Kann der Chef Ohrring verbieten?

Wenn ein Arbeitnehmer über 16 Jahre in einem Einzelhandelsunternehmen tätig ist und seit über 10 Jahren einen Ohrring trägt und dieser Ohrring jetzt plötzlich die Geschäftsführung störrt muss er diesen dann entfernen oder nicht?

Gibt es dazu Urteile, ausser dem vom Verwaltungsgericht, wegen des Polizisten?

Vielen Dank für Eure Hilfe

Wenn ein Arbeitnehmer über 16 Jahre in einem
Einzelhandelsunternehmen tätig ist und seit über 10 Jahren
einen Ohrring trägt und dieser Ohrring jetzt plötzlich die
Geschäftsführung störrt muss er diesen dann entfernen oder
nicht?

Schlicht : Nein. Der Arbeitgeber hat sogar die Verpflichtung, die freie Entfaltung der Persönlichkeit - wozu auch das äußere Erscheinungsbild gehört - zu fördern. Ein Verbot müsste also, um wirksam zu werden, sachlich begründet werden können (etwa mit Unfallgefahr oder hygienischen Problemen). Dass so ein Ring möglicherweise nicht dem Geschmack des Cheffes entspricht, spielt keine Geige.

Gruß kw

Jein
Hallo,

die gegebene Antwort ist so pauschal nicht richtig! Stichwort Dress-code. Dies kann sogar zur Kündigung führen. Es gibt einige Urteile zur der Problematik. Mal auf die schnelle dieses: Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 13 TaBV 36791)

Ein Ohrring tragender Verkäufer bei einem stockkonservativem Herrenausstatter ist durchaus diskussionswürdig.

Der Ohrring sollte aber in diesem Fall keine Rolle spielen. Wenn ich es richtig verstanden habe, arbeitet der Arbeitnehmer bereits seit Jahren mit diesem Schmuckstück in dem Laden. Hier kann der Arbeitgeber nicht nach 10 Jahren plötzlich daran Anstoß nehmen… Oder ist aus dem kleinen Stecker auf einmal ein 30-cm-Schlagring im Ohr geworden bzw. stellt das Teil irgend etwas anzügliches oder verbotenes dar?

Gruß Steffen B.

Hallo,
erst einmal vielen Dank.

Es handelt sich nicht um einen stockkonservativen Herrenausstatter sondern einen Lebensmittel Einzelhandel (A***).

Der Ohrring war immer der gleiche, ein kleiner goldener Ring.

Kann man das Urteil irgendwo nachlesen? Bei Google bekomme ich nur einen Treffer und da wird das Urteil nicht zitiert.

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Hallo

Es handelt sich nicht um einen stockkonservativen
Herrenausstatter sondern einen Lebensmittel Einzelhandel
(A***).

Dann würde ich mir ehrlich gesagt Gedanken machen. Gibt es einen bestimmten Grund, dass Du nun schikaniert wirst? Wollen die Dich evt. loswerden? In Deinem Fall dürfte es nicht verkehrt sein, der Gewerkschaft beizutreten. Könnte sein, dass Du die demnächst brauchst…

Der Ohrring war immer der gleiche, ein kleiner goldener Ring.

In dem Fall (und wegen des o.g. Beschäftigungsfeldes) kommen die damit auf gar keinen Fall durch.

Kann man das Urteil irgendwo nachlesen? Bei Google bekomme ich
nur einen Treffer und da wird das Urteil nicht zitiert.

Nein, ich kenne auch nur die entrsprechenden Querverweise. Allerdings bräuchtest Du wohl auch eher Urteile, in denen die Arbeitgeber etwas auf die Finger bekommen haben…

Empfehlenswert dürfte jedoch das folgende Urteil sein. Hier wird u.a. auch auf das Weisungsrecht bezüglich Kleidung eingegangen: http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsp…

Gruß Steffen B.

die gegebene Antwort ist so pauschal nicht richtig! Stichwort
Dress-code. Dies kann sogar zur Kündigung führen. Es gibt
einige Urteile zur der Problematik. Mal auf die schnelle
dieses: Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 13 TaBV 36791)

Ein Ohrring tragender Verkäufer bei einem stockkonservativem
Herrenausstatter ist durchaus diskussionswürdig.

Der Ohrring sollte aber in diesem Fall keine Rolle spielen.
Wenn ich es richtig verstanden habe, arbeitet der Arbeitnehmer
bereits seit Jahren mit diesem Schmuckstück in dem Laden. Hier
kann der Arbeitgeber nicht nach 10 Jahren plötzlich daran
Anstoß nehmen… Oder ist aus dem kleinen Stecker auf einmal
ein 30-cm-Schlagring im Ohr geworden bzw. stellt das Teil
irgend etwas anzügliches oder verbotenes dar?

Gruß Steffen B.

Hallo

muss er diesen dann entfernen oder
nicht?

Verrätst Du uns auch, womit der AG seine Anweisung begründet?

Gruß,
LeoLo

Hallo.

die gegebene Antwort ist so pauschal nicht richtig!

Wie wär’s mit GANZ! lesen?

Ein Ohrring tragender Verkäufer bei einem stockkonservativem
Herrenausstatter ist durchaus diskussionswürdig.

Ein Verbot müsste also, um wirksam zu werden, sachlich begründet werden können

Dies schrub ich. Du lusest - oder verstundest - es nicht.

Zu dem von Dir erwähnten Urteil : http://www.rp-online.de/public/article/ratgeber/job+…. Mir erschließt sich zwar der Zusammenhang zum Ohrring nicht ganz, aber bitte.

kw

Hallo LeoLo,

unser Bezirksleiter teilte uns mit, dass unser Verkaufsleiter, also sein Vorgesetzter, es nicht gerne sehen würde, wenn wir Ohrringe tragen. Wir sollen ihm mitteilen, ob wir bereit sind unseren Ohrring zu entfernen. Sollten wir nicht bereit sein wird er dies dem Verkaufsleiter mitteilen…

Und um diese „Mitteilung“ durchzusetzen berichtete er von einer Filialleiterin in diesem Unternehmen die wegen eines Nasenpiercings wohl kurz vor der Kündigung gestanden hat.

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Hallo,

es betrifft nicht nur mich sondern alle männlichen Mitarbeiter mit Ohrring und alle männlichen und weiblichen Mitarbeiter mit Piercing.

Vielen Dank

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Hallo kw,

Wie wär’s mit GANZ! lesen?

ich habe ganz gelesen. Du verweist auf die Persönlichkeitsrechte in punkto Optik und nennst unter sachlichen Aspekten Unfallgefahr bzw. Hygiene. Dies impliziert, dass Kleidung oder Ohrring nicht beanstandet/verboten werden können. Selbst wenn es von Dir nicht beabsichtigt war, kann dies zu einer fatalen Fehleinschätzung durch andere user führen. Dem wollte ich lediglich vorbeugen!

Zu dem von Dir erwähnten Urteil :
http://www.rp-online.de/public/article/ratgeber/job+….
Mir erschließt sich zwar der Zusammenhang zum Ohrring nicht
ganz, aber bitte.

Der Link diente als kurzer Beleg (da Dein Post wie oben beschrieben missverstanden werden kann), dass der Arbeitgeber durchaus Weisungsbefugnis in punkto Optik haben kann.

Gruß Steffen B.

Hallo Thorsten,

Wir sollen ihm mitteilen, ob wir bereit sind
unseren Ohrring zu entfernen.

Als freundlicher Mensch, kannst Du ihm ja gerne mitteilen, dass Du Deinen Ohrring weiterhin tragen wirst.

Sollten wir nicht bereit sein
wird er dies dem Verkaufsleiter mitteilen…

Dies kann er doch gerne tun.

Und um diese „Mitteilung“ durchzusetzen berichtete er von
einer Filialleiterin in diesem Unternehmen die wegen eines
Nasenpiercings wohl kurz vor der Kündigung gestanden hat.

Nasenpiercing ist sicherlich schon ein etwas heiklerer Fall, allerdings stelle ich einmal die gewagte These auf, dass Euer Arbeitgeber bei einem „normalen“ Nasenpiercing keinerlei Chance gehabt hätte die Kündigung durchzusetzen.

Gruß Steffen B.

PS: Noch eine kleine selbst ausgedachte Geschichte: Nehmen wir einmal an mein Freund arbeitet bei einem großen Discounter. Ich will ihn einmal Ali-Discount nennen. Die Geschäftsleitung dieses Ladens hat es bisher erfolgreich geschafft die Bildung eines Betriebsrates zu verhindern. Dies könnte durchaus auch mit der teils sehr sonderbaren Mitarbeiterführung und -behandlung zu tun haben.

Mein Freund hat seit Jahren einen Ohrring. das störte weder Kundschaft noch Geschäftsleitung. Nun gibt es einen neuen Big-Boss, der etwas gegen Ohrringe hat. Auf die von dem Laden bekannte Art und Weise werden die Mitarbeiter eingeschüchtert.

Ich habe meinem Freund deshalb empfohlen sich auf alle Fälle anonym an die Gewerkschaft zu wenden. Ich bin zwar kein riesiger Freund dieses teils verknöcherten Funktionäre aber sie könnten ihm hier sehr hilfreich sein. Die sind z.B. in der Lage schnell öffentlichen Druck (Zeitung, Fernsehen) zu erzeugen, so dass die Idee eines Ohrringverbots sich schnell von alleine erledigen könnte. Zudem kennen die die Probleme in den Filialen von Ali-Discount und helfen dann auch Nichtmitgliedern…

Ich selbst war zwar ein unbequemer Betriebsrat aber meinem Freund habe ich von einer offenen Revolte abgeraten. Bei seinem Arbeitgeber hätte dies sehr wahrscheinlich die Folge, dass man ihm das Leben zur Hölle macht, bis er selber kündigt.

Hallo Steffen,

hier im Norden gibt es einen Betriebsrat.

Die Machenschaften sind jedoch trotzdem die gleichen.
Auch der Betriebsrat besteht nur aus Angestellten und wenn diese eines Tages nicht wieder gewählt werden sind auch diese kündbar…

Ich werde mich erst einmal nicht einschüchtern lassen.

Zunächst vielen Dank und schönes Wochenende

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