Kann ich ärztliche Befunde verlangen?

Hallo,

mein Vater liegt seid fast vier Wochen im Klinikum Offenbach. Sie haben bei ihm einen bösartigen Tumor im Enddarm festgestellt. Der Tumor würde immer weiter nach innen wachsen und müsste dringend entfernt werden. Sie möchten den Darm komplett entfernen und ihm einen künstlichen Darmausgang verlegen. Wir zweifeln jedoch an der Prognose und haben noch Hoffung, dass eine künstliche Darmausgang doch womöglich nicht notwendig ist. Ich habe folgendes gelesen:
„Bei der Operation wird ein Stück des Enddarms entfernt, mit einem Sicherheitsabstand zum Schließmuskel. Dank moderner, prä- ziser Techniken können Chirurgen heute bis zu zwei Zentimeter nah am Schließ- muskel operieren, ohne diesen zu verletzen. Somit ist ein künstlicher Darmaus- gang meistens nicht notwendig.“
Obwohl es sehr dringend ist, können sie mein Vater erst in zwei wochen operieren. Lassen sie damit nicht zu, dass der Tumor weiterhin wächst und am Ende wir keine andere Möglichkeit mehr haben, als diesen künstlichen Darmausgang…
Können wir nach ärztlichen Befunden fragen, damit ein andere Arzt auch ein Blick darauf werfen kann? Ich möchte lieber die Ärzte in Frankfurt auch befragen und um deren Rat bitten. Auf Ratschläge von Euch bin ich natürlich auch dankbar.

ärztliche Befunde kann im Allgemeinen nur der Patient selbst verlangen, außer er ist dazu nicht in der Lage. Gerade bei Krankheiten wie Krebs ist eine Zweitmeinung angebracht und ratsam. Ich würde vorschlagen, dass Sie sich an das Deutsch Krebsforschungszentrum wenden. Www.dkfz.de

Eine sogenannnte Zweitmeinung ist immer möglich-nimm Kontakt mit der Krankenkasse auf.

Aber-Dein Vater muss Dich ausdrücklich dazu ermächtigen. Stichwort Beutreuungsvollmacht und Patientenverfügung. Ansonsten geht gar nichts!

14 Tage liegen lassen ohne alles-bist Dir sicher? Keine Chemo vor der Operation-so dass doch was vorher geschieht?

Im übrigen-aus eigener Erfahrung-mit einem gut angelegten Anus Praeter lässt sich gut leben -Jahrzehntelang. Wenn aber Krebszellen übrig bleiben-Nicht!

Hallo,

selbstverständlich muss man Ihnen auf Anforderung einen schriftlichen Befund-Status Ihres Vaters geben und auch CT-Aufnahmen aushändigen, damit Sie eine zweite Meinung einholen können. Sofern Ihr Vater gehfähig ist, kann er mit Ihnen zu einem anderen Arzt oder aber in eine andere KLinik zur Untersuchung gehen. Warum man allerdings bei so einer Diagnose noch zwei Wochen auf die OP warten will, ist schleierhaft…Besteht nicht die Gefahr eines Darmverschlusses? Infiltrierung anderer Organe? Ob ein künstlicher Darm erforderlich ist, kann man natürlich per Ferndiagnose nicht sagen. Warum besprechen Sie, das was Sie in Erfahrung gebracht haben, nicht mit den jetzigen behandelnden Ärzten? Warum fragen Sie denen nicht Löcher in den Bauch? Es geht doch um das Leben Ihres Vaters und die Ärzte sind keine Götter in Weiß, sie sind „Dienstleister“. Sie und Ihr Vater müssen doch umfassend über das Warum, Wieso, Weshalb aufgeklärt werden.

Gute Besserung wünschend
Pamfilya

Nein, nur Ihr Vater kann die Befunde verlangen und bekommt sie dann auch.

Dr. J. Sauer