Hi,
Es kommt doch immer wieder mal vor, dass Kleinanlegern von
einem großen Konzern ein Kaufangebot für deren Aktien machen,
weil sie irgendeine Firma übernehmen wollen. Dazu bieten sie
den Aktionären oftmals ein Vielfaches des eigentlichen Kurses.
Warum machen die das? Warum kaufen die die Aktien nicht ganz
normal auf dem Markt? Warum legen sie soviel drauf?
Wenn ich Dich recht verstehe, möchtest Du wissen, warum
Übernahmeangebote in der Regel deutlich über den letzten
festgestellten Kursen liegen.
Dazu ist folgendes zu sagen: Aufschläge sollen eine
Entscheidungshilfe für die Aktionäre sein. Bei einem
ordentlichen Aufschlag auf den aktuellen Kurs freuen sich die
Aktionäre so sehr über die plötzlichen Kursgewinne, daß sie
bereitwilliger ihre Aktien abgeben. Außerdem gibts bei einem
hohen Kurs weniger Aktionäre, die teurer eingestiegen sind und
ihre Aktien eigentlich halten wollten, bis sie wieder
Buchgewinne haben. Insgesamt läuft es darauf hinaus, daß die
ganze Sache beschleunigt wird. Wird der übernehmenden
Gesellschaft schnell die gewünschte Aktienmehrheit angetragen,
wird die Übernahme einfach billiger, als wenn man sich die
Aktien über Werbung usw. erkaufen muß.
Hauptgund ist schnell ein Volumen zusammenzubekommen, daß über den Markt nicht zu machen ist. Vodafone hätte z.B. Jahre gebraucht um eine Mehrheit an Mannesmann zu bekommen, wenn sie das über die Börse versucht hätten. Falls es überhaupt gelungen wäre.
Ist es für
Kleinanleger dann immer besser, tatsächlich zu verkaufen oder
lohnt es sich trotzdem seine Aktien noch länger zu halten?
Kann es in letzterem Fall auch vielleicht passieren, dass die
Aktien dann plötzlich wertlos sind, sollte die entsprechende
Firma tatsächlich übernommen werden?
Es lohnt sich eigentlich immer, die Aktien zum
Übernahmeangebot abzugeben. Der Kurs in der Regel anschließend
tot und ein Übernahmeangebot wird selten nachgebessert, allein
schon deshalb, weil der Übernehmende auch den Aktionären den
höheren Preis zahlen muß, die ihre Aktien schon abgegeben
haben (also Nachzahlung). Es gibt zwar immer wieder Aktionäre,
die mit Spruchstellenverfahren und Pseudoklagen höhere
Abfindungen erreichen wollen, aber dies dauert meist Jahre und
bringt nicht viel. Also weg mit dem Schaden und neue
Kaufgelegenheit gesucht. Wertlos werden die Aktien natürlich
nicht, aber die Anleger verlieren das Interesse an dem Papier
und damit sind Kursverluste die Folge (siehe Mannesmann:
Höchstkurs 370, aktuell 95). Da man aber im Vorhinein nicht
weiß, ob ein Angebot nachgebessert wird, ist m.E. vernünftiger
das erste Angebot anzunehmen, sofern es in der Presse bzw. vom
evtl. Großaktionär nicht in der Luft zerrissen wurde. Ich
hatte jedenfalls noch keinen Fall bei mir, wo ich im
Nachhinein besser noch abgewartet hätte.
Das kann man so nicht verallgemeinern. Sicherlich hast du in der Regel den Vorteil, keinen Wert im Depot zu haben, der nicht mehr gelistet ist. Ein Verkauf ist dann nur noch schwer - bis unmöglich.
Andererseits kann es auch durchaus ein Vorteil sein, den Titel noch zu haben, da es eventuell zu einem Buy-Out Antrag durch die übernehmende Firma kommen kann.
Am Beispiel der Übernahme der niederländischen Hoogovens durch die Corus Group (GB) kann man dies gut sehen:
Die Aktionäre, die damal nicht zugestimmt hatten, erhalten nun den damaligen Übernahmepreis + Zinsen in bar anstatt die Aktien mit denen die Übernahme finanziert wurde.
Die dazuhin heute sehr viel weniger wert sind wie das Angebot damals.
(Die Übernahme war schon vor einiger Zeit - der Buy-Out erst dieses Jahr, falls sich jemand den Fall genauer ansehen will.)
Gruß ivo