Hallo.
z.B. Wie legt man Schrauben an, wie kürzt man was ab,
wonach kann die Suche am besten geschlüsselt werden?
Das genialste Suchsystem hat immer noch der Barras : „Eimer, Müll, Deckel, Klapp“ oder „Hose, Unter, Oliv, Lang“ funktioniert auch mit einem IQ unter Schrittgeschwindigkeit … auf dieses System komme ich gleich zurück.
Also, Sachnummernsysteme sollten möglichst zielgruppengerecht konzipiert werden. Der Logistiker hat da andere Bedürfnisse als der Konstrukteur, und wiederum ganz andere hat der liebe Kunde. Da es nun nicht praktikabel ist, für jede Zielgruppe ein eigenes System zu verwalten, wirst Du nicht umhin können, in irgendeiner Form einen Kompromiss zu finden.
Beispiel Schraube : Ausprägungsmerkmale von dat Ding sind zunächst die Größe (Schlüsselweite, Gewindegröße, Länge), die Gewindeform, die Art des Schraubenkopfes. Da es mehr Arten Schrauben gibt als schwarze Katzen in der Schweiz, fasst z.B. DIN gleichartige Schrauben unter einer Norm zusammen (DIN 960 -> Sechskantschrauben mit Feingewinde). Damit erhältst Du nach der ganz obigen Philosophie schon mal den Metabegriff „Schraube, Sechskant, Gewinde, Fein“. „Metrisch“ fehlt hier noch, aber das schenke ich mir jetzt mal.
Nun kommt die Eisenhose aus der Konstruktion angescheppert und beschwert sich, dass die Bezeichnung für die Schraube nichts über den verwendeten Werkstoff aussagt : Messing? Stahl? Aluminium? Tschuinggum? Also brauchen wir eine Begriffsergänzung für den Werkstoff.
Der Schraubenverkäufer hinwiederum wird nicht ganz zu Unrecht darauf verweisen, dass kaum ein Kunde mit dem Normenblatt zu ihm rennt, sondern, wenn er Glück hat, weiß, welchen Gewindedurchmesser und welche Länge er benötigt. Voilà, wir müssen auch die Abmessung noch irgendwie verfrühstücken.
Und unsere Eisenhose von neulich will auch noch die Güte des verwendeten Werkstoffs mit einfriemeln, von wegen der Scherfestigkeit (8.8? 10.9? 12.9?). Und die Oberfläche : weißverzinkt? gelbverzinkt? phosphatiert? Und wenn Du bei Harley arbeitest, sind die Schraubenköpfe auch noch gehärtet, damit beim Abrutschen auch ja der Schlüssel eine Macke bekommt und nicht unsere kostbare Schraube, was wir auch verkasematuckeln müssen. O hauer ha …
Wir fassen zusammen : „Schraube, Sechskant, Gewinde, Metrisch, Fein, Stahl, phosphatiert, 10.9, einsatzgehärtet, 40 lang, Schlüsselweite 10, Gewindedurchmesser 6“, das ist eine richtig schöne Pizza mit allem ohne Fisch.
Eine gute Idee für eine Sachnummernschlüsselvergabe ist zunächst die entsprechende DIN, in diesem Falle 960. Die Nummer fängt mit 960 an, was die Begriffe „Schraube, Sechskant, Gewinde, Metrisch, Fein“ erschlägt.
Jetzt kommt der Werkstoff an die Reihe : Stahl=1, Alu=2, Messing=3 …
Die Oberfläche : phosphatiert=1, verchromt=2, gelbverzinkt=3 …
Die Scherfestigkeit : 8.8=1, 10.9=2, 12.9=3 …
Härtung : 0=nix, 1=einsatzgehärtet …
Länge : sollte zwischen 0 und 999 alles abdecken, also drei Stellen …
SW brauchen wir nicht (jippi!), weil durch den Gewindedurchmesser festgelegt …
für diesen sollten wir eine zweistellige Zahl reservieren.
Und damit hat unsere „Schraube, Sechskant, Gewinde, Metrisch, Fein, Stahl, phosphatiert, 10.9, einsatzgehärtet, 40 lang, Schlüsselweite 10, Gewindedurchmesser 6“ die Sachnummer 960 1 1 2 1 040 06. NB : Diese Schraube wird es wohl so nicht geben, fällt mir gerade auf …
12 Stellen haben wir benötigt, um eine Sachnummer zu haben, die die technischen Eigenschaften dieser unserer Schraube von denen aller anderen Schrauben in diesem Universum unterscheidet. Dummerweise reichen auch diese 12 Stellen längst nicht aus, denn erstens gibt es mehr als 999 DIN- Normen, zweitens gibt es auch ISO- Normen, drittens gibt es auch Schrauben mit Linksgewinde (Überraschung!) …
Und dass das Spielchen so oder ähnlich mit Muttern, Scheiben, Zipp und Zapp auch funktionieren kann, sagt noch nichts über die Verwendbarkeit für alle technischen Gegenstände aus - Hosen sucht man nach ganz anderen Kriterien aus, und konstruiert werden sie ebenfalls nach anderen Prinzipien. Was mich wieder zum Ausgangspunkt dieses langen Geschreibsels zurückbringt : Wer ist die Zielgruppe (wer muss mit den Sachnummern arbeiten können)? Und vor allem : Welche Eigenschaften besitzen die Objekte, die im Sachnummernkatalog herumkapriolen sollen?
Ich hoffe stark, dass man Dir diese Aufgabe nicht im Rahmen der Ausbildung gestellt hat; wenn doch, bekommst Du vor jedem ordentlichen Gericht mildernde Umstände für Spontandelikte 
Für einen einzelnen Menschen ist es nicht nur an der Grenze dessen, was er in seinem Erwerbsleben leisten kann (immer vorausgesetzt, es handelt sich nicht um eine Dengelbude mit 10 verschiedenen Teilen!), sondern ich würde es auch für unsinnig halten, im stillen Kämmerlein aus der schmalen Perspektive eines Konstrukteurs, Logistikers, Feinmechanikers oder gar eines Bitschiebers an dieses Problem heranzugehen - für derlei Dinge hat man das Projektmanagement erfunden. Wenn ihr dafür einen Moderator braucht : ich kann Mehl empfangen *g* und bin gar nicht teuer *trommeltrommel*; wenn man bedenkt, was ein „Schrauber, Hub, Waffe, Luft“ kostet …
Gruß kw