Kann man sich an Schlimmes gewöhnen?

Hallo,

ich möchte mal fragen, ob sich Menschen, die beruflich mit wirklichem Leid zu tun haben- wirklich mit diesem Schlimmen „gut“ leben können?

Ob Kräfte im Sanitätsdienst oder Hilfsdiensten- ob Ärzte zB auf onkologischen Kinderstationen…es gibt dort doch immer wieder wirklich ein unglaubliches Leid zu sehen und zu erleben und ich würde gerne wissen, ob solche Menschen es wirklich schaffen dieses „schadfrei“ zu überstehen?

Bleibt nicht bei einem ganz furchtbaren Leidensweg und Sterben von zB einem Kind- bei jedem Menschen dann auch tiefe Erschütterung zurück?

Kann man sich wirklich an sowas „gewöhnen“ oder setzt bei diesen Menschen nur ein Schutzmechanismus ein, der das alles dann verdrängt?
Und - kann man sowas dann über Jahre verdrängen??

kitty

Gewöhnen wird man sich daran nie.
Das geht nur, wenn man ein Soziopath ist.
Soziopathen empfinden keinerlei Mitleid.

Nehmen wir das Beispiel, dass ein Jugendlicher ~16 Jahre alt vor dem Zug springt.
Die Person ist vollkommen entstellt usw. (ich will dass nicht weiter ausführen), jedenfalls ist die Arbeit die Gleisen zu reinigen, die Leichenteile aufzusammeln, und einzutüten das schwerste überhaupt.
Es gibt sogar NOTARZTSEELSORGER, dass sind Leute, die das Notfallteam in solchen Sachen psychologisch unterstützen.

Aber keine Sorge, Notärzte, Sanitäter, Feuerwehrmänner, Polizisten werden in Psychologie besonders geschult, weil sie eben davon ausgehen müssen, dass sie irgendwann zu eben einen Fall gerufen werden.
Einige kommen damit ohne Probleme klar, aber andere brauchen dabei psychologische Hilfe.

Ich hoffe ich konnte Ihre Frage beantworten.

Gruß
Orakel

Hallo,

ob ich mit Leid umgehen kann, hängt aus meiner Sicht stark mit meinen Fähigkeiten zusammen.
Hilfreich ist wohl eine Mischung aus Mitgefühl und innerer Stärke.

Arbeite ich z.B. in der Sterbebegleitung, dann kann ich spüren, wie ich den Menschen helfe.
Ich entwickle das Gespür, was ich den Menschen geben kann.
Ich kenne mit der Zeit die Situationen und weiss, wie ich darauf reagieren kann.
Das gibt mir zunehmend Sicherheit.

Ob ich dann nach einem Verkehrsunfall auch überlegt handeln kann, ist eine andere Situation.
Hier bin ich anders gefordert und auf die Bilder wahrscheinlich nicht vorbereitet.

Gruß Joachim