Hi Michl,
Daher habe ich gerade ein paar Fragen…
Also:
Ist Marxismus gleichzusetzen mit Kommunismus?
Nein, ist er nicht, und noch weniger ist Marxismus mit „Sozialismus“ gleichzusetzen; das ist unglaublich langwierig zu erklären, fang doch einfach mal hiermit als ersten Eindruck an:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus#.C3.9
Schließlich
entsprang der Kommunismus ja aus Marxens Ideen, oder?
Ja und Nein; kommunistische Ideen gab es natürlich auch vor Marx, und zu Marx’ Zeiten, denn letztlich hat Marx ja auch nicht eine gesellschaftliche Bewegung angestoßen wie ein griechischer Gott die Homerschen Helden, sondern ist ihr aufgesprungen und hat sie auf den (seinen) Begriff gebracht.
Wenn Du nun mit „Kommunismus“ wiederum den real-existierenden Sozialismus 1917-1989 meinst, dann kann man wohl noch weniger sagen, dass dieser allzu unmittelbar „Marx’ Ideen“ entsprungen wäre.
Was die Frage betrifft, was Karl Marx wollte:
Darüber lässt sich sicher so einiges sagen, jedoch möchte ich
mich hierbei auf die wesentlichen Aspekte seiner Forderungen
beschränken…
Was genau wollte er eigentlich?
hmm,
als gesellschaftliches Projekt: ein Punkt: Aufhebung der „Entfremdung“ der Menschen, also der der kapitalistischen Produktionsweise geschuldeten Tatsache, dass der Mensch seine Arbeit in die Herstellung von Tauschwerten entäußert, nicht in die von Gebrauchswerten; wodurch er sich im Produkt seiner Arbeit nicht „wieder-erkennen“ kann, d.h. er sieht in seiner Arbeit nur den einen Sinn, damit Geld zu verdienen
als gesellschaftlicher Beweger: die sozialistischen Strömungen seiner Zeit in eine wissenschaftliche Form zu bringen durch Herausarbeiten der dem Kapitalismus inhärenten Widersprüche, durch die der Übergang zum Sozialismus erfolgen müsste; Abgrenzung von idealistischen, moralisierenden, religiösen Variaten des Sozialismus seiner Zeit.
als Ökonom: Analyse der Warenform, Analyse der kapitalistischen Produktionsweise; Kritik des „kapitalistischen“ Klassenstandpunkts der klassischen Ökonomie, anders gesagt: die Aufdeckung der blinden Flecke von Smith, Ricardo, etc.
als Philosoph: Entmystifizierung der Hegelschen Philosophie; Aufbau einer Philosophie, die nicht mehr bloß die Welt interpretiert, sondern sie auch verändert.
als Religionskritiker: Radikalisierung der Feuerbach’schen Religionskritik; er zeigt nicht nur wie Feuerbach, dass Religion eine Art Spiegelung des Menschen ins Göttliche ist, sondern zeigt auch, wie die Religion die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse damit aufrechterhält.
Muss ich auf Marxens Religionskritik und Geschichtsphilosophie
usw. eingehen, um ihn verständlich zu vermitteln?
auf die Religionskritk m.E. nicht oder nur sehr am Rande, auf die Geschichtsphilosophie auf jeden Fall, denn ohne sie gehts nicht.
vgl. dazu einen alten www-Artikel von mir:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…
und google vor allem oder besser noch: lies Marx selbst; am sinnvollsten in Anbetracht des Zeitaufwands vielleicht das „Kommunistische Manifest“:
http://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunist…
Viele Grüße
Franz