Ich kenne keine derartige Regel. Ein Substantiv bleibt ein Substantiv unabhängig davon, ob es direkt vor einem anderen Substantiv steht oder nicht. Kannst du uns für das, was du meinst, ein Beispiel geben?
Ich vermute, er meint die zusammengesetzten Hauptwörter, bei denen das erste eine Eigenschaft des zweiten bezeichnet.
Wie in vielen Sprachen gibt es im Russischen aus Substantiven gebildete Adjektive, die sich nur als erster Teil eines zusamengesetzten Hauptwortes ins Deutsche übertragen lassen. (Beispiel: sowjetskij = Räte-)
Die Frage wäre dann, ob jedes Hauptwort erster Teil eines zusammengesetzten Hauptwortes sein kann.
Die Antwort weiß ich leider nicht, da mich die deutsche Grammmatik in der Theorie nie interessiert hat. *g*
Wenn deine Frage so gemeint ist, wie sie mir unten erklärt wurde, lautet meine Antwort: Nein, man kann nicht immer einfach ein zusammengesetztes Substantiv bilden, um eine genauere bestimmung des zweiten Nomens zu erreichen. Es gibt verschiedene Komposita mit unterschiedlichen semantischen Mustern, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Komposition_(Grammatik). Allerdings kann man diese Muster nur verwenden um bereits existierende Komposita zu systematisieren und nicht als Regeln um neue zu bilden. Dabei können Komposita entstehen, die aus ihrem Schöpfer niemand kennt oder versteht. Man sollte Komposita nur bilden, wenn man nach dem selben Muster gebildete Komposita aus ähnlichen Substantiven kennt. Wenn man z.B. weiß, dass eine Lackschicht eine Schicht aus Lack ist, dann kann man ruhigen gewissens dass Komposita Kuperschicht anstelle von eine Schicht aus Kupfer verwenden. Dagegen wäre Kupferschere uneindeutig, weil es sowohl eine Schere aus Kupfer, als auch eine Schere zum Schneiden von Kupfer sein könnte.
Besseres Beispiel
Meine beiden obigen Beispiele sind nicht besonders gut: Die Bedeutung von Kupferschere kann im Kontext auch eindeutig sein.
In vielen Fällen jedoch führt die unbedachte Zusammensetzung auch zu falschen Wörtern. Eine computergesteuerte Maschine sollte man nicht Computermaschine nennen, das demokratisches Programm einer Partei ist kein Demokratieprogramm.
Komposita sind Nomen, und wie Nomen existieren sie offiziell nur dann, wenn sie auch im Duden stehen. Menschen können unter Umständen sehr viel mehr Komposita verstehen, aber dafür das ein beliebiges selbst erfundenes Komposita verstanden wird, gibt es keine Garantie. Insbesondere gehen bei der Komposition Informationen verloren. Wenn der Leser so denkt wie der Schreiber, denkt er sie sich automatisch; im ungünstigsten Fall versteht er das Wort falsch oder gar nicht.
Dagegen wäre
Kupferschere uneindeutig, weil es sowohl eine Schere aus
Kupfer, als auch eine Schere zum Schneiden von Kupfer sein
könnte.
Nur weil wir ziemlich ungenau vorgehen. Eigentlich sollte eine Schere zum Kupferschneiden „Kupferschneideschere“ heißen. Aber praktisch hast Du Recht und ich würde Kupferschere zumindest nicht ohne Erklärung benutzen. Mit Erläuterung bei der ersten Erwähnung geht es dann aber eigentlich.
Du glaubst also, dass es Komposita gibt, die offiziell existieren, aber nicht im Duden stehen. Kannst du das auch begründen, oder zumindest genauer erklären, warum du meine Aussage für streichenswert erachtest.
Wenn alle Komposita per se gültige Wörter wären, bräuchten gültige nicht im Duden aufgeführt werden. Dass jedes einzeln aufgeführt ist, habe ich nicht gemeint. Ich bezog hier gedanklich auch Einträge wie Nomen- bedeuted in Zusammensetzung mit XY Z ein.
Du glaubst also, dass es Komposita gibt, die
offiziell existieren, aber nicht im Duden
stehen.
„Offiziell“ ist hier das völlig falsche Wort, weil es keine „offizielle“ Stelle für deutsche Sprache gibt. Der Duden ist ein privat herausgegebenes Buch, dass keinerlei offizielle oder rechtliche Relevanz hat. Dies ist übrigens die Meinung des Duden-Verlags. Schreib sie ruhig an, wenn Du mir nicht glaubst.
Kannst du das auch begründen, oder zumindest genauer
erklären, warum du meine Aussage für streichenswert erachtest.
Schlicht weil sie falsch ist.
Wenn alle Komposita per se gültige Wörter wären, bräuchten
gültige nicht im Duden aufgeführt werden. Dass jedes einzeln
aufgeführt ist, habe ich nicht gemeint. Ich bezog hier
gedanklich auch Einträge wie Nomen- bedeuted in
Zusammensetzung mit XY Z ein.
Wie gesagt, der Duden ist eine privat herausgegebene Sammlung aller Wörter, die die (privat organisiert) Dudenredaktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung für relevant hielt.
mir fallen auf Anhieb mehrere Komposita ein, die nicht im Duden stehen, aber trotzdem korrekte und „gültige“ Wörter sind, z.B. Firmenlauf, Sonnwendlauf, Müslischale, Müslimischung, Handyschutzhülle…
Im Prinzip hat Wladimir mit seiner Frage durchaus Recht. Es ist geradezu charakteristisch für das Deutsche, dass eine Unmenge an Komposita gebildet werden können, indem einfach zwei (oder auch mehr) Nomen aneinandergereiht werden. Der Duden würde aus allen Nähten platzen, wollte er jedes dieser neu gebildeten Wörter aufnehmen.
Gruß
Uschi
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
…zum Eigenschaftswort
Hi Falk (und alle Mitstreiter),
in der ganzen Diskussion wird über Komposita gesprochen, Wladimir fragt aber, ob Substantive in Komposita zu Eigenschaftswörtern werden können. Ist das Eisen in Eisendraht nun plötzlich ein Eigenschaftswort? Wenn nicht, ist seine Frage doch schlicht mit „nein“ zu beantworten, oder habe ich jetzt alles falsch verstanden?