Hallo,
kleine Vorgeschichte: Mein Schwiegervater (Anfang 70) war in den Herbstferien eine Woche bei uns (Entfernung 400 km) weil ich meinen Mann auf einer Dienstreise begleitet habe und unsere Tochter (11) nicht allein bleiben konnte. Alles kein Problem, hat gut geklappt. Aber nun kommt´s: Als der Bruder meines Mannes davon erfuhr, hat er seinen Eltern einen bitterbösen Brief geschrieben und Ihnen Vorwürfe gemacht, dass sie bei ihm nicht Babysitter (er hat zwei kleine Jungs) spielen, überhaupt ihn und seine Familie nicht so lieben würden und das schon immer so war, er würde keinen Kontakt mehr wollen. Er ist Mitte 40, Dr., verheiratet und hat wirklich keinen Grund zu klagen. Ich war völlig perplex als mir meine Schwiegereltern davon erzählten. Und irgendwie geht mir dieses Verhalten auch nach den inzwischen vergangenen Wochen nicht aus dem Kopf. Die Situation hat sich inzwischen auch noch nicht beruhigt, es kamen noch mehr solcher Briefe.
Wie kann sich ein erwachsener, eigentlich intelligenter Mensch schlimmer als ein Kleinkind verhalten? Was geht in so jemandem vor? Vorwürfe, die mindestens 30 Jahre zu spät kommen bzw. ein völlig verzerrtes Bild voraussetzen.
Mein Mann und ich haben viel darüber geredet, dass sein Bruder wohl schon lange solche Dinge in sich hineingefressen hat und dies nun herauskommt oder dass er vielleicht ganz andere Probleme hat und diese aber nicht wahr haben will und sich daher in diese Geschichte verrennt. Da wir wenig Kontakt zu ihm haben und auch nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen, haben wir uns bisher nicht eingemischt. Aber meine Schwiegereltern tun mir so leid, dass ich am überlegen bin, ob wir nicht auch einmal einen Brief an ihn schreiben. Aber hilft das oder bringt ihn das noch mehr auf?
Wer kann mir erklären, wie es zu einem solchen Verhalten kommt? Und wie wir damit umgehen können / sollten? Ich wäre sehr dankbar für eure Ideen und Anregungen.
Viele Grüße, Sigrid
Hallo, Sigrid,
Da wir wenig Kontakt zu
ihm haben und auch nicht wissen, wie wir damit umgehen sollen,
haben wir uns bisher nicht eingemischt.
dabei würde ich es auch belassen. Diesen Konflikt können nur die unmittelbar Betroffenen lösen - die Schwiegereltern und der Schwager.
Ihr wisst nicht, worauf das Verhalten des Schwagers zurückzuführen ist, sondern könnt nur darüber spekulieren. Er hat sich in dieser Angelegenheit auch nicht an Euch gewandt, ist also offenbar nicht an Eurer Meinung und „Mitwirkung“ interessiert.
dass ich am überlegen bin, ob
wir nicht auch einmal einen Brief an ihn schreiben.
Was würdet Ihr ihm denn in diesem Brief schreiben wollen?
Ihm ins Gewissen reden? Ihm Eure Vermutungen über seine Probleme und deren Ursachen mitteilen?
Aber hilft das oder bringt ihn das noch mehr auf?
Ihr selbst kennt ihn nicht gut genug, um das einschätzen zu können - wie sollte das einem Außenstehenden gelingen?
Mir würde es jedenfalls ganz und gar nicht gefallen, wenn sich jemand (auch innerfamiliär) ungefragt in einen Konflikt zwischen mir und anderen - erwachsenen - Beteiligten einmischte, dessen Hintergründe er gar nicht kennt.
wie wir damit umgehen können / sollten?
Ihr könnt die (Schwieger-)Eltern unterstützen, wenn sie selbst versuchen wollen, das Problem zu lösen; sich an den Bruder zu wenden, halte ich für keine gute Idee.
Gruß
Kreszenz
Hallo,
es gibt einen schwerwiegenden Konflikt zwischen den Eltern (Deinen Schwiegereltern) und Deinem Schwager. Verletzungen sitzen tief und manchmal kommt es nach einem langen Schweigen heraus. Ob sofort, nach kurzer Bedenkzeit oder nach 30 Jahren. Das ist nicht kindlich, sonderndern menschlich, wobei das „innere Kind“ sicher eine Rolle spielen wird.
Vielmehr könnte man Dir ein kindliches Verhalten zuteilen, wenn Du glaubst, dass der Brief gegen Dich und Deine Familie gerichtet war. Du fühlst Dich anscheinend angegriffen - warum?
Der Brief war an die Eltern gerichtet und es bleibt ihnen überlassen ob und wie sie damit umgehen. Von einem Brief eurerseits an den Bruder Deines Mannes würde ich Abstand nehmen - Du kennst nur die eine Seite der Geschichte.
Viele Grüße
Mal die Frage zurück gestellt, ob es sinnvoll ist, sich da einzumischen und wenn ja in welcher Form.
Was wäre denn die Motivation, das zu tun?
Hilfe für den Bruder? Oder Unterstützung für die Eltern? Oder Verbesserung der familiären Situation?
Ebenfalls interessant: Ist es deine Motivation oder eure?
Hallo zusammen,
herzlichen Dank für die bisherigen Antworten. Sie haben mir geholfen einiges klarer zu sehen.
Ich habe eigentlich immer das Gefühl gehabt, dass es besser ist, wenn ich mich aus der Geschichte heraus halte. Dies habt ihr mir bestätigt, dafür danke. Es ist ja so, dass das Einhüten meines Schwiegervaters bei uns nur der Anlass aber nicht die Ursache für das Problem ist. Ich fühle mich teilweise mitschuldig, weil ich diesen Anlass geliefert habe, aber ich weiss auch, dass es dafür keinen Grund gibt.
Meine Motivation ist, wie ich geschrieben habe, dass mir meine Schwiegereltern leid tun, denn sie wissen nicht, wie sie mit dieser Situation umgehen sollen. Ihre erste Reaktion war Beschwichtigung und das Versprechen, bald bei meinem Schwager einzuhüten. Das war natürlich Öl ins Feuer gießen, denn so wurde er ja darin bestätigt, dass er eigentlich immer schon zu kurz gekommen ist. Aber außer den Gesprächen mit Ihnen werden mein Mann und ich nichts machen (können). Mal sehen, wie es weitergeht.
Herzliche Grüße, Sigrid
Hallo,
sehe es mal so: endlich ist es raus! Dein Schwager hat es endlich geschafft das was ihn auf der Seele brennt auszusprechen - zumindest auf diesen Anlass bezogen, aber wahrscheinlich steckt noch mehr dahinter. Ich glaube nicht, dass das Thema mit dem Kinderhüten bei ihm erledigt ist.
Seht es als Chance euch gegenseitig näher zu kommen.
Viele Grüße
Hallo!!
mehr wollen. Er ist Mitte 40, Dr., verheiratet und hat
wirklich keinen Grund zu klagen.
Hm, aber vielleicht hat er das Gefühl, das seine Kinder zu kurz kommen? Was hat sein Dr-Titel mit den Kindern zu tun?
Vielleicht fehlt ihm das Gefühl , unterstützt zu werden? Und sich immer alleine durchzuschlagen zu müssen?
Vielleicht ist er enttäuscht, das sein Vater zwar 400 km fährt ,um auf den einen Enkel aufzupassen, aber nicht zu ihm kommt, um da auch aufzupassen?
Ich denke, das er viele Jahre lang stillgehalten hat, denn er „hat ja keinen Grund zu klagen“, aber trotzdem fühlt er sich nicht geliebt. aber wer gibt das gerne zu? Oder spricht das an? Und jetzt ist ihm halt der Kragen geplatzt.
Wenn überhaupt, dann sollte dein Mann ihn ansprechen, was genau das Problem ist (warum habt ihr eigentlich keinen Kontakt?), und wie man ihm da helfen kann.
du solltest dich da raushalten, denn du kennst die familiengeshcichte nicht, und den stress würde ich mir an deiner stelle auch nicht suchen.
alles liebe
brenna