@ Kate: bitte um Hilfe

Hallo Kate,

ich bin z. Zt. in Handan (Hebei) und soll für meinen Schwager originalen Drachenbrunnentee mitbringen. Er schwört drauf, dass ihm das bei der Bewältigung seiner Krankheit hilft.

Einen ordentlichen Teeladen habe ich schon gefunden. Eine Teetüte von früher habe ich in Deutschland vergessen.

Nun meine Bitte: Kannst Du mir bitte die (vereinfachten) Zeichen für den Drachenbrunnentee hier eingeben. Ausdrucken, kaufen kann ich dann selber und mein Schwager wird dann hoffentlich wieder gesund.

Wenn möglich noch die Nebenmerkung, dass man die beste Qualität möchte.

Schon jetzt ein herzliches Danke
Ingrid

Hi

Zeichen hast du unten schon (ist wikipedia in China momentan wieder erlaubt?) hier ein paar Bezeichnungen/Sätzchen:

狮峰 龙井茶 ist der Löwengipfel (Shifeng) Longjing Tee, der die beste Qualität haben soll (und entsprechend teuer ist).
Du wirst die ersten zwei Qualitätsstufen aber nicht bekommen (oder man will dich bescheißen) da diese im März gepflückt werden und ganz frisch verkauft.

我要买头等龙井茶 wo yao mai toudeng longjingcha - Ich möchte erstklassigen Longjingtee kaufen. (yao ist höflicher als xiang)

Wenn es ein 西湖龙井茶 ist, sollte es auch okay sein.

Frag auf jeden Fall, ob du ihn probieren kannst, falls das Teehaus dies nicht ohnehin anbietet (sollte es, aber die Gemüter sind unterschiedlich: Die einen werden bei Touristen und teurem Tee sehr knausrig, andere sind auf ihre teuren Tees besonders stolz).

可以尝这个查玛? Keyi chang zhe ge cha ma? - Kann ich diesen Tee probieren?

Achte darauf, dass er nicht zu stark durchzieht(Dann hast du nur überbrannten Grüntee vo dir), die Blätter sollten ganz sein und teilweise zusammenhängende Bündel sein (Teespitzen) und im Idealfall sollten möglichst viele Blätter beim Aufgießen aufrecht stehen wie Speere, also nicht quer.

lg
Kate

Longjing (etwas ot)
Ergänzend zu den bisherigen Informationen:

Longjing wird meines Wissens in China keine besondere gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben. Auf jeden Fall nimmt der echte Longjing unter den chinesischen Grüntees unbestritten den ersten Rang ein. Hier handelt es sich um einen Plantagentee; die Produktion ist weitestgehend in staatlicher Hand. Seine ‚Heimat‘ ist der Westsee (Xihu) bei Hangzhou in der Provinz Zheijiang, wo am Shi Fung Shan, dem Löwengipfel, in der T’ang-Zeit (618-907) von buddhistischen Mönchen die ersten Teegärten angelegt wurden. Die Pflanzungen der Klöster Tian Zhu Shi und Ling Yin Shi galten als kaiserliche Teegärten. Es gibt viele unterschiedliche Qualitätsgrade (und Unmengen von ‚Fälschungen‘), wobei ein ‚First Grade‘ noch lange nicht das obere Ende der Qualitätsskala ist – da gibt es noch Special Grades, Superior Grades … Eine absolute Rarität und in Europa nur äußerst selten erhältlich ist die erste Pflückung des Jahres, noch vor dem ‚Fest des klaren Lichtes‘ (Qing Ming) im März oder Anfang April geerntet. Wenn der dann noch von der besten Lage am Löwengipfel stammt …

Vor einigen Jahren konnte ich einen Qingming Longjing hier in Deutschland kaufen, der Preis lag bei knapp 100€/100g. Zwei Jahre davor hatten mir meine Eltern direkt auf der Plantage gekauften Qingming Lonjing mitgebracht, vor Ort kostete er etwa die Hälfte. Die Preise dürften zwischenzeitlich aufgrund der steigenden Nachfrage nach hochwertigen chinesischen Tees deutlich gestiegen sein.

Dieser spezielle Tee gehörte übrigens zu den offiziellen Gastgeschenken, die Königin Elisabeth II. bei Ihrem Staatsbesuch in China überreicht bekam. Die Erntemenge des ‚Qing Ming‘ ist stark von den Wetterbedingungen abhängig; entsprechend schwanken die Preise von Jahr zu Jahr. Nach dem Qing Ming wird ca. zwei Wochen lang der ‚Gu Yu‘ gepflückt, danach der ‚Li Xia‘. Das verarbeitete Blatt hat ein unverkennbares Aussehen – flache Nadeln von smaragdgrüner Farbe. Der Tee wird durch Dämpfen aufbereitet, nicht, wie in China sonst üblich, durch Erhitzen in Pfannen. Die Form entsteht durch Walzen, nicht durch das sonst übliche Rollen. In seiner Heimat wird dieser Tee in einem Glas aufgegossen und getrunken, um auch die Farbe des Aufgusses genießen zu können. Der Aufguss der besten Sorten ist von einem hellen Gelb und hat - solange er noch ganz frisch ist – einen leichten, orangefarbenen Schimmer.

Das für diesen Tee angeblich am besten geeignete Wasser gibt es dort, wo auch der Tee wächst – es kommt aus einer Quelle am Löwengipfel namens Drachenbrunnen und nach ihr trägt dieser Tee auch seinen Namen – Longjing (oder nach alter Schreibweise Lung Ching bzw. kantonesisch Loong Tseng).

Die optimale Aufgusstemperatur ist für einen Tee dieser Qualität verhältnismäßig hoch – etwa 80° C.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Tychiades,

Longjing wird meines Wissens in China keine besondere
gesundheitsfördernde Wirkung zugeschrieben.

Ist auch meine Überzeugung. Aber er und meine Schwester schwören darauf.

Seine ‚Heimat‘ ist der Westsee (Xihu) bei
Hangzhou in der Provinz Zheijiang, wo am Shi Fung Shan, dem
Löwengipfel, in der T’ang-Zeit (618-907) von buddhistischen
Mönchen die ersten Teegärten angelegt wurden.

Am West Lake war ich schon zweimal gewesen. War eine wirklich schöne und höchst interessante Gegend. In einer anderen Stadt in Zheijiang habe ich etwa 7 Monate gelebt.

Es gibt viele unterschiedliche
Qualitätsgrade (und Unmengen von ‚Fälschungen‘), wobei ein
‚First Grade‘ noch lange nicht das obere Ende der
Qualitätsskala ist – da gibt es noch Special Grades, Superior
Grades …

Ich habe mich hier in Handan extra umgesehen und - wie es den äußerlichen Anschein hat - einen guten Teeladen gefunden. Also hoffe ich, dass man mir dort keine Fälschung verkauft.

Vor einigen Jahren konnte ich einen Qingming Longjing hier in
Deutschland kaufen, der Preis lag bei knapp 100€/100g. Zwei
Jahre davor hatten mir meine Eltern direkt auf der Plantage
gekauften Qingming Lonjing mitgebracht, vor Ort kostete er
etwa die Hälfte. Die Preise dürften zwischenzeitlich aufgrund
der steigenden Nachfrage nach hochwertigen chinesischen Tees
deutlich gestiegen sein.

Mal sehen, was es jetzt kostet.

Dieser spezielle Tee gehörte übrigens zu den offiziellen
Gastgeschenken, die Königin Elisabeth II. bei Ihrem
Staatsbesuch in China überreicht bekam.

Da mein Schwager nach meiner Rückkehr sowieso Geburtstag hat, wird das wohl das richtige Mitbringsel sein.

Die Erntemenge des
‚Qing Ming‘ ist stark von den Wetterbedingungen abhängig;
entsprechend schwanken die Preise von Jahr zu Jahr. Nach dem
Qing Ming wird ca. zwei Wochen lang der ‚Gu Yu‘ gepflückt,
danach der ‚Li Xia‘. Das verarbeitete Blatt hat ein
unverkennbares Aussehen – flache Nadeln von smaragdgrüner
Farbe. Der Tee wird durch Dämpfen aufbereitet, nicht, wie in
China sonst üblich, durch Erhitzen in Pfannen. Die Form
entsteht durch Walzen, nicht durch das sonst übliche Rollen.
In seiner Heimat wird dieser Tee in einem Glas aufgegossen
und getrunken, um auch die Farbe des Aufgusses genießen zu
können. Der Aufguss der besten Sorten ist von einem hellen
Gelb und hat - solange er noch ganz frisch ist – einen
leichten, orangefarbenen Schimmer.

Deine Beschreibung macht mir ja fast schon Lust auf den Tee. Aber wirklich nur fast. Mir schmeckt kein grüner Tee.

Das für diesen Tee angeblich am besten geeignete Wasser gibt
es dort, wo auch der Tee wächst – es kommt aus einer Quelle am
Löwengipfel namens Drachenbrunnen und nach ihr trägt dieser
Tee auch seinen Namen – Longjing (oder nach alter Schreibweise
Lung Ching bzw. kantonesisch Loong Tseng).

Hoffentlich schmeckt dann der Tee mit dem harten fränkischen Wasser.

Nochmal Danke und Gruß aus der Provinz Hebei
Ingrid

Danke Kate,

hier sind weibliche Langnasen so selten, dass ich überall VIP-Behandlung „genieße“.

Bei der Qualitätskontrolle muss ich mich aber auf Deine Beschreibung der „aufrechten Speere“ beschränken, da ich den Geschmack nicht beurteilen kann.

(Deutsche) Wikipedia ist schon seit ein paar Jahren kaum ein Problem. Manchmal macht es Probleme wenn man nicht die Deutschen Wiki aufzieht.

Auf diverse Blogs (egal was die für ein Thema haben) komme ich überhaupt nicht drauf.

Beim w-w-w-Forum hier dauert es ewig bis ich die Seiten sehe. Während andere Foren sich (wenn nicht gerade mal das Internet im Hotel einbricht) schnell aufziehen.

Viele Grüße
Ingrid

Hallo,

Dir wollte ich auch Danke sagen. Leider ist Dein Beitrag nicht mehr hier zum Sternchen geben.

w-w-w zieht sich bei mir meist so langsam (bis gar nicht) auf, dass ich nur in Raten antworten kann.

Gruß
Ingrid

Hallo Ingrid,

Hoffentlich schmeckt dann der Tee mit dem harten fränkischen
Wasser.

das ist eher zu bezweifeln. Man sollte da schon ein weiches (stilles) Mineralwasser nehmen. Bei dem Discounter LIDL gibt es beispielsweise(!) die Handelsmarke Saskia - die allerdings regional aus unterschiedlichen Quellen abgefüllt wird. Wenn das Wasser aus der Quelle Kirkel stammt, ist es recht gut geeignet. Da kosten 1,5 l ohne Pfand 19 Cent - ist angesichts der Kosten des Tees also zu vernachlässigen.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo,

an Alle die mir geholfen haben und die wissen wollen ob es mit den Übersetzungen funktionierte.

Heute machte ich mich mit den Übersetzungen von Kate und dem Wikipediaausdruck auf den Weg in Richtung Teeladen. Nachdem ich alle Hindernisse - wie z. B. sehr breite Kreuzung mit ausgefallener Ampel und vielen Polizistinnen die unbeachtet hilflos mit den Armen rumfuchteln - glücklich überwunden habe, „schreite“ ich (als ältere weibliche Langnase muss man etwas darauf achten) die Marmorstufen vor dem Teegeschäft hoch.

Bevor ich die Tür öffnen kann, wird sie von einem rosa gekleideten hübschen jungen Mädchen aufgerissen. Sofort schallt mir ein synchroner Begrüßungschor von ca. sieben jungen Damen - alle einheitlich rosa gekleidet – entgegen.

Bis ich aus meiner Handtasche die Zettel heraus kramen kann, wird mir an einem kleinen Tischchen ein Sessel unter den Po geschoben und mir schon das erste Pröbchen in einem schnapsglasgroßen Pappbecherchen kredenzt. Die Ansage dazu lautete: Green Tea

Ich mag generell keinen Green Tea, komme außerdem vom Frühstück, mache aber, da „no thank you“ und lächelndes Abwinken nicht wirkt, gute Miene zu dem Spiel und nippe an dem Pappbecherchen.

Inzwischen sind die Zettel aus den Tiefen meiner Handtasche aufgetaucht. Er wird, obwohl nur einer der Damen übergeben, fast vom kompletten Chor eingehend begutachtet. Eine der Damen eilt zum Regal und nimmt ein Paket heraus. Übereicht es mir feierlich mit Worten, in denen ich die von Kate aufgeschriebenen wieder erkenne.

Inzwischen war das Mädchen an den Teekannen, Heizmöglichkeiten und Pappbecherchen nicht untätig gewesen und stellt mir das nächste Pröbchen hin. Nein, diesmal bleibe ich lächelnd hart, weil ungesüßt trinke ich sowieso keine Sorte von Tee. Außerdem muss ich wieder, ohne Zwischenstopp für die persönliche Flüigkeitsentlehrung, zum Hotel kommen.

Auf den mir übereichten Teepäckchen steht sogar in englischer Sprache darauf, was darin sein soll. Zwar nicht welche der verschiedenen Pflückungen und Qualitäten, aber immerhin: Drachenbrunnentee dürfte drin sein, wenn es drauf steht. Noch ein kurzes Suchen auf der Packung und ich finde, dass das Päckchen 100 g wiegen soll.

Den Preis halte ich für vertretbar, also will ich 6 Päckchen kaufen, mehr geht auch wegen der Fluggepäckgrenzen nicht. Also hebe ich die fünf Finger der einen Hand und den Zeigefinger der zweiten. Viele ratlose Gesichter sehen mich an. Nun, wenn ich nicht verstanden werde, muss ich halt zur Tat schreiten. Ich stehe auf – weg von der pappbecherservierenden Dame – zum Regal und fange an Teepäckchen auszuräumen.

Jetzt sieht man deutlich, wie in den Gesichtern der mich umschwirrenden rosa Damen ein Licht aufgeht. Sofort übernehmen diese die Ausräumarbeiten. Eine der Damen greift zum Taschenrechner und tippt deutlich für mich sichtbar den Einzelpreis mal Stückzahl ein. Eventuell hatte sie ja Angst, dass ich bei der Endsumme einen Herzkasper bekomme.

Zu meiner Stärkung öffnet eines der Damen ein kleines Tütchen, bietet es mir an und sagt dazu, als sie mein wahrscheinlich kritisches Gesicht sah, Tomaten. Gut, abweisen lassen sie sich eh nicht und alles kann ich auch nicht ablehnen, also greife ich zu. Doch, der irgendwie klumpige trocken aussehende, aber dann doch saftige, Inhalt schmeckte ganz gut.

Inzwischen habe ich meine Geldbörse gezückt und die Scheine abgezählt. Die Damen waren auch nicht faul gewesen und haben die Teepäckchen in einer aufwendigen, hübschen Papiertragetasche, in Reih und Glied aufgereiht, verstaut.

Das Wechselgeld nehme ich in Empfang und sage lächelnd und winkend bye bye. Die eine oder andere Dame ruft auch ein etwas schüchternes bye bye.

Die geprüfte Türöffnerin eilt mir voraus zur Tür. Sofort folgt mir ein völlig gleichzeitig von allen gerufener Abschiedsgruß nach.

Mancher Chorleiter würde sich freuen, wenn seine Schäfchen mal ohne Dirigent auch so genau einen gleichzeitigen Einsatz hinbekommen würden.

Die Geschichte soll ein kleines Danke an meine Helfer hier sein. Ich wollte Euch auch mal zeigen, wie es einer Langnase in China ergeht, wenn sie sich weit ab von Touristenströmen unter das Volk, ins Restaurant oder irgendeinen Laden wagt.

Gruß
Ingrid

Aww, Danke Ingrid für den ausführlichen Bericht, der war wirklich schön zu lesen :smile:

Freut mich, dass alles glatt gegangen ist und du bekommen hast was du wolltest.

Das die Handzählung in China ganz anders geht hatte ich vergessen zu erwähnen ^^° Nunja aber fürs nächste Mal.

1 = Zeigefinger heben
2 = ZF und Mittelfinger heben
3 = ZF, MF und Ringfinger heben (ja ist nicht einfach)
4 und 5 sind wie bei uns auch
6 = Nur Daumen und kleinen Finger abspreizen, Rest bleibt geschlossen
7 = Als wenn du Schnipsen wollen würdest: Daumen an MF und ZF, Rest geschlossen
8 = Daumen und Zeigefinger abspreizen
9 = Daumen über geschlossene Finger, Zeigefinger zum Haken krümmen
10 = zwei Zeigefinger kreuzartig übereinander legen.

Und nie zwei mit acht verwechseln XD

sonst endest du mit acht Tassen Tee.

lg
Kate

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