Kassiererinnen bei Lidl

Kürzlich war ich mal bei Lidl in einem grenznahen Ort in Frankreich…

Mein Frage lautet: gibt es in Deutschland/EU Arbeitsgesetze oder andere Möglichkeiten, die die nachstehend geschilderte Arbeitsweise für Kassiererinnen verbieten kann?

Folgendes ging an der Kasse vor sich:
-sehr kurzes Laufband, verengter Durchgang, ohne Warenauffang am Ende.
-die Kassiererin tippte meine Ware ein und während ich diese wieder in den Korb beförderte, tippte sie bereits die Ware der nächsten Kundin ein.
-als ich bezahlen wollte, bezahlte gerade die Kundin hinter mir, deren Ware noch auf dem Band lag, ich kam dann als nächste wieder dran und bezahlte ebenfalls.
-Die Kundin hinter mir mußte auf mich warten, weil sie nicht an mir vorbei und ich auch nicht ausweichen konnte.

Was hier abging, habe ich sonst noch nirgends erlebt - es werden immer zwei Kunden gleichzeitig abgefertigt, die Kasse hat dafür eine „Halteposition“, Kunde 1, Kunde 2.

Die Kassiererinnen an den Kassen waren enorm gestreßt, heißgelaufene, glühende Wangen, offensichtlich nervös…
Die Kundin hinter mir entschuldigte sich, daß sie vor mir drangekommen war, die Kassiererin entschuldigte sich, weil ich warten mußte, bis die Kundin hinter mir bezahlt hatte. Dabei konnte keine etwas dafür und doch hatten beide ein schlechtes Gewissen.

Lidl ist ja inzwischen hinlänglich als mieser Arbeitgeber bekannt, was hier geschieht ist für ALLE Beteiligten im Laden untragbar, ganz besonders aber für die Kassiererinnen, die ständig ZWEI Vorgänge im Kopf haben müssen, so als sollte ein Pferd jetzt Galopp laufen und in der nächsten Sekunde rückwärts springen! Nicht, daß ich die Kassiererinnen für Pferde halte, aber sie bräuchten die Konstitution eines solchen, um nicht zusammen zu klappen.

Ob am Abend bei diesem enormen Streß die Kasse stimmen kann, das frage ich mich ebenfalls - und wer muß dann für die evtl. durch Superstreß verursachten Differenzen gerade stehen? Etwa auch die Kassiererinnen?

Am nächsten Tag ging ich zu Lidl grenznah auf deutscher Seite, dort gibt es dieses maßlose Ausbeuten der Kassiererinnen NOCH? nicht!

Kann man den Kassiererinnen als Kunde helfen, indem man betont langsam wegpackt und zahlt? Aber ich habe gehört, daß z.B. bei Aldi 90 Kunden pro Stunde durch die Kasse geschleust werden müssen, sonst gibts dicke Luft. Sollen bei Lidl nun 180 Kunden stündlich durchgeschleust werden? Was können wir als Kunden machen?

Meines Erachtens müßte Lidl verklagt werden, um diese Zustände umgehend abzuschaffen und sie nicht noch woanders einreißen zu lassen.

Gruß,
Cantate

Servus,

ein Hinweis am Rande: Genau wie es diesseits der Grenze Edeka, Tengelmann und die Türkenläden gibt, gibt es in F Casino, Coccinelle und die Algerierläden.

Man muss nicht bei Händlern kaufen, in deren Läden es einem nicht gefällt. Hüben wie drüben nicht.

Schöne Grüße

MM

Hallo Cantate,

meine Nichte hat vor 4 Jahren, nach Abschluss ihrer Ausbildung zu Einzelhandelskauffrau in ihrer Not - um nicht arbeitslos zu sein - eine Teilzeitstelle bei Lidl angenommen. 20 Stunden/Woche für 500 € brutto.
Ihr wurde im Bewerbungsgespräch in Ausssicht gestellt, als „Gelernte“ recht bald Filialleiterin zu werden und damit eine Vollzeitstelle bei deutlich höherem Lohn zu haben. Am ersten Arbeitstag wurde ihr mitgeteilt, dass von ihr Überstunden - ohne Lohnausgleich - erwartet werden. Konkret bedeutete dies, dass sie praktisch ab dem 1. Arbeitstag als Vollzeitkraft eingesetzt war, ja sogar, dass sie bis zu 10 Stunden pro Tag arbeitete. Recht schnell stellte sich heraus, dass ausser ihr, noch weiteren „Gelernten“ (Einzelhandelskaufleuten) dieselben Perspektiven in Aussicht gestellt wurden. Da bekanntlich immer nur eine Person Filialleiter/in sein kann, war es ein einziges Hauen und Stechen unter den Beschäftigten. Jeder wollte besser sein als der andere. Nach relativ kurzer Zeit war meiner Nichte klar, dass sie entweder zu fiesen Tricks greifen muss - oder kündigt.

Welch ein Glück für sie: meine Nichte hat, weil sie nebenbei nach weiteren Stellen Ausschau geshalten hat, einen Arbeitsplatz gefunden, der zwar ebenfalls schlecht bezahlt ist, aber in einem Betrieb, in dem es relativ fair zugeht.

Um es kurz zu machen: ich habe seit 4 Jahren nicht mehr bei Lidl eingekauft. Meine Verwandtschaft auch nicht. Wir werden es auch nicht mehr tun. Sicher bemerkt Lidl unseren Boykott überhaupt nicht. Es sind ja nur ca. 15 Haushalte, die diesen Umgang mit dem Personal schäbig empfinden. Egal. WIR kaufen bei Lidl&Schwarz, zu denen auch Kaufland und Handeshof gehören, nichts mehr.

Viele Grüße
Maralena

Hallo Maralena,

tja, vor einigen Jahren hätte ich auch so konsequent reagiert. Aber wenn Du Hartz IV als Einkommen hast?

Keine Chance, ich muss bei diesen Firmen kaufen.

Mehr möchte ich jetzt nicht dazu sagen.

Gruß Volker

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Hallo Maralena,

vielen Dank für diesen Beitrag. Hoffentlich lesen ihn viele, die auf Jobsuche sind …

Auch ich werde nicht mehr zu Lidl gehen. Doch das hilft den Kassiererinnen leider nicht. Auch totaler Boykott würde nur zum Jobverlust führen und leider brauchen viele so dringend Arbeit, daß sie selbst in diesen sauren Apfel beißen müssen, besonders in der heutigen Zeit. Und das nutzt Lidl SCHAMLOS AUS!

Ich werde mal Lidl direkt und die zuständige Gewerkschaft anschreiben, vielleicht bringt das was…

Gruß,
Cantate

Hallo,

Man muss nicht bei Händlern kaufen, in deren Läden es einem
nicht gefällt. Hüben wie drüben nicht.

Recht hast du, auch ich werde nicht mehr hingehen. Aber den Kassiererinnen ist damit nicht geholfen. Auch ein totaler Lidl Boykott würde viele arbeitslos machen, die aufgrund des Arbeitsplatzmangels „froh“ sind wenigstens einen Lidl-Job zu ergattern. Was Lidl SCHAMLOS AUSNUTZT! Was zählen für Lidl schon Menschen …

Ich werde mal an die Lidl Zentrale und die Gewerkschaft (d.h. jene, die zuständig wäre, wenn sie bei Lidl nicht verboten wäre) schreiben. Meine Stimme allein bewirkt vielleicht nichts, aber wenn sich noch mehrere beteiligen könnte es was bringen.

Gruß,
Cantate

Hallo Volker,

nur als kleine Ergänzung: ich kaufe nach wie vor bei Discountern ein. So reich bin ich nicht, dass ich nicht aufs Geld schauen müssete.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es bei den anderen auch nicht viel fairer zugeht. Aber Lidl meide ich, auch wenn ich dafür weiter laufen muss.

Viele Grüße
Maralena

Hallo Cantate,

die Idee mir der Gewerkschaft kannst Du leider knicken.
Lidl hat vor 2 Jahren in Calw, Baden-Württemberg, eine Filiale geschlossen, weil die Beschäftigten einen Betriebsrat gründen wollten. Sie wären mit ihrem Vorhaben - rein rechtlich - erfolgreich gewesen, aber das Unternehmen kam ihnen zuvor. Die Schließung wurde mit mangelndem Umsatz begründet. Der Vorfall ging hier lange durch die Tagespresse.

Glaube mir, wer den Job bei Lidl dringend bruacht, ist in keiner Gewerkschaft oder bekennt sich zumindest nicht dazu.

Logisch, die nutzen die Menschen schamlos aus, die in ihrer Notlage auf jeden noch so geringen Lohn angewiesen sind.

Viele Grüße
Maralena

Hallo Cantate,

Ich werde mal Lidl direkt und die zuständige Gewerkschaft
anschreiben, vielleicht bringt das was…

naja, die Gewerkschaft weiß da schon einiges: http://lidl.verdi.de/schwarz-buch/

Gruß, Karin