Kann hier jmd was mit 'LEWIN' anfangen?

Suche Literatur, die seine Feldtheorie kurz & bündig darstellt! Wer sich schon mal damit befasst hat, kann mich auch gerne anmailen! Finde es schade, dass er so ein Exot ist, die Theorie ist praxisnah u. m.M. nach genial!

Danke für alles!!

Bücher zu Lewin
Hallo,

kurz und bündig:
Helmut E. Lück, Die Feldtheorie und Kurt Lewin. Eine Einführung; Weinheim 1996 ISBN: 3-621-27327-1 Buch anschauen

Aus praktischer Sicht:
Eugene Stivers und Susan Wheelan (Hgg.), The Lewin legacy. Field theorie in current practice; Berlin u. a. 1986 ISBN: 3-540-96352-9 Buch anschauen oder ISBN: 0-387-96352-9 Buch anschauen

Historisch:
Simone Wittmann, Das Frühwerk Kurt Lewins. Zu den Quellen sozialpsychologischer Ansätze in Feldkonzept und Wissenschaftstheorie; Frankfurt a. M. u. a. 1998 (schon nicht mehr im Handel)

Auch interessant:

  • Stefan Stein, NLP und die Feldtheorie von Kurt Lewin. Theorie, Praxis und zielorientiert Business-Beispiele; Berlin 2002 ISBN: 3-936749-11-6 Buch anschauen

und

Stefan Stein, Mobilitätsverhalten und Feldtheorie von Kurt Lewin. Eine europätische Vergleichsstudie zur Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln unter Anwendung der Feldtheorie von Kurt Lewin, 2002 (kein Ort, leider auch keine ISBN)

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Kurt Lewin: Feldtheorie und Aktionsforschung
Hallo,

Suche Literatur, die seine Feldtheorie kurz & bündig darstellt!

ich kann Dir ein paar Titel nennen, aber ob die kurz und bündig die Feldtheorie zusammenfassen, das weiß ich nicht:

Lewin, K. (1963). Feldtheorie in den Sozialwissenschaften. Bern: Huber.
Lewin, K. (1969). Grundzüge der topologischen Psychologie. Bern: Huber.

Diese Bücher sind natürlich alt, weil Lewin - wie Du wahrscheinlich weißt - schon 1947 gestorben ist.

Lewin verstand seine von der Gestaltpsychologie beeinflußte Feldtheorie, so weit ich weiß, so, daß die Wahrnehmung einer bestimmten Situation mit ihren Zielen das sogenannte psychologische Feld bildet. In diesem Feld finden sich nach Lewin sogenannte dynamische Feldkräfte, die die Verhaltenstendenzen zur Annäherung an oder Entfernung von den Zielen oder Zielgegenständen der Menschen (oft einer sozialer Gruppen)abbilden. Das Feld mit seinen Kräften kann durch Vektoren dargestellt werden. Man spricht daher auch von einer geometrisch-mathematischen topologischen Psychologie (siehe Lewins Buch oben). Lewin sah menschliches Verhalten bestimmt durch die Umwelt, v.a. auch durch soziale Faktoren in der Umwelt, und durch die Person. Konzentriert läßt sich seine Sicht in der mittlerweile klassischen Verhaltens"formel" wiedergeben:

V = f(U & P)

Ausgeschrieben: Das Verhalten ist eine Funktion der Umwelt und der Person. Das &-Zeichen weist darauf hin, daß die Beziehungen zwischen Umwelt- und Personfaktoren erst genauer bestimmt werden müssen. Die Lewinsche Verhaltens"formel" hat daher heuristischen Charakter. Man kann mit ihr keineswegs Verhalten berechnen.

Lewin argumentierte dafür, daß man zwar soziale Phänomene untersuchen könne, aber nicht indem man sie in quantifizierbare Einheiten physikalischer Bewegungen und Reaktionen transformiere, sondern indem man die intersubjektiv gültigen Mengen von Bedeutungen, Normen und Werten studiere, die die unmittelbaren Determinanten des Verhaltens seien, d.h. bei Konstruktion einer Theorie der Gruppendynamik.

Wer sich schon mal damit befasst hat, kann mich auch gerne anmailen!

Nur so am Rande während des Studiums. Lewin ist auch der Begründer der Aktionsforschung, einer bestimmten Form, Forschung zu betreiben, die auf seiner Feldtheorie beruht. Diese Forschungsmethodik hat in der akademischen Psychologie jedoch nie groß Fuß fassen können, obwohl manche sie für ein Paradigma halten. Darauf beziehst Du Dich dann wohl mit diesem Satz:

Finde es schade, dass er so ein Exot ist,

Weiterhin hast Du meiner Kenntnis nach recht, wenn Du Lewins Ansatz mit den Worten

die Theorie ist praxisnah

beschreibst. Aktionsforschung ist daneben pragmatisch und partizipatorisch, sie hat immer ein konkretes praktisches und meist soziales Problem im Auge. Allerdings und das mag ein Grund dafür sein, daß sie sich nicht durchsetzen konnte, ist sie nach Ansicht ihrer Kritiker nicht „objektiv“ (lassen wir dahin gestellt sein, wie das gemeint ist).

Aktionsforschung war für Lewin ein Weg, praktische Probleme zu lösen, z.B. Probleme zwischen Ethnien, aber auch „allgemeine Gesetze des Gruppenlebens“ zu entdecken, d.h. Gesetze, die den Weg bestimmen, wie sich Vorurteile in sozialen Gruppen entwickeln und wie sie aufrechterhalten werden. Das Wissen über diese Gesetze könne als „guidance“ zur Erreichung von bestimmten Zielen unter bestimmten Bedingungen genutzt werden. Allerdings reicht nach Lewin ein Wissen über diese Gruppengesetze für die Lösung sozialer Probleme nicht aus. Man muß dieses Wissen mit Wissen über den spezifischen Charakter der Situation verbinden, das durch einen Prozeß des „scientific fact-finding“ gewonnen werden kann. Dieses Wissen kann dann nach Lewin praktisch zur Veränderung des psychologischen Feldes (der Situation) und damit zur Beseitigung des interessierenden Problems angewandt werden. Bei den verschiedenen Phasen der Aktionsforschung sollen nach Lewin die vom Problem Betroffenen aktiv und in ständiger Interaktion mit dem Forscher mitwirken.

u. m.M. nach genial!

Lewin würde sich freuen, daß Du seine Theorie so bewertest. Einige Punkte finde ich auch gut.

Gruß,

Oliver Walter