die heftige debatte um die kampfhunde hat m.e. ein generelles problem der dt. innenpolitik offengelegt, nämlich das austarieren der freiheit des einzelnen und der freiheit der anderen. seit den 70er jahren hat die politik immer größeren wert auf die größtmögliche freiheit des einzelnen gelegt und darüber die freiheit der anderen vernachlässigt.
beispiel 1: sexualmörder. der verurteilte sexualmörder hat ein interesse daran, nach verbüssung seiner strafe wieder in freiheit leben zu dürfen. die allgemeinheit hat ein interesse daran, dass er keine weiteren sexualmorde begeht. seit den 70er jahren wurde der schwerpunkt immer mehr auf resozialisierung, sog. liberalisierung & entkriminalisierung gelegt; die strafen wurden gesenkt, die voraussetzungen der sicherungsverwahrung extrem verschärft, bei der prognose über weitere straftaten wurde generell erst mal zugunsten des täters gedacht.
neuere untersuchungen zeigen nun, dass bis zu rd. 70% aller sexualmörder rückfällig werden, und zwar egal ob sie therapiert wurden oder nicht (die allermeisten werden nicht therapiert). wenn man dazu bedenkt, das in die rückfallquote nur die entdeckten neuen taten eingehen ist das ein reines fiasko der dt. strafrechtspolitik. dazu kommt, dass das mit der therapie ganz offensichtlich eine komplizierte sache ist, denn der sexualmörder ist im gegensatz zum „gewöhnlichen“ kriminellen kein sozial randständiger halb-idiot, sondern eher der leicht spießige nachbar von nebenan mit audi, hund und kegelclub-mitgliedschaft; und nicht selten so gebildet, dass er den psychologen leicht was vorlügen kann.
seit einigen spektakulären sexualmorden an kindern in den letzten jahren und seit die dna-analyse die katastrophalen rückfall-quoten schonungslos ans licht bringt hat nun ein umdenken eingesetzt. die voraussetzungen der sicherungsverwahrung, die mehr oder weniger der einzige schutz der allgemeinheit ist, sind gelockert worden und bei der prognose geht man nicht mehr blau-äugig von stets erfolgreich resozialisierten täter aus. die klagen gegen irrende gutachter, die leider im ergebnis alle erfolglos waren (was merkwürdig ist: wenn der klempner die bude unter wasser setzt, haftet er - wenn der psycho-doc den fünffach einschlägig vorbestraften kindermörder laufen läßt und der prompt wieder ein kind missbraucht und tötet, haftet weder der psycho-doc noch der staat!!!), dürften die begeisterung der branche über ihre fähigkeiten etwas eingebremst haben.
beispiel 2: kampfhunde. seit jahren berichten die medien über arme irre von mitbürgern, die unbedingt in oer-erkenschwick im 5. stock warane, giftspinnen oder krokodile halten müssen. die rechtsprechung hat dazu die befugnisse des eigentümers von mietswohnungen bei der frage, ob (auch grosse) hunde gehalten werden dürfen, immer weiter eingeschränkt - letztlich zum nachteil der anderen mieter! da in deutschland zum bedauern von dealern, zuhältern und anderen asozialen der besitz von waffen verboten ist, haben diese sich auf kampfhunde verlegt - mit dem ergebnis, dass immer mehr menschen, vor allem kinder und alte leute, gebissen oder gar getötet werden.
um es mal ganz klar zu sagen. wenn wir den blutzoll, den wir (also vor allem kinder) in sachen kampfhunde jede woche zahlen, im kosovo bei der kfor zahlen müssten, dann hätten wir längst eine neue „friedensbewegung“, die vor dem reichstag skandiert:
„kein blut für albaner!“, die grünen würden im bundestag als pazifisten demonstrieren und herr gysi zur blutenden truppe reisen. aber so??? es werden ja jeden tag „nur“ kinder und rentner gebissen, verstümmelt und traumatisiert.
jetzt beginnt also -wie im bereich er sexualmörder- der gegentrend: das interesse der allgemeinheit an der unversehrtheit der kinder und rentner wiegt plötzlich wieder schwerer als das interesse einiger irregeleiteter, die unbedingt in ihrer 30-qm-wohnung eine kampfmaschine halten müssen. natürlich bezeichnen sich die kampfhunde-freaks jetzt als „die juden von heute“, sehen sich als „verfolgt“ an usw.
aber pechsache: der trend der politik geht, und das trotz einer rot-grünen regierung (!!!) wieder weg vom übertriebenen individualismus, was man ja auch in sachen wirtschaftsflüchtlinge, asyl, sozialhilfe etc etc etc sehen kann.
ich begrüsse diese trendwende der dt. innenpolitik und stelle meine überlegungen zur diskussion.
frank
Hi Frank
Ganz schöne Packung, die du da hergehaut hast
1.: Sexualstraftäter
Rückfällige Sexualstraftäter, insbes. Mörder, sind in Sicherungsverwahrung zu nehmen. Kein Einspruch. Muss natürlich auch für Vergewaltigung in der Ehe gelten.
Frage: welche Studien sind mit den „in etwa bis zu 70 %“ gemeint? (Übrigens eine unheimlich präzise Angabe)
2.: Kampfhunde
Hm. Schwierig. M. E. sollte jeder Kampfhund, der verhaltensauffällig wird, sofort eingeschläfert werden. Offenbar sind zahlreiche Besitzter derartiger Hunde nicht bereit, sich an Auflagen zu halten. Mit Auffällig ist hier nicht erst die lebendsbedrohliche Beissattacke gemeint. Das liebe Hunderl, dass keiner Seele was zuleide tun kann (har har) wird nicht auffällig.
Ansonsten: Zuchtverbot!
-
Individualismus
Na, ich weiss nicht. Die Leute sind immer noch genauso selbstsüchtig und egomanisch wie früher. Opfer verlangt man immer nur vom Anderen. Obwohl ich der festen Überzeugung bin, dass die Mehrheit einigermasen vernünftig agiert, schaut man doch immer erst auf sich selbst und dann auf den anderen. -
Asyl-Sozial-etc
Erst pusht die unglaubich objektive und bildende Boulevardpresse ein paar Fälle von Sozialmissbrauch, Asylbetrug u.s.w. hoch und schon gibt es Zoff, alle Sozialhilfeempfänger sind Parasiten, Asylanten (Muss aber Asylbewerber heissen) arbeitsscheues Gesindel etc. Rest der Handlung ist bekannt. Beruhigend war allerdings die spontane Reaktion quer durch die Bank gegen Gewalt von Rechts (Damals, der Lichterstern von München und Demos anderswo).
Gedanke am Rande
Alle, die für eine Änderung des Asylrechts eintreten, sollten mal das Grundgesetz lesen: §21 -Die Artikel 1 bis 21 dürfen in ihrem Wesensinhalt nicht angetastet werden-. Wie zur Hölle wollen die den Asylparagraphen ändern, ohne dagegen zu verstossen?
Grüsse nach Köln
Mike
P.S. Hängt deine shift-Taste?
mkl
Das Wort Kampfhunde kann ich nicht mehr hören, BILD lesen verdummt!
Gefährliche Hunde sind Rasseunabhängig ztu sehen, jeder Hund ab einer gewissen Grösse kann gefährlich werden.
Und bei einer konsequenten ANwendung reichen die heutigen Gesetze aus.
Die DEutschen bilden sich ein wenn etwas verboten wäre würde es nicht mehr passieren, aber
Rauschgift ist verboten
Rasen im Ort ist verboten
ALkohol am Steuer ist verboten
Menschen töten ist verboten
Und ???
Einwurf
Hi Roger
Das Wort Kampfhunde kann ich nicht mehr hören, BILD lesen
verdummt!
Wie wahr
…
Rauschgift ist verboten
Rasen im Ort ist verboten
ALkohol am Steuer ist verboten
Menschen töten ist verbotenUnd ???
Also:
Rauschgift legalisieren?
Alle Tempolimits aufheben?
Fahren im Vollsuff zulassen?
Mord und Totschlag als zulässiges Diskussionsmittel?
UND DANN???
(ist jetzt etwas provokativ)
Gruss
Mike
Ihr wollt oder Ihr könnt es nicht glauben…dass die sog. KAMPFHUNDE eine Minderheit darstellen und die Mehrheit als ganz normale Familienhunde gehalten werden…
Meine Güte
Ihr wollt oder Ihr könnt es nicht glauben…dass die sog.
KAMPFHUNDE eine Minderheit darstellen und die Mehrheit als
ganz normale Familienhunde gehalten werden…
hi Roger
Doch, kann ich dir schon glauben, solche Hunde werden ja auch nicht verhaltensauffällig, oder?
Thema Zuchtverbot: Es ist ja auch nicht erlaubt, eine Maschinenpistole daheim rumliegen zu haben, selbst wenn man sie nur zum Nasenbohren verwendet.
Nix für ungut
Mike
Hallo Frank!
die heftige debatte um die kampfhunde hat m.e. ein generelles
problem der dt. innenpolitik offengelegt, nämlich das
austarieren der freiheit des einzelnen und der freiheit der
anderen. seit den 70er jahren hat die politik immer größeren
wert auf die größtmögliche freiheit des einzelnen gelegt und
darüber die freiheit der anderen vernachlässigt.
Das sehe ich genauso.
Die von Dir beschriebene Trendwende hin zu mehr öffentlichem Interesse ist sicherlich zu begrüssen, denn die Diskussion über die Hunde allein hier im Forum hat gezeigt, daß ein Großteil der Leute gar nicht verstehen kann oder will, daß Kinder wichtiger sind als Hunde.
Diese Typen müssen eingebremst werden.
Ob es sich nun um einen Schäferhund oder einen wasweissichwasterrier handelt.
Sobald ein Hund auffällig wird, muß er aus dem Verkehr gezogen werden.
Desweiteren würde ich auch ein „Halteverbot“ für auffällige Herrchen/Frauchen auferlegen.
Bekanntlich kann man einen gut trainierten Kampfhund nämlich auch nachkaufen…
Es geht hier eben um das allgemeine Interesse an der Sicherheit der absoluten Mehrheit der Leute, die sich solche Hunde nicht halten. Dabei ist mir das Persönlichkeitsrecht der überwiegend asozialen Kampfhundehalter (sorry Leute, aber durch die Diskussion letzte Woche wurde ich in meiner Meinung nur noch bestärkt!) ziemlich egal.
Gruß,
Mathias