bezeichnet wird. Nun geht es diesen Jugendlichen anscheinend nicht darum, gewisse Modewörter in den eigenen Sprachschatz zu übernehmen, sondern sie verändern ihren gesamten Ausdruck derart, dass es sich so anhört, als wäre nicht Deutsch, sondern eher Türkisch die Muttersprache.
Dabei entstehen übrigens bereits sehr weitreichende Probleme. Manche deutsche Jugendliche sind kaum noch in der Lage, diese Ausdrucksweise, die sie sich selbst angewöhnt haben, auch nur zeitweilig ganz abzulegenen. Es gibt Ausbildungsbetriebe, die sich mitterlweile weigern, solche jungen Leute einzustellen.
Mich würde interessieren, welche Beweggründe die Psychologie dahinter vermutet.
Mich würde interessieren, welche Beweggründe die Psychologie
dahinter vermutet.
Hi
Ist das nicht ein typisches Rudelverhalten?
Das Türkendeutsch wurde zuerst von den jugendlichen Türken gesprochen und hat, wie alle ausländischen Akzente, einen gewissen Charme. Jugendliche die noch keine gefestigte Persönlichkeit haben, identifizieren sich leicht damit und imitieren es. Dazu kommt die Pop-Musik, die ja auch diese Ausdrucksweise verwendet. Das alles verbindet.
Die Fähigkeit des intellektuellen Dialogs ist eben in diesem Alter noch nicht vorhanden. Deshalb kommt es zu dieser vereinfachten sprachlichen Kommunikation, die natürlich wenn sie länger dauert, auch das Verhalten und Denken beeinflußt.
Zugegeben, es betrifft nur eine bestimmte soziale Schicht von Jugendlichen, die eher aus Arbeiterkreisen zu kommen scheint.
was die Psychologen dahinter vermuten kann ich dir nicht sagen, aber ich vermute dahinter folgendes: Die Jugend von heute hat es extrem schwer, sich gegen die Elterngeneration abzugrenzen. Es gibt fast nichts, was die Elterngeneration nicht auch machen würde (oder gemacht hat), sei es Sprayen, Skaten, bauchfreie T-Shrits, in Gothik-Klamotten rumlaufen, entsprechende Musik hören etc.
Ich habe aber tatsächlich noch keinen Erwachsenen gehört, der sich dieser Sprache bedienen würde. Dies scheint eines der wenigen „Refugien“ der Jugendgeneration zu sein und zudem noch eins, mit dem man viele Angehörige der Elterngeneration sicher auf die Palme bringen kann
ich kann mich mit Deiner Antwort eigentlich ganz gut anfreunden. Wir hatten kürzlich den Fall eines Gewalttäters, der dann irgendwann mal offenbarte, er würde sich, solange er sich dieses Dialektes bediente, stärker vorkommen. Diesen Eindruck hatte ich auch. Als er erstmalig vorgeführt wurde, bediente er sich ganz klar dieses Dialektes, war vorlaut und absolut überheblich. Umso mehr man ihn mit den nun möglicherweise folgenden Konsequenzen seines Handelns konfrontierte, umso kleinlauter wurde er und umso weiter verschwand auch dieser Dialekt zugunsten der klaren Muttersprache.
Mit anderen Worten: Man sah sich einem kleinen Häufchen Elend gegenüber, das - siehe da - ein anständiges Deutsch hervorbrachte.
Ich denke mithin, dass die Hintergründe der Nutzung des „Kanakisch“ wohl vielfältiger Art sind. Ein wichtiger Grund wohl aber vermutlich darin liegt, sich hinter einer Maske zu verstecken, die das eigene kleinlaute Elend zu verstecken vermag. Ob es falsch wäre, das in vielen Fällen so zu sehen?
viele, selbst deutsche Jugendliche bedienen sich heute einer
Ausdrucksform, die umgangssprachlich wohl als „Kanakisch“
zählt dieses merkwürdige Mixen zweier Sprachen eigentlich auch zu Kanakisch? Das hört man ja immer mal wieder:
„… müclü kanusch yder bis zur Haltestelle am Rathaus und dann kümüschly natiöl eiderül…“
Ich denke mithin, dass die Hintergründe der Nutzung des
„Kanakisch“ wohl vielfältiger Art sind. Ein wichtiger Grund
wohl aber vermutlich darin liegt, sich hinter einer Maske zu
verstecken, die das eigene kleinlaute Elend zu verstecken
vermag. Ob es falsch wäre, das in vielen Fällen so zu sehen?
Hallo tigger
Ich glaube man darf das so sehen, aber nicht dabei vergessen, daß der junge Mensch keine andere Waffe hat, sich in der Gruppe selbst zu behaupten. Ähnlich wie in einem Wolfsrudel, man wird nur respektiert, wenn man zurückbeißt oder gefürchtet wird. Auch Prahlerei spielt dabei eine erhebliche Rolle.
… vielleicht um diese innere Hilflosigkeit und Verletzlichkeit zu übertünchen.
Hi
ich denke das das einfach das ist was einem der 2 Sprachen nicht völlig beherrscht passiert, das zu sprechen was am schnellsten ins Hirn kommt um im Fluss zu bleiben, und wenn der Gesprächspartner es versteht, merken die es vermutlich fast gar nicht.
Ich höre aber auch dieses Gestammel bei bei einem meiner Söhne, das ist wie ne Mischung aus SMS typischen Kürzeln und weglassen aller Attribute und Bindewörter.
„Muss ich Handyladen, macht Scheissenhandy nüch mehr“
HH
ich denke das das einfach das ist was einem der 2 Sprachen
nicht völlig beherrscht
nein.
passiert, das zu sprechen was am
schnellsten ins Hirn kommt um im Fluss zu bleiben,
yes.
und wenn
der Gesprächspartner es versteht, merken die es vermutlich
fast gar nicht.
ja.
Die temptation mal schnell das Wort zu grabben,
was einem instinctively einfällt, has very little
to do damit, dass man a language beherrscht oder nicht.
Es kommt eher drauf an, ob man sich in beiden
Sprachen bewegt. Ich muss das Mischen von zwei
Sprachen consciously unterbinden - weil es eben
einfach kommt. Wenn man allerdings keinen Grund
hat, es zu unterbinden (weil man verstanden wird,
weil es einem egal ist, weil man sich dadurch abgrenzen/
interessant machen kann), dann gewöhnt man sich
sehr schnell an diese Art zu sprechen.
Ich habe aber tatsächlich noch keinen Erwachsenen
gehört, der sich dieser Sprache bedienen würde. Dies scheint
eines der wenigen „Refugien“ der Jugendgeneration zu sein und
zudem noch eins, mit dem man viele Angehörige der
Elterngeneration sicher auf die Palme bringen kann
Musst du mich hören, wenn ich cool mit mein’ Sohn rede. Isse voll krass, weisstu. Un mach Spass, weisstu. Geht voll los, echtma.
Grüss,
Branden
Die temptation mal schnell das Wort zu grabben,
was einem instinctively einfällt, has very little
to do damit, dass man a language beherrscht oder nicht.
Es kommt eher drauf an, ob man sich in beiden
Sprachen bewegt. Ich muss das Mischen von zwei
Sprachen consciously unterbinden - weil es eben
einfach kommt. Wenn man allerdings keinen Grund
hat, es zu unterbinden (weil man verstanden wird,
weil es einem egal ist, weil man sich dadurch abgrenzen/
interessant machen kann), dann gewöhnt man sich
sehr schnell an diese Art zu sprechen.
das ist auch Kanak, halt anglo-kanak.
und deine Begründung trifft genau auf sich unterhaltende Türken zu, die Deutsch nicht richtig beherrschen und Türkisch auch nur bruchstückhaft. Dass AUCH Menschen die die Sprachen uU beide beherrschen dazu greifen schliesst das Andere nicht aus.
das erinnert mich an zwei Kollegen an der Uni.
Der eine Inder, der andere Iraker.
Beide konnten recht gut Deutsch und Englisch. Wenn sie disskutierten begann es meist in Deutsch, wurde die Debatte hitziger kam Englisch dazu und wenn es hoch herging, entstand ein Kauderwelsch aus Deutsch Englisch, Irakisch/Arabisch und Hindi.
War irgendwie lustig.
Wenn der eine den anderen nun gar nicht mehr verstand, und die Gemüter sich kühlten, gings andersherum zurück.
ich bin kein Fachmann, habe das „Elend“ aber jeden Tag 2 x in der Bahn um mich herum.
In einer Jugendsendung (ich bin reingeschliddert, keine Ahnung wer, wann, wo) wurden Jugendliche deswegen mal befragt. Alle die zu Wort kamen sagten es wäre eben „cool“ so zu reden, es wäre lustig weil keiner wüßte ob sie deutsch oder „xyz“ sind, sie tun es vor allem um ihre Eltern und Erwachsene zu ärgern und sich von den „steifen Ärschen“ (also Erwachsene) abzugrenzen, denn so arrogant wie ein Erwachsener wollte man nicht sprechen. Zusatzinfo eines Befragten:„In den deutschen Rap-Songs reden die auch so.“
Was ich noch anmerken möchte, bzw. mich selbst frage woher das kommt:
Hat irgendwer schonmal bemerkt das inzwischen auch im TV und Radio Sprecher arbeiten die jedes „R“ in einem Wort vokalisieren? Also eigentlich „typisch norddeutsch“, wird aus dem Wort ArbeiteR ein „ArbeitäA“. Oder aus „Norden“, wir „Noaden“. Woher kommt das? Das höre ich ganz stark bei den jungdynamischen Sendern die nicht aus Norddeutschland kommen.
„Piepsstimmen“ auf Sendung. Vor allem „Mädchen“ (bei den Stimmen weigere ich mich anzunehmen die Stimmchen sind wirklich über 14) piepsen und plärren auf dem Äther herum und auch im TV (z.B. Lotta in Love). Die Stimmen dieser Sprecherinnen und Schauspielerinnen kommt aus dem Kopf und bleibt da auch. Angenehme Stimmen, tiefe, weibliche, einfach angenehme normale Tonlagen bzw. Stimmen die aus der Bauchatmung kommen scheinen uncool zu sein. Weiss einer woher dieser „Piepsstimmen und Plärr-Trend“ kommt?
Mich würde interessieren, welche Beweggründe die Psychologie
dahinter vermutet.
Das kann ich dir nicht sagen, aber ich verrate dir, was ich persönlich vermute
Das ist sicher eine Art Parellelphänomen zu Hip Hop in den USA. In den USA sind die Schwarzen die Underdogs par excellence. Für einen Jugendlichen haben Underdogs, und überhaupt Randgruppen, eine Anziehungskraft, weil sie darin ein Symbol der gesellschaftlichen Auflehnung vermuten. Sie projizieren ihre Wünsche nach Ausstieg aus dem Establishment auf jene, on denen sie vermuten, sie hätten es getan, u.U. freiwillig. Aus Sicht der Ausgegrenzten (der Ausdruck Kanaken entspricht Nigger) ist es natürlich anders, aber diese Gruppe nutzt diesen positiven Vorsprung zu ihrem eigenen psychologischen Gewinn, machte aus der Not eine Tugend und erschuf so die Hip Hop Kultur, mit eigener Sprache, eigener Musik, Outfits, Schmuck usw., inkl. der Verherrlichung des Lebens der Outlaws: Gewalt, Sex, Drogen und Verbrechen. Jugendliche zieht dieses stilisierte Idealbild der gesellschaftlichen Verachtung an, und grade auch weiße Jugendliche, die diese Kultur nachahmen, sich so geben wie schwarze Hiphopper, Cornrows und weite Hosen tragen, und auch so sprechen. Sie vrleugnen sich quasi selbst - ein Schritt auf dem pubertätstypischen Weg zur Findung der eigenen Identität.
Dem entspricht in Deutschland wohl der Status der Türken, ihrer Subkultur, ihrer Ausgegrenztheit und ihrer Ablehnung des (deutschen) Establishments.
Die temptation mal schnell das Wort zu grabben,
was einem instinctively einfällt, has very little
to do damit, dass man a language beherrscht oder nicht.
aber um beim Thema zu bleiben:
Diese Sprachmischungen stellt einen Spezialfall dar, der eigentlich für das oben beschriebene „Kanakisch“ NICHT typisch ist. Diesen Mischmasch sprechen nur Menschen, die türkisch können.
Die meisten Jugentlichen, die kanakisch sprechen, sind aber deutsch und können kein Wort türkisch. Ihr Akzent ist gestellt und das ist das psychologisch interessante.
ich vermute dahinter lediglich einen gewissen „Gruppendruck“ bzw. den Hang des einzelnen dazu, sich in die Gruppe der Mitschüler/Vereinskollegen zu integrieren.
Bei meinem Neffen (8) im Fußballverein ist er mittlerweile der einzige Deutsche. Auch der Trainer ist Türke.
In der Schulklasse sind die Deutschen meines Wissens ebenfalls in der Minderzahl (da sind allerdings noch ein paar andere Nationalitäten außer Türken enthalten).
Ich glaube nicht daß in den beiden Gruppen sehr erlesenes Hochdeutsch gesprochen wird. Und ich denke auch, daß sich die Minderheit eher der Mehrheit anpaßt. Daß die (deutschen) Eltern sagen, daß das nicht gut so ist, gibt dem Ganzen den „Zusatzreiz“ der Abgrenzung von den „Alten“.