Katarakt, grauer Star - Fragen

Guten Abend,

damit nicht gleich ein Link zu Google kommt: „ja, ich habe bereits gegoogelt“:wink:

Dennoch, ich schätze das Forum sehr und bekam durchaus sehr hilfreiche Antworten in der Vergangenheit. Deswegen auch jetzt…:

Ein Augenarzt diagnostiziert bei einer 74jährigen Frau „grauer Star“, ca. 2003 das erste Mal. Er bespricht die Diagnose aber nicht mit ihr, sondern diese erscheint lediglich auf der Rechnung. Nach einem erneuten Augenarztbesuch vor einer Woche erscheint die gleiche Diagnose. Heute erwähnt eben genannte Frau - meine Mutter - „na ja, ich werd halt blind demnächst…“. Nebenbei bemerkt, sie ist m. E. höchst depressiv seit 4 Jahren (Tod des Ehemannes).

Wie ich das so gelesen habe, hat man früher wohl erst ziemlich spät operiert, während man heute wohl sehr schnell operiert. Nur, der Augenarzt hält es ja nichtmal für notwendig überhaupt die Diagnose zu erwähnen. (Meine Mutter war dort, weil der Optiker bei ihrer neuen Brille ziemlich Mist gebaut hat und sie quasi „Verstärkung“ benötigte und diese auch vom Arzt bekommen hatte)

So wie ich das überhaupt beurteilen kann, hat meine Mutter Probleme mit Farben und grellem Licht.

Was sollte man ihr raten? Auf den Arzt vertrauen, der wohl einen sehr guten Ruf hat und nichts tun? Oder einen weiteren Arzt aufsuchen? Bzw. meine Frage lautet: kann es sein, daß auch bei Diagnose „grauer Star“ erstmal nichts gemacht wird, auch über Jahre?

Die Antwort, sie soll doch einfach nochmal zu ihrem Arzt gehen und fragen nützt mir leider nicht viel. Die Standardantwort, die sie für fast alles gebraucht, wird sein: „ich hab keine Lust“.

Liebe Grüße,
Christiane

Hallo

Ein Augenarzt diagnostiziert bei einer 74jährigen Frau „grauer
Star“, ca. 2003 das erste Mal. Er bespricht die Diagnose aber
nicht mit ihr, sondern diese erscheint lediglich auf der
Rechnung. Nach einem erneuten Augenarztbesuch vor einer Woche
erscheint die gleiche Diagnose. Heute erwähnt eben genannte
Frau - meine Mutter - „na ja, ich werd halt blind
demnächst…“. Nebenbei bemerkt, sie ist m. E. höchst depressiv
seit 4 Jahren (Tod des Ehemannes).

Warst du bei der Untersuchung dabei oder woher weißt du, dass er nichts näheres mit ihr besprechen wollte. Nur aus Aussagen deiner mutter die offenbar ein psychisches Problem hat?

Wie ich das so gelesen habe, hat man früher wohl erst ziemlich
spät operiert, während man heute wohl sehr schnell operiert.
Nur, der Augenarzt hält es ja nichtmal für notwendig überhaupt
die Diagnose zu erwähnen. (Meine Mutter war dort, weil der
Optiker bei ihrer neuen Brille ziemlich Mist gebaut hat und
sie quasi „Verstärkung“ benötigte und diese auch vom Arzt
bekommen hatte)

Früher hatte man nur die Möglichkeit die getrübte Linse zu entfernen, worauf hin eine seeeehr starke Weitsichtigkeit (so um die 45 dpt) einsetzt und die Funktion der linse durch eine Brille ersetzt wurde, also fast Blind (weiße wand) gegen fast blind (Umrisse und Farben)zu tauschen
Heute ersetzt man die getrübte Linse gegen eine kunstlinse und das ist natürlich viel eleganter, da man hinterher fast wieder normal sehen kann. allerding erfordert das die Kooperation des Patienten, Mitarbeit zwei Krankenhausaufenthalte im Abstand von mehreren Monaten oder je einem Jahr, zwischendurch mehrere Kontrolluntersuchungen. Ist deine Mutter dazu in der Lage, solch einen Prozeß durchzustehen, zu Terminen zu erscheinen etc.

So wie ich das überhaupt beurteilen kann, hat meine Mutter
Probleme mit Farben und grellem Licht.

Farben wär typisch, streut das Licht oder blendet es? ersteres wäre auch was für den Star spricht, letzteres eher weniger (Star noch nicht so ausgeprägt, aber dafür etwas anderes, evtl zusätzlich grüner Star, oder eine Bindehautreizung, evtl ist die auch ein Hinderungsgrund für eine OP)

Was sollte man ihr raten? Auf den Arzt vertrauen, der wohl
einen sehr guten Ruf hat und nichts tun? Oder einen weiteren
Arzt aufsuchen? Bzw. meine Frage lautet: kann es sein, daß
auch bei Diagnose „grauer Star“ erstmal nichts gemacht wird,
auch über Jahre?

Ja das kann mehrer Gründe haben:

  1. mangelnde Compliance von seiten des Patienten (Fähigkeit mitzuarbeiten, Verständisschwierigkeiten etc.)-Beispiel.
    Arzt- Ihr grauer Star wird immer schlimmer werden, irgendwann können sie dann gar nichts mehr sehen, wenn wir nicht operieren. Aber das kann ich nicht machen, dazu muss ich sie in die Klinik überweisen.
    Mutti- Ach hören sie mir auf mit Krankenhaus, ich geh zu keinem anderen Arzt.
    oder Mutti- Operation? ne (hab ich keine Lust drauf) dann werd ich lieber blind

Dazu muss man auch sagen, das hat evtl für deine Mutter auch Vorteile. Blind zu sein, bedeutet auch, dass sich jemand/ Die Tochter kümmern muss. Erlernte Hilflosigkeit nennt das der Psychologe, kommt gerne in Verbindung mit depressionsähnlichen Zuständen wie Lustlosigkeit vor.
Also hat sie dir deshalb nichts vom Therapievorschlag erzählt, da ja eh nur die OP in Frage kommt. Und auf sowas hat sie nunmal keine Lust…?

  1. medizinische Gründe die dagegen sprechen, zB. Bindehautentzündungen, die zu Heilungsschwierigkeiten führen können, andere körperliche Probleme, die gegen die Behandlung (= körperliche Belastung) sprechen.

  2. psychische Gründe die dagegen sprechen. vielleicht hat der Arzt die Probleme deiner mutter auch erkannt, sprich dass du sie förmlich zum Doc prügeln musst und sie nicht aus eigenen Stücken zu etwas zu bewegen ist. Damit wäre die Nachsorge gefährdet und damit das frühzeitige Erkennen von Komplikationen.

Also, geh beim nächsten Mal mit und versuche dass deine Mutter dir erlaubt mit zur Untersuchung zu kommen(die Erlaubnis ist Sache deiner Mutter, manch ein Arzt sieht es nicht gerne,da er dann Probleme mit der Schweigepflicht bekommt und nicht ganz so offen mit dem Pat. reden kann. aber wenn deine Ma dir die erlaubnis gibt mitzuhören, dann sollte das ok sein). In dem Fall kannst du dem Arzt deine Bedenken äussern (das liesse sich doch operieren?). Evtl kann er wegen Schweigepflicht nicht allzusehr ins Detail gehen, weshalb er „nichts“ unternimmt. Aber einen kleinen Tipp in die Richtung ob eine OP möglich wäre, bekommst du vielleicht mit. Und auch ob er mit deiner Mutter zumindest Möglichkeiten bespricht.

Gruß Susanne

Ganz herzlichen Dank, Susanne, für Deine ausführliche Antwort! Ich hab sie gerade eher zufällig gelesen, da ich dachte, daß hier eh keiner mehr antwortet:wink:

Warst du bei der Untersuchung dabei oder woher weißt du, dass
er nichts näheres mit ihr besprechen wollte. Nur aus Aussagen
deiner mutter die offenbar ein psychisches Problem hat?

Nein, ich war nicht dabei. Ich weiß lediglich von meiner Mutter, daß er nichts zur Diagnose gesagt hat (also von „wollte“ kann natürlich keine Rede sein, darüber kann ich keine Aussage machen). Aber ich hab ihr das tatsächlich so abgenommen, nur, Deine Antwort veranlaßt mich nun zum Nachdenken darüber.

Früher hatte man nur die Möglichkeit die getrübte Linse zu
entfernen, worauf hin eine seeeehr starke Weitsichtigkeit (so
um die 45 dpt) einsetzt und die Funktion der linse durch eine
Brille ersetzt wurde, also fast Blind (weiße wand) gegen fast
blind (Umrisse und Farben)zu tauschen
Heute ersetzt man die getrübte Linse gegen eine kunstlinse und
das ist natürlich viel eleganter, da man hinterher fast wieder
normal sehen kann. allerding erfordert das die Kooperation des
Patienten, Mitarbeit zwei Krankenhausaufenthalte im Abstand
von mehreren Monaten oder je einem Jahr, zwischendurch mehrere
Kontrolluntersuchungen.

Super, danke für die Aufklärung!

Ist deine Mutter dazu in der Lage,

solch einen Prozeß durchzustehen, zu Terminen zu erscheinen
etc.

Sie wäre m. E. in der Lage dazu, nur ob sie das möchte ist eine andere Frage. Durch Deine Antwort sind mir Zweifel gekommen.

Farben wär typisch, streut das Licht oder blendet es? ersteres
wäre auch was für den Star spricht, letzteres eher weniger
(Star noch nicht so ausgeprägt, aber dafür etwas anderes, evtl
zusätzlich grüner Star, oder eine Bindehautreizung, evtl ist
die auch ein Hinderungsgrund für eine OP)

Hmm, so wie sie es schildert, blendet es. Aber es kann durchaus sein, daß es da noch etwas anderes gibt. Sie hatte ähnliche Probleme mit den Augen 2003 als mein Vater starb, der Augendruck war wohl nicht o. K. bzw. hat sie seitdem auch relativ hohen Blutdruck (wird behandelt). Einige Monate später folgten 2 Schlaganfälle, 2 sog. TIAs, ohne ersichtliche Folgen zum Glück.

Dazu muss man auch sagen, das hat evtl für deine Mutter auch
Vorteile. Blind zu sein, bedeutet auch, dass sich jemand/ Die
Tochter kümmern muss. Erlernte Hilflosigkeit nennt das der
Psychologe, kommt gerne in Verbindung mit depressionsähnlichen
Zuständen wie Lustlosigkeit vor.

Danke für Deinen Denkanstoß. Das kann durchaus sein. Wobei sie in dem Fall nicht mit mir rechnet (alleinerziehend mit kleinem Kind), sondern mit meinem Bruder, der gerade bei ihr wohnt („Hotel Mama“). Sie beklagt sich bei mir zwar ständig über ihn, aber er verhilft ihr auch dazu „nichts zu tun“, denn sie muß ja quasi das Haus hüten, damit „nichts passiert“.

Also hat sie dir deshalb nichts vom Therapievorschlag erzählt,
da ja eh nur die OP in Frage kommt. Und auf sowas hat sie
nunmal keine Lust…?

Das würde ins restliche Bild passen. Sie geht auch nicht mehr zum Hautarzt, wo sie früher regelmäßig war (aktinische Keratose, operiertes Melanom etc.), weil sie eben auch keine Lust dazu hat. Na ja und es gibt auch noch andere Arztbesuche, auf die sie keine Lust hat.

  1. medizinische Gründe die dagegen sprechen, zB.
    Bindehautentzündungen, die zu Heilungsschwierigkeiten führen
    können, andere körperliche Probleme, die gegen die Behandlung
    (= körperliche Belastung) sprechen.

Ihr hoher Blutdruck könnte wohl auch dagegen sprechen.

  1. psychische Gründe die dagegen sprechen. vielleicht hat der
    Arzt die Probleme deiner mutter auch erkannt, sprich dass du
    sie förmlich zum Doc prügeln musst und sie nicht aus eigenen
    Stücken zu etwas zu bewegen ist. Damit wäre die Nachsorge
    gefährdet und damit das frühzeitige Erkennen von
    Komplikationen.

Na ja, eigentlich hab ich so gut wie keinen Einfluß auf ihre Arztbesuche, obwohl ich schon immer wieder mal nachfrage und zugegeben, sie auch mal dränge dazu. Zum Augenarzt ist sie nur gegangen, weil ihre Brille einfach nicht mehr benutzbar ist (total verkratzt) und der Optiker das mit der Gleitsicht nicht hinbekommen hat und sie mit ihrer sündhaft teuren, neuen Brille nicht lesen kann. Der Augenarzt wurde also als Druckmittel gegen den Optiker gebraucht, welcher sie seit Wochen (Monaten?) immer wieder vertröstet.

Also, geh beim nächsten Mal mit und versuche dass deine Mutter
dir erlaubt mit zur Untersuchung zu kommen(die Erlaubnis ist
Sache deiner Mutter, manch ein Arzt sieht es nicht gerne,da er
dann Probleme mit der Schweigepflicht bekommt und nicht ganz
so offen mit dem Pat. reden kann. aber wenn deine Ma dir die
erlaubnis gibt mitzuhören, dann sollte das ok sein).

Nun gut, das kann ich vergessen. Das würde sie sich verbieten, da bin ich mir ganz sicher.

Aber ich danke Dir nochmals für Deine lange Antwort! Irgendwie hab ich die Aussage meiner Mutter in keinster Weise angezweifelt, aber nun kommen mir doch Bedenken, ob das alles so stimmt.

Liebe Grüße,
Christiane