Karstadt und seine Restrukturierung
So, und nun wie versprochen noch ein paar Dinge zum Restrukturierungskonzept. Man will sich auf sein Kerngeschäft besinnen, d.h. große Warenhäusern in Toplagen, also bspw. das Karstadt-Haus am Wehrhahn in Düsseldorf. Direkt gegenüber steht eine Galeria Kaufhof und im Umkreis von 400 Metern liegen zwei der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Europas (Schadowstraße und Königsallee).
In vielen anderen Ziellagen sieht es genauso aus. Direkt um die Ecke der Hauptkonkurrent und ansonsten umgeben von attraktiven Einkaufszonen. Das soll funktionieren? Der Handel schlägt eh eine Rabattaktion nach der anderen, Kaufhof und Karstadt dabei meist zufälligerweise auch noch gleichzeitig. Rendite ist da kaum zu erwirtschaften und inzwischen sind die Kunden schon so gepolt, daß sie ihre größren Einkäufe bis zur nächsten Rabattaktion aufschieben. Umsatz wird also nicht generiert sondern nach hinten verschoben.
Auf die Klamottenabteilung von Karstadt mit ihren vielleicht 2000 oder 3000 Quadratmetern kommen hier mindestens 30 Klamottengeschäfte, d.h. man sieht gegen das Gesamtsortiment aller anderen Läden schwach aus. Außerdem hat man das Sortiment in den letzten Jahren erheblich ausgedünnt. „Normale“ Dinge bekommt man weder bei Karstadt noch bei Kaufhof, d.h. man ist bei einem Großeinkauf ohnehin darauf angewiesen, andere Geschäfte zu besuchen, d.h. wiederum, daß man sich seine eigene Konkurrenz selbst gestärkt hat.
Kommen wir zu den abzugebenden Bereichen: Warenhäuser in zweifelhaften Lagen und Fachmärkte. Nehmen wir SinnLeffers. Harte Vergangenheit und problematische Branche. Aber H & M verdient Geld und einige andere auch. Hier besteht offensichtlich Potential, was noch nicht gehoben wurde. Also wirds verkauft.
Nehmen wir die Häuser in kleineren Städten. Anstatt 25 Kilometer in die nächste Stadt zu fahren, kauft man lieber vor Ort ein, auch wenn es ein paar Cent teurer ist und man nicht alles bekommt. Nun hat man in diese Häuser in den letzten Jahren praktisch nicht investiert, weil es ja galt, die Toplagen zu renovieren. Die kleinen Häuser haben also an Attraktivität verloren und nutzen somit ihre Potentiale nicht aus. Also wirds verkauft.
Was bleibt ist - neben Quelle, einem austauschbaren Versandhandel mit überteuerten Preisen - das Kerngeschäft. Ein Kerngeschäft, das m.E. keine Zukunft und im jeweiligen Umfeld keine Existenzberechtigung hat.
So kann man ein Unternehmen auch ruinieren.
Gruß,
Christian,
der sich heute abend mal wieder den großen Bellheim anschaut. Da hatte wenigstens jemand Format und unternehmerische Weitsicht.