Hi lehitraot
heißt das, daß die populären esoterischen reinkarnationslehren
nichts anderes als verzerrungen und mißbrauch der wirklichen
lehren des fernen ostens sind?
Ich nehme „wirkliche Lehren“ mal so, wie du es ja vermutlich meinst: die, die man im Rückbezug auf historische Quellen ggf. rekonstruieren kann… dann würde ich sogar sagen, daß viele Anteile ursprünglicher religiöser Konzeptionen im Laufe der Geschichte deformiert werden (teils bis zu Unkenntlichkeit) - besonders durch Verbreitung in andere Kulturkreise, oder durch Synkretismen, oder eben durch Popularisierungen (auf die ja Thomas Miller unten Bezug nimmt). Die Entwicklung findet in der gleichen Form statt wie in der Biospähre die von Arten: Nur selten bleibt eine „ursprüngliche“ Art über sehr große Zeiträume mit sich selbst gleich, falls sie überhaupt erhalten bleibt!
Ich würde es nicht unbedingt „Mißbrauch“ nennen, eher eine natürliche Dekadenz, die in vielen „Buch“-Religionen zu verzeichnen ist. Charismatische Persönlichkeiten haben eben nur selten auch charismatische Schüler. Versuche, die Dekadenz durch „Kanonisierung“ Einhalt zu gebieten, hat es schon immer gegeben, auch im Buddhismus, Hinduismus… Von den brahmanistischen Gepflogenheiten weiß man z.B. daß Leuten, die aus Versehen oder Neugier beim Rezitieren sakraler Texte (Rgveda z.B.) zuhörten, flüssiges Blei in die Ohren gegossen wurde
So grausam das ist, aber es zeigt, wie sehr man damals bereits das Problem kannte, daß ohne Einweisung in die „Lehre“ schnell Unsinn darüber entstehen kann (eine Ausbildung der Brahmanen dauerte 12 Jahre!).
Nun - und dieselben Texte kauft man heute für paar Mark fufzig bei Reclam… 
Dazu kommt, daß man sich in den (völlig zu Unrecht sich so nennenden) „esoterischen“ Szenen keinerlei Gedanken über die Geschichte der Konzeptionen macht und über den kulturellen Kontext, in dem sie sich entwickelten, sondern blind sich von einem gigantischen Ideen-Gemüse-Eintopf ernährt (heute kommt dann noch eine Prise Populär-Physik dazu). Was dabei rauskommt, sind dann Chimären, die im Gegensatz zu deren früheren Prototypen meist geistlos oder zumindest belanglos sind.
Daß es bei den indischen und auch bei den ägyptischen Reinkarnationslehren darum ging, neue Inkarnationen zu verhindern , und nicht, sie anzustreben, das ist bei den modernen westlichen Reinkarnationsfans nur sehr selten bekannt. Es wird heute meist dazu benutzt, eine Angst vor dem Tode zu besänftigen, bzw. Angst vor einem „endgültigen Aufhören“ irdischer Interessen. Das letztere war aber das fast allen alten Religionen gemeinsame letzte Ziel der Lebensführung.
Tja - eigentlich ein sehr interessantes Thema
Gruß
Metapher