Hallo,
an Alle die mir geholfen haben und die wissen wollen ob es mit den Übersetzungen funktionierte.
Heute machte ich mich mit den Übersetzungen von Kate und dem Wikipediaausdruck auf den Weg in Richtung Teeladen. Nachdem ich alle Hindernisse - wie z. B. sehr breite Kreuzung mit ausgefallener Ampel und vielen Polizistinnen die unbeachtet hilflos mit den Armen rumfuchteln - glücklich überwunden habe, „schreite“ ich (als ältere weibliche Langnase muss man etwas darauf achten) die Marmorstufen vor dem Teegeschäft hoch.
Bevor ich die Tür öffnen kann, wird sie von einem rosa gekleideten hübschen jungen Mädchen aufgerissen. Sofort schallt mir ein synchroner Begrüßungschor von ca. sieben jungen Damen - alle einheitlich rosa gekleidet – entgegen.
Bis ich aus meiner Handtasche die Zettel heraus kramen kann, wird mir an einem kleinen Tischchen ein Sessel unter den Po geschoben und mir schon das erste Pröbchen in einem schnapsglasgroßen Pappbecherchen kredenzt. Die Ansage dazu lautete: Green Tea
Ich mag generell keinen Green Tea, komme außerdem vom Frühstück, mache aber, da „no thank you“ und lächelndes Abwinken nicht wirkt, gute Miene zu dem Spiel und nippe an dem Pappbecherchen.
Inzwischen sind die Zettel aus den Tiefen meiner Handtasche aufgetaucht. Er wird, obwohl nur einer der Damen übergeben, fast vom kompletten Chor eingehend begutachtet. Eine der Damen eilt zum Regal und nimmt ein Paket heraus. Übereicht es mir feierlich mit Worten, in denen ich die von Kate aufgeschriebenen wieder erkenne.
Inzwischen war das Mädchen an den Teekannen, Heizmöglichkeiten und Pappbecherchen nicht untätig gewesen und stellt mir das nächste Pröbchen hin. Nein, diesmal bleibe ich lächelnd hart, weil ungesüßt trinke ich sowieso keine Sorte von Tee. Außerdem muss ich wieder, ohne Zwischenstopp für die persönliche Flüigkeitsentlehrung, zum Hotel kommen.
Auf den mir übereichten Teepäckchen steht sogar in englischer Sprache darauf, was darin sein soll. Zwar nicht welche der verschiedenen Pflückungen und Qualitäten, aber immerhin: Drachenbrunnentee dürfte drin sein, wenn es drauf steht. Noch ein kurzes Suchen auf der Packung und ich finde, dass das Päckchen 100 g wiegen soll.
Den Preis halte ich für vertretbar, also will ich 6 Päckchen kaufen, mehr geht auch wegen der Fluggepäckgrenzen nicht. Also hebe ich die fünf Finger der einen Hand und den Zeigefinger der zweiten. Viele ratlose Gesichter sehen mich an. Nun, wenn ich nicht verstanden werde, muss ich halt zur Tat schreiten. Ich stehe auf – weg von der pappbecherservierenden Dame – zum Regal und fange an Teepäckchen auszuräumen.
Jetzt sieht man deutlich, wie in den Gesichtern der mich umschwirrenden rosa Damen ein Licht aufgeht. Sofort übernehmen diese die Ausräumarbeiten. Eine der Damen greift zum Taschenrechner und tippt deutlich für mich sichtbar den Einzelpreis mal Stückzahl ein. Eventuell hatte sie ja Angst, dass ich bei der Endsumme einen Herzkasper bekomme.
Zu meiner Stärkung öffnet eines der Damen ein kleines Tütchen, bietet es mir an und sagt dazu, als sie mein wahrscheinlich kritisches Gesicht sah, Tomaten. Gut, abweisen lassen sie sich eh nicht und alles kann ich auch nicht ablehnen, also greife ich zu. Doch, der irgendwie klumpige trocken aussehende, aber dann doch saftige, Inhalt schmeckte ganz gut.
Inzwischen habe ich meine Geldbörse gezückt und die Scheine abgezählt. Die Damen waren auch nicht faul gewesen und haben die Teepäckchen in einer aufwendigen, hübschen Papiertragetasche, in Reih und Glied aufgereiht, verstaut.
Das Wechselgeld nehme ich in Empfang und sage lächelnd und winkend bye bye. Die eine oder andere Dame ruft auch ein etwas schüchternes bye bye.
Die geprüfte Türöffnerin eilt mir voraus zur Tür. Sofort folgt mir ein völlig gleichzeitig von allen gerufener Abschiedsgruß nach.
Mancher Chorleiter würde sich freuen, wenn seine Schäfchen mal ohne Dirigent auch so genau einen gleichzeitigen Einsatz hinbekommen würden.
Die Geschichte soll ein kleines Danke an meine Helfer hier sein. Ich wollte Euch auch mal zeigen, wie es einer Langnase in China ergeht, wenn sie sich weit ab von Touristenströmen unter das Volk, ins Restaurant oder irgendeinen Laden wagt.
Gruß
Ingrid