Hallo,
vorneweg möchte ich sagen, daß ich 6 Jahre in diesem Verein mitgespielt habe und froh war als es vorbei war (Ende 2005). Unabhängig davon daß ich dort sehr viel Spaß hatte und wir anfänglich ein absolut abgebrühter Haufen waren, die immer mit einem Bein im Disziplinarverfahren gestanden haben bzw. ich jeden Monatsersten pünklich mein Geld auf dem Konto hatte hat es mich ziemlich belastet.
Ich habe dort sehr viel erlebt, Bekannte durch Selbstmord oder Unfälle verloren, Kinderschänder überführt und so weiter und so weiter. Insgesamt hat die Qualität der Soldaten sehr sehr nachgelassen, man bekam zum Ende hin das Gefühl, die Bundeswehr räumt die Arbeitslosen von den Straßen.
Totale soziale Versager und Wichtigtuer waren da am Ende an der Tagesordnung. Wir haben Sie „Christenverfolger genannt“, da sie versucht haben, Leuten wie uns das Leben schwer zu machen. Vor ca. 5 1/2 Jahren hätte ich das Wahrscheinlich alles anders gesehen, aber das ist heute meine Ansicht. Ich habe 6 Jahre in der Kaserne gewohnt und das hat am Ende auch keinen Spaß mehr gemacht, obwohl ich ein 1a eingerichtetes Einzelzimmer mit Satellitenfernsehen, Internet, Kühlschränken, Sofas und so weiter hatte.
Mein Hauptbeweggrund zum gehen waren tatsächlich die anderen Soldaten. Es hat mir keinen Spaß mehr gemacht, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich nach dem Toilettengang die Hände nicht waschen können oder die nicht wissen das man Türen leise zu machen kann bzw. wofür die Klinke ist.
Da Glücklicherweise fast alle unserer lustigen Truppe zeitgleich entweder aus dem Dienst entlassen wurden oder in einen neuen Standort versetzt wurden, ist die Trennung nich so schwer gefallen. Es haben einem die personen leid getan, welche noch einige Jahre vor sich hatten.
Jetzt meine Fragen:
- beim Grundwehrdienst, muss ich da auf irgendwas bestimmtes
achten? (doch lieber Unterwäsche (Unterhemd?) kaufen? Was ist
mit Wertsachen (Handy, Portemonnaie)?
Wenn es noch so ist, daß man für einen gewissen Betrag die Bundeswehrunterwäsche kaufen kann, lass es! Die geilen weißen Feinripp-Unterhosen mit Eingriff haben mich zwar immer sehr scharf gemacht, aber ich hab sie nie getragen. Kauf dir vielleicht noch 2-3 warme Unterhemden im Geschäft, aber jetzt ist es eh nicht mehr so kalt.
- Ich würde dort die Fachrichtung des Fachinformatiker für
Systemintegration bzw. IT-Systemkaufmann einschlagen. Wie gut
ist diese Ausbildung?
Kann ich nicht beurteilen, da keine Erfahrungswerte. Ich denke es nennt sich auch bei Dir ZAW-Maßnahme,oder. Ich bin der Meinung, diese Ausbildungen sind bei zivilen Arbeitgebern nicht sehr gut angesehen, da sie wissen, daß beim Bund auch während der Ausbildungen in erster Linie nur rumgepimmelt wird. ZAW-Leute haben wir immer gehasst, da es in unseren Augen keine richtigen Soldaten waren.
- Wie siehts aus, wenn ich nach den 12 Jahren? Gibt es Chancen
das mich der Bund übernimmt?
Übernimmt in Form eines Berufssoldaten. Diese Variante könntest Du wählen und es muß auch nicht bis zur Rente gehen. Es gibt Mittel und Wege, mit medizinischen Dienstfähigkeitsgutachten eventuell wieder herauszukommen, falls es einem dann doch nicht mehr liegt.
In der Regel können Berufssoldaten aber draußen erst recht nichts und sind teilweise schon etwas realitätsfremd. „König in der Kaserne, hilfloser niemand in der Außenwelt“
- Wie gut stehen dann meine Chancen in der freien
Marktwirtschaft?
siehe 2 Beiträge weiter oben
- Dürften die Ausbildung dann immernoch das Richtige sein?
Egal was ich bis heute gemacht habe, es war nie das Richtige, ,an lernt aus seinen Fehlern.
Mein Problem ist es, ich bin zwar von der schulischen Leistung
her nicht gut (stehe aufs Kriegsfuß mit dem lernen + bin auch
Abiabbrecher), aber von der Zusatzqualifikation unschlagbar
gut (habe viele Sprachreisen, Auslandsaufenthalte hinter mir,
div. VHS Kurse (viele IT-Kurse), …), trotzdem ist es sehr
schwer für mich eine duale Ausbildung zu finden.
Naja, ich bin auch Schulabbrecher, da ich lernen nicht als sehr Spaßfördernd empfand. Den Abiturienten aus meiner alten Klasse geht es aber nicht unbedingt besser als mir, wenn Sie nicht studieren.
Zuletzt:
Unterschätze den Dienst in der Bundeswehr nicht. In der Grundausbildung und in den ersten Monaten wirst Du nicht sehen, wie die eigentliche Arbeit dort ist, wenn man auf andere angewiesen ist. Wenn nichts klappt und Dir keine hilft, kann es schon verzweiflung geben und sehr wütend machen. Vielleicht erst recht im Einsatzland.
Ich habe viele im Bekanntenkreis, die Einsätze psychisch nicht verkraftet haben, mit dem Tod und dem Morden nicht umgehen konnten. Diese Personen sind seelisch sehr kaputt. Wenn sich andere Soldaten plötzlich selbst erschießen und alles im Auto voller Blut ist, kannst du Dich nicht Abends ins Bett legen und einfach schlafen.
Gefählich ist es, wenn Waffen im Spiel sind und sich Personen persönlich nicht sympathisch sind. So gab es z. B. in einem Einsatz einen Idioten, der immer und überall alle Hunde Abschießen mußte, weil er sich dann so gefreut hat und einen runterholen konnte. Nun gefällt das einem sehr tierlieben Soldaten nicht so sehr, weil die Hunde ja keinem etwas getan haben. Wenn es so eskaliert daß sich Kameraden gegenseitig mit geladenen Waffen bedrohen und das ganze 3500 km von zu Hause aus passiert fragst Du Dich vielleicht, was hier eigentlich abläuft.
Naja … vielleicht schrieb ich später nochmal was dazu. Soviel erstmal von mir.
Grüße
Daniel