Katze: erst schmusen, dann beissen

hallo, ich bräuchte da mal Eure hilfe…

ich bin vor ca. einem halben jahr auf`s land gezogen. in meinem haus wohnte vorher eine familie, die ihre katze beim auszug zurückgelassen hat. da sich sonst keiner in der nachbarschaft um sie gekümmert hat, habe ich sie nun „adoptiert“. sie ist ca. 3 jahre alt, extrem zutraulich und praktiziert „kampfschmusen“, will heißen, sie erkämpft sich regelrecht ihre schmuseinheiten, indem sie sich wild ankuschelt mit dem kopf gegen die nicht streichelnde hand stösst,obwohl sie von der anderen hand schon gekrault wird…u.s.w. dabei sabbert sie voll wohlbehagen. urplötzlich aber faucht sie äußerst aggressiv, schlägt ihre Krallen (auch gern in mein gesicht) und beisst. da ich auch vorher schon katzen hatte, weiss ich, daß sie plötzlich genug vom kraulen haben können, aber solch heftige -fast bösartige- reaktionen sind mir gänzlich unbekannt, zumal sie kurz darauf weiter schmusen will…manchmal fällt sie mich auch einfach so an und schlägt ihre krallen in meine beine, wenn ich nur an ihr vorbeigehe…bin mittlerweile im umgang mit ihr völlig unentspannt, da ständig in habachtstellung - wie gehe ich am besten damit um?

Auch Hallo,

ich hab auch so ein Exemplar. Wenn er es übertreibt, bekommt er einen leichten (!) Klaps und dann geht es eine zeitlang gut. Gruß

Sprich mit ihr
Hallo,

nächstes Mal bläst Du sie mit geschlossenen Lippen so richtig an.
Sie wird sehr überrascht sein, daß Du plötzlich ihre Sprache sprichst…

Gruß
J.

Auch Hallo,

ich hab auch so ein Exemplar. Wenn er es übertreibt, bekommt
er einen leichten (!) Klaps und dann geht es eine zeitlang
gut. Gruß

danke für den tip, habe ich aber schon versucht, sie ist völlig immun dagegen, ist ihr herlich wurscht, hab sie sogar nach solchen angriffen schon postwendend vor die tür gesetzt…bringt nix…

ok, klingt interessant,…um aber ganz sicher zu gehen und nicht versehentlich den falschen „akzent“ zu erwischen: mit geschlossenen lippen - also durch die nase? :wink:

grüße
s.

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Das ist mir neu, dass Katzen mit geschlossenem Maul fauchen. Nach meinen Beobachtungen ist es immer weit geöffnet, es werden auch gleich mal die Beißerchen gezeigt.

Wenn ich mal, weil mich etwas leicht belustigt, einmal heftiger durch die Nase ausatme, beeindruckt das meine Katzen auch überhaupt nicht.

Bis denne
Schnoof

Hi, bei uns funktioniert es mit einem kräftigen FFFFFt duch die Zähne gepiffen:smile:
Toni

naja, ‚explosiv‘ hab ich gemeint…
…dann werden sich Deine Lippen schon öffnen und irgend ein Geräusch produzieren:wink:

Aber ein „anständiges“ Pusten, so wie die Kinder ein Windrad antreiben, wird von den Cats natürlich auch verstanden.

Bei meinen war’s jedenfalls so.

Gruß
J.

Hallo,

ich kenne solches Verhalten vor allem von Katzen, die sehr früh von Mutter und Geschwistern weg sind und dann auch noch einzeln gehalten wurden. Diese Tiere haben eine sehr geringe Frustrationstoleranz und reagieren sehr sprunghaft und fast unvorhersehbar. Das liegt daran, dass junge Katzen von Mutter und Geschwistern „Benehmen“ lernen. Das Muttertier hält das Junge fest und putzt es, auch wenn es weglaufen will. Die Geschwister hören auf mit ihm zu spielen, wenn es zu ruppig wird. So lernt das Junge, dass es nicht immer nach seiner Nase geht. Katzen, die das nie gelernt haben, verhalten sich so wie von Dir beschrieben. Je nach Haltungsweise wird das ganze dann noch schlimmer, wenn auch die Katzenhalter z.B. Beutespiele mit den Fingern machen und Spielen mit Krallen tolerieren.

Wenn man die Katze besser kennenlernt, wird man die subtilen Warnungen erkennen, die sie vor dem Angriff zeigt. Der Körper spannt sich, Pupillen weiten sich, usw. Dann hält man seine Hände still und bemüht sich, die Katze nicht direkt anzusehen, schließt halb die Augen.

Ansonsten gilt nach dem Angriff: das Viech fliegt hochkant vom Schoß und wird nun erst mal eine Weile lang ignoriert. So wird sich das Verhalten vermutlich etwas bessern. Allerdings gilt hier mehr oder weniger „Was Kätzchen nicht lernt, lernt Katz nimmermehr“. Wenn man weiß, dass man so eine Megazicke zuhause hat, sollte man natürlich auch darauf achten, dass es beim Schmusen und Spielen nicht zu solch gespannten/geladenen Situationen kommt.

Eine meiner Katzen ist so eine „Kaspar-Hauser“-Katze, aber nach einigen Jahren hat sich das Verhalten verbessert und ich habe mich angepasst. Eine andere meiner Katzen ist völlig aggressionslos und genießt es, 10 Minuten am Bauch gegen den Strich aufgestrubbelt zu werden. Da hätte mir Katze 1 schon längst den Arm abgerissen.

Ich freue mich immer still, wenn ich von Leuten höre, die 8-wöchige (oder jüngere) Katzen in die Wohnung in „Einzelhaft“ nehmen. Die bekommen dann schon, was sie verdienen :wink:

Gruß,

Myriam

hallo myriam,

zunächst vielen dank für die ausführliche antwort!

ich kenne solches Verhalten vor allem von Katzen, die sehr
früh von Mutter und Geschwistern weg sind und dann auch noch
einzeln gehalten wurden.

stimmt, ist bei „meiner“ katze auch so abgelaufen, man hat mir gesagt, daß sie sehr jung war, als meine vorgänger sie aufgenommen haben.

Wenn man die Katze besser kennenlernt, wird man die subtilen
Warnungen erkennen, die sie vor dem Angriff zeigt. Der Körper
spannt sich, Pupillen weiten sich, usw. Dann hält man seine
Hände still und bemüht sich, die Katze nicht direkt anzusehen,
schließt halb die Augen.

ich hab sie schon intensivst beobachtet, da passiert vorher gar nix.
gestern: sie liegt völlig entspannt auf meiner brust, kein blickkontakt, kein streicheln und plötzlich holt sie aus und schlägt mir ihre krallen in`s gesicht - absolut aus dem blauen heraus, ich hatte mich nicht einmal bewegt…

Ansonsten gilt nach dem Angriff: das Viech fliegt hochkant vom
Schoß und wird nun erst mal eine Weile lang ignoriert.

…genau meine reaktion…

völlig ungewöhnlich ist auch an ihr, daß sie sich bei direktem blickkontakt so gut wie nie abwendet, sie hält ihn auch locker über minuten!!!

l.g. cathrin

hallo, ich bräuchte da mal Eure hilfe…

Hallo Semiramis,

ich habe mal Kontakt mit einer Halbwilden gehabt, die auch solch ein Kampfschmuser war. Endergebnis war auch hier der Angriff.

Eine Erklärung ist, wenn die Katze / Kater nicht oder spät kastriert ist, verfällt sie in eine Art Streichelrausch (hängt mit den Hormonen zusamen), der irgendwann darin gipfelt, dass sie um sich schlägt und faucht, beißt und kratzt. Ist wie ein Ventil. Dabei hilft nur, den richtigen Moment nicht zu verpassen mit dem Streicheln (umwerben) aufzuhören. Ist Teil des Begattungsrituals. Die kann nicht anders, ist ein Automatismus. Das einzige was hilft ist die Kastra.

Dabei ist aber nicht gesagt, dass es dann aufhört, da es vielleicht schon drin sitzt, wie bei manchen Katern das spritzen, wenn sie zu spät kastriert wurden.
Wenn es so ist, muss sie lernen, dass sie das lassen muss und du musst lernen, wann der Punkt ist, aufzuhören. Ach ja, der Streichelrausch hält an, also ein paar Minuten aufhören hilft nicht, ist wie eine Ekstase, die sofort wieder hochflammt. Wann du sie wieder gefahrlos anfassen kannst, kriegst du nur durch learning-by-doing raus ;o)

Sollte sie weiter um sich schlagen oder dich angreifen, mach ihr klar, dass du Chef im Ring bist und diese Angriffe nicht duldest. Das scheint ein weiteres Problem zu sein. Bisher kam sie mit ihren Angriffen durch, d. h. sie hat keine wirklichen Sanktionen erhalten. Zunächst kannst du ihr drohen mit erhobenen Zeigefinger, gleicht der Pfote der Artgenossen, wenn die untereinander Konflikte austragen, sozusagen letzte Drohgebärde vor dem Angriff. Hilft das nicht, mit dem Finger auf die Nase tuppen, so machen das die Katzen auch untereinander, dabei warnen in Form von Fauchen, bedrohlich reden.
Konsequent sein, den Kontakt ablehnen nach dem Angriff und ihr klar machen, dass du bestimst, wo es langgeht!

Unser Großer (1 1/2) liess sich nicht kämmen oder bürsten, inzwischen läßt er es über sich ergehen ohne um sich zu kloppen und nur mit ein bißchen Gefauche. Er hat gelernt, dass ich ihm nichts böses will, er keinen Schaden davonträgt durch das Kämmen und er eine Belohnung für Nettiquette erhält. Er ist nicht mehr beleidigt und akzeptiert seither auch so lästige Dinge wie Tabletten einschmeißen, Filz rauspuhlen, Zecken entfernen, für ihn blöd glotzende Kötis, die mann nicht angreifen darf, weil mann schlechte Laune hat.
Er hat mit Konsequenz gelernt, dass er unten bleiben muss, wenn ich die Näpfe fülle und er nicht das Hundefutter zu fressen hat, nicht auf Tische darf und nur ab und zu klauen erlaubt wird ;o)

Aber ich musste erst meinen inneren Schweinhund überwinden und selbst lernen, was bei den Hunden selbstverständlich ist: Ich bin Chef im Ring und auch er hat sich dem unterzuordnen. Und auch er, ich glaubte es nicht (weil man gemeinhin sagt, dass Katzen sich niemandem unterordnen) akzeptiert das!

ich bin vor ca. einem halben jahr auf`s land gezogen. in
meinem haus wohnte vorher eine familie, die ihre katze beim
auszug zurückgelassen hat. da sich sonst keiner in der
nachbarschaft um sie gekümmert hat, habe ich sie nun
„adoptiert“.

Danke, dass du sie nicht rausgeschmissen hast! Dafür ein *

sie ist ca. 3 jahre alt, extrem zutraulich und

praktiziert „kampfschmusen“, will heißen, sie erkämpft sich
regelrecht ihre schmuseinheiten, indem sie sich wild
ankuschelt mit dem kopf gegen die nicht streichelnde hand
stösst,obwohl sie von der anderen hand schon gekrault
wird…u.s.w. dabei sabbert sie voll wohlbehagen.

Siehe oben, bestätigt meinen Gedanken an den Streichelrausch.

urplötzlich

aber faucht sie äußerst aggressiv, schlägt ihre Krallen (auch
gern in mein gesicht)

vor allem ins Gesicht, normales typisches Katzenverhalten. Machen die untereinander immer in Konfliktsituationen, wenn gekloppt wird.

manchmal fällt sie mich auch einfach so an und

schlägt ihre krallen in meine beine, wenn ich nur an ihr
vorbeigehe…bin mittlerweile im umgang mit ihr völlig
unentspannt, da ständig in habachtstellung - wie gehe ich am
besten damit um?

Das Anfallen im Vorbeigehen zeigt, dass du in ihren Augen in ihr Revier eingedrungen bist und sie das doof findet, darum will sie dich daraus vertreiben.
Das haben die Vorbesitzer vielleicht akzeptiert (der Grund, warum sie bleiben „durfte“???) oder hingenommen. Mach ihr klar, dass sie entweder mit dir lebt oder nicht mehr mit dir lebt, also bei Angriffen sofort rausfliegt. Sie wird die 2. Variante vorziehen, wenn du ihr zeigst, dass du Revierführer bist, sie aber in deinem eroberten Revier duldest, wenn sie sich ordentlich verhält (sogar richtig nett bist mit unerwarteten Leckerbissen wie ab und zu ein frisches Stück Herz oder sowas). Das wird ihr Verhalten ändern, denn auch ältere Katzen (wobei 3 Jahre nicht alt sind) lernen dazu, auch wenn es etwas länger dauert.

Wichtig ist, dass sie einfach merkt, dass du Chef bist und ihre Angriffe, egal welcher Art nicht erwünscht sind.

Das wird euer Leben entspannen.
Woher diese Fehlkonditionierung kommt, (zu junges Trennen von Mutter/Geschwistern, Dominanzverhalten)wäre für mich erstmal zweitrangig, da es das Problem nicht löst.

Hoffe, geholfen zu haben! :o)

Liebe Grüße
Sabine

Hi, bei uns funktioniert es mit einem kräftigen FFFFFt duch
die Zähne gepiffen:smile:
Toni

Hi, pusten wirkt bei meinem Katerchen immer Wunder wenn er mal zu gob wird beim Spielen. Er ist ein „Heimkind“ und hat daher auch ein paar Eigenarten.
Gruß Elena