Unsere Gärten liegen nebeneinander, sodass ich, während ich draußen ein Buch las, die unglaublich geduldigen Lockversuche (fast täglich!) meiner katzenvernarrten Nachbarin mitbekam, alles in ein selbstverfaßtes Gedicht einbrachte und es ihr schenkte…:
L i e s e k a t z e n g e d i c h t
Liebe Liese, sei so nett,
komm jetzt von der Mauer runter.
Schließlich will ich gleich ins Bett,
doch du treibst es immer bunter!
Selbstbewußt und hoheitsvoll
fällt dein Blick herab auf mich.
Liese, treib es nicht zu toll!
Warte nur, gleich hab ich dich!
Gleich wird es stockdunkel sein,
und dann mach ich mir doch Sorgen,
wenn Lieschen ausgesperrt, allein,
furchtsam die Nacht verbringt bis morgen.
So, jetzt komm ich mit der Leiter
und hebe dich herab geschwind,
denn so geht es ja nicht weiter,
mit dem Liesekatzenkind!
Wieder bist du nicht zu fassen,
Liesemädchen! Sei jetzt lieb,
du solltest diesen Unfug lassen,
sonst holt dich diese Nacht aein Dieb.
Meine Geduld wird hart erprobt.
Elisabeth, du Hoheitsvolle,
wirst von mir sogar gelobt,
wenn du aufgibst diese Rolle.
Du erlöst mich, sieg’bewußt
und läßt dich ins Haus nun tragen.
Du triumphierst über meinen Frust
aufs Neue, an allen weiteren Tagen.
Doch wer kann dir böse sein,
wenn du draußen auf der Wiese,
sanft schnurrend streichst mir um das Bein,
Nur abends willst du nicht herein!
Ich hoffe, es gefällt Dir?
Viele Grüße, Renate
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