Kann man nicht kurz sagen:

Guten Tag,

Hallo,

ich und mein Kumpel sind die besten Freunde und so weiter… Neulich hat er mir da was erzählt: Er hat so ein komisches „Verhalten“… Wenn er zB etwas sieht was sich bewegt oder so ähnlich, und niemand sonst da ist, ballt er seine Hände vor seinen Augen und schließt diese dabei, und verfällt ganz tief in seine Fantasie, soll heißen, dass er für ca 2-7sec in einen Zustand fällt, in dem er seine Fantasie „ausreizt“, also kurzfristig seine Umgebung vegisst, und nur etwas vor seinem inneren Auge sieht… Meißt ist es ein Ablauf, wie er ein Szenario gerne hätte. Ich sagt, er „muss“ es machen, steht also in einer gewissen Abhängigkeit dazu, doch kann er diese unterdrücken, wenn gerade andere da sind. Er tut dies nicht in Anwesenheit anderer, einfach weil es ihm peinlich ist, sowas zu tun. Ihm ist aufgefallen, dass er nach einer solchen „Phase“ seine Hände so arg an sich ran gedrückt hat, dass kurzfristig rote Flecken zwischen Schläfen und Augen zurück bleiben.

Ich weiß von ihm, dass er ein super super toller Künstler ist, wobei er sich auf Graphitzeichnungen beschränkt. Er geht dabei sehr ins Detail.

Er tut dies seit er etwa 3 - 4 Jahre alt ist, und „versteckt“ dieses Verhalten seid er ca 4 ist.

Es weiß sonst niemand außer mir.

Vll kann mir jemand sagen, ob sowas vll schon mal gab, oder gibt.

Er nimmt keine Drogen, und drückt nicht auf die Augen selbst drauf .

Hallo und guten Tag,

Sie haben mich ausgewählt, um Ihnen die Frage nach dem Verhalten Ihres Freundes zu beantworten, der in bestimmten Situationen seine Fäuste vor die Augen ballt und in Fantasien verfällt.
Ich habe mir Ihre Schilderung einige Male durchgelesen und mir fallen da eigentlich mehr Fragen als Antworten ein. Die erste Frage wäre mal: Ist dieses Verhalten für Ihren Freund ein Problem oder wollen nur Sie wissen, was es damit auf sich hat? Würde es Ihrem Freund etwas nützen, wenn Sie mehr darüber wüssten?

Im übrigen müsste man in so einem Falle schon etwas detaillierter nachfragen: Was bedeutet „wenn er etwas sieht, was sich bewegt oder so ähnlich…“? Geht es um eine schreckhafte Reaktion auf bestimmte Bewegungen in seiner Umgebung? Geht es darum, ob Menschen oder Dinge sich bewegen?
Was sind das für Fantasien, in die er verfällt, wenn er seine Hände ballt und die Augen schließt? Angenehme, freundliche Bilder? Erinnerungen aus vergangenen Tagen? Welche Empfindungen hat er dabei? „Meist ist es ein Ablauf, wie er ein Szenario, gerne hätte ….“ - das ist etwas undifferenziert. Ist er unzufrieden mit seinem Leben, mit bestimmten Situationen?
Wäre er während dieser kurzen Phase noch ansprechbar oder sonst für Außenreize empfänglich, das heißt im Vollbesitz seines Bewusstseins?
Sie sagten, „er muss es machen“, befindet sich also in einer gewissen Abhängigkeit. Was wäre, wenn er es unterdrücken würde, wozu er ja anscheinend in der Lage ist, wenn andere Menschen zugegen sind. Für ein pathologisches Zwangsverhalten spricht meist, wenn die Unterdrückung des Zwanges Angst hervorruft, z. B. dass irgend etwas Schreckliches geschieht, sobald dem Zwang nicht Folge geleistet wird.
Weiter: Wie oft tritt diese Verhalten auf? Minütlich, stündlich, einmal täglich, wöchentlich, jeden Monat oder nur dreimal im Jahr? Hat sich dieses Verhalten im Lauf der Zeit verstärkt oder verringert oder unterliegt es Schwankungen, wenn ja, womit haben diese Schwankungen zu tun?
Warum versteckt er dieses Verhalten, wenn gar nicht geklärt ist, ob es sich um irgend ein pathologisches Phänomen handelt? Hat dieses „Verstecken-müssen“ dieses Verhalten vielleicht sogar verstärkt?
Sie sehen, um hier eine Aussage zu treffen, bedarf es einer sogenannten „Differentialdiagnose“, wie sie jeder Psychiater, Psychotherapeut oder Neurologe stellt.

In Frage kämen hier - noch einmal vorausgesetzt, auch ihr Freund hätte ein ernsthaftes Interesse daran oder ein Bedürfnis danach - verschiedene Ansätze, z. B. zunächst einmal eine gründliche neurologische Untersuchung. Dieses kurzzeitige „Wegtreten“ hat mich an die sogenannten „Absencen“ im Rahmen einer Epilepsie denken lassen, auch eine Tic-Störung kann eventuell vorliegen Jetzt aber bitte nicht erschrecken, auch ich bin kein Neurologe, habe nur im Verlauf eines Lebens schon dies und das gesehen. Ergibt sich kein physiologischer Anhaltspunkt - und das muss immer zuerst geklärt werden - kann vielleicht ein Psychiater oder ein Tiefenpsychologe weiterhelfen, auch ohne dass eine lang dauernde Therapie in Erwägung gezogen wird.
Selbst bei einer letztlich gesicherten Diagnose muss so ein Verhalten noch lange nicht krankhaft sein, das möchte ich hier ausdrücklich betonen. Es gibt im Rahmen menschlicher Verhaltensweisen so unendlich viele Variationen, dass es manchmal mehr darauf ankommt, ob jemand selbst etwas als störend oder schädlich empfindet oder ob die Umwelt oder die Mitmenschen wirklich ernsthaft davon beeinträchtigt werden.

Ich habe Ihnen einen kleinen Ausblick gegeben, wie komplex so eine Angelegenheit sein kann, aber auch wie einfach, wenn man erst einmal klärt, ob überhaupt ein Problem vorliegt. Ich hoffe, Ihnen oder Ihrem Freund damit ein wenig gedient zu haben.

Mit freundlichen Grüßen
hermiru24
aus München