Hallo Liane,
also Katzen sind prinzipiell durchaus lernfähig, ein Bekannter von mir ist blind, er tritt die Katzen gnadenlos weg, wenn sie ihm vor den Füßen rumstehen. Das haben sie ganz fix gelernt und gehen nun rechtzeitig auf Seite. Das nur mal so ganz allgemein zur Lernfähigkeit, was „ankommende Gefahren“ angeht.
Wie mein Vorschreiber schon sagte, ist das Problem eher die Geschwindigkeit der Autos. Der einzige Lerneffekt, der in dieser Situation etwas bringen würde, wäre wenn der Kater nun die Straße gänzlich meidet. Ob er das macht, hängt aber wohl noch von anderen Faktoren ab - war er nur mal neugierig, was es da hinten so gibt (und er hat jetzt gesehen, dass es da einfach nur weh tut) oder hielt er sich regelmäßig dort auf und zählt die Straße zu seinem Revier, dann wird er es nicht aufgeben. Um das herauszufinden, müsste man ihn aber erst mal wieder raus lassen, klar.
Die beiden zu trennen halte ich für nicht fair. Was können denn die Katzen dafür (es würden schließlich beide leiden), dass da vorne Autos fahren? Auch ehemalige Freigänger zu Wohnungskatzen umzufunktionieren, kann nicht im Sinne des Wohlergehens der Katzen sein. Der Mensch denkt: „doch, ich sorge ja dafür, dass sie länger leben“, ich bin aber sicher, dass sich eine Katze weniger Gedanken darüber macht, wie lange sie lebt, eher darüber, wie gut oder schlecht es ihr im Moment geht. Eine lang lebende, leidende Katze finde ich bedauernswerter als eine kurzlebende, glückliche. Katzen sind ortsverbundene Tiere - eine Weggabe zu anderen Menschen ist für Katzen nicht so schlimm wie für Hunde, aber den Ort wechseln zu müssen, ist für Katzen i.d.R. etwas Grauenvolles. Was ich sagen möchte: Mal den Menschenverstand ausschalten und das Leben versuchen aus den Augen einer Katze zu sehen.
Ich persönlich (auch zwei Katzen, Straße 300 Meter entfernt, eine Katze bleibt auf dem Grundstück, die andere weiß ich gar nicht, wie weit sie weggeht) würde gar nichts ändern. Ich weiß, die Katzen haben bei mir ein gutes, freies Leben, ich würde sie nie trennen, weil ich Angst habe, dass der einen etwas zustoßen könnte (die Angst habe ja bloß ich, nicht die Katze). Es mag hart klingen, aber wenn es so kommen sollte, dass etwas passiert, dann kommt es so. Dann muss ich da durch, dann muss die verbliebene Katze da durch, aber ich weiß, dass es bis dato glückliche, freie Katzen waren. Man kann eben nicht alles, was man liebt vor allen Gefahren beschützen - auch nicht durch weggeben. Vielleicht hinkt der Vergleich ein bißchen, aber Großstadteltern geben ihre Kinder auch nicht weg, weil es in der Stadt mehr Kriminalität und Autos gibt - die Kinder wollten das nämlich auch nicht, trotz der Gefahren.
Mücke