Moin!
Ich rate jedem, der sich solch ein Auto nicht neu leisten
könnte, auch gebraucht die Finger davon zu lassen.
Weshalb?
Solche Autos kosten neu ca. 100.000 Eur.
Nach 2 Jahren und 30.000 Km dann noch 50.000.
Projektiert werden solche Autos für 250.000 - 300.000 Km Laufleistung.
Bevor man sich einen Audi A4 neu für das Geld kauft, kann man auch A8 fahren.
Nach 10 oder mehr Jahren sieht das natürlich anders aus, allerdings ist bei vernünftigen großen Autos die Technik so ausgelegt, dass sie bei normaler Pflege (1 Inspektion pro Jahr, ausser man fährt sehr viel) auch 20 Jahre / 300.000 Km hält.
Ferner sind nach 10 Jahren die großen Autos oft günstiger als die kleinen.
Das Problem bei großen Gebrauchtwagen zu günstigen Kursen ist, dass sie meist schon aus 3. Hand kommen und spätestens der 3. Eigentümer sich die regelmässige Wartung nicht mehr leisten kann/will. Dann wird es für den 4. ggf. teuer.
Kauft man jedoch ein regelmässig inspiziertes Auto aus 1. Hand, fährt man in vielen Fällen sicherlich besser als mit so manchem neueren Kompaktwagen.
Ich bemüe hier gerne den Vergleich zwischen den Autos, die meine Schwester und ich von 2001 - 2004 fuhren. Sie: neuer Golf 4 1.4 Benziner über 40.000 Km. Ich: BMW 530dtA Jahreswagen über 120.000 Km.
Der BMW lief unter Berücksichtigung aller Kosten günstiger. Der Golf war ein Groschengrab, die VW Garantie/Kulanz unbrauchbar. Es wurden nur Reparaturen, Inspektionen, Reifen, Steuern und Versicherung sowie Kapitalkosten kalkuliert, keine Unfälle o.ä.
Grundsätzlich brauch dieses Fahrzeug dieselbe Pflege und
Wartung wie seine Konkurrenten in dieser Klasse und das kostet
nicht gerade wenig. Wie immer gilt der Grundsatz: Wo viel drin
ist, kann auch viel kaputt gehen.
Das stimmt.
Allerdings wird kaum jemand bei einem 12 Jahre alten A8 das elektrische Heckrollo oder die Sitzheizung hinten reparieren.
Service lässt man bei Mercedes (so man sich für ein Auto dieser MArke entschieden hat) oder beim Bosch-Dienst machen. Einen alten A8 zu Audi zu bringen ist fahrlässig. Wer das weiß, kommt kaum teurer weg als mit einem V6 2 Klassen darunter.
Natürlich sollte man auf Breitreifen und Burnouts verzichten.
Dazu kommen Steuern und
Versicherung die schon deshalb ein Thema sind, weil
Oberklasselimos in der Regel üppiger motorisiert sind und in
höhere Versicherungsstufen eingereiht werden.
Der genannte A8 V6 verfügt über denselben Motor wie A4 und A6.
Einen Mercedes S 600 zu unterhalten ist natürlich knackig. Einen Audi V6, egal in welcher Karosse, bekommt man bei entsprechender Pflege nicht kaputt, der technische Aufbau ist einfach und hunderttausendfach in allen möglichen Konzernmodellen verwendet worden. Der Spirtverbrauch liegt bei moderaten 11-13 L.
Die Besonderheiten des A8 machen ihn aber auch zu einem
besonders kritischen Kandidaten. Da wäre erst einmal der
Allradantrieb, der immerhin fünf rotierende Antriebswellen mit
all ihren Gelenken mit sich bringt. Da die Vorderräder mit
angetrieben werden und nicht wie bei der Konkurrenz einfach
mit laufen, ist der Verschleiß dort auch meist höher, denn
Lenk und Bremskräfte wollen ja ebenfalls noch übertragen
werden.
Der A8 hat entweder Front- oder Allradantrieb.
Viele V6 wie wohl auch der vom TE erwähnte Wagen haben nur den günstigen und anspruchslosen Frontantrieb.
Anfällig bei den Audis sind v.a. die Luftfederung und die Automatikgetriebe der stärkeren Motorisierungen.
Der Quattro-Antrieb gibt im normalen Nutzungszyklus nicht auf. Da muss man schon Dauer-Burnouts oder 500.000 Km fahren.
Auch das zweite Highlight dieses Autos, die
Aluminiumkarosserie, kann sehr schnell zu einem Groschengrab
werden, wenn man mal etwas unachtsam ist. Alukarossen sind nur
etwas für Spezialisten und auf gar keinen Fall sollten sie mit
Werkzeugen bearbeitet werden, welche auch auf Stahl zum
Einsatz kommen. Dementsprechend wenig Betriebe sind in der
Lage, solche Karosserien fachgerecht instandzusetzen und die
wenigen lassen sich das natürlich gut bezahlen. Da sich das
Material bei der Bearbeitung völlig anders verhält als Stahl,
ist das für den Laien schon einmal gar nichts.
Ein solches Auto kann man für 800 - 1200 Eur im Jahr Vollkasko-versichern. Dann braucht einen die Alukarosse nicht zu jucken.
Der eklatante Vorteil der Alukarosse ist, dass sie nicht rostet. gerade bei einem Wagen im Alter von 10-12 Jahren kann das spannend sein, denn einige Mercedes und BMW aus den Baujahren 1995 - 2002 rosten. Die W220 sowie die W/S 210 und auch die E39 erwischt es nun immer häufiger, man sieht es ja ganz gut im Alltag auf der Straße.
Ich fahre gerne mal Luxusklasse. Der nächste wird wohl mal wieder ein Mercedes W140. Der 500er kann bei gutem Ausgangszustand für maximal 1.000 Eur im Jahr Werkstattkosten erhalten werden. Dafür kann man heute keinen Passat mehr fahren, sobald die Garantie abgelaufen ist.
Daher teile ich die Panikmache nicht. Wichtig ist, ein sehr gepflegtes Exemplar mit maximal 2 Vorbesitzern und nachvollziehbarer, vollständiger Servicehistorie zu kaufen.
Es kann dann zwar immer noch genügend schief gehen, aber die Fahrzeuge der höheren Klassen sind gebraucht meist gepflegter als die kleinen Autos, so dass ich das Risiko teurer Defekte eher als geringer ansehe.
Explizit ausnehmen möchte ich davon übrigens die Dieselversionen, v.a. den VW Phaeton V10.
Die Diesel der Ober- und Luxusklasse mit 8 oder gar 10 und 12 Zylindern sind etwas für Neukäufer mit viel Geld und Freude am Drehmoment. Der Gebrauchtkäufer bezahlt dann schnell mal 5.000 (Audi A8 4.2 TDI) oder gar 20.000 (VW Phaeton V10 TDI) Euros bei einem Turboladerdefekt.
Die Benziner-Saugmotoren in dieser Klasse sind hingegen m.W. allesamt recht problemlos. Mir ist hier nur das Problem mit den Gleitschienen für die Steuerkette beim Mercedes 4 L V8 aus den 90er Jahren (420 E, S 420) bekannt, was man bei ordentlicher Wartung auch in den Griff bekommen kann.
Gruß,
M.