Ich bin auch in einer atheistischen Familie aufgewachsen, und habe danach 14 Jahre in einem katholischen Land gelebt (Irland).
Ein irischer Bekannter von mir hat sich mal als ‚catholic atheist‘ bezeichnet. Was vollkommen Sinn macht. Kulturell ist und bleibt er katholisch. Im Gegensatz zu den Protestanten zum einen, von der katholischen Religion beeinflusst (auch was die schulische Erziehung anbetrifft!) zum anderen, und ein einer katholischen Kultur lebend.
Es gab in Irland nur eine einzige Sache, die ich zu diskutieren vermied: abortion, eh, Abtreibung.
Wenn man ne Weile in einer anderen Kultur lebt, dann merkt man schnell, dass man Werte nicht mit Werten direkt vergleichen kann - da diese Werte unterschiedlich entstanden sind. Und wurde eben NICHT mit 12 Jahren, oder jünger, von den Nonnen in der Schule ein anti-abortion video gezeigt, in dem man sieht, wie der foetus aus dem womb gesaugt wird. Nein, sowas wurde mir erspart. Thank God.
Was will ich sagen? Katholisch ist nicht gleich katholisch, Atheist ist nicht gleicht Atheist, und das Problem, welches Du mit dem Katholizismus bisher hattest, war wohl, denke ich, teilweise ein Vorurteil.
My first brush with catholicism, meine erste Berührung mit der katholischen Religion, war nämlich nicht in Irland, sondern in der Schule. In Deutschland. Ich war nie im Religionsunterricht gewesen als Kind. Und dann hatte ich so ab der 9. Klasse den besten Klassenlehrer der Welt. Deutschlehrer. Und … Reli, katholische. Und da kein 'Ethik’kurs angeboten wurde bei uns, bin ich zu ihm in den, ja, katholischen Religionsunterricht gegangen (was meinen Abinoten sehr gut getan hat…).
Der Unterricht war eher Philosophie, war super interessant, ich weiss bis heute NICHTS über die Bibel, da sowas wohl in den unteren Klassen unterrichtet wurde (?).
Und: Seine Interpretation von ‚Gott‘ war eine, die diesen Gott eben nicht personifizierte, eine Definition, die ich, als heutige Angostikerin, eigentlich teile - ich würde nur nie auf die Idee kommen, diese Kraft oder was-auch-immer, Gott zu nennen.
… die (Glaubens)Welten sind gar nicht so weit auseinander, wie man denkt!
Gruss,
Isabel