Hallo infi!
Vor 1,5 Jahren nahm ich einen ausgesetzten Kater bei mir auf. Er kam zu mir mit einer Blasenentzündung und hat seinen blutigen Urin ständig außerhalb des Katzenklos abgesetzt.
Der Tierarzt kontrollierte daraufhin den Urin. Ergebnis: Blut im Urin, erhöhte Leukozyten (ist aber normal bei Katzen) und Bakterien, erhöhter ph-Wert. Außerdem machte er eine Ultraschalluntersuchung der Blase und stellte fest, dass kein Harngries, Kristalle oder Steine vorlagen, auch kein Geschwür/Turmor oder Schwellung der Blasenwand. Seine Diagnose: Chronische Blasenentzündung bzw. Idiopathische Zystitis, d. h. unbekannte Ursache.
Wurden bei Deinem Kater Kristalle o. ä. festgestellt? Ich vermute mal nein, weil Du dies nicht erwähnt hast. Falls doch, poste nochmal, ob es sich um Calcium-Oxalat oder Struvit-Kristalle handelt.
Mein Kater erhielt zunächst eine entzündungshemmende Spritze. Weil das nicht half wurde eine Woche später noch ein Antibiotikum gegen die Entzündung und ein Spasmolytikum zum Entkrampen der Blase gespritzt. Eine weitere Woche später musste zusätzlich Cortison gespritzt werden, da immer noch Blut im Urin war.
Danach habe ich kein Blut mehr im Urin feststellen können (ich habe täglich den Urin mit Combur10-Teststreifen auf Blut usw. und mit Uralyt-U-Teststreifen auf ph-Werte selber untersucht), aber plötzlich Glucose. Der Kater hatte nun auch noch einen Cortison-Diabetes entwickelt. Das Pinkeln außerhalb des Klos ging weiter, Blut war aber nicht mehr enthalten. Dennoch hatte der Kater offensichtlich weiterhin Schmerzen.
Der Arzt wollte den Kater auf Urinary-Diätfutter umstellen, damit der Urin angesäuert wird und so keine Kristalle entstehen können. Ich habe aber stattdessen weiterhin ein gutes Nassfutter gegeben und noch zusätzlich Wasser untergemischt, um für verdünnten Urin zu sorgen. Wie Myriam schon schreibt, sorgt gutes Durchspülen der Blase (und auch Niere!) dafür, dass sich Bakterien gar nicht erst festsetzen und Kristalle bilden können.
Außerdem habe ich auch die von Myriam erwähnten Astorin-FLUTD-Tabletten gegeben und tue dies heute noch. Der Wirkstoff Glukosaminoglykane (GAG) ist auch in den Diätfuttermitteln enthalten, baut die Blasenschleimhaut auf und schützt so die Blasenwand.
Zusätzlich erhält mein Kater seit dem Guardacid-Tabletten zum Ansäuern des Urins. Der Wirkstoff hier ist das DL-Methionin, das ebenfalls in den Diätfuttermitteln und der gerne von Tierärzten verschriebenen Uro-Pet-Paste enthalten ist. Allerdings sind die Tabletten wesentlich günstiger, enthalten mehr Wirkstoff, weniger Zucker, sind leichter dosierbar und werden von Katzen besser akzeptiert. Als Tipp: Sollte die Tierärztin Deinem Kater eventuell die Uro-Pet-Paste verschreiben, versuche es lieber mit den Guardacid-Tabletten.
Nach insgesamt 6 - 8 Wochen war Schluss mit dem Spuk und das Gott-sei-Dank bis heute
.
Mit folgender homöopathischer Therapie kannst Du die Heilung unterstützen:
Reneel NT von der Fa. Heel täglich 2 – 3 Tabletten (zerpulvert) und alle 3 Tage Solidago Compositum ad us. vet. 1 Ampulle (ins Mäulchen geben), an diesem Tag keine Reneel geben. Also 1. und 2. Tag Reneel, am 3. Tag Solidago, 4. und 5. Tag Reneel, 6. Tag Solidago usw. Diese Behandlung sollte ca. 6 Wochen durchgeführt werden.
Alles Gute für Deinen Kater!
Gruß,
Jacqueline
P.S.:
Hier ist noch ein längerer Text eines Tierarztes, der ein Medizinforum im Internet hatte. Stand ist Dezember 2003, also nicht mehr ganz aktuell, aber vielleicht kannst Du etwas für Dich herauslesen:
Idiopathische Erkrankung der unteren Harnwege bei der Katze
Idiopathic Feline Lower Urinary Tract Disease (FLUTD)
Idiopathische Blasenentzündung der Katze - Feline idiopathic Cystitis (FIC)
Erkrankungen der unteren Harnwege (FLUTD) sind bei der Katze ein relativ häufiges Problem. Die Ursachen sind hierbei sehr unterschiedlich. Bakterielle und tumoröse Ursachen sind dabei eine eher seltene Ursache für diese Symptomatik.
Dachte man früher noch, daß eine Kristallbildung (Struvit- und Oxalatkristalle) die häufigste Ursache für eine FLUTD ist, hat sich in letzter Zeit herausgestellt, daß in der Mehrzahl der Fälle keine direkte Ursache für eine FLUTD gefunden werden kann.
Diese Erkrankungsfälle werden deswegen als idiopathische FLUTD bezeichnet.
Die idiopathische Blasenentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen der unteren Harnwege bei der Katze. Es handelt sich dabei um eine Entzündung der Blasenwand ohne eine bekannte Ursache. Auffällig ist, daß fast nur Wohnungskatzen betroffen sind. Typisch ist auch, daß es sich eher um junge bis mittelalte Katzen handelt. Es können aber auch ältere Katzen betroffen sein. Beide Geschlechter sind gleich häufig betroffen. Allerdings kommt es bei Katern häufiger zu einem Harnröhrenverschluss, so daß kein Urin mehr abgesetzt werden kann.
Die Erkrankung kann folgende Symptome zeigen:
Erschwerter, schmerzhafter, oder gar durch Harnröhrenverschluss fehlender Urinabsatz.
Blut im Urin
Häufiges Absetzen kleiner Harnmengen.
Unsauberkeit
Verhaltensänderungen bis hin zu aggressivem Verhalten.
Futterverweigerung.
Da die eigentliche Ursache dieser Erkrankung noch nicht bekannt ist, und die akute Symptomatik in den meisten Fällen innerhalb 3-10 Tagen von selbst wieder abklingt, ist eine Beurteilung des Therapieverfahrens durch den Behandlungserfolg nicht einfach, da oft nicht eindeutig gesagt werden kann, ob die Besserung in kausalem Zusammenhang mit der Behandlung steht.
Einige Behandlungsversuche wurden aus der Humanmedizin übernommen, da es beim Menschen eine ähnliche Erkrankung gibt. Da es eine relativ häufige Erkrankung bei der Katze ist, wird diese Erkrankung zur Zeit intensiv erforscht, so daß damit zu rechnen ist, daß in den nächsten Jahren neue Erkenntnisse zur Ursache und Therapie dieser Erkrankung vorliegen werden.
Die idiopathische Blasenentzündung ist eine Ausschlußdiagnose. D.h. daß alle anderen Ursachen welche für die gleiche Symptomatik in Frage kommen können ausgeschlossen werden müssen.
Im Harn der erkrankten Katzen können keine Bakterien oder Kongremente/Kristalle nachgewiesen werden. Ob Viren eine Rolle bei der Entstehung dieser Erkrankung spielen ist noch ungeklärt.
Bei der Blasenspiegelung können Veränderungen der Blasenwand gesehen werden.
Die Blasenwand ist dabei bei dieser Erkrankung deutlich verändert, diese Veränderungen können mit starken Schmerzen für die Katze einhergehen. Es wird angenommen, daß diese Schmerzen dazu führen, daß sich die Krankheitssymptomatik immer weiter Aufschaukeln kann.
Die Entwicklung der Blasenwandveränderungen wird mit drei Faktoren in Zusammenhang gebracht. Zum einen scheint eine neurogen stimulierte Entzündung eine wichtige Rolle zu spielen. Weitere Faktoren die vermutlich eine wichtige Rolle spielen, sind aggressive Urinbestandteile sowie eine Schädigung der die Blasenwand auskleidenden Schutzschicht aus Glykosaminoglykanen.
Bei den meisten Katzen handelt es sich um eine akute Symptomatik, die bei den meisten Katzen innerhalb 3-10 Tagen wieder von selbst verschwindet. Oft kommt es zu einem Wiederauftreten der Symptomatik in nicht vorhersagbaren Zeitintervallen. In der Regel nimmt die Intensität der Symptomatik aber ab, wenn die Katze älter wird.
Es gibt allerdings auch Fälle, in denen die Symptomatik deutlich länger andauert.
Die eigentliche auslösende Ursache ist immer noch unbekannt.
Streß scheint aber ein sehr wichtiger Faktor zu sein.
Es konnte nachgewiesen werden, daß erkrankte Katzen einen höheren Blutspiegel an den Streßhormonen „Adrenalin“ sowie „Noradrenalin“ aufweisen, was auf eine erhöhte Aktivität des Sympathischen Nervensystems (Sympathikus) zurückgeführt wird.
Bei den meisten Fällen der idiopathischen Blasenentzündung kommt es wie bereits erwähnt innerhalb 3-10 Tagen zu einem spontanen Rückgang der Symptome, so daß es schwierig ist, die Effektivität der Behandlung einschätzen zu können. Die meisten Behandlungen sind noch nicht durch eine wissenschaftliche Studie abgestützt, und beruhen auf „Erfahrungswerten“. Für den Kurzzeiteinsatz von Amitryptilin konnte z.B. in der Standarddosierung kürzlich in einer Doppelblindstudie kein Erfolg gesehen werden. Wie es mit der Effektivität einer Langzeitanwendung bei Fällen mit einer wiederkehrenden Symptomatik aussieht, muß hingegen noch untersucht werden. Es gibt bis jetzt keine durchweg in allen Fällen wirksame Therapie für diese Erkrankung.
Man unterscheidet in der Behandlung eine Akut- sowie eine Langzeitbehandlung.
Tritt bei einer Katze eine idiopathische Blasenentzündung auf, dann sollte man vorerst einmal einige grundsätzliche Dinge überdenken. Wie bereits erwähnt, sind vor allem reine Wohnungskatzen betroffen, und Streß scheint mit der wichtigste Auslöser dieser Erkrankung zu sein. Stressoren sind z.B. Veränderungen des Lebensumfeldes, Streitigkeiten mit weiteren Katzen im Haushalt, die Katze kann nicht in Ruhe Futter aufnehmen, Harn- und Kotabsatz kann für die Katze nicht optimal ablaufen. Selbst Wetterveränderungen scheinen eine Rolle spielen zu können. Es ist also zunächst sehr sinnvoll zu versuchen, sich in die Lage der Katze hineinzuversetzen, und zu überlegen, was für Ursachen für einen möglichen Streß in Frage kommen können. Danach sollte man sich überlegen, wie diese Stressoren möglichst abgebaut werden können. Vermehrte Zuwendung ist hierbei ebenfalls sehr wichtig. Strafmaßnahmen durch die z.B. wegen der Unsauberkeit verständlicherweise genervten Halter, sind dagegen eher kontraproduktiv.
Da man vermutet, daß die auftretenden Schmerzen zu einer weiteren Verschlimmerung der Symptomatik führen, sollte eine Schmerztherapie durchgeführt werden.
Wichtig scheint auch eine möglichst hohe Wasseraufnahme. Dazu sollte man die Katze animieren mehr Wasser zu trinken. Dies kann eventuell dadurch erreicht werden, indem man mehrere Trinkmöglichkeiten schafft. Manche Katzen trinken vermehrt, wenn sich das Wasser bewegt (Spezielle Katzentränken, Aquariensprudelsteine), oder das Wasser mit etwas Fleischbrühe etc. aromatisiert wird.
Die Fütterung sollte möglichst konstant sein und ein plötzlicher Futterwechsel sollten eher vermieden werden. Es wurde bereits mehrfach beobachtet, daß es nach einem Futterwechsel zu einem Wiederauftreten der Symptomatik gekommen ist.
Katzen mit einer idiopathischen Cystitis werden übrigens signifikant häufiger mit Trockenfutter ernährt, so daß es sinnvoll sein kann, langsam auf ein Feuchtfutter zu wechseln.
Ob ein den Urin pH-Wert senkendes (ansäuerndes) Diätfuttermittel Vorteile bringt, wird kontrovers diskutiert, einige Autoren gehen davon aus, daß harnansäuernde Diäten sogar eher schädlich sind…
Auf eine ausreichende Anzahl an sauberen Katzentoiletten an ruhigen Stellen sollte geachtet werden.
In Fällen, in denen mit den oben genannten Maßnahmen keine Besserung erzielt werden konnte, oder in denen es zu einem Wiederauftreten der Symptomatik kommt, können folgende Maßnahmen zusätzlich versucht werden.
Gesichts-Pheromone – Feliway
Pheromone sind Substanzen, mit denen Katzen untereinander kommunizieren. Die Benutzung von synthetischen Pheromonen kann dabei einen beruhigenden Effekt auf die Katze haben.
Glycoaminoglycane
Glycosaminoglycane (GAG) bilden einen wichtigen Bestandteil der die Blasenschleimhaut auskleidenden Schutzschicht, welche die Blasenschleimhaut vor aggressiven Harnbestandteilen schützt. Da der GAG-Gehalt dieser Schicht bei den erkrankten Katzen vermindert ist, versucht man über eine Zufütterung oder Injektion von GAGs den Wiederaufbau der Schutzschicht zu unterstützen. Beweise, daß dies überhaupt möglich ist, stehen noch aus, allerdings konnte bei einer ähnlichen Erkrankung des Menschen ein positiver Effekt auf die Verabreichung der GAGs gesehen werden.
Amitriptylin
Amitryptilin ist ein tricyclisches Antidepressivum, welches in der Tiermedizin bei einigen Verhaltensproblemen eingesetzt wird. Die Wirkung soll aus mehreren Komponenten bestehen, so kommt es neben einer Verminderung der Angst, zu einer Schmerzreduktion, und zu einer Entspannung der Blasenwand, sowie zu einer Hemmung der Freisetzung von Entzündungsmediatoren.
Ist eine idiopathische Zystitis eindeutig diagnostiziert worden, dann ist der Einsatz von Antibiotika oder gar Kortison nicht indiziert.
In einigen Fällen kann ein aufmerksamer Katzenhalter den Beginn der Symptomatik bei seiner Katze frühzeitig erkennen. (z.B. durch vermehrtes Fellschlecken der Genitalregion, oder eine erhöhte Aggressivität der erkrankten Katze gegenüber den Mitbewohnern etc.) Diese Verhaltensänderungen können auf eine beginnende Schmerzsymptomatik hindeuten. Durch eine nun früh einsetzende Therapie (v.a. Schmerztherapie) kann man versuchen, die Symptomperiode abzumildern.
Bei den meisten Katzen mit dieser Erkrankung besteht eine gute Prognose. Bei vielen Katzen tritt die Symptomatik nur ein einziges bzw. wenige Male auf. Bei vielen Katzen scheint die Erkrankung mit der Zeit völlig zu verschwinden. Bei einigen Katzen kann es allerdings zu einer sehr lange dauernden Symptomatik oder ständig wiederkehrenden Symptomen kommen. Diese Fälle können sich leider als sehr therapieresistent erweisen.