Kann unser Chef nicht rechnen?

Liebe Mathematik-Profis,

ich habe an meinem Arbeitsplatz vor wenigen Tagen etwas merkwürdiges erlebt.

Unser neuer Chef behaupte, dass seit Einführung einer Betriebsvereinbarung die Löhne um 9%, nach Zinseszins-Rechnung sogar über 10% gestiegen sind.
Das kam mir komisch vor und ich habe nachgeschaut.

Die Betriebsvereinbarung enthielt tatsächlich einen Passus, dass jedes Jahr im Januar die Löhne um 1,5% steigen.
Die Betriebsvereinbarung trat am 01.01.1999 in Kraft und 1999 bis 2001 wurde die Lohnerhöhung auch tatsächlich gewährt. Danach, also 2002 und in diesem Jahr, wurde sie nicht gezahlt.

Ich berechne die Lohnsteigerung so:
p/100 + 1 = q // (q^n - 1) * 100 = Prozentsatz der Lohnerhöhung
Für die Jahre n berücksichtige ich die Jahre, in denen die Lohnsteigerung gezahlt wurde, also 1999, 2000 und 2001.

daraus folgt: 1,5/100 + 1 = 1,015 // 1,015 ^ 3 = 1,0456784 … usw.

Bei mir ergibt sich dann eine Lohnsteigerung von 4,6 % in der gesamten Zeit.

Berechnungen nach Rentenrechnung o.ä. sind nicht nötig, da der Lohn ja nur einmal erhöht wird und dann bis zum nächsten Jahr gleich bleibt.

Wie kommt unser Chef nun darauf, der Lohn sei über 9% bzw. 10% gestiegen?
Er kann nicht rechnen oder?

Gruß Marc

P.S.: Der Neue ist nicht etwa frisch von der Schule, sondern deutlich über 50 Jahre!!!

Hallo Marc,

im Bereich der Mathematik ist die Erklärung vermutlich nicht zu suchen.

Ich denke schon, das Euer Chef rechnen kann … vielleicht nur nicht ganz zu detailverliebt wie Du.

Ich unterstelle mal, dass Chef sich die Lohnsumme 1999 und die Lohnsumme 2003 angeschaut und dann den Unterschied ausgerechnet hat. Da können dann außer den vereinbarten Lohnerhöhungen auch noch andere Dinge reingespielt haben (höhere Lohnnebenkosten, Höherstufung einzelner Mitarbeiter etc.).

Außerdem: Jammern gehört zum Geschäft …

Grüße

lennie

Unser neuer Chef behaupte, dass seit Einführung einer
Betriebsvereinbarung die Löhne um 9%…

Hallo Marc,

Dein Chef gibt natürlich blühenden Unsinn von sich. Vermutlich sind die durch Mitarbeiter verursachten Kosten seit 1999 noch weit stärker als die läppischen 9% gestiegen. Ein Beispiel: Dein Posting erschien um viertel vor 11 bei www. Mit dem mühsamen Formelkram hast Du eine halbe Stunde an Ressourcen der Firma damit verbraten. Stundensatz 50 €, Onlinekosten nicht mitgerechnet. Hast Du das 1999 auch schon gemacht?

Die Arbeitszeiten, wohl besser Anwesenheitszeiten, wurden seit '99 bestimmt herabgesetzt. Drückt man die verbliebenen Augenblicke noch in Stunden aus oder wird die Zeit zwischen Kaffeekochen Studium von Reiseprospekten, privaten Telefonaten und Just-for-fun-Internet-Surferei inzwischen in Minuten bemessen? Langsam wundert es mich, daß es immer noch ein paar Doofe gibt, die Mitarbeiter beschäftigen und für die Finanzierung von deren Freizeitaktivitäten, Krankenversicherung und Altervorsorge bezahlen. Käme es nicht den Beschäftigten viel mehr entgegen, wenn man sich nicht mehr über solchen Peanuts wie 9% o. ä. unterhalten müßte? Wenn jeder sein Einkommen völlig frei selbst bestimmen könnte? Dabei würde natürlich für Urlaub und Schnupfen nichts mehr bezahlt. Dann gäbe es Geld für abgelieferte Leistung. Wer mehr Geld will - kein Problem - muß eben mehr leisten.

Wie lautete noch gleich Deine Frage? Ich glaub, ich schweife ab.

Gruß
Wolfgang

Hallo Marc !
Das siehst du zu eng. Dein chef hat folgende rechnung aufgemacht

5 jahre oder besser 6 Jahre 1,5% macht 7,5 bis 9 %.
daumen mal pie noch etwas zinseszins drauf und schon hast du SEIN ergebnis.
das muß man nicht so eng sehen und auch noch nachrechen.
danke chef !
t.

und weiter so.

Dein Chef gibt natürlich blühenden Unsinn von sich. Vermutlich
sind die durch Mitarbeiter verursachten Kosten seit 1999 noch
weit stärker als die läppischen 9% gestiegen. Ein Beispiel:
Dein Posting erschien um viertel vor 11 bei www. Mit dem
mühsamen Formelkram hast Du eine halbe Stunde an Ressourcen
der Firma damit verbraten. Stundensatz 50 €, Onlinekosten
nicht mitgerechnet. Hast Du das 1999 auch schon gemacht?

Die Arbeitszeiten, wohl besser Anwesenheitszeiten, wurden seit
'99 bestimmt herabgesetzt. Drückt man die verbliebenen
Augenblicke noch in Stunden aus oder wird die Zeit zwischen
Kaffeekochen Studium von Reiseprospekten, privaten Telefonaten
und Just-for-fun-Internet-Surferei inzwischen in Minuten
bemessen?

Obwohl das normalerweise kein Thema für dieses Brett ist, möchte ich kurz auf Deine Gedanken reagieren. Ich stimme Dir zu, denn ich habe oft und seit längerer Zeit die gleichen Zustände erlebt und angeprangert. Aber das rechtfertigt nicht den Rundumschlag den Du mit dem folgenden Satz machst:

Langsam wundert es mich, daß es immer noch ein paar
Doofe gibt, die Mitarbeiter beschäftigen und für die
Finanzierung von deren Freizeitaktivitäten,
Krankenversicherung und Altervorsorge bezahlen. (…)
Dann gäbe es Geld für abgelieferte Leistung. Wer mehr
Geld will - kein Problem - muß eben mehr leisten.

Auf jeden dieser Fälle die Du hier schilderst, bringe ich Dir Fälle wo einige Unternehmer, oft gesetzwidrig, von Beschäftigten Leistungen verlangen, z.T. erpresserisch unter Ausnutzung der wirtschaftlichen Lage, ohne diese zu bezahlen. Und was die zu bezahlende abgelieferte Leistung betrifft, ist das was manche Händler und Handwerksbetriebe abliefern noch nicht einmal den Schrottpreis Wert.
Also laß bitte die Kirche im Dorf.
Die Mehrzahl der Beschäftigten, Unternehmer und Geschäftsleute arbeiten heute NOCH pfichtbewußt. Aber wie lange noch?
Mit freundlichen Grüßen
Alexander Berresheim

Hallo Alexander!

Aber das rechtfertigt nicht
den Rundumschlag…

Zugegeben habe ich die Situation verallgemeinert und überspitzt dargestellt. Inzwischen sind es aber keineswegs nur seltene Einzelfälle, daß sich Menschen von ihrer viele Jahre ausgefüllten Rolle als Arbeitgeber verabschieden, lieber etwas kleinere Brötchen backen und unter dem Strich sorgenfreier leben. Bürokratie, Abgabenlast, Anspruchsdenken und Versorgungsmentalität haben viele ehemalige Zugpferde müde werden lassen.

Das Thema gehört wirklich nicht in dieses Brett und deshalb sollten wir es dabei bewenden lassen.

Gruß
Wolfgang

Nun, Wolfgang drückt es zwar etwas krass aus, aber im Kern hat er mit seiner Aussage recht. Ich bin nun seit 12 Jahren selbstständig, arbeite wie ein Pferd und habe unter´m Strich weniger als ein Sozialhilfeempfänger (kein Witz).

Ich war schon mehrfach am Überlegen, ob ich nicht den ganzen Mist hinschmeissen soll und auch auf Kosten der anderen leben soll. Bisher habe ich es noch nicht getan.

Kurzum. Leistungsträger werden in Deutschland stärker bestraft als manche Verbrecher.