Karriere - Warum?

Hallo Allerseits,

ich denke, dass die folgende Frage in dieses Brett besser passt, als in das Philosophiebrett.

Warum sollte ein Arbeitnehmer eine Karriere anstreben?

Auf der einen Seite stehen mehr Geld und der Aufstieg in der sozialen Hierarchie. Dies wird aber mit einem hohen Einsatz an Zeit und Energie erkauft. Karriere steht somit in Konkurrenz zur Gesundheitserhaltung, zur Familie, zu Freundschaften, zu persönlichen Hobbies und zu ethischen Maßstäben.
Wenn ich mir Empfehlungen zum Thema Karriere anschaue, sehe ich niemals Einschänkungen, niemals kritische Anmerkungen. Karriere scheint immer nur positiv zu sein, egal in welchem Ausmaß.

Gruß
Carlos

Welcher Karrierebegriff
Hallo Carlos,

das Verständnis von Karriere, dass du, durchaus allgemein üblich, darstellst, lässt sich an der Anzahl der Köpfe „unter“ einem bzw. an der Verantwortung ablesen. Oder auch der selbst und von anderen gefühlten Wichtigkeit ablesen.

Mein Verständnis ist eher, dort zu sein, wo man hingehört. Und in diesem Sinne bin ich seit ca. 6 Jahren sehr wohl am Gipfel meiner Karriere in einem kleinen Unternehmen mit keiner Aussicht und keinem Interesse ein Leiterstüfchen höher zu klettern, aber dem Interesse (besonders nach dem Verkauf und der Entsorgung unseres ehem. Möchtegern-Geschläftsführers) meine Arbeit immer mehr besser zu machen:

  • meine Kollegen (interne Kunden) mehr und schneller zufrieden zu stellen

  • unsere Kunden mehr und schneller …

und dadurch persönlich täglich zufriedener nach zu Hause gehen,

  • und durch eigene Optimierung und Rationalisierung und mehr Verständnis meiner komplexen Aufgabenstellungen für mich selbst intellektuelle Befriedigung zu finden. Und das täglich. Ich empfinde das immer wieder mal als unglaublichen Luxus.

Gruß

Stefan

PS: Ich erstelle Handbücher und Vertriebsunterlagen für Industrieelektronik

Hi Carlos,

Hallo Allerseits,

ich denke, dass die folgende Frage in dieses Brett besser
passt, als in das Philosophiebrett.

Finde ich nicht.

Warum sollte ein Arbeitnehmer eine Karriere anstreben?

Die Motivationen mögen sehr unterschiedlicher Natur sein, z.B.

  • mehr Geld
  • höherer sozialer Status
  • mehr Macht und Einfluß
  • Lebensaufgabe erfüllen
  • Weltverbesserungen (teils)
  • Anerkennung
  • Selbstwertgefühl
  • Selbstzufriedenheit
  • Glück
  • Freude
  • Lebenssinn
  • Bildungsniveau (könnte ansteigen, und wenn auch nur bei den Nachkommen)
  • u.a. qualitativeres Essen führt zu
  • mehr Lebensqualität
  • mehr Lebensquantität
  • Partnerwahl (eventuell besser)

    Gleich was man selbst damit beabsichtigt, die Umwelt reagiert auch auf Menschen die Karriere machen. Sie werden als „attraktiver“ angesehen, werden mehr bewundert…

Weshalb die Schattenseiten nicht in den Karrieretipps stehen, nun, vielleicht kennst Du nicht die richtige Literatur? Vielleicht wird davon ausgegangen, dass die Leute dann früh genug die Schattenseiten kennenlernen? Vermutlich kennen die Verfasser mancher Literatur selbst keine Lösungen.

Karriere machen muss nicht unbedingt hohen Zeiteinsatz fordern, wenn es das auch zumeist tut. Manche verdienten ihr Geld schon im Schlaf mit einer pfiffigen Idee. Und manche Menschen mögen ihre „Karriere“ gar nicht als Arbeit und Zeitaufwand sehen, sondern weil das was sie tun, mit Leib und Seele gern tun. Das ist wenigstens mein persönlicher Favorit und mein persönliches Ideal.

Menschen die Karriere anstreben, gerade Managertypen haben auch eine erhöhte Neigung zu Erkrankungen wie Herzinfarkt. Geplant mag ja sein, ein Haus zu bauen, finanziell sich absichern und dann kürzer treten, was in diversen Tretmühlen gar nicht möglich ist. Und der Preis dafür ist ein Stück weit auch eine „vaterlose Gesellschaft“. OKay, es gibt auch mehr alleinerziehende Väter, doch nach wie vor ist das JOb der Frauen.

Es kommt drauf an wie Karriere definiert wird. Manche Mutter die ihre Kinder mit Liebe gut auf das Leben vorbereitet, macht auch einen guten Job, auch wenn das nicht als Karriere bezeichnet wird. Schade. Manch ein Lehrer der vielleicht nicht viel verdient, der jedoch seinen Schülern neben Wissen auch Werte vermitteln kann, macht auch im klassischen Sinn keine Karriere, kann jedoch mit dem was er tut sehr erfolgreich sein und auch unverzichtbar.

Es sollten alle Lebensbereiche die einem Menschen wichtig sind, berücksichtigt werden und nicht zu kurz kommen. Selbst wenn Mensch meint, wenn XY geschafft ist, dann… das wird oft nicht der Fall sein, weil es stets neue Ziele zu erreichen gilt, so ohnehin nichts dazwischen kommt. Also, abwägen, was ist wie wichtig. Und Kinder brauchen einen Vater vielleicht nicht erst wenn er im Seniorenheim ist. :smile:

Ciao,
Romana

Auf der einen Seite stehen mehr Geld und der Aufstieg in der
sozialen Hierarchie. Dies wird aber mit einem hohen Einsatz an
Zeit und Energie erkauft. Karriere steht somit in Konkurrenz
zur Gesundheitserhaltung, zur Familie, zu Freundschaften, zu
persönlichen Hobbies und zu ethischen Maßstäben.
Wenn ich mir Empfehlungen zum Thema Karriere anschaue, sehe
ich niemals Einschänkungen, niemals kritische Anmerkungen.
Karriere scheint immer nur positiv zu sein, egal in welchem
Ausmaß.

Gruß
Carlos

Hallo Allerseits,

ich denke, dass die folgende Frage in dieses Brett besser
passt, als in das Philosophiebrett.

Sehe ich nicht so. So wie du die Frage gestellt hast, passt sie besser in Philosopiebrett.

Mann kann über deine Frage nur Philosophieren. Es ist eine persönliche Sache. Manche machen gerne Karriere und verzichten für mehr Geld und Ansehen auf Freizeit etc. Andere geben sich mit etwas weniger Geld zufrieden und genießen dafür ihre Freizeit ausgiebiger. Eine rein persönliche Einstellung - deswegen Philosphie.

Gruß

Samira

Danke an Alle
Hallo Allerseits,

ich möchte mich für eure antworten bedanken.

Stefan brachte den wichtigen Aspekt der persönlichen Weiterentwicklung mit rein. Ich denke dieser Gedanke wird bei Thema Karriere oft übersehen, obwohl er für das persönliche Glück wichtiger sein dürfte, als andere Aspekte der Karriere.

Bezüglich der Philosophie sehe ich es anders als Samira. Die Frage ob BMW oder Mercedes könnte man auch als philosophische Frage betrachten. dennoch gehört sie in das Vier-Räder-Brett. Karriere ist ein Kerngedanke diesen Brettes. Dann sollte man doch von den Leuten wenigstens erwarten, dass sie sich Gedanken machen, warum sie Karriere machen wollen. Insofern war die Menge Reaktionen recht mager.

Besonders gut hat mit der Artikel von Romana gefallen, der eine lange Auflistung überzeugender Argumente gebracht.

Aber bei den Punkten Freude, Glück und Lebenssinn lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Genau das sind die Dinge, die die_klassische_ Karriere nicht bringen. Es wäre mit der Behauptung vergleichbar, dass mehr Einkommen glücklicher macht.
Es ist verständlich, dass Menschen, die in Hierarchien ganz unten sind, im Schnitt unglücklicher sind, vergleichbar sehr armen Menschen. Aber eine steigende Karriere mehrt eben nicht das Lebensglück.

Stell dir vor, du bist 80 und hast in deinem Leben Karriere gemacht. Du bist bis ins Management vorgestoßen. Dafür hast du viele Opfer gebracht und Vieles gemacht, was du bereust (falls noch etwas Gewissen übrig ist).
Was hinterlässt du dann? Der Wert oder Zustand deiner letzten Firma ist egal, denn Loyalität ist bei der Karriere ab einer gewissen Stellung irrelevant.
Dankbare Menschen? Manager, die von ihren Untergebenen geliebt werden sind rar.

Spätestens wenn die Gesundheit angegriffen ist oder der Tod winkt, fangen karrierebewußte Menschen an, ihren Lebensweg zu überdenken. Ich befasse mich häufig mit schwerkranken Menschen und noch nie habe ich eine Bemerkung gehört, „Ich hätte härter an meiner Karriere arbeiten sollen.“ oder „Ich hätte mich in meine Job mehr anstrengen müssen.“.
Wenn, dann höre ich eher das Gegenteil.

Deswegen stehe ich dem gängigen Karrieregedanken (Beförderung, mehr Geld, schönerer Titel), dem auch ich früher gedankenlos folgte, heute kritisch gegenüber.

Gruß
Carlos