Kaufen, Outperformer etc.?

Hallo MitleserInnen,

ich habe mir einige Analysen angeschaut und zeige mich verwirrt. Da war z. B. einerseits die Rede davon, man würde eine Aktie auf die höchste Stufe, nämlich „Outperformer“ stellen; dann wiederum las ich eine, in der stand, man werde die Aktie von „Outperformer“ auf „Kaufen“ hochstufen. Kann es sein, dass diese vermeintlichen Definitionen doch ziemlich undefiniert sind?

Marco

Alles wischi-waschi.
Hi Marco,

mit Deiner Einschätzung liegst Du vollkommen richtig. Die Analysten-Kommentare, auf die man eh nichts geben sollte, sind derartig verklausuliert wie die Aussagen in Arbeitszeugnissen. Ich hatte mal eine Liste, wie die Analysten der verschiedenen Banken ihre Einstufungen meinen. Z.B. kann bei der einen Bank Outperformer sein, wer den Sektorindex wahrscheinlich um 5-20% schlägt und bei der anderen Bank heißt es dann Outperformer laufen zw. 7,3 u. 17,2 % besser als der Straits-Times-Index.

Eine einheitliche Abstufung gibt es nicht und wird es wohl auch nie geben. Im Endeffekt dienen die Einstufungen der Analysten der Wichtigtuerei ohne Obligo. Kein Wunder, wenn man sich mal anschaut (auch im eigenen Hause), wer sich da Analyst schimpfen darf.

Im übrigen ist der überwiegende Teil (über 60%) der Empfehlungen positiver Natur. Ein vernünftiger Mensch, wer böses dabei denkt.

Gruß
Christian

Nachtrag/Links
Hallo nochmal,

ich hab da eben noch zwei Links nachzutragen, die das ganze zumindest grob übersetzen:
http://www.deutscher-finanzmarkt.com/utility/analyst…
http://www.frauenfinanzseite.de/moneypenny/artikel/2…

Die Verfolgung weiterführender Links auf diesen Seiten empfiehlt sich durchaus.

Gruß
Christian

Hallo Christian,

das wollte ich nur bestätigt wissen, danke (auch für die Links)! Schon seltsam, dass diese Menschen hochbezahlt sind und deren Meinungen trotzdem die Börse zu beeinflussen wissen.

Marco

Mein Thema!
Hi nochmal,

das wollte ich nur bestätigt wissen, danke (auch für die
Links)! Schon seltsam, dass diese Menschen hochbezahlt sind
und deren Meinungen trotzdem die Börse zu beeinflussen wissen.

Das liegt an der Neigung der Menschen, vorzugsweise das selbständige Denken einzustellen. Wenn man heute Nachrichten schaut/hört (egal welcher Sender), dürfte das häufigste Wort „Experte“ sein. Die Qualifikation des „Experten“ wird dabei nie hinterfragt. Und so ist jeder Experte, der zufällig zum Richtigen Moment seine Fresse in die Kamera gehalten hat. Da im Augenblick pro Minute 43 Beiträge zum Thema Mir gesendet bzw. gedreht werden, ist halt jetzt jeder Experte, der bei Nacht schon mal im Winkel von mehr als 45° nach oben geschaut hat. Mit den Analysten verhält es sich ähnlich. Es ist verblüffend, wieviele ehemalige Analysten man heute als Finanzvorstand am Neuen Markt wiederfindet. Zufälligerweise haben die vorher auch den zweifelhaften Emissionsprospekt verbrochen. Beim letztjährigen Boom hat man in den Banken in den eigenen Reihen händeringend Analysten gesucht. Daß die sich in die Branchen und Unternehmen auch erst einarbeiten mußten, wie jeder (potentielle) Aktionär, ist eigentlich sonnenklar. Im übrigen könenn die ja ohnehin nur den Aussagen des Unternehmens glauben. Daß dieses wiederum die eigene Zukunft in den tollsten Farben schildert, ist eh klar. Dann werden mit Excel noch schnell zwei weitere Szenarien erstellt, und fertig sind per Hochrechnung die Umsatz-/Ertragsprognosen bis 2010.

Der Satz „glaube nie einer Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast“ gilt hier im übertragenden Sinne. Die Inflation positiver Empfehlungen ist ja auch kein Zufall. Es gab wohl noch nie eine Verkaufsempfehlung einer Bank, die an der Emission einer Aktie beteiligt war. Chinese Walls in allen Ehren, letztlich wird man der Krähe im eigenen Haus nie ein Auge aushacken.

Genauso ist übrigens der Trend zu sehen, der sich im Augenblick in der Bankenlandschaft abspielt. Überall werden Branchenteams für die Unternehmensbetreuung aus dem Boden gestampft, die natürlich (!) alle mit Branchenexperten (!) besetzt sind. Wo die alle auf einmal herkommen sollen, fragt sich dabei keiner.

Und immer wieder die Frage: Wenn die Analysten sich so gut auskennen, warum müssen die dann noch arbeiten? Ich kenne von vielen Privatkundenberatern nur einen, der nur noch zum Spaß arbeitet. Das war allerdings Anfang letzten Jahres so. Ich glaube fast, das sieht inzwischen auch anders aus. Es soll ja auch schon den ein oder anderen Fond gegeben haben, der schlechter als der Vergleichsindex lief. Und das, obwohl da soviele Experten rumlaufen…

Gruß des Bankenexperten
Christian

Hallo Christian!

Und immer wieder die Frage: Wenn die Analysten sich so gut
auskennen, warum müssen die dann noch arbeiten? Ich kenne von
vielen Privatkundenberatern nur einen, der nur noch zum Spaß
arbeitet. Das war allerdings Anfang letzten Jahres so. Ich
glaube fast, das sieht inzwischen auch anders aus. Es soll ja
auch schon den ein oder anderen Fond gegeben haben, der
schlechter als der Vergleichsindex lief. Und das, obwohl da
soviele Experten rumlaufen…

Exakt das ist die ultimative Frage: Warum müssen die dann noch arbeiten!? Und diese Frage gilt es ebenso in anderen Bereichen zu stellen, in denen jemand etwas Reichtum und dergleichen verkaufen will. (Zum Beispiel gab’s in den letzten Tagen auf der Amazon-Startseite mal wieder ein Buch zum Thema „Wie werde ich Millionär?“)

In irgendeiner Regionalsendung ging es gestern - wegen der Kursstürze und der Schuldfrage - auch darum, dass die Banken wohl bei den Neuemissionen des letzten Jahres nicht so genau hingeschaut hätten, wozu ein Vorstand der Vereins- und Westbank meinte, dies stimme wohl, aber man hätte sich eben auf die Zahlen der entsprechenden Firmen verlassen. Ist in meinen Augen Blödsinn, denn selbstverständlich verdienen die Banken gut an einer Emission, und solange es Dumme gibt, die die Papiere unbedingt kaufen wollen…
   Bei der Schuldfrage ging es auch um die Analysten und letztendlich die Kleinanleger. Letzten Endes wurde jedem einem Schuld zugewiesen. Das mag man so sehen, allerdings ist es äusserst verwunderlich, wenn ein Analystenhaus eine Aktie zum Kauf empfohlen hatte, die ein KGV von 70 aufwies, das gleiche Haus dieses KGV später als Grund dafür hernahm, die Aktie auf „Verkaufen“ zu stellen.
   Oder ich muss lesen, dass man eine Aktie zum Kauf empfiehlt, eine Woche später diee - ohne besondere Kurssprünge - bereits wieder auf Halten zurückgestuft wird. Oder man ändert mal eben so sein Kursziel von 120 auf 45 Euro und erklärt dies mit einer allgemeinen Marktschwäche. Ebenso verhielt es sich in die andere Richtung: je höher die Kurse wurden, desto höher wurden die Kursziele angesetzt. Prozentual gesehen hiess dies zum Beispiel, dass man anfangs ein Kursziel von plus 10% sah, später gingen die bis plus 100%! Da fragt man sich zum einen schon, wer für die Überhitzung verantwortlich ist, zum anderen, ob diverse Kleinanleger womöglich einen Analystenjob bei einer Bank gefunden haben, wenn auf n-tv die Rede davon ist, den Analysten wäre es ebenso wie Otto Normalanleger gegangen: auch sie wären überrascht worden.

Marco

Es soll ja

auch schon den ein oder anderen Fond gegeben haben, der
schlechter als der Vergleichsindex lief. Und das, obwohl da
soviele Experten rumlaufen…

‚Den einen oder anderen‘ ist gut…

Langfristig laufen 80% aller Fonds schlechter als der Index!!!

*wunder*???

Ganz einfaches Rechenspiel:

  1. Vor Kosten liegen 50% der Fonds über dem Vergleichs-Index, 50% drunter (muß so sein, die bilden ja erst den Index!).
  2. nach Kosten (Managamentgebühr, Transaktionskosten, etc.) sind es dann eben ca. 80% drunter

Das wird Euch aber kein Fondsmanager erzählen…

Aber ein paar Quellen zum Nachlesen habe ich:

http://www.fool.de - dort finden sich „Die närrischen 11 Schritte“ (die Seite ist leider stillgelegt, es gibt aber, wen es interessiert, aktive deutsche Diskussionsboards unter der Mutterseite: http://boards.fool.com/Boards.asp?fid=10046)

http://de.modernfunds.com (bißchen rumstöbern)

Gruß,
Ralf