Dir macht eine sogenannte Wechselpräposition zu schaffen. ›Vor‹ kann – wie ›an‹, ›hinter‹, ›zwischen‹ usw. – den Dativ oder den Akkusativ regieren, also nach sich ziehen. Mit dem Dativ (Fragewort in diesem Fall: Wo?) ist eine statische Bedeutung verknüpft:
(1) Der alte Mann sonnt sich an [diesem Baggersee]DAT.
(2) Die Vase steht hinter [den Töpfen]DAT.
(3) Ich laufe zwischen [den Geschwistern]DAT.
(4) Sie liegt vor [dem Haus]DAT.
Der Akkusativ (Fragewort: Wohin?) drückt eine dynamische Bedeutung aus:
(5) Der alte Mann legt sich an [diesen Baggersee]AKK.
(6) Die Vase stelle ich hinter [die Töpfe]AKK.
(7) Ich laufe zwischen [die Geschwister]AKK.
(8) Sie legt sich vor [das Haus]AKK.
An den Sätzen (3) und (7) kann man den Unterschied besonders schön sehen: Im Grunde bezeichnet ›laufen‹ immer etwas Dynamisches – warum also gibt es zwei Möglichkeiten? Im ersten Fall ist meine relative Position zu den Geschwistern statisch: Ich bewege mich fort, die beiden bewegen sich aber ebenfalls, und zwar in einer Weise, dass ich konstant zwischen ihnen bleibe. Das ist zumindest die naheliegende Interpretation: Dass sich die Geschwister gar nicht bewegen und ich auf der Stelle laufe, ist auch denkbar, aber wohl etwas weniger plausibel. Im zweiten Fall verlagere ich meine relative Position zu den Geschwistern und bin erst gegen Ende der Handlung des Laufens, und nicht die ganze Zeit, zwischen den beiden.
Dein Beispielsatz, auch wenn ›vor‹ temporal statt lokal gemeint ist, zielt auf eine dynamische Lesart: Wohin wird das Beobachten und Interpretieren gestellt? Vor [die Reaktion]AKK. Hat man das gemacht, befindet es sich quasi wo? Vor [der Reaktion]DAT. Letzteres wäre wieder die statische Sichtweise, weil das Beobachten und Interpretieren dort bleibt, wo es ist.
„Das sollte Lehrende dazu veranlassen, vor die Reaktion das
Beobachten und Interpretieren zu stellen[…]“
Hallo! Die Sache ist ganz einfach:
Die Angabe von Richtung und Ziel bei Verben und Präpositionen, die einen Vorgang ausdrücken, steht im Akkusativ.
Bei Verben und Präpositionen, die einen Zustand bezeichnen, wird der Dativ verwendet.
Gruß!
Hannes