Karl Marx

Hallo!

Ich muss demnächst im PoWi-Unterricht einen Vortag über Herrn Marx halten.
Ich habe mich mit einem Kumpel darauf geeinigt, den Vortrag in vier Teile zu gliedern, von denen ich folgende zwei übernehmen möchte:
Was wollte Karl Marx?
und
Der Marxismus heute.

Daher habe ich gerade ein paar Fragen…
Also:
Ist Marxismus gleichzusetzen mit Kommunismus? Schließlich entsprang der Kommunismus ja aus Marxens Ideen, oder?
Was die Frage betrifft, was Karl Marx wollte:
Darüber lässt sich sicher so einiges sagen, jedoch möchte ich mich hierbei auf die wesentlichen Aspekte seiner Forderungen beschränken…
Was genau wollte er eigentlich?
(ich weiß, dazu lässt sich vieles sagen und vieles deuten, aber ich weiß über Marx eben noch nicht so viel)
Muss ich auf Marxens Religionskritik und Geschichtsphilosophie usw. eingehen, um ihn verständlich zu vermitteln?

(das soll auf Wunsch des Lehrers ein Vortag von 20 Minuten werden…
Karl Marx in 20 Minuten, oh je…
deshalb sollten wir uns wirklich auf das Wesentliche beschränken)

Danke für jeden Rat!

michl

Ist Marxismus gleichzusetzen mit Kommunismus?

Die „Fachleute“ sollen mich jetzt bitte nicht hauen, aber als „Marxismus“ würde ich das ganze wirtschafts- und gesellschaftshistorische und -politische Konstrukt bezeichnen. Kommunismus ist dagegen innerhalb dieses Konstrukts der End- und Idealzustand der Gesellschaft, den Marx anstebte; nicht zu verwechseln, mit dem, was die „kommunistischen“ Staaten als "Kommunismus bezeichneten.

Was genau wollte er eigentlich?

Tja, dazu müsste man mit Sicherheit in seine Biografie reingehen beziehungsweise in seine eigenen Aussagen darüber, warum er sich mit den Themen beschäftigt hat, mit denen er sich beschäftigt hat.

Hi Michl,

Daher habe ich gerade ein paar Fragen…
Also:
Ist Marxismus gleichzusetzen mit Kommunismus?

Nein, ist er nicht, und noch weniger ist Marxismus mit „Sozialismus“ gleichzusetzen; das ist unglaublich langwierig zu erklären, fang doch einfach mal hiermit als ersten Eindruck an:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunismus#.C3.9

Schließlich
entsprang der Kommunismus ja aus Marxens Ideen, oder?

Ja und Nein; kommunistische Ideen gab es natürlich auch vor Marx, und zu Marx’ Zeiten, denn letztlich hat Marx ja auch nicht eine gesellschaftliche Bewegung angestoßen wie ein griechischer Gott die Homerschen Helden, sondern ist ihr aufgesprungen und hat sie auf den (seinen) Begriff gebracht.

Wenn Du nun mit „Kommunismus“ wiederum den real-existierenden Sozialismus 1917-1989 meinst, dann kann man wohl noch weniger sagen, dass dieser allzu unmittelbar „Marx’ Ideen“ entsprungen wäre.

Was die Frage betrifft, was Karl Marx wollte:
Darüber lässt sich sicher so einiges sagen, jedoch möchte ich
mich hierbei auf die wesentlichen Aspekte seiner Forderungen
beschränken…
Was genau wollte er eigentlich?

hmm,
als gesellschaftliches Projekt: ein Punkt: Aufhebung der „Entfremdung“ der Menschen, also der der kapitalistischen Produktionsweise geschuldeten Tatsache, dass der Mensch seine Arbeit in die Herstellung von Tauschwerten entäußert, nicht in die von Gebrauchswerten; wodurch er sich im Produkt seiner Arbeit nicht „wieder-erkennen“ kann, d.h. er sieht in seiner Arbeit nur den einen Sinn, damit Geld zu verdienen

als gesellschaftlicher Beweger: die sozialistischen Strömungen seiner Zeit in eine wissenschaftliche Form zu bringen durch Herausarbeiten der dem Kapitalismus inhärenten Widersprüche, durch die der Übergang zum Sozialismus erfolgen müsste; Abgrenzung von idealistischen, moralisierenden, religiösen Variaten des Sozialismus seiner Zeit.

als Ökonom: Analyse der Warenform, Analyse der kapitalistischen Produktionsweise; Kritik des „kapitalistischen“ Klassenstandpunkts der klassischen Ökonomie, anders gesagt: die Aufdeckung der blinden Flecke von Smith, Ricardo, etc.

als Philosoph: Entmystifizierung der Hegelschen Philosophie; Aufbau einer Philosophie, die nicht mehr bloß die Welt interpretiert, sondern sie auch verändert.

als Religionskritiker: Radikalisierung der Feuerbach’schen Religionskritik; er zeigt nicht nur wie Feuerbach, dass Religion eine Art Spiegelung des Menschen ins Göttliche ist, sondern zeigt auch, wie die Religion die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse damit aufrechterhält.

Muss ich auf Marxens Religionskritik und Geschichtsphilosophie
usw. eingehen, um ihn verständlich zu vermitteln?

auf die Religionskritk m.E. nicht oder nur sehr am Rande, auf die Geschichtsphilosophie auf jeden Fall, denn ohne sie gehts nicht.

vgl. dazu einen alten www-Artikel von mir:
http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

und google vor allem oder besser noch: lies Marx selbst; am sinnvollsten in Anbetracht des Zeitaufwands vielleicht das „Kommunistische Manifest“:
http://de.wikisource.org/wiki/Manifest_der_Kommunist…

Viele Grüße
Franz

Marxismus als Wirtschaftslehre darstellen

Hallo, Michl

Ich das Thema auch so angehen wie Volker:

Ist Marxismus gleichzusetzen mit Kommunismus?

Die „Fachleute“ sollen mich jetzt bitte nicht hauen, aber als
„Marxismus“ würde ich das ganze wirtschafts- und
gesellschaftshistorische und -politische Konstrukt bezeichnen.
Kommunismus ist dagegen innerhalb dieses Konstrukts der End-
und Idealzustand der Gesellschaft, den Marx anstebte; nicht zu
verwechseln, mit dem, was die „kommunistischen“ Staaten als
"Kommunismus bezeichneten.

  1. Marxismus als Wirtschaftslehre darstellen
  2. Kommunismus als eine politische Bewegung mit Parteistrukturen, die
    sich daraus entwickelt hat

‚Sozialismus‘ ohne ergänzendes Adjektiv sagt jedoch als Oberbegriff
nichts aus. Ich empfehle dir deshalb, die folgenden 4 OBerbegriffe zu
verwenden:
‚Sozialdemokratischer Sozialismus‘
‚Ökologischer Sozialismus‘
‚Kommunistischer Sozialismus‘
‚Anarchistischer Sozialismus‘
http://www.virglob-sp.org/pages/09c_g_haeufige_frage…
http://de.groups.yahoo.com/group/virglobdeutsch/

Gruss

Rolfus

Hallo Michl!

Ohne meinen Vorredner allzuviel nachzuerzählen, nur noch ein paar kleine Ergänzungen:
-> Was wollte Marx?
Abgesehen von den konkreten sozialrevolutionären Ideen, die in der damaligen Zeit sowieso allerorts umherschwirrten (und die du dir einfach mal erarbeiten musst, dass steht in jeder guten Marx-Ausarbeitung schwarz auf weiß), kann man glaube ich zu Marx´ Intention generell sagen: Er wollte der ewigen Zerissenheit der arbeitenden Klasse und ihrer Vertreter ein Ende setzen, indem er einen wissenschaftlich fundierten „Überbau“ schafft, samt Fahrplan und Handlungsanweisungen (siehe historischer Materialismus).
Im Endeffekt ist es doch heute nicht anders, der „einfache Mann“ hat keine Lobby, und jene, welche sich zu dessen Vertretung berufen, zerfetzen sich in der Regel selbst über Haarspaltereien und Definitionen von Gerechtigkeit. Und irgendwie hat er es ja auch geschafft, schließlich sind mehr oder weniger direkt durch ihn beeinflusst zahlreiche Bewegungen und geistige Strömungen entstanden, die tatsächlich handlungsfähig waren und Marx´ Ideen weiterentwickelt haben bis zur Praxis. Das irgendwo zwischendrin ein Gendeffekt zur Mutation und Missgeburt im Endergebnis geführt hat, konnte ja keiner vorhersehen…
Bei diesen verschiedenen Strömungen kannst du übrigens auch gleich ansetzen und den „Marxismus heute“ wie an einem roten Faden in die Gegenwart nachvollziehen. Interessante Literatur zum Thema Marxismus heute findest du auch zu hauf, z.B. das „Schwarzbuch Kapitalismus“ von Robert Kurz, gut und fundiert historisch aufgebaut, in der äußersten linken Ecke des Sozialismus anzusiedeln, empfehlenswert.
Achja, falls du dich mal fragen solltest, was Marx als Mensch so wollte, wirst du ziemlich enttäuscht sein, seine Ambitionen gingen nicht viel weiter hinaus, als über ein warmes überdachtes Fleckchen, wenig oder gar keine Arbeit (!!), seine Ruhe und was gutes zu Essen (sicher auch zu trinken :wink:). Nicht, das es mir nicht genauso gehen würde, aber tja, was soll man sagen, ich schwing mich ja auch nicht zum Vorreiter der Massen auf - also heute nicht mehr…

Hoffe, noch ein wenig beigetragen zu haben,

ciaosen

the_digger

Hallo Digger,

Interessante Literatur
zum Thema Marxismus heute findest du auch zu hauf, z.B. das
„Schwarzbuch Kapitalismus“ von Robert Kurz, gut und fundiert
historisch aufgebaut, in der äußersten linken Ecke des
Sozialismus anzusiedeln, empfehlenswert.

Und als Gegenstück das „Schwarzbuch Kommunismus“, nicht zu vergessen! Spannend dürfte die Diskussion sein, inwiefern schon bei Marx das angelegt ist, was später unter Lenin und Stalin u.a. passierte.

Viel Vergnügen dabei wünscht
Andreas

Hallo Leute!

Danke für die Hinweise soweit!
Ich hab mich heute mit nem Kumpel darüber unterhalten, wie Karl Marx sich das ganze eigentlich vorgestellt hat…
Also ich versuchs mal nach meinem Verständnis in Worte zu fassen:
Das Problem ist der Kapitalismus. Dieser zwingt die Kapitalisten, also diejenigen, die ständig Produktionsmittel anhäufen, dazu, ständig zu konkurrieren und somit die Arbeit der Proletarier unter ihrem Wert (also zu einem geringeren Wert als das von ihnen Erarbeitete) zu vergüten, um in diesem Konkurrenzkampf mithalten zu können.
Stimmt das so?
Jetzt kommt mir folgende Frage auf:
Was muss sich ändern? Muss der Konkurrenzkampf aufhören (wenn ja, wie?) oder muss sich das Verhalten der Kapitalisten ändern (wenn ja, wie?)
Marx fordert ja das Proletariat dazu auf, sich zu „vereinigen“ und die Kapitalisten zu stürzen. Wie stellt er sich das vor?

Zum Kommunismus allgemein:
Die Grundidee ist ja, dass das Privateigentum an Produktionsmitteln aufgehoben ist und das erwirtschaftete Sozialprodukt gesellschaftlich angeeignet wird, also allen Menschen gleichermaßen zugänglich ist.

Jetzt stellt sich mir folgende Frage:
„Privateigentum an Produktionsmitteln“? Wie genau definiert man „Produktionsmittel“? Zählt meine Gitarre etwa auch dazu? (ich möchte nämlich nicht, dass darauf jeder spielen darf ^^)
Ich verstehe auch nicht, was ich mir unter einem gesellschaftlich angeeignetem Sozialprodukt vorstellen soll…?

Bitte verzeiht mein Unwissen! ^^

michl

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Hallo Digger,

Interessante Literatur
zum Thema Marxismus heute findest du auch zu hauf, z.B. das
„Schwarzbuch Kapitalismus“ von Robert Kurz, gut und fundiert
historisch aufgebaut, in der äußersten linken Ecke des
Sozialismus anzusiedeln, empfehlenswert.

Und als Gegenstück das „Schwarzbuch Kommunismus“, nicht zu
vergessen! Spannend dürfte die Diskussion sein, inwiefern
schon bei Marx das angelegt ist, was später unter Lenin und
Stalin u.a. passierte.

Schwere Kost, hat 1000 Seiten und hab dafür 4 Wochen gebraucht

Viel Vergnügen dabei wünscht
Andreas

Lieber michl

Das Problem ist der Kapitalismus. Dieser zwingt die
Kapitalisten, also diejenigen, die ständig Produktionsmittel
anhäufen, dazu, ständig zu konkurrieren und somit die Arbeit
der Proletarier unter ihrem Wert (also zu einem geringeren
Wert als das von ihnen Erarbeitete) zu vergüten, um in diesem
Konkurrenzkampf mithalten zu können.
Stimmt das so?
„Privateigentum an Produktionsmitteln“? Wie genau definiert
man „Produktionsmittel“? Zählt meine Gitarre etwa auch dazu?
(ich möchte nämlich nicht, dass darauf jeder spielen darf ^^)
Ich verstehe auch nicht, was ich mir unter einem
gesellschaftlich angeeignetem Sozialprodukt vorstellen soll…?

Diese - sehr guten - Fragen würde ich nach und nach ins Forum stellen.
Als mehr oder weniger beiläufige Erwähnung in deinem Re-Posting gehen sie unter.
Viele Grüße
Voltaire

öm…
Okay, dann mach ich das mal.