Katzen

Hallo Wissende,
Hat jemand für Folgendes eine Erklärung ?
Warum spielen Katzen mit einer erbeuteten Maus, auch wenn sie schon halb tot ist. Warum dieser „Sadismus“ ?
Mit bestem Dank und Gruss: harta

Warum nicht? ;>

Hallo harta,

Hat jemand für Folgendes eine Erklärung ?
Warum spielen Katzen mit einer erbeuteten Maus, auch wenn sie
schon halb tot ist. Warum dieser „Sadismus“ ?

Sadismus kommt im Tierreich nicht vor.
Eine Katze handelt gemäß ihren Instinkten.
Der heißt in diesem Fall: alles, was sich in bestimmter Weise bewegt und die richtige Größe hat, ist Beute.
Was Beute ist, wird gekrallt.

Da „überlegt“ die Katze nicht: halt, die Maus wird die nächsten Sekunden/Minuten tot und fressfertig sein.
Sie sieht nur: Beute -> bewegt sich -> die kralle ich jetzt!

sie muss das tun. Sie ist dafür geschaffen.

Unabhängig davon ist das Verhalten, das Dir sadistisch vorkommt, sehr sinnvoll.
Drauf, bis sich nichts mehr rührt.

Hast Du noch nie gesehen, wie eine Maus, die von einer Katze „bespielt“ wurde, nach einer Weile trotz Todesangst zurückgebissen hat?

Da springen sie und flüchten, die Stubentiger!

viele grüße
Geli

Hallo Wissende,
Hat jemand für Folgendes eine Erklärung ?
Warum spielen Katzen mit einer erbeuteten Maus, auch wenn sie
schon halb tot ist. Warum dieser „Sadismus“ ?
Mit bestem Dank und Gruss: harta

hi harta,
man sagt sie trainieren ihren Jagdtrieb und absolvieren somit ein Training für den Lebenskampf.
Erwachsene Katzen überlassen z.B. ihren jungen Nachkommen die angeschlagene Jagdbeute um sie für das weitere Leben vorzubereiten.
In unseren Augen ist das „Sadismus“ aber Tiere kennen wohl kein „Mitleid“ mit der geschundenen schwächeren Kreatur,(übrigens der Mensch oft auch nicht) es ist lediglich ein Nahrungsmittel und beim Mensch ein Mittel zum Zweck.

Hallo,

Deine Herangehensweise an diese Frage ist voreingenommen. Du versuchst, das Verhalten der Katze nach menschlichen Maßstäben zu interpretieren. Daher kommst Du zu einem Begriff wie „Sadismus“. Sadismus würde bedeuten, dass sich die Katze am Leid des Beutetiers erfreut oder gar sexuell erregt. Das ist definitiv nicht der Fall, die Katze ist gar nicht in der Lage zu erkennen, ob das Beutetier leidet, es ist ihr auch egal. Diese Spiele werden genauso mit einer Stoffmaus ausgeführt.

Der Instinkt, Beute zu fangen und zu töten ist bei Katzen angeboren. Die Technik müssen sie erlernen. Daher bringt die Katzenmutter den Welpen ab einem bestimmten Alter lebende Beutetiere mit, damit die Jungen das Fangen und Töten üben können. So erlernen die Welpen das Beutespiel. Dieses hat verschiedene Facetten und wird auch im Erwachsenenalter noch gezeigt, vor allem bei Katzen, die nicht auf Jagd zur Ernährung angewiesen sind.

Hier ist u.a. ganz gut erklärt, wie der Jagdtrieb den Tötungstrieb eine Weile lang überlagert, und so das scheinbare „Spielen“ mit der Beute vor der Tötung zustandekommt.

http://www.farm-hespeler.de/tierseite_0008_katzen.htm

Gruß,

Myriam

Hallo Wissende,
Hat jemand für Folgendes eine Erklärung ?
Warum spielen Katzen mit einer erbeuteten Maus, auch wenn sie
schon halb tot ist. Warum dieser „Sadismus“ ?
Mit bestem Dank und Gruss: harta

Hallo harta,

Sadismus ist eine menschliche Eigenschaft/Anlage und als Interpretation auf eine tierische Verhaltensweise gar nicht anwendbar!
Für die Katze ist im übrigen das Spielen mit der Beute lediglich kindliches „Training“.
Eine Katzenmutter bringt bereits noch lebende Beute zu ihren Kindern, damit sie die Jagdtechniken erlernen. Das ist überlebenswichtig und dringend notwendig - denn ohne Beute verhungert das Tier. Außerdem zeigt sich dies Verhalten kaum oder gar nicht bei den ursprünglichen Wildkatzen, wenn sie erwachsen sind. Das Erlernte ist gefestigt. Bei unseren Hauskatzen zeigen sich hingegen viele kindliche Verhaltensmuster, obwohl die Tiere bereits erwachsen sind. Zum Beispiel das so genannte „Treteln“ - wenn du Katzen hast, wirst du wissen, was ich meine -, ein kindliches Verhaltensmuster, das vom Milchtritt an den Zitzen der Mutter herrührt. Bei Wildkatzen kommt dies im Erwachsenenalter nicht vor.
Warum unsere Hauskatzen so viele kindliche Verhaltensmuster auch später beibehalten, ist noch nicht hinreichend geklärt.

Bitte wende niemals menschliche Eigenschaften auf Tiere an, du tust damit den Tieren keinen Gefallen… :smile:

Gruß,
thewritingcat

Hallo Wissende,
Hat jemand für Folgendes eine Erklärung ?
Warum spielen Katzen mit einer erbeuteten Maus, auch wenn sie
schon halb tot ist. Warum dieser „Sadismus“ ?
Mit bestem Dank und Gruss: harta

Hallo harta,

Sadismus ist eine menschliche Eigenschaft/Anlage und als
Interpretation auf eine tierische Verhaltensweise gar nicht
anwendbar!

Hallo Schreibkatze,
Vielen Dank für Deine Ausführung ! Wenn Sadismus eine menschliche Eigenschaft ist, stellt sich die Frage: Ab welcher Evolutions-Stufe ist diese eher „dunkle Seite“ aufgetreten ? Oder etwa stufenlos ? Dann wäre sie bei Primaten auch möglich, oder nicht ?
Gruss: harta

Hallo nocheinmal harta!

Der Begriff „Sadismus“ rührt von Marquis de Sade her, der sexuelle Schilderungen mit Gewaltfantasien mischte. Der deutsche Psychiater Krafft-Ebing hat ihn meines Wissens zuerst verwendet und damit eine psychische Störung definiert, nämlich a) Freude am demütigen und quälen anderer und b) a) + Erlangung sexueller Erregung und Befriedigung.
Beides gibt es im Tierreich nicht. Zugegebenermaßen interpretieren wir Menschen viel in die Handlungen von Tieren, ganz besonders bei unseren „Geschwistern“, den Menschenaffen. Mache ich bei meinen Hausgenossen auch gelegentlich… :smile:

Viele Verhaltensweisen ähneln den unseren ja auch. Dabei sind die sozialen Strukturen sehr komplex und bestimmt für die Verhaltensforscher ein interessantes Thema.
Doch bin ich der Ansicht, dass wir - auch oder gerade - bei den Primaten eines nie außer Acht lassen dürfen: es sind und bleiben Tiere. Die meisten ihrer Verhaltensmuster sind instinktiv. Sie sind weder fähig zur Selbsterkenntnis noch zur Reflexion ihres eigenen Verhaltens. Sie interagieren innerhalb ihrer Gruppe oder „Familie“ nach angeborenen und erlernten Mustern.

Interessanter ist die von dir gestellte Frage bei Kindern zu beobachten. Erst mit Ablauf des zweiten Lebensjahres beginnen die kleinen Menschen, sich selbst als autonome Person anzusehen (z.B. das eigene Spiegelbild zu erkennen oder „ich“ anstelle des eigenen Namens zu sagen), bald darauf folgt die Erkenntnis des eigenen Willens und noch später die Einsicht in das eigene Verhalten („jemand wird traurig, wenn ich ihn haue - ich tue ihm damit weh“).
Fest steht aber, dies Verhalten zu verurteilen liegt in der Hand der Erzieher. Moralische und ethische Grundwerte werden uns beigebracht. Sie liegen nicht in der Natur des Menschen. Fast alle Kinder haben schon einmal ein Tier (eine Mücke, einen Käfer o.ä.) nur aus Neugier getötet. Vermutlich haben unsere Eltern uns dafür gescholten und uns erklärt, dass jedes Wesen lebt und Leid oder Schmerz empfindet. „Was du nicht willst, das man dir tu…“ Und sicher haben wir alle früher oder später diese Lektion gelernt. Daran siehst du auch: die Natur kennt kein gut und böse, kein positives oder negatives Verhalten. Es sind die Menschen allein, die diese Wertungen vornehmen.

Wann dabei der Sadismus - als psychische Störung - entstehen kann, wird wohl kaum zu klären sein. Es ist ein Gefühl der Machtausübung über andere, man fühlt sich größer/stärker als ein anderes Wesen und lernt dies zum eigenen Vorteil zu nutzen, sei es als Hochgefühl oder zur sexuellen Erregung. Fast alle sadistischen Mörder sind in der Kindheit durch ausgesprochen auffällige Tierquälereien aufgefallen. Manche brauchten die Qual der Opfer, um sich selbst nicht mehr minderwertig und schwach zu fühlen, andere konnten nur so zu sexueller Befriedigung kommen. (Interessant ist dabei im übrigen, dass das Sexualzentrum im menschlichen Gehirn direkt an das Aggressionszentrum gekoppelt ist!) :smile:

Betonen möchte ich hierbei aber ausdrücklich, dass alle sexuellen S/M Praktiken und Spielarten NICHT auf eine psychische Störung zurückzuführen sind (sofern alle Beteiligten dies wollen). Viele haben eben Spaß an Macht-Ohnmacht-Spielen…

Wie auch immer - mit der Menschwerdung haben wir viele gute und genausoviele negative Eigenschaften abbekommen (nach dem menschlichen Wertsystem!) und deren Herkunft können uns nur Pastoren oder Wissenschaftler erklären - wenn sie nicht für immer ein Rätsel bleiben.

Schön, dass du dich für so tiefe Gedankengänge interessierst. Bleib weiter so neugierig!

Lieben Gruß,

thewritingcat

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

2 „Gefällt mir“

Hallo thewritingcat,
unterschätze die Menschenaffen nicht. Lies mal diesen Artikel: http://www.fh-lueneburg.de/u1/gym03/expo/jonatur/wis…
Grüße
Ulf

Hallo thewritingcat,
unterschätze die Menschenaffen nicht. Lies mal diesen Artikel:
http://www.fh-lueneburg.de/u1/gym03/expo/jonatur/wis…
Grüße
Ulf

Hallo, Ulf!
Vielen Dank für deinen Hinweis!
Sicher wollte ich mit meinem Beitrag die Tiere (in diesem Fall die Menschenaffen) nicht als seelenlose (wenn man das mal so sagen darf), nur durch den Instinkt gesteuerte Wesen diskreditieren. Ich glaube, das hast du sicher auch bemerkt…

Ich bin nur immer dann skeptisch, wenn menschliche Verhaltensweisen auf Tiere übertragen werden. Wieviel davon trifft tatsächlich zu und wieviel davon ist nur Projektion??? Denn wir Menschen neigen leider nur allzugern dazu uns in anderen Dingen wiederzuentdecken, so wie wir dazu neigen in diffusen Formen Gesichter zu sehen.
Ich will jetzt gar nicht näher auf den interessanten Artikel eingehen - nur so viel, ein Satz wie z.B.: - ein Schimpansenmännchen verbirgt mit angsterfülltem Gesicht seinen erigierten Penis, wenn er von einem ranghöheren Männchen bei einem Schäferstündchen erwischt wird - enthält m.M. nach eine Fülle an menschlicher Projektion!
Meinst du nicht? Trotzdem mag vieles tatsächlich zutreffend sein. Daran werden Verhaltensforscher noch lange arbeiten und sicher noch viele neue Erkenntnisse gewinnen werden! :smile:
Also, Tiere (und Menschenaffen) sind lebendige, komplexe und wunderbare Wesen, die zu achten und zu respektieren eine Selbstverständlichkeit sein sollte.

Gruß,
thewritingcat

Hallo thewritingcat!

Sicher wollte ich mit meinem Beitrag die Tiere (in diesem Fall
die Menschenaffen) nicht als … nur durch den Instinkt gesteuerte
Wesen diskreditieren. Ich glaube, das hast du sicher auch bemerkt…
Ich bin nur immer dann skeptisch, wenn menschliche
Verhaltensweisen auf Tiere übertragen werden. Wieviel davon
trifft tatsächlich zu und wieviel davon ist nur Projektion???
Denn wir Menschen neigen leider nur allzugern dazu uns in
anderen Dingen wiederzuentdecken, so wie wir dazu neigen in
diffusen Formen Gesichter zu sehen.

Dass menschliche Maßstäbe nicht auf Tiere übertragen werden sollten, wenn man sie artgerecht behandeln möchte, ist uns beiden klar. Da brauchen wir uns nicht gegenseitig offene Tore einzurennen. Die sind bei anderen Haustierbesitzern aus massiver Eiche (mit Stahlplatten verstärkt und Spitzen versehen) verschlossen. Jede® Katzenbesitzer(in) ist Katzenfachmann/frau.

Ich will jetzt gar nicht näher auf den interessanten Artikel
eingehen - nur so viel, ein Satz wie z.B.: - ein
Schimpansenmännchen verbirgt mit angsterfülltem Gesicht seinen
erigierten Penis, wenn er von einem ranghöheren Männchen bei
einem Schäferstündchen erwischt wird - enthält m.M. nach eine
Fülle an menschlicher Projektion!

Bitte vollständig Lesen/Zitieren. Da hat sich der Autor etwas vorsichtig ausgedrückt: „dann wird man ihnen ein gewisses Maß von Selbstreflexion wohl nicht absprechen können.“

Trotzdem mag vieles tatsächlich zutreffend
sein. Daran werden Verhaltensforscher noch lange arbeiten und
sicher noch viele neue Erkenntnisse gewinnen werden!

Wichtig war mir die Frage von Harta: „Wenn … eine menschliche Eigenschaft ist, stellt sich die Frage: Ab welcher Evolutions-Stufe … diese … aufgetreten ? Oder etwa stufenlos ? Dann wäre sie bei Primaten auch möglich, oder nicht?
Da passt der letzte Absatz von Dr. Andreas Paul: „Natürlich: Schimpansen sind keine Menschen. Aber je genauer man guckt, desto mehr stellt man fest, sie sind verdammt nah an uns dran! Wenn es einen kognitiven Rubikon (http://de.wikipedia.org/wiki/Kognition, http://de.wikipedia.org/wiki/Rubikonmodell_der_Handl… - Linkeinfügung von Ulf) gibt, dann verläuft er nach Ansicht vieler Experten nicht zwischen Menschen und anderen Tieren, sondern zwischen Menschenaffen und anderen Tieren.
Die Entwicklung der verschiedenen Formen der Intelligenz ist nicht stufenlos. Zumindest, wenn man eher zur Evolutionstheorie und nicht zum Kreationismus neigt.
Grüße
Ulf