Ich habe ein paar Sachen, die mich beschäftigen. Z.B. schubweise starke Eifersucht, eher geringes
Selbstwertgefühl, Angst vor dem Rotwerden, Angst auf andere Leute zuzugehen, Angst vor
Zurückweisung, Stimmungsschwankungen, schlechtes Durchsetzungsvermögen, ein paar schlechte
Erfahrungen aus der frühen Kindheit… Diese Dinge sind einzeln genommen nicht extrem ausgeprägt
oder nach außen hin auffällig, aber in der Summe doch belastend und beeinträchtigend.
Ich habe schon seit längerem das Bedürfnis, mit einem Experten zu reden und mich sozusagen
durchchecken zu lassen, ob ich noch normal bin. Oder einfach mal den ganzen Seelenmüll rauszulassen.
Ist das möglich? Ich habe immer das Gefühl, man müsse erst richtig am Ende sein, bevor man einen
Therapeuten aufsucht. Ich habe in der Titelzeile „allgemein“ geschrieben, weil ich nicht sagen könnte,
was nun konkret mein Problem ist, sondern eher die ganzen kleinen Sachen aufzählen müsste. Wobei
ich aber auch denke, daß alles miteinander zusammenhängt.
Würde die Krankenkasse eine eventuelle Gesprächstherapie o.ä. bezahlen? Wie gesagt, ich habe das
Gefühl, ich müßte dafür kranker sein.
Und wie findet man einen guten Therapeuten, bzw. woran erkennt man ihn?
Nur ein Tip
Hallo
Nur die Meinung eines unwissenden:
Eine Bekannte ist wirklich Seelisch instabil (schafft es teilweise überhaupt nicht mehr das Haus vor Angst zu verlassen). Diese hat jetzt endlich das „Ja“ zu einer Therapie bekommen (oder will es jetzt selber, keine Ahnung). Die erste Sitzung ist aber erst im August. So lange muß sie auf einen freien Termin warten!
Von daher kann ich mir vorstellen, das ein „einfach mal ausquatschen“ nicht so leicht ist. Aber wie gesagt. Geld verdienen wollen sie ja allle
Alternativ könnte ich aber auch zu einer Telefonseelsorge empfehlen. Dort sitzen ja in der Regel auch geschulte Leute. Die hören sich das alles an und haben vielleicht ein paar Tips (Fürs Leben und für weitere Vorgänge).
Gerade dann, wenn man „einfach nur mal den Seelenmüll abladen will“
Wie gesagt. Ahnung habe ich davon nicht. Nur so als Tip.
Hallo Marvin
In der Psychotherapie kann man weniger klar einen „objektiv schweren“ Krankheitsbefund erheben als in den anderen ärztlichen Fächern. Wenn der Hausarzt oder der Internist bei dir wiederholt einen zu hohen Blutzuckerspiegel feststellt, nähert man sich dem objektiven Befund Diabetes mellitus. Wenn du sehr un ter Zwängen oder depressiven Verstimmungen oder Rotwerden leidest, dann besteht aber ebenfalls ein Bedarf an fachlicher Hilfe.
Du musst Dir also keine Sorgen machen, dass du nicht „krank genug“ bist. In meiner Sprechstunde sammeln sich viele Menschen, die „nur“ eine Beziehungsproblematik, eine Depression, ein problematisches Arbeitsverhältnis, eine Amngst usw. haben. Wir kommen dann im Erstgespräch oder in einer folgenden Probesitzung gemeinsam darauf, ob Derjenige eine Behandlung machen sollte oder nicht und ob er diese hier bei mir machen könnte/sollte oder woanders.
Ich empfehle manchen Pastienten auch, sich ruhig ein paar Therapeuten anzuschauen, bevor sie sich entscheiden. Man sollte „bekömmlich“ füreinander sein, bevor man sich auf eine solche, oft mehr als ein Jahr dauernde, Therapie einlässt.
Und wie findet man einen guten Therapeuten, bzw. woran erkennt
man ihn?
Für den einen ist dieser Therapeut gut, für den Anderen ein anderer Therapeut. Du solltest da deinem „Bauchgefühl“ nachgehen, wenn Du dir mehrere Therapeuten anschaust.
Gruß,
Branden
Deine Antwort erleichtert mich, vielen Dank. Dann wäre es wohl durchaus sinnvoll, wenn ich mich um
fachliche Hilfe kümmere. Wie gehe ich denn da nun vor? Spricht man erst mit dem Hausarzt und der
überweist mich an einen Therapeuten? Oder suche ich mir jemanden aus den Gelben Seiten? Dann
interessiert mich noch, ob ich auf etwas achten sollte, z.B. bestimmte fachliche Ausbildung etc. Ich habe da
echt keine Ahnung.
Wie gehe ich denn da nun vor? Spricht
man erst mit dem Hausarzt und der
überweist mich an einen Therapeuten?
Du kannst Dir ayuch von deiner Krankenkasse eine Liste mit ortsnahen Therapeuten zusenden lassen oder im Telefonbuch schauen oder „rumhören“.
Dann
interessiert mich noch, ob ich auf etwas achten sollte, z.B.
bestimmte fachliche Ausbildung etc. Ich habe da
echt keine Ahnung.
Im Grunde gibt es da drei Fachrichtungen:
a) Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie
b) Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
c) Psychologischer Psychotherapeut
Alle drei müssen in der Regel eine seriöse psychotherapeutische Ausbildung durchlaufen, bevor sie psychotherapeutisch anerkannt arbeiten können und eine Zulassung für alle Krankenkassen bekommen.
Inhaltlich, also, was die Therapie-METHODE betrifft, hast Du wiederum die Wahl zwischen drei anerkannten, von allen Kassen genehmigten Verfahren:
a) Psychoanalyse
b) tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
c) Verhaltenstherapie.
Die Sache ERSCHEINT im ersten Moment dadurch komplizierter, dass alle drei oben genannten Psychotherapeuten jeweils eine oder mehrere der in der zweiten Aufzählung genannten Behandlungsmethoden durchführen können.
Oftmals hast du den Fall, dass ein Psychologischer Psychotherapeut Verhaltenstherapie anbietet und ein Facharzt für Psychosomatische Medizin die tiefenpsychologisch fundierte Methode; aber das sind nur tendenzielle Wahrscheinlichkeiten, Du kannst bei jedem jedes erwarten, du musst halt schauen, welche METHODE und welcher MENSCH, also Therapeutentyp dir liegt.
Lass Dir einfach genug Zeit mit den Probeterminen!
Gruß,
Branden
Es grüßt dich
Branden