Hallo Anne,
zuerst zu meinem Lieblingsthema: Den Öffentlichen. Ein ganz ordentlicher Einstieg ist:
http://www.softdoc.es/guia_madrid/tra…
Der Verkehr ist weitgehend auf Madrid zentralisiert, so dass Du mit dem, was von/nach der Estación Sur (Busbahnhof Fernverkehr Madrid) fährt, schon viel abdecken kannst. Weiter hilft vornehmlich la Sepulvedana.
Eisenbahn ist so eine Sache: Cercanias von Madrid (einschließlich Toledo, Segovia) gut, aber sonst sorgfältig zu planen, weil der Schienenverkehr der RENFE viel besser als sein Ruf ist, aber eben ziemlich dünn. Wenn Du Dir auf der HP der RENFE etwas verloren vorkommst, wirst Du fast alles außer den Cercanias auch bei http://reiseauskunft.bahn.de finden.
Ordentliche 50.000er Karten scheint es zu geben, aber in Madrid hab ich keine finden können. Fachläden in Deutschland dürften eher besser versorgt sein (gleiches Spiel wie Italien, wo wir von Italienern wegen unserer recht ordentlichen Karten, gedruckt in Italien, gekauft in Heidelberg, bestaunt worden sind - die gleichen Karten in Italien zu finden, ist nicht so leicht)
Literatur: Meine persönliche Vorliebe ist die Kombination von zwei fast entgegengesetzten Führern, Peter Rump und Dumont. Aus der Reihe Peter Rump Reise Know How gibts einen Band Madrid und einen Band Kastilien und Leon. Die Büchlein bei Peter Rump sind ziemlich hilfreich, was technische Hinweise betrifft (wie wohin kommen, wo bleiben, wo essen etc.). Auch weniger „knöchern“ als die klassischen Führer, was Empfehlungen für scharmante Plätze etc. betrifft. Dumont spricht für sich - dort der Band „Zentralspanien und Madrid“.
„Lonely Planet“ ist Geschmackssache. Mir persönlich kommen die Lonely Planet-Führer oft so vor, als seien sie für Leute geschrieben, die vor allem reisen, um möglichst wenig Geld auszugeben, möglichst viele Kumpels für einen Abend zu treffen und einen viel zu schwer gepackten Rucksack vorwärts zu bewegen.
Kleiner Hinweis für Madrid: Willst Du mal Engel sehen, die eindeutig weiblichen Geschlechts sind, Schmetterlingsflügel haben und das in einer Kirche? Dann schau Dir San Antonio de la Florida an, ausgemalen von dem großartigen Katholiken und wütenden Pfaffenfresser Goya.
Toledo: Eine Nacht bleiben. Toledo ist bloß am Morgen und am Abend genießbar, wenn die Busse von/nach Madrid ihre Ladung noch nicht ausgespuckt bzw. schon wieder eingeladen haben. Dann aber sehr.
Segovia: Weil weniger berühmt, weniger überlaufen. Eine wundervolle Stadt. Ab Segovia fährt (glaube ich) die Sepulvedana nach La Granja. Im Park des barocken Landschlosses bist Du mit einiger Wahrscheinlichkeit allein - alle wollen nach Aranjuez.
Auf dem Weg nach Segovia eventuell ein Abstecher zum Valle de los Caídos. Ein grausiges Denkmal des Irrsinns. Ein eigenes KZ wurde von 1940 bis 1958 unterhalten, um eine unterirdische Basilika von 41m Höhe in den Felsen zu hauen und ein 150m hohes Kreuz darüber zu stellen.
Dieses ein paar Splitter.
Und noch zur Ergänzung der ersten gelöschten Version zwei Kleinigkeiten:
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Es lohnt sich, mit der Bahn nach Segovia zu fahren. Nicht nur wegen der Gegend, sondern auch wegen des Weges von der RENFE-Station in die Innenstadt. Ungefähr auf halbem Weg steht Sta Eulalia, eine romanische Kirche, auf deren Turm mitten in der Stadt mindestens fünf Storchenpaare brüten. Ein Bild, das sich einprägt.
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In Madrid gibts eine erfreuliche Adresse auf dem Weg zurück von San Antonio de la Florida, den Paseo de la Florida hinauf zum so gut wie stillgelegten Bahnhof Estación del Principe Pío. In dieser Richtung linker Hand ist in den Arkaden unterhalb des früher großen Bahnhofes eine Kellerwirtschaft untergebracht (Namen hab ich leider mehrmals vergessen, aber sie ist unverwechselbar): Die hat sich seit 1977, als ich keine zwei Jahre nach Francos Tod ein in ein romantisierendes Pseudomittelalter zurückgeknebeltes Madrid mit schlüsselrasselnden Nachtwächtern, Zigeunern in bunten Lumpen und unantastbaren Civiles mit lächerlichen Blechhüten gesehen habe, kaum verändert. Dort gibt es keine Karte, weil sich die leiblichen Vergnügungen auf eine hervorragend gute Asturische Sidra (in zwei Ausführungen, still und moussierend) und halbe Pollos beschränken. Der Sidra-Dunst, die Kellner, die aus der Flasche über die Schulter mit schwungvoll gezieltem Strahl einschenken, die kleinen Leute, die ihren Besuch beim Hl. Anton begießen: Da werden die ausgelassen lauten Bauernburschen, die unberührbar verlockenden Majas mit dem Messer im Strumpfband, die betrunkenen Bauarbeiter, aber auch die Nachtgespenster von Freund Francisco de Goya y Lucientes allesamt wieder lebendig. Es ist selten, dass man Kunstgeschichte so greifbar vor Augen hat: In dieser Wirtschaft triffst Du in RL die Leute, für die San Antonio de la Florida gemalt worden ist, und die auf den Fresken dort dargestellt sind.
Viel Vergnügen wünscht
MM