Erfahrungsbericht
Hallo Angel,
„Murphy“ wurde 20 Jahre alt. In seinen letzten Monaten erschreckte er uns mit ganz entsetzlichem, durchdringendem Schreien.
Mehrere Tierärzte fanden nichts, er bekam Aufbauzeugs und Vitaminspritzen, denn er bestand im Prinzip nur aus Haut und Knochen. Allerdings stets in bester Laune.
Wir gingen dann anlässlich des infernalischen Geheuls davon aus, dass er starke Schmerzen haben musste und entschlossen uns schweren Herzens, ihn einschläfern zu lassen.
Eine weitere Tierärztin, zu diesem Zweck aufgesucht, weigerte sich, ein ihr unbekanntes und noch dazu relativ kerngesundes Tier einschläfern zu lassen und untersuchte ihn eingehend.
Murphy freute sich derweil der Aufmerksamkeit, bekam allerlei Leckerlies und liess sich gut gelaunt und seelenruhig durchchecken.
Plötzlich begann er minutenlang unausgesetzt zu heulen. Die Ärztin tastete ihn in dieser Zeit auf das Gründlichste ab, um uns mitzuteilen, dass er die ganze Zeit vollkommen entspannt und friedlich sei.
Ganz offensichtlich schrie er nicht, weil er Schmerzen hatte. Der kleine Knabe war einfach nur einigermassen dement.
Wir sorgten dann dafür, dass der Gute immer eine Höhle in Reichweite hatte, in die er sich jederzeit zurückziehen konnte. Gut, bedauerlicherweise wählte er sich das überdachte Katzenklo als Refugium aus, wenn er seine Ruhe haben wollte.
Aber diese Brüllattacken blieben bis zu seinem Ende aus. Er hatte aus Gründen der fortschreitenden Demenz einfach vergessen, wie man sich von allein aus nervigen Situationen herausbringt, wenn man genug hat.
Übrigens ist die Katze meiner Kollegin letztes Jahr im Alter von 24 Jahren verschieden. Also möglicherweise habt ihr noch ein paar schöne Jährchen zusammen.
Gruß
Annie