Katze lehnt Kind ab

Hallo,
wir haben uns eine ganz zärtliche liebebedürftige, muntere Wohnungs- Katze (ca 1Jahr) aus dem Tierheim geholt.
Es gibt nur ein (sehr großes) Problem:
Meine Tochter(10Jahre) sehr sozial, sehr tierlieb, eigentlich
sanft, aber etwas ungestüm, lauter und bewegungintensiv wird von der Katze nicht rangelassen.
Wahrscheinlich wurde sie von den Vorbesitzern misshandelt.
Sie hat aber viel von ihrer Angst verloren, trotzdem und obwohl unsere Tochter schon stark versucht, ihre nichtkatzenentsprechenden Wesensarten zu unterdrücken, und nur sie die Leckerle geben darf, wird sie immer durch Flucht der Katze abgelehnt. Sie ist schon ganz frustriert und zweifelt an sich selbst…
Was können wir denn tun, damit sich die beiden näher kommen?
Ratlose Uschi

Hai, Uschi,

möglich wäre eine Gewöhnung, wenn Deine Tochter Katze spielt. Katzen toben nicht aufeinander zu, bieten sich keine Leckerlis an, versuchen nicht, sich anderen Katzen aufzudrängen. Also soll sie es doch mal mit der Methode versuchen, die ich bei meinem generell menschenscheuen Kater erfolgreich anwandte: zunächst wird das Schnurrtier weitesgehend ignoriert, wenn sie also ankommt nicht gleich streicheln wollen, sondern so tun, als bemerke man es gar nicht; sich täglich in die Nähe der Katze setzen (knapp außerhalb der Fluchtdistanz) und anfangen zu erzählen, dabei die Katze aber nicht ansehen, sondern den Kopf soweit wegdrehen, daß man sie gerade noch im Augenwinkel wahrnimmt, am besten gleich seitlich hinsetzen; wenn die Katze irgendwann kommt, immer noch nicht streicheln, selbst wenn sie sich auf den Schoß setzt, gestreichelt wird sie erst, wenn sie anfängt, ihren Kopf an Deiner Tochter zu reiben - kurz: die Katze bestimmen lassen, wann sie den Kontakt aufnehmen will - OK, für eine 10jährige ist das anstrengend, aber gleichzeitig eine gute Übung zum Thema Geduld und das Erfolgserlebnis, wenn der Stubentiger eines Tages auf ihren Schoß klettert, ist unübertroffen.

Viel Glück den beiden
Sibylle

Hallo!

Ich kann mich dem exzellenten Tip meiner Vorrednerin nur anschliessen: wenn man direkt auf die Katze (vor allem wenn es eine scheue Katze ist, die schlechte Erfahrungen gemacht hat) zugeht und sie womöglich noch direkt ansieht, dann fühlt sie sich bedroht und geht weg.

Wie unten beschrieben: auf den Boden setzen, nicht anschauen, leise vor sich hin sprechen, nicht reagieren bis sich die Katze an einem reibt. Dann vorsichtig über den Nacken und Rücken streichen.

Katzen sind von Natur aus neugierig, versuche Deiner Tochter Geduld beizubringen - die Katze wird dann schon kommen. Versuche Deiner Tochter klarzumachen, dass Katzen nicht dazu da sind, von Menschen nach Lust und Laune liebkost, hochgenommen usw. zu werden - man muss sich immer nach der Katze richten.

Meine Kätzin Greta kommt vermutlich aus einem Haushalt mit kleinen Kindern, die nicht richtig angeleitet wurden. Obwohl sie sehr menschenbezogen ist, lässt sie sich nicht hochheben, nicht am Bauch anfassen, zuckt zurück wenn man mit der Hand von oben auf ihren Kopf zugeht und ist auch sonst sehr misstrauisch. Meistens gibt’s dann eine Ohrfeige für mich, wenn ich nicht aufpasse. Das ist eine Entwicklung, die Du Deiner Katze und Deiner Tochter ersparen musst.

Viel Erfolg und Glück Dir,

Myriam
Satan, Luzifer & Greta
zu sehen auf http://www.napfsuelze.de

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hallo ursula,
meine vorredner beschreiben es ja schon wirklich ganz hervorragend. es ist ein langes geduldsspiel! das kann sich über viele wochen hinziehen, habe es selber mehrfach mit streunerkatzen durchgemacht. im prinzip bin ich ein ‚katzentyp‘, das heisst, katzen kommen normal sehr schnell auf mich zu. aber bei streunern war und bin ich auch in der situation, dass die tiere erst mal vertrauen fassen müssen und ich es genauso machen muss, wie beschrieben. die katzen kommen lassen, nicht direkt ansehen, wochenlang warten, bis die katze eine erste berührung meinerseits erlaubt - und wenn meine neugier noch so gross ist, wie sie sich anfühlen, ob sie minchen oder tinchen sind (scheue katzen klemmen ihren schwanz nach unten, da ist nichts zu erkennen ;o). …)etc.
einen tip für deine tochter, damit habe ich selbst gute erfahrungen gemacht: schlafend stellen. die katze und deine tochter allein in einem raum (natürlich grosser raum oder türe angelehnt, die katze muss die freiheit haben zu gehen). deine tochter legt sich auf den boden und schliesst die augen. wenn die katze leckerli hat, dann ein paar davon um deine tochter verteilt, dass die katze in ihre nähe geht … ruhig atmen, nichts tun, aller neugier zum trotz die augen geschlossen halten (oder nur raus-linsen ;o) … ). das immer und immer wieder. die katze wird nach und nach näher kommen, sie wird beginnen zu schnüffeln und dann auf deiner tochter ein wenig rumzusteigen. so kann sie vertrauen fassen.
nach einer weile wird das auch funktionieren, wenn zum beispiel deine tochter auf der couch vor dem fernseher sitzt, mit offenen augen, aber scheinbar auf etwas anderes konzentriert.
nächste stufe: der katze die hand hinhalten (immer noch nicht dabei angucken oder höchstens mal blinzelnderweise, nicht mit dem blick fixieren), die katze wird schnüffeln. eines tages wird sie sich dann reiben, an den beinen oder an der hand. dann kann man vorsichtig wie beschrieben weitermachen: über den rücken streichen und so weiter.

es ist ein geduldsspiel, aber … eines der grössten erfolgserlebnisse, das es gibt. die erste freiwillige berührung der katze ist ein endorphinschock ;o)

viel glück und viel geduld … wünscht muschel