ich habe vor kurzem einen Beitrag verfasst, in dem ich schrieb: „Trotz ihrer guten Vorsätze kargen die Eltern mit Zuwendung und Aufmerksamkeit“.
Ich liess den Artikel von drei Muttersprachlern (Lehrern) durchlesen.
Eine Lehrerin sagte mir, sie habe durch mich das Wort gelernt. Ein Germanist liess es durchgehen. Ein anderer meinte, das würde man seit Bertolt Brecht nicht mehr verwenden und das Wort würde bei den Lesern dem Satzverständnis im Wege stehen. Er ersetzte es mit „sie halten sich mit Zuwendung zurück“.
Täte ich also besser daran, in Zukunft auf „kargen“ zu verzichten?
danke für eure Antwort. Eigentlich fand ich das Verb schön,
aber wenn es zu ungebräuchlich ist, lasse ich das lieber sein!
Ich finde es eigentlich auch ganz schön. Wenn der Text kein trockener Sachtext sein soll, verwende es ruhig! Der unkonventionelle Sprachgebrauch wirkt spielerisch (oder man könnte sagen kolumnenhaft); wenn das ok ist, ist das Wort gut .
Man wird es sicherlich verstehen, da man ja zumindest das Adjektiv „karg“ kennt.
Hi,
karg (harte Arbeit, karger Lohn - wortkarg), kärglich (ein kärgliches Dasein), kargen, kärgeln, Kargheit (die herbe Karkheit der Landschaft), Karge, Karglaut, Karfreitag, Karwoche usw…
Das sind Worte mit karg als Wortstamm. Urspr. bedeutete kargen: trauern, bekümmert/ besorgt sein. Sinnwandlung in: sparsam sein, knausern.
Kärglich bedeutete urspr. mal svw.: listig, schlau, klug.
Ein Grund mehr, ein altes Wort nicht aussterben zu lassen.
Und Duden ist nicht mehr allein und bindend gültig.
mfg O
danke für eure Antwort. Eigentlich fand ich das Verb schön,
aber wenn es zu ungebräuchlich ist, lasse ich das lieber sein!
Lieber Benoît,
lieber nicht. Wenn jeder auf nicht sehr gebräuchliche Wörter verzichten würde, wird der Sprachschatz eingeengt. Ich verwende weiter seltenere Wörter
erstens: weil sie sich doch von anderen in Nuancen unterscheiden
zweitens: obwohl sie manchmal „alsväterlich“ klingen.
Ich finde man sollte mit älteren, aber korrekten Wörtern nicht kargen.
danke für eure Antwort. Eigentlich fand ich das Verb schön,
aber wenn es zu ungebräuchlich ist, lasse ich das lieber sein!
Bloß nicht!
Lass Dich um Himmels willen nicht von phantasie- und kenntnislosen Sprachstümpern dazu drängen, nur noch das Gängige, allen Bekannte, frag- und kritiklos Hingenommene zu sagen der zu schreiben.
Wozu sonst haben Luther und Opitz, Goethe, Meyer, Kleist und Brecht gelebt und geschrieben?
Es kommt natürlich auch darauf an, vor welchem Publikum Du das Wort benutzen willst.
Dann habe ich den Eindruck, dass das Wort heute hauptsächlich verneint benutzt wird, also etwa „das Publikum kargte nicht mit Beifall“. Aber beweisen kann ich ich das nicht.
dwds findet übrigens ca. 750 Belege. Das könnte daran liegen, dass deren Korpus auch ältere Texte enthält als das Wortschtz-Portal, ober einfach umfangreicher ist. http://www.dwds.de/?kompakt=1&sh=1&qu=kargen