Kann ein Staat eine Sprache neu einführen oder gar neu erfinden ?
Danke im Vorraus
MFG
Kann ein Staat eine Sprache neu einführen oder gar neu erfinden ?
Danke im Vorraus
MFG
Hallo,
vielleicht hilft das ja schon weiter:
http://de.wikipedia.org/wiki/Amtssprache#Festlegung_…
MfG
Das ist definitiv eine interessante Frage und ich kann sie Dir leider nicht beantworten. Die erste Frage ist eher politisch, bzw. juristisch und die zweite scheiter wohl eher am Durchsetzen als an der Sache an sich. Immerhin hat sich Esperanto als komplett erfundene Sprache auch nicht durchsetzen können.
Tut mir leid, wenn ich keine bessere Antwort habe, ich hoffe Sie bekommen sie woanders.
MFG
Ja, ein Staat kann per Gesetz seine offizielle Amtssprache ändern.
Manche Staaten haben mehr als eine offizielle Amtssprache, das beste Beispiel hierzu wäre Belgien. Theoretisch wäre es möglich, eine dieser Sprachen zur alleinigen Amtssprache zu erklären, was innenpolitisch aber sehr unklug wäre.
Auch hier in Deutschland wurde die Sprache mehrmals durch den Staat verändert. Das fängt mit der Zeichensetzung anbis auf Ausnahmen werden nur noch latainische Schriftzeichen und arabische sowie seltener latainische Zahlen verwendet. Das war aber vor 100 Jahren noch nicht so eindeutig, wie wir das heute kennen.
Und erst vor wenigen Jahren wurde die Rechtschreibreform eingeführt. Das war zwar keine komplette Sprachumstellung, aber die deutsche Sprache wurde nachhaltig von einem Tag auf den Anderen verändert.
Kann ein Staat eine Sprache neu einführen oder gar neu
erfinden ?
Sprachen werden nicht erfunden oder per Gesetz erfunden, sondern entwickeln sich. Natürliche menschliche Sprachen befinden sich in einem ständigen Wandel. Ein Staat kann nur eine vorhandene Sprache für offizielle Zwecke als Nationalsprache auswählen. Es gab mal Versuche mit künstlichen Sprachen wie Esperanto, aber die sind meines Wissens alle gescheitert. Es stehen zwar durchaus neue Sprachen oder Varianten davon (bei genauerem Interesse mal unter den Stichwörtern Pidgin und Kreol nachschlagen), doch es sind immer langjährige Entwicklungen, die aus dem Miteinander der Menschen entstehen, und keine Anordnungen von oben.
Das kommt ein bisschen darauf an, wie du die Frage meinst. Fragst du danach, ob es theoretisch möglich ist, eine Sprache zu erfinden? Fragst du ob es rechtlich ist, eine Sprache zu erfinden? Oder fragst du ob dies schon mal vorgekommen ist?
Üblicherweise werden Sprachen nicht „erfunden“ oder „eingeführt“, sondern entwickeln sich im Laufe der Zeit aus anderen Sprachen bzw. durch Völkerwanderungen und zu früheren Zeiten durch Kolonisierung. Dabei entstehen Sprachfamilien, die immer wieder Unterfamilien haben. Die deutsche Sprache gehört z.B. zu den germanischen Sprachen (genau genommen zu den westgermanischen Sprachen), die wiederum den indogermanischen Sprachen unterzuordnen sind. Auf diese Weise sind unglaublich viele Sprachen miteinander verwandt. Sie entstehen also nicht einfach aus dem Nichts.
Stattdessen ist es aber durchaus üblich, dass Sprachen aussterben.
Die Sprache verändert sich im Gebrauch ständig. Aus dem Althochdeutschen wurde das Mittelhochdeutsche und heute sprechen wir Neuhochdeutsch (so wir denn Hochdeutsch und nicht Niederdeutsch (=Plattdeutsch) sprechen. Dass die Sprache immer wieder im Wandel ist, merkt man z.B. auch an den immer häufigeren Anglizismen und Neologismen die im Alltag verwendet werden. In sehr sehr sehr langwierigen Prozessen kann ein Staat dadurch theoretisch seine Sprache ändern (um wieder auf die ursprüngliche Frage zurück zu kommen).
Ich hoffe ich konnte dir mit dieser etwas ausufernden Antwort weiterhelfen 
Hallo Diccy,
Aus der Geschichte sind mir zwei Beispiele dafür bekannt, daß ein Staat mehr oder weniger eine „neue“ Sprache einführte. Es handelt sich allerdings in beiden Fällen um eine radikale Spracherneuerung:
Die Wiederbelebung des Hebräischen in Israel.
Die Juden verwendeten das Hebräische, die Sprache der Bibel, bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nur als Sakralsprache (Bibel- Talmutlektüre, Gottesdienst, Gebetsformeln). Ab Ende des 19. Jahrhunderts setzten Bestrebungen ein, diese alte, „tote“ Sprache als normale gesprochene Umgangssprache wiederzubeleben. Mit Gründung des Staates Israel wurde Hebräisch zur Amtssprache erklärt. Es entwickelte sich dann rasch zu einer normalen Nationalsprache, dem Neuhebräischen (Ivrit).
Das ist ungefähr so, als würde man das Lateinische wiederbeleben und zu einer lebendigen Nationalsprache machen.
Eine ähnliche, wenn auch lang nicht so radikale, Wiederbelebung einer, jetzt nicht „alten“, sondern „verschütteten“, Sprache fand in der Türkei nach der Gründung der Republik Türkei statt.
Die Staatssprache des zuvor auf anatolischem Boden existierenden Osmanischen Reichs war das Osmanische (auch Osmanisches Türkisch genannt), eine Mischsprache aus Arabisch, Persisch und Türkisch, wobei der türkische Anteil des Wortschatzes vom arabischen und persischen Anteil geradezu überwuchert war (deshalb mein Ausdruck „verschüttete Sprache“). Dies war besonders in der Amtssprache und in der Sprache der Gebildeten und der Hochliteratur der Fall. Nur die Grammatik war rein türkisch, aber selbst da gab es Elemente aus dem Persischen und Arabischen. Das einfache Volk auf dem Land sprach dagegen Dialekte mit mehr echten türkischen Elementen; sie sprachen also ein „reineres“ Türkisch als die Eliten.
Die Führung der neuen Republik unter Atatürk wollte die Diskrepanz zwischen der Volkssprache (den Dialekten) und der Amtssprache bzw. der Sprache der Gebildeten beseitigen und eine von allen Schichten der Gesellschaft geteilte und verstandene Nationalsprache schaffen und leitete daher eine umfassende Sprachreform ein. Im Verlauf dieser Sprachreform wurden für einen großen Teil der arabischen und persischen Wörter des Osmanischen echt-türkische Neologismen gefunden. Diese Neologismen wurden entweder aus bestehenden türkischen Wortwurzeln durch Anfügung von Wortbildungssuffixen geschaffen, oder sie wurden aus anatolischen Dialekten oder aus verwandten Turksprachen genommen. Es wurden sogar neue Wortbildungssuffixe eingeführt. So entstand das moderne Türkisch (von Linguisten Türkei-Türkisch genannt), das sich so sehr vom Osmanischen unterscheidet, daß ein heute lebender Türke einen osmanischen Text aus dem Verwaltungsbereich oder aus der gehobenen Literatur aus dem 19. Jahrhundert ohne Vorbildung nicht oder kaum versteht.
Vergleichbar mit der türkischen Sprachreform wäre etwa eine Sprachreform des Englischen, in der das Englische weitgehend von den lexikalischen Elementen aus dem Französischen bereinigt würde, um ein neues von romanischen Einflüssen bereinigtes Angelsächsich zu schaffen.
„Es gab mal Versuche mit künstlichen Sprachen wie Esperanto, aber die sind meines Wissens alle gescheitert“ - das ist falsch; Esperanto is zwar nicht von Staaten genutzt, aber heute sehr lebendig. Siehe http://uea.org/info/germane/ghisdate_de.html
Guten Tag,
Es gab mal Versuche mit künstlichen Sprachen
wie Esperanto, aber die sind meines Wissens
alle gescheitert.
Ich sehe das anders. Esperanto hat es als als Einzige Plansprache in seiner mehr als 125-järigen Geschichte geschaft, aus eine Projekt eine lebende Sprache zu machen.
Um eine Sprache wie Esperanto zu verbreiten, gibt es nur die Möglichkeit, sie freiwillig zu lernen.
Einen verbindlichen Esperanto-Unterricht hat es nicht gegeben, da sind nicht gegeben, da sind die Kulturmnisterien einfach zu konservativ. Die immer wieder gehörten Argumente gegen Esperanto sind durchwegs falsch und zeigen, dass sich die Mensche nicht wirklich ersthaft mit dem Thema beschäftigen wollen. Das führt sogar zu der skurillen Situation, dass Esperanto beim Bundeswettbewerb ausgeschlossen wurde. Zuständig für diesen Entscheit war übrigens ein Anglist - ein Schlm, der Böses dabei denkt.
Für weitere Informationen www.esperanto.de, wo es neben Informationen auch hinweise auf kostenlose Internetkurse gibt.
Er muss es tun bei seiner Gründung (Afrikanische Staaten Ende 60er Jahre)
Ändern kann er die anerkannte Staatssprache wohl kaum. Die Sprache kann sich verändern d.h. weiter entwickeln. Massive Einwanderung wird die Landessprache beeinflussen, aber nicht grundsätzlich ändern (England, USA, Argentinien).
Erfundene Sprachen (Esperanto, Volapük)haben sich bisher nirgends durchgesetzt.
Grüße