Karosserie tunen

Hallo,

angenommen es gibt einen Scheich, der seinen Mitarbeitern einen Firmenwagen stellen möchte. Die Technik des Modells XXX des Herstellers Y (Golfklasse) gefällt ihm ganz gut, aber die Karosserie … arggghh
Nun kommt Scheich zum Hersteller Y und sagt, dass er auf die Plattform des Y die Karosserie des Hausdesigners gesetzt haben möchte. Da der Einkäufer des Scheichs Lopez heisst und der Hersteller Y von dem Gag sich positives Marketing erhofft, bekommt der Scheich die Änderung zum Selbstkostenpreis.
Frage an die Leser:
Wieviel muss der Scheich gegenüber der Serienausstattung mehr zahlen?
Wie setzt sich die Urkalkulation des Herstellers zusammen ?

Lastenheft:
1000 Fahrzeuge
Strassenzulassung für Deutschland
Befestigungspunkte der neuen Karosserie entsprechen der Serienkarosserie
nur eine Motorisierung (ggf. zwei Mototronic- Programmierungen)
Variante A: gleiche Bestuhlung
Variante B: geänderte Bestuhlung v.a. drehbare Einzelsitze.

Bin gespannt, wieviel Barrel Öl der gute Mann heute verkaufen muss, damit sich die MA mit dem Firmenwagen fortbewegen können.

Tschuess Marco.

Hallo Marco,

angenommen es gibt einen Scheich, der seinen Mitarbeitern
einen Firmenwagen stellen möchte. Die Technik des Modells XXX
des Herstellers Y (Golfklasse) gefällt ihm ganz gut, aber die
Karosserie … arggghh
Nun kommt Scheich zum Hersteller Y und sagt, dass er auf die
Plattform des Y die Karosserie des Hausdesigners gesetzt haben
möchte. Da der Einkäufer des Scheichs Lopez heisst und der
Hersteller Y von dem Gag sich positives Marketing erhofft,
bekommt der Scheich die Änderung zum Selbstkostenpreis.
Frage an die Leser:
Wieviel muss der Scheich gegenüber der Serienausstattung mehr
zahlen?
Wie setzt sich die Urkalkulation des Herstellers zusammen ?
Lastenheft:
1000 Fahrzeuge
Strassenzulassung für Deutschland
Befestigungspunkte der neuen Karosserie entsprechen der
Serienkarosserie
nur eine Motorisierung (ggf. zwei Mototronic-
Programmierungen)
Variante A: gleiche Bestuhlung
Variante B: geänderte Bestuhlung v.a. drehbare Einzelsitze.

Achtung wird ein wenig länger, ist genau mein Thema, denn ich arbeite in dem Bereich !

Fangen wir mal hinten bzw. innen an : Motor = das geringste Problem. Ein neuer Aggregateträger ist schnell entworfen, sofern der Motor und das Getriebe in den vorhandenen Bauraum passen. Der Motor an sich ist heute eh nur ein Modul was beliebig austauschbar ist. D.h. ein Motor wird immer losgelöst vom Rest entwickelt. Bleibt nur noch die Peripherie (d.h. alle Anbauteile wie Lima, Kühler und natürlich die Verkabelung und Schlauchverlegung). Aber das ist auch nicht das Problem.
Thema Innenraum : Die leichteste aller Übungen. Im Innenraum sind keine Grenzen gesetzt, ausser bei den Drehsitzen, diejenigen die man aus den Wohnmobilen oder den Kleinbussen kennt, passen dummerweise nicht in einen normalen PKW ! Abhilfe ist schwierig da der Sitz ein Crashelement ist und umfangreiche Sicherheitstests durchlaufen muß. Die Kosten einen solchen Sitz zu entwickeln wären ziemlich astronomisch ! Da muß man noch ein wenig warten ob da was kommt !
Thema Aussenhaut : Da kommt es auf dem Umfang der Änderung an. Ein gutes Beispiel ist der Bergleich zwischen einem normalen Golf II und den damaligen Golf Rally G60 auf Basis des Golf II. Beim G60 waren halt die Radläufe ausgestellt und diverse andere Kunststoffteile verbaut. Der Verwandschaft zum Golf war auch erkennbar. Dummerweise baut man heute die Autos nicht mehr so wie früher den Käfer, der hatte noch eine richtige Bodengruppe wo man seiner Kreativität freien Lauf lassen konnte beim Aufbau. heute nicht mehr möglich durch selbsttragende Karrosserie. Wenn man die Rohkarrosse beibehält bleiben zur Änderung nur noch die Kotflügel vorne, Motorhaube, evtl. Frontblech sowie sämtliche Kunststoffteile. Mit ein wenig mehr Aufwand kann man noch die Seitenwände ändern (= gleich andere Kotflügel hinten). Mit ein wenig viel mehr Aufwand auch die hintere Dachpartie. Und wenn man schon dabei ist kann man auch die A-Säulen neu machen, dann gilt aber das gleiche wie für die Drehsitze !

Kommen wir zu den Kosten !
Annahme : Das Auto wird in Serie gebaut, d.h. es ist kein Umbau !
Gehen wir mal von einer Stückzahl von 1000 Stück aus.
(Anm. des Autors dumme Stückzahl ! zuviel für Prototypenserie zuwenig für Großserie, hängt mit den Werkzeugen zusammen)

Innenraumumbau : ca. 1.000.000 EUR (ohne Drehsitze)
Motor/Getriebe : ca. 500.000 EUR bei Verwendung eines Großserienmotors
Aussenhaut (komplette Änderung, ganz großes Programm) : ca. 8.000.000 EUR

Alle Preise inkl. Material, Arbeitskosten (da viel Handarbeit)und Maschinenkosten, aber ohne alle notwendigen Tests !

Das Problem dabei ist die Strassenzulassung. Bis ca. 300 Stück gilt ein Ausnahmeregelung. Da erhält der Wagen eine Zulassung mittels besonderer Einzelabnahme. Bei 1000 Stück gelten wieder andere Vorschriften, da muß man wieder Crashen !

Beste Beispiele für solche Autos sind Opel Speedster, BMW Z8 oder diverse engl. Modelle (Aston Martin, Jaguar, McLaren). Die Autos sind im Vergleich zu Großserienfahrzeugen ja um einiges teurer. Siehe Opel Speedster, nix dran mit Baukastenmotor kostet aber soviel wie ein guter A4.

Aber dennoch bezahlbar für die meisten der Scheiche !

Falls noch Fragen, einfach fragen !

In diesem Sinne…

Unn wech, Ingo

Hallo Ingo,

Wie setzt sich die Urkalkulation des Herstellers zusammen ?
Lastenheft:
1000 Fahrzeuge
Strassenzulassung für Deutschland
Befestigungspunkte der neuen Karosserie entsprechen der
Serienkarosserie
nur eine Motorisierung (ggf. zwei Mototronic-
Programmierungen)
Variante A: gleiche Bestuhlung
Variante B: geänderte Bestuhlung v.a. drehbare Einzelsitze.

Achtung wird ein wenig länger,

dies ist gewollt

ist genau mein Thema, denn ich arbeite in dem Bereich !

schön

Fangen wir mal hinten bzw. innen an : Motor = das geringste
Problem. Ein neuer Aggregateträger ist schnell entworfen,
sofern der Motor und das Getriebe in den vorhandenen Bauraum
passen. Der Motor an sich ist heute eh nur ein Modul was
beliebig austauschbar ist. D.h. ein Motor wird immer losgelöst
vom Rest entwickelt. Bleibt nur noch die Peripherie (d.h. alle
Anbauteile wie Lima, Kühler und natürlich die Verkabelung und
Schlauchverlegung). Aber das ist auch nicht das Problem.
Thema Innenraum : Die leichteste aller Übungen. Im Innenraum
sind keine Grenzen gesetzt, ausser bei den Drehsitzen,
diejenigen die man aus den Wohnmobilen oder den Kleinbussen
kennt, passen dummerweise nicht in einen normalen PKW !
Abhilfe ist schwierig da der Sitz ein Crashelement ist und
umfangreiche Sicherheitstests durchlaufen muß. Die Kosten
einen solchen Sitz zu entwickeln wären ziemlich astronomisch !

OK, Variante B (Drehsitze etc. wird fallen gelassen)

Thema Aussenhaut : Da kommt es auf dem Umfang der Änderung an.
Dummerweise baut man heute die Autos nicht
mehr so wie früher den Käfer, der hatte noch eine richtige
Bodengruppe wo man seiner Kreativität freien Lauf lassen
konnte beim Aufbau. heute nicht mehr möglich durch
selbsttragende Karrosserie. Wenn man die Rohkarrosse beibehält
bleiben zur Änderung nur noch die Kotflügel vorne, Motorhaube,
evtl. Frontblech sowie sämtliche Kunststoffteile.

da darf es ruhig etwas mehr sein

Mit ein wenig viel mehr Aufwand auch die hintere Dachpartie.
Und wenn man schon dabei ist kann man auch die A-Säulen neu
machen, dann gilt aber das gleiche wie für die Drehsitze !

mmh

Kommen wir zu den Kosten !

Annahme : Das Auto wird in Serie gebaut, d.h. es ist kein
Umbau !

jo

Gehen wir mal von einer Stückzahl von 1000 Stück aus.
(Anm. des Autors dumme Stückzahl ! zuviel für Prototypenserie
zuwenig für Großserie, hängt mit den Werkzeugen zusammen)

Kommt viermal 300 Stück günstiger ? Von den Werkzeugen und den einzusparenden Crashversuchen ?
Ist da Karmann mal anzufragen oder macht dies Autohersteller Y wahrscheinlich günstiger ?

Innenraumumbau : ca. 1.000.000 EUR (ohne Drehsitze)
Motor/Getriebe : ca. 500.000 EUR bei Verwendung eines
Großserienmotors

wirklich 500 TEuro, obwohl das Innenleben gleich bleibt und nur die Verkabelung etwas modifiziert werden müsste. Ich ging beim Beispiel von der Annahme aus, dass die Anordnung des kompl. Motorblocks (Motor, Kühlung, LiMa, Kupplunng, Getriebe) und der (Boden-) Rahmen mit dem Serienfahrzeug übereinstimmt. letzteres war mit der Bemerkung gleiche Befestigungspkt wie Serienprodukt im Lastenheft gemeint.

Aussenhaut (komplette Änderung, ganz großes Programm) : ca.
8.000.000 EUR

in summa: 9.5 Mio EUR, macht 9.500 Euro pro Wagen

Alle Preise inkl. Material, Arbeitskosten (da viel
Handarbeit)und Maschinenkosten, aber ohne alle notwendigen
Tests !

wieviel kosten die Werkzeuge und wieviel das Material
Kannst Du mal über den Daumen peilen,
wie die Kalkulation für 300 Wagen (analog Prototypenserie) oder für 2500 Wagen (als Wehnachtsgeschenk für die Haushalte der liben Verwandschaft bzw. guten Bekannten, damit deren Gärtner auch einen netten Wagen ahben) aussehen würde ?

Das Problem dabei ist die Strassenzulassung. Bis ca. 300 Stück
gilt ein Ausnahmeregelung. Da erhält der Wagen eine Zulassung
mittels besonderer Einzelabnahme. Bei 1000 Stück gelten wieder
andere Vorschriften, da muß man wieder Crashen !

Aber dennoch bezahlbar für die meisten der Scheiche !

aber der Einkäfer Lopez kennt sich aus und was er spart, kann er in seinen Harem stecken+

Tschuess Marco.

Hallo Marco,

sorry hat ein wenig länger gedauert.

Gehen wir mal von einer Stückzahl von 1000 Stück aus.
(Anm. des Autors dumme Stückzahl ! zuviel für Prototypenserie
zuwenig für Großserie, hängt mit den Werkzeugen zusammen)

Kommt viermal 300 Stück günstiger ? Von den Werkzeugen und den
einzusparenden Crashversuchen ?

Ob viermal 300 oder einmal 1200 macht für die Zulassung keinen Unterschied.
Bei den Werkzeugen ist es der entscheidende Unterschied ob ich ein Prototypenwerkzeug fertige (schneller und leichter herzustellen, dafür benötigt man aber andere Fräsköpfe, CNC-Maschinen etc., dafür ist die Haltbarkeit nicht genauso lang wie bei Serienwerkzeugen). Die Crashversuche sind eine zwingende Vorraussetzung für eine Zulassung auf dem Markt. Hinzu kommen aber noch viel mehr Tests (insbesondere Qualitäts-, Dauerlauf- und Sicherheitsuntersuchungen), wobei ein Großteil (bis auf die vorgeschriebenen ECE-Prüfungen) dieser Tests auf freiwilliger Basis durchgeführt wird, um die Qualität der Autos zu beurteilen und verbessern zu können.

Ist da Karmann mal anzufragen oder macht dies Autohersteller Y
wahrscheinlich günstiger ?

Karmann ist ein Karosseriebauer. D.h. er baut die Karosserien nach Kundenvorgabe oder auch nach Eigenentwicklung. Im Bereich Chassis ist Karmann sicherlich der richige Ansprechpartner (oder auch pininfarina oder bertone). Innenraum oder auch Elektrik und Motoren sind nicht unbedingt Karmanns Spezialitäten. Vom Gesamtprojekt gesehen wäre der Hersteller die bessere Wahl.

Motor/Getriebe : ca. 500.000 EUR bei Verwendung eines
Großserienmotors

wirklich 500 TEuro, obwohl das Innenleben gleich bleibt und
nur die Verkabelung etwas modifiziert werden müsste.

Wenn du einen anderen Motor einbauen willst kommt es darauf an, ob dieser Motortyp in diesem Chassis eingeplant war. Z.B. ist es durchaus möglich einen 2,5l TDI Motor in einen VW Golf einzubauen. Nur da es so vom Hersteller nicht vorgesehen ist muß man halt diverse Umbauten vornehmen. Wenn man einen vorgesehenen Motor einbauen will ist es ja kein Umbau mehr sondern nur eine andere Ausstattungsvariante !

in summa: 9.5 Mio EUR, macht 9.500 Euro pro Wagen

Gut gerechnet ! :wink:

wieviel kosten die Werkzeuge und wieviel das Material
Kannst Du mal über den Daumen peilen,

schwierig, hängt davon ab welche Qualität der Materialien verwendet (ganz besonders im Innenraum ! Beispiel Leder)
Werkzeuge würde ich auf etwa 3 (+/- 1) Mio. schätzen, ist aber nur eine sehr grobe Schätzung.

wie die Kalkulation für 300 Wagen (analog Prototypenserie)
oder für 2500 Wagen ?

Für 300 Wagen wird es teurer (wieviel kann ich nicht sagen). Zum Vergleich : Die ersten 5 Autos eines neuen Modells kosten ca. 2 Mio EUR (je Stück !) Eine Prototypenserie (ca. 150 Fahrzeuge) kosten ca. 15-20 Mio. ! Das ist auch der Grund warum diese Autos mehrmals gecrasht werden, wenn möglich. Oder erst Fahrwerksuntersuchungen und dann Crash. Die Autos werden richtig ausgereizt.

Für 2500 Wagen ändert sich der Preis nicht, und wenn nur geringfügig. Von einer Serie spricht ab ca. 15000 Stück. Die Lebensdauer von Werkzeugen in der Automobilindustrie entspricht ca. 30000 - 50000 Stück (je nach Aufwand und Ausführung).

aber der Einkäfer Lopez kennt sich aus und was er spart, kann
er in seinen Harem stecken+

Was macht der gute Mann eigentlich ! Weißt das was über ihn ?

Da der Artikel langsam ins Archiv wandert und ich ab Samstag zwei Wochen im Urlaub bin, schlage ich vor wenn du noch weitere Fragen hast schreib mir ein mail.

Unn wech,

Ingo