Hi,
Hi, timekiller !
hatte mit einem BWLler eine Diskussion über die USA.
Er meinte früher oder später gehen die pleite - aufgrund ihrer
negativen Aussenhandelsbilanz, Kaptial wandert also stetig ab
=> Pleite.
Bitte richt Deinem BWLer von einem Ökonomen einen schönen Gruß aus und erklär ihm, dass ein Land kein Betrieb ist und somit nicht „pleite gehen“ kann.
Zur ökonomischen Theorie: Zunächst wird bezüglich der Finanzlage eines Landes zwischen der Außen- und der Innensicht unterschieden. Bezüglich der Außensicht bleibt etwa den USA immer die Möglichkeit, an ihrer Währung und/oder an ihren Zinssätzen etwas zu verändern. Beides beeinflusst mehr oder weniger direkt den Währungswert und damit über Export- und Importpreise die finanzielle Lage eines Landes. Außerdem bleibt den USA immer noch ein Weg, der den einzelnen EU-Mitgliedern versperrt ist. Sie können die Dollars selber drucken. Momentan ist das aber [noch] nicht notwendig, die Zinssätze der USA sind [noch] eher moderat.
Die Innensicht stellt auf die Inflation eines Landes ab. Auch hier gibt für Vater Staat mehrere Einflussmöglichkeiten, eine davon liegt in der Gestaltung von Steuern und Subventionen. Die USA hat im Moment eine eher moderate Inflation, also von wegen „Pleite“ keine Spur.
Abwanderndes Kapital verknappt das Angebot an selbigem, zumindest solange nicht mehr Neues nachgedruckt wird oder der Preis (= Zinsätze) dafür nicht steigt [was auch die Nachfrage veringern würde und zumindest theoretisch zu einem neuen Gleichgewicht führt]. Momentan dürfte aber die FED noch nicht darüber beunruhigt sein, ansonsten hätten die schon längst zinssatzmäßig reagiert.
Ich hielt dem entgegen, dass dies so nicht stimmt, da die
Geldmenge im Land ja stetig wachse, und solange sie trotz der
neg. Aussenbilanz nicht abnehme, könne das Land nicht aufgrund
dessen pleite gehen.
Ich führte darauf das Modell m. der Wertschöpfung an (Bauer,
Müller, Bäcker etc.)
Auch ein Blick in die Historie gibt eher Dir Recht. Etwa Mitte der 80er Jahre hatten die USA ein gewaschenes Defizit (nach 2 Perioden der Reagan-Regierung) und … nach der Clinton-Administration standen sie wieder mit einem Überschuss da. Hat aber nicht nur mit der jeweiligen Regierung, sondern auch mit der Lage der Weltwirtschaft zu tun.
Also, wie gesagt: Kausalität zwischen neg. Aussenbilanz und „Pleite“ gibts keine, weil ein Land eben kein Betrieb ist. Dass schwierige finanzielle Situationen bei einem Land aber soziale Spannungen bis hin zu Krisen und etwaigen Kriegen auslösen können, erwähne ich nur der Vollständigkeit halber. Und außerdem, die USA haben sich gerade militärisch den Zugriff auf verdammt viel Öl gesichert. Wirtschaftspolitik kannst eben auch mit Kanonenbooten machen, fallst die dazu geeigneten hast.
Liebe Grüße
Wolkenstein
Wer hat jetzt Recht? (Mir geht es jetzt nicht darum, DASS die
USA längst pleite ist, sondern nur um die Kausalität neg.
Aussenbilanz - Pleite!)