Hallo!
Leider hängt zur Zeit in meinem Katzenhaushalt der Hausfrieden schief und ich muss wohl eine Entscheidung treffen, bei der ich Eure Hilfe benötige.
Entschuldigt bitte vorweg, dass ich so viel und ausführlich schreibe, aber für mich gehört das alles zur Entscheidungsfindung - und kurzfassen konnte ich mich noch nie. - Wer also den Nerv hat, das alles durchzulesen, ist herzlich eingeladen
)) !
Zur Situation:
Ich habe zur Zeit drei Katzen: Katze Twinky, 9 Jahre alt * Kater Fridolin, 3 Jahre alt * Katze Keana, 1 Jahr alt.
Die Katzen sind alle kastriert, leben in reiner Wohnungshaltung (haben aber 24 Stunden Zugang zu katzensicherem 10 qm-Balkon), ich bin ganztags berufstätiger Single.
Twinky lebt seit ihrer frühen Kindheit (10 Wochen) bei mir. Als ich sie damals zu mir nahm, hatte ich bereits die etwa 5 Monate alte Katze Nellie. Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden, viel zusammen gespielt und auch eng umschlungen geschlafen. Das ging etwa 7 Jahre lang gut, dann war plötzlich von einem auf den anderen Tag Krieg angesagt. Twinky, die bisher eher unterwürfig war, hat die bis dahin dominantere, aber herzkranke Nellie so aggressiv angegriffen, dass diese vor Angst Kot abgesetzt hat. Die Situation hielt etwa eine Woche lang an, dann verschwand Twinkys starke Aggression. Sie vertrugen sich zwar beide wieder miteinander und spielten auch, lagen aber nicht mehr so eng beieinander wie vorher. Nellie verstarb ein paar Monate später an einem Lungenödem. Ich nahm damals an, dass Twinky nur wegen Nellies Krankheit so merkwürdig reagiert hatte.
Nun stand ich vor der Entscheidung Twinky von nun an alleine zu lassen oder eine neue Katze aufzunehmen. Schon 10 Tage nach Nellies Tod habe ich den damals ca. 1 Jahr alten Fridolin bei mir aufgenommen, der (angeblich) ausgesetzt worden war. Die Zusammenführung verlief zunächst sehr friedlich, keiner fauchte, kein Kampf fand statt und man fraß fast Schulter an Schulter.
Später fand ich heraus, dass Fridolin wohl nur so friedlich war, weil er ziemlich schwer krank war (Blasenentzündung, Diabetes, Durchfall, Fieber, alles auf einmal). Sobald es ihm wieder besser ging, fing er an, sich drohend vor Twinky aufzubauen. Das reichte meistens schon, um Twinky in die Flucht zu schlagen. Da Fridolin Twinky nicht wirklich angegriffen und nie gefaucht oder geknurrt hat, habe ich das ganze eher für eine Aufforderung zum Spielen gehalten. Wenn es mal zu echten Prügeleien kam, war es eher Twinky, die sich auf Fridolin stürzte. Zwischendrin wieder Frieden bzw. sich aus dem Weg gehen. Immer wieder Leute, die auf mich einreden, dass eine Zusammenführung nun mal dauert. Geschichten von Katzen, die nach 4 Monaten ein Herz und eine Seele wurden, selbst noch nach 6 Monaten. Besuch vom Tierpsychologen, der über 3 Stunden beobachtet und meint, das wird schon, das sieht doch gut aus. Homöopathika … Feliway … Antistress-Tabletten …
Als Fridolin etwa schon 12 Monate bei mir war und die beiden Katzen immer noch keine Freunde waren, bin ich umgezogen, in der Hoffnung, dass eine neue Wohnung als neues „Revier“ vielleicht helfen könnte. Fridolin mochte ich inzwischen auch nicht mehr weggeben. Und wer hätte ihn mit seinen gesundheitlichen Problemen schon aufgenommen? Ich wollte auch nicht, dass Twinky den ganzen Tag alleine in der Wohnung hockt und rammdösig wird.
Aber auch die neue Wohnsituation brachte keine wirkliche Besserung und so kam ich auf die (Schnaps-)Idee, eine dritte Katze zu holen. Meine Hoffnung war, diese würde mit Fridolin spielen und toben, so dass er sich nicht mehr (aus Langeweile?) auf Twinky stürzt. Da ich eine junge, erst 4 Monate alte Katze holte, hoffte ich außerdem auf eine Art „Mutterinstinkt“ bei Twinky. Im Bestfall sollte die neue Katze eine Brücke zwischen Twinky und Fridolin schaffen .
Die Kleine heißt Keana, ist jetzt 1 Jahr alt und versteht sich sehr gut mit Fridolin. Sie spielen viel miteinander und lecken sich gegenseitig ab. Twinky ist das dritte Rad am Wagen und könnte damit vielleicht auch ganz gut leben, wenn sie nicht dennoch immer wieder von Fridolin und mittlerweile auch Keana gescheucht werden würde. Meistens machen Fridolin und Keana einen respektvollen Bogen um Twinky. Wenn sie doch einmal aus Versehen zu nahe an sie heran kommen, setzt es schon mal Schellen von Twinky. Und dann plötzlich ist wieder Schluss mit Respekt und Twinky wird gejagt.
Mein Eindruck ist irgendwie, dass hier keiner richtig was zu sagen hat:
Die kleine Keana scheint mir eigentlich die Dominanteste oder Frechste von allen Dreien zu sein. Sie frisst den anderen alles weg, nimmt deren Plätze ein, schummelt sich auf meinem Schoß nach ganz vorne. Sie ist auch sehr lebhaft, sitzt eigentlich selten mal still. Wenn sie aber eine von den Älteren drauf kriegt, weil sie es wieder übertrieben hat, ist sie schon mal für kurze Zeit beeindruckt und fast verschüchtert.
Kater Fridolin sagt zwar auch schon mal, wenn ihm etwas nicht passt, ist aber ansonsten ein sehr ausgeglichener, geduldiger und gelassener Typ, der sich nicht über jeden Scheiß aufregt (wie die beiden Weiber). Aggression beobachte ich bei ihm eigentlich nicht wirklich, er spielt auch sehr liebevoll mit der Kleinen, selbst wenn diese meint, ihm aus 1,20 Meter Höhe auf den Kopf springen zu müssen. Wenn es ihm zu blöd wird, zieht er sich einfach zurück. Nur die alte Twinky muss er immer wieder ärgern und scheuchen. Vor allem wenn Twinky die junge Keana angreift, schreitet der Kater sofort ein und das immer. Ich weiß nicht, ob er damit Keana beschützen will oder ob das soviel heißt wie „Hier bin ich der Boss und nur ich hau hier auf den Tisch!“.
Die alte Twinky will wohl am liebsten nur ihre Ruhe haben und auf dem Schoß rumliegen und gestreichelt werden. Sie reagiert auch schon mal eifersüchtig, wenn der Schoß schon besetzt ist. Ich versuche deshalb, sie bezüglich Schmuseeinheiten vorzuziehen. Bei ihr weiß ich am wenigsten, wie ich sie einschätzen soll. Einerseits diese große Aggression, mit der sie losschlagen kann, andererseits das ständige Flüchten, obwohl die andere Katze noch gar nichts gemacht hat, außer mit der Schulter zu zucken.
So, nun zu dem eigentlichen Problem:
Twinky hat immer mehr Schorfwunden am Kopf. Man kann es nicht sehen, nur bei Streicheln ertasten. Es scheint, dass Fridolin oder Keana sie angreifen und mit den Krallen am Kopf und im Nacken erwischen. Zur Zeit sind es vielleicht so 10 – 15 kleine Schorfstellen. Es handelt sich um wirklich kleine Punkte, aber die Anzahl gibt mir zu bedenken. Solange hier nur hin und wieder Streit war, habe ich den Zustand noch als erträglich betrachtet, aber langsam habe ich die Befürchtung, dass Twinky in meiner Abwesenheit gemobbt und misshandelt wird.
Nicht, dass Ihr das falsch versteht: Hier ist nicht die ganze Zeit Alarm, es ist auch schon mal 8 Stunden am Stück Ruhe angesagt. Aber dann fallen die innerhalb einer halben Stunde 6 mal übereinander her.
Folgende Möglichkeiten fallen mir ein:
1. Katzenklappe mit Chip-Lesegerät in Schlafzimmertür einbauen. Diese so programmieren, dass bei geschlossener Tür nur Twinky in den Raum kann. Dann hätte sie einen Rückzugsort während meiner Abwesenheit. Aber glaubt ihr, dass Twinky es checken würde, dass die anderen ihr dahin nicht folgen können, und würde sie dann auch bei Gelegenheit tatsächlich dorthin fliehen? Und würden die anderen ihr dann nicht vor dieser Tür auflauern, z. B. wenn sie zum Klo will? Könnte Twinky dieses Zimmer ab sofort als ihren alleinigen Raum betrachten und die anderen dort gar nicht mehr akzeptieren?
2. Keller zu einem Katzenzimmer umbauen mit Katzenklappe im Kellerfenster. Fridolin und Keana werden dann morgens vor der Arbeit dorthin gebracht und können von da nach draußen starten, wenn sie wollen oder auch drin bleiben bei schlechtem Wetter oder Gefahr. Abends nach der Arbeit würde ich sie dann mit nach oben in die Wohnung im 2. Stock nehmen. Twinky verbleibt den ganzen Tag in der Wohnung.
Leider liegt meine Wohnung zwar in einer Einbahnstraße und 30er-Zone gleich neben dem Bürgerpark, aber die Autos fahren schon mal schneller und auf der anderen Seite ist ein Bahndamm. Ich habe mich daher bisher vor diesem Schritt gescheut. Dann weiß ich auch nicht, wie reagieren die Katzen, wenn sie abends plötzlich wieder aufeinandertreffen. Was meint ihr zu dieser Lösung?
3. Fridolin und Keana weggeben. Sie verstehen sich aber eigentlich sehr gut, ich würde sie ungern trennen. Und wer nimmt zwei Katzen auf einmal auf? Außerdem haben beide schon mehrfach gepinkelt: Fridolin aus Gesundheitsgründen, die ich aber mittlerweile im Griff habe, und Keana wahrscheinlich aus Dominanzgründen; sie hat aber vor 5 Monaten von einem auf den anderen Tag damit aufgehört. Ich habe aber Angst, dass Fridolin oder Keana bei einem neuen Besitzer wieder pinkeln könnten, und dieser sie daraufhin aussetzt oder ins Tierheim bringt o. ä.
4. Twinky weggeben. Ist eigentlich nicht fair, da sie ja zuerst da war. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie sich bei einem älteren Ehepaar, das den ganzen Tag zu Hause ist und mit ihr schmust, sehr wohlfühlen könnte. Höchstwahrscheinlich wohler als bei mir Und da sie keinerlei gesundheitliche Probleme und auch noch nie gepinkelt hat, hätte ich die Hoffnung, dass sie bei einem anderen Besitzer alt werden darf.
Mir ist ganz übel und ich hoffe – naiverweise – immer noch, dass die Katzen sich endlich vertragen. Ich möchte so ungern eine Katze hergeben müssen, ich bringe das einfach nicht übers Herz. Aber was meint Ihr???
Vielen Dank an alle, die sich tatsächlich die Mühe gemacht haben, diesen langen Text zu lesen!
Und vielen Dank für Eure Antworten!
Schönen Gruß
Jacqueline