angebrachter dachförmiger Mantel, gleich dem späteren Herdmantel, der in eine durch die Wand geleitete Öffnung ausläuft.
Der besagte Bauteil ist in hölzernen Häusern natürlich auch von Holz oder Flechtwerk mit Lehm. Solche Schlote sind nicht nur noch im 15. Jahrhundert genannt, sondern müssen selbst noch zu Anfang des 18. wegen ihrer Feuergefährlichkeit verboten werden.

In Steinhäusern aber setzt der Rauchfang der nach römischem Vorbild an der inneren Umfassung angebrachten offenen Heizanlage auf Kragsteinen auf, und wird von Stein in der Mauer emporgeschleift. Der Name für solchen Kragstein ist Scorenstein gehörig. Er wird alsbald auf die ganze Anlage übertragen.

Anlagen für den Rauchabzug werden in besseren Häusern wohl überall angebracht worden sein, denn ein Sprichwort des 11. Jahrhunderts findet als die drei schlimmsten Schäden eines Hauses „undichtes Dach, böse Frau, Hausrauch“.
Der normale Kleinbürger hat den Letzteren wohl so übel nicht empfunden. Er überläßt, wie früher und zu viel späteren Zeiten auch noch, dem Rauche beliebigen Abzug aus dem Haus.

mfgConrad