Kaufpreisermittlung Unternehmen

Hallo Gemeinde,

wie ihr (in der ViKa) sehen könnt, bin ich bereits selbstständig und möchte nunmehr ein (völlig andere Branche) Unternehmen kaufen.

Nun sind mir aus der Immobilien-BWL drei Varianten der KP-ermittlung (von Immos) geläufig

  • Ertragswertverfahren (also KP in vielfachem des Ertrags)
  • Vergleichswertverfahren (also KP-sammlung ähnlicher Objekte)
  • Sachwertverfahren (Ermittlung Zeitwert des Objektes)

Sind solche Verfahren auch bei Unternehmenskäufen ansetzbar und wenn ja, nach welchen Kriterien wird vorrangig bewertet?

Wie hoch ist der übliche Vervielfältiger des Ertrags? (bei Immos idR 8 bis 12fach je nach Lage und Zustand)

vielen Dank für eure Hilfe

Ralf

Hallo Ralf,

  • Ertragswertverfahren (also KP in vielfachem des Ertrags)
  • Vergleichswertverfahren (also KP-sammlung ähnlicher Objekte)
  • Sachwertverfahren (Ermittlung Zeitwert des Objektes)

Sind solche Verfahren auch bei Unternehmenskäufen ansetzbar
und wenn ja, nach welchen Kriterien wird vorrangig bewertet?

Das Ertragswertverfahren ist kein nur auf eine bestimmte Branche begrenztes Verfahren. Das Ertragswertverfahren ist vielmehr ein allgemeines (investitionstheoretisches) Bewertungskalkül, welches durch seine mathematische Grundform und Einfachheit überall dort angewandt werden kann, wo künftige Erträge zu erwarten sind, die dann mit einem betimmten Kapitalisierungszins zu diskontieren sind. Das Problem dürfte oftmals nur darin liegen, dass je nach Branche die Zählergröße (also der Ertrag) und vor allem die Nennergröße (der Diskontierungszinssatz) mehr oder weniger aufwendig ermittelt werden muss.

Auch das von Dir genannte „Vergleichswertverfahren“ ist nicht in der Immo-Welt beheimatet, sondern in vielen anderen Bereich anwendbar. Gerade bei Unternehmenskäufen kommen solche Verfahren dann zur Anwendung, wenn umfangreichere Bewertungsmaßnahmen nicht möglich aber unverhältnismäßig sind.

Sachwertverfahren ? In der BWL spricht man eher von dem sog. „Substanzwert“. Auch hierbei handelt es sich um ein Verfahren, dass zur Bewertung von Unternehmen herangezogen werden kann. Allerdings fasst man unter dem Substanzwert eher eine ganze Platte von Verfahren zusammen, die sich auf die Ermittlung von Substanzwerten beziehen, zusammen. Aus verschiedenen Gründen scheint eine solche Bewertung aber nicht immer sinnvoll.

Wie hoch ist der übliche Vervielfältiger des Ertrags? (bei
Immos idR 8 bis 12fach je nach Lage und Zustand)

Vervielfältiger - oder im „Neudeutschen“ Multiple. Ein solcher Multiple ist aber niemals einheitlich. Je nach Branche und anderen Bestimmungsgrößen wie etwa der Unternehmensgröße weicht dieser Wert stark voneinander ab.
Verschiedene Beratungsstellen, u.a. auch die IHK hält solche Daten für verschiedene Brnachen bereit. Ansonsten kann man auch noch auf Wirtschaftsinformationsdienste zurückgreifen, dann aber natürlich oftmals nur gegen Bares.

VG
TraderS

HAllo Trader

erstmal danke und *!

ich dachte es mir im groben, war aber unsicher, weiss nun aber Bescheid, dass ich mit meinen Vorstellungen nicht völlig neben der Spur liege (hat sich die Ausb. zum Immoprof doch gelohnt…)

Vervielfältiger - oder im „Neudeutschen“ Multiple. Ein solcher
Multiple ist aber niemals einheitlich. Je nach Branche und
anderen Bestimmungsgrößen wie etwa der Unternehmensgröße
weicht dieser Wert stark voneinander ab.

OK, Butter bei die Fische

mir liegt ein Angebot vor, eine Marina nebst Charter-Booten zu übernehmen; Erfahrung mit Wassersport ist vorhanden (nebenbei ne eigene kleine Wassersportschule in B) und die Liebe zum Wasser(sport) gegeben (bin Segler, Motorbootfahrer, Taucher, Wasserski), das Unternehmen ist zur Zeit Inhabergeführt und wird mit zwei Helfern bewältigt

Nun haben die Boote einerseits einen Wert, die Marina (auf gesichertem Pachtland) andererseits und der Kundenstamm (Umsatz und Gewinn vor Steuern sind mir bekannt) als dritte Komponente.

Sollte sich die Verzinsung des Gewinns am Finanzierungssatz der finanzierenden Banken orientieren (logisch, niedriger geht nicht; ich brauch kein Abschreibungsobjekt…) oder ist hier eher doch der Bestandswert erheblich?

Verschiedene Beratungsstellen, u.a. auch die IHK hält solche
Daten für verschiedene Brnachen bereit. Ansonsten kann man
auch noch auf Wirtschaftsinformationsdienste zurückgreifen,
dann aber natürlich oftmals nur gegen Bares.

offen gesagt - ich bin kein Freund ebendieser IHK, und U-Berater … ich habs selber ne zeitlang in der HV-Branche gemacht und dabei die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt …

LG
Ralf

erstmal danke und *!

danke für den Stern :wink:

Nun haben die Boote einerseits einen Wert, die Marina (auf
gesichertem Pachtland) andererseits und der Kundenstamm
(Umsatz und Gewinn vor Steuern sind mir bekannt) als dritte
Komponente.

Hier muss man sicherlich die von Dir genannnten materiellen Vermögenswerte explizit beachten. Oftmals ist es ja so, wenn z.B. kleinere Geschäfte oder z.B. Handwerksbetriebe veräußert werden, dass dann in der Tat nur der immaterielle Vermögenswert „Kundenstamm“ ins Gewicht fällt.

In dem von Dir geschilderten Falle sollte man aber in der Tat auch die materiellen Werte beachten, da ja Boote mitunter einen recht hohen Wert haben können.

Würde man nur nach dem Substanzwert (war bei Dir der Sachwert) gehen, was sicherlich nicht schwer wäre da man die Werte in Erfahrung bringen könnte, würde man allerdings den „Fehler“ begehen und das Zusammenwirken der Boote und der Marina und den daraus entstehende Wert vernachlässigen. Substanzwerte erfassen nun einmal in aller Regel nicht den Teil des Wertes, der dadurch entsteht, dass das Unternehmen auch in Zukunft (erfolgreich) geführt wird.
Von daher wäre das Ertragswertverfahren in dieser Hinsicht vorzuziehen. Allerdings ist der Ermittlungsaufwand hier auch größer.

Sollte sich die Verzinsung des Gewinns am Finanzierungssatz
der finanzierenden Banken orientieren (logisch, niedriger geht
nicht; ich brauch kein Abschreibungsobjekt…) oder ist hier
eher doch der Bestandswert erheblich?

Na ja, wie gesagt, Bestandswert bzw. Substanzwert wäre auf eine Art zu kurz gegriffen. Allerdings kann man die Verfahren auch kombinieren, also zum einen den Substanzwert für Marina und Boote hernehmen und dann noch einen Aufschlag für den immateriellen Wert „Kundenstamm“ aufsetzen.

Was die Verzinsung für den Fall des Ertragswertverfahrens angeht, so sollte man sich an der besten alternativen Anlagemöglichkeit orientieren. Also was würde das Geld machen, wenn es nicht in dieses Marina-Projekt fließen würde. Hier wäre in Ermangelung anderer alternativer Projekte die Orientierung an den Zinssätzen der Banken sicherlich nicht so verkehrt.
Problematisch wird die Sache natürlich dann, wenn man es noch genauer haben will und einen risikolosen Zinssatz als Grundlage heranzieht und dann noch eine sog. Risikoprämie für das jeweilige Investitionsprojekt ermitteln und aufschlagen will. Gerade in solchen -wie von Dir beschriebenen- Fällen ist das aber nicht gerade einfach. Hierzu solltest Du dann wohl am besten einige Szenarien mit den entsprechenden unterschiedlichen Werten durchrechnen, um so dann zu einer Art Bandbreite zu kommen. Letztlich muss man sich ja auch stets mit dem Verkäufer einig werden. Hierzu bedarf es eines Einigungsbereiches und den muss man zunächst einmal festellen - auch für sich selbst.

Insbesondere solltest Du auch bei den möglichen künftigen Erträgen darauf achten, verschiede „Entwicklungen“ zu berücksichtigen und ggf. auch „Anlaufschwierigkeiten“ oder aber auch „Steigerungen durch verbessertes „Management““ einzukalkulieren.

Ebenfalls wichtig ist die Frage, ob Du den Kauf mit Eigenkapital oder Fremdkapital vollziehst.

Ich persönlich würde in dem geschilderten Fall vielleicht doch versuchen, über den Substanzwert der Sachanlagen und einen „Aufschlag“ für den Kundenstamm bzw. die „Marke“ zu einem Wert zu kommen.

VG
TraderS

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Na ja, wie gesagt, Bestandswert bzw. Substanzwert wäre auf
eine Art zu kurz gegriffen. Allerdings kann man die Verfahren
auch kombinieren, also zum einen den Substanzwert für Marina
und Boote hernehmen und dann noch einen Aufschlag für den
immateriellen Wert „Kundenstamm“ aufsetzen.

Was die Verzinsung für den Fall des Ertragswertverfahrens
angeht, so sollte man sich an der besten alternativen
Anlagemöglichkeit orientieren. Also was würde das Geld machen,
wenn es nicht in dieses Marina-Projekt fließen würde. Hier
wäre in Ermangelung anderer alternativer Projekte die
Orientierung an den Zinssätzen der Banken sicherlich nicht so
verkehrt.
Problematisch wird die Sache natürlich dann, wenn man es noch
genauer haben will und einen risikolosen Zinssatz als
Grundlage heranzieht und dann noch eine sog. Risikoprämie für
das jeweilige Investitionsprojekt ermitteln und aufschlagen
will. Gerade in solchen -wie von Dir beschriebenen- Fällen ist
das aber nicht gerade einfach. Hierzu solltest Du dann wohl am
besten einige Szenarien mit den entsprechenden
unterschiedlichen Werten durchrechnen, um so dann zu einer Art
Bandbreite zu kommen. Letztlich muss man sich ja auch stets
mit dem Verkäufer einig werden. Hierzu bedarf es eines
Einigungsbereiches und den muss man zunächst einmal festellen

  • auch für sich selbst.

Insbesondere solltest Du auch bei den möglichen künftigen
Erträgen darauf achten, verschiede „Entwicklungen“ zu
berücksichtigen und ggf. auch „Anlaufschwierigkeiten“ oder
aber auch „Steigerungen durch verbessertes „Management““
einzukalkulieren.

Ebenfalls wichtig ist die Frage, ob Du den Kauf mit
Eigenkapital oder Fremdkapital vollziehst.

Ich persönlich würde in dem geschilderten Fall vielleicht doch
versuchen, über den Substanzwert der Sachanlagen und einen
„Aufschlag“ für den Kundenstamm bzw. die „Marke“ zu einem Wert
zu kommen.

Danke! deine Ausführungen sind ein Highlight in diesem sonst gelegentlich recht trostlosen Brett …

zur Sache!
Ich werde mir die Marina (diesmal) unter dem Aspekt „Investition“ nochmal intensiv ansehen; ich weiss, dass der avisierte KP eine Verhandlungsspanne beinhaltet; wobei ich (auch diesmal wieder) eine Misch-Finanzierung erwäge; EK von etwa 25-30 % des KP, Rest über die Bank, Laufzeit max. 12 Jahre, Sicherheit die „Papiere“ und die Boote.

Ich habe mir überlegt, die Umsätze bei der Analyse zu splitten in „Stammkunden“ und „Laufkunden“, bei ersteren gehe ich von neg. Fluktuation wegen Inhaberwechsel aus, bei letzteren kann man (Schwankungen umfassend) eine stabile Entwicklung prognostizieren, da der Wasser-Tourismusmarkt in den letzten Jahren kontinuierlich wuchs.

Vielen Dank
Ralf

Hallo Ralf,

google mal mit dem Stichwort „Stuttgarter Verfahren“.

Hierbei handelt es sich um die Summierung des Sachwerts und des Ertragswert.

Genauer gesagt wird für die vorhandenen Güter der Verkaufserlös im Falle einer Liquidation angesetzt (z.B. Yachten, Gebäude, Geräte, Ausstattung etc.) sowie zusätzlich der in den nächsten 3 - 5 Jahren erzielbare Gewinn (–> man erwartet eine Kapitalverzinsung von > 20% p.a., somit wäre die Investition bei diesem Preisansatz in max. 5 Jahren zurückgezahlt).

Wie komme ich auf 20% ?
Wenn ich an die Börse (Fonds) gehe, bekomme ich langfristig auch schon fast 10%. Bei einem eigenen Unternehmen ist die Risikostreuung wesentlich geringer (nur 1 Unternehmen) und das Pleiterisiko größer (kleines Unternehmen). Ausserdem zahlt ein kleines Unternehmen oftmals höhere Zinsen (Basel II lässt grüssen) und der Inhaber muss sich wesentlich mehr reinhängen (und soll somit auch etwas mehr davon haben…).

Grüsse

Sven

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Ralf,

Vervielfältiger - oder im „Neudeutschen“ Multiple. Ein solcher
Multiple ist aber niemals einheitlich. Je nach Branche und
anderen Bestimmungsgrößen wie etwa der Unternehmensgröße
weicht dieser Wert stark voneinander ab.

OK, Butter bei die Fische

eine Übersicht der derzeit gezahlten Multiples findest Du hier:
http://www.finance-magazin.de/research/pdf/multiples…

Gruß,
Christian

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Hallo,

google mal mit dem Stichwort „Stuttgarter Verfahren“.

Hierbei handelt es sich um die Summierung des Sachwerts und
des Ertragswert.

Vor allem handelt es sich dabei um ein Verfahren, welches im Rahmen der Steuerbemessungsfunktion Anwendung findet. Orientiert man sich genau an diesem Verfahren, geht man gleichzeitig auch sehr detaillierte, objektivierte und vor allem steuerlich relevante Einschränkungen ein. U.a. geht es dabei darum, dass Ermessen des Bewerters nahezu vollständig auszuschalten. Von daher würde ich dieses Verfahren wirklich nur dann anwenden, wenn es erforderlich ist. Alles andere könnte sich zum Nachteil des Käufers entwicklen.

Wie komme ich auf 20% ?
Wenn ich an die Börse (Fonds) gehe, bekomme ich langfristig
auch schon fast 10%. Bei einem eigenen Unternehmen ist die
Risikostreuung wesentlich geringer (nur 1 Unternehmen) und das
Pleiterisiko größer (kleines Unternehmen). Ausserdem zahlt ein
kleines Unternehmen oftmals höhere Zinsen (Basel II lässt
grüssen) und der Inhaber muss sich wesentlich mehr reinhängen
(und soll somit auch etwas mehr davon haben…).

Ja, zwar auf den ersten Blick ein gangbarer Weg, allerdings sollte man oder besser darf man auch nicht vergessen, dass das Risiko des zu bewertenden Investitionsprojektes mit demjenigen der Alternativanlage (das wäre hier die Rendite eines Fonds) übereinstimmen sollte bzw. muss. Will also heißen, man kann nicht jede x-beliebige Alternativanlage heranziehen.

VG
TraderS

Hallo TraderS,

Vor allem handelt es sich dabei um ein Verfahren, welches im
Rahmen der Steuerbemessungsfunktion Anwendung findet.
Orientiert man sich genau an diesem Verfahren, geht man
gleichzeitig auch sehr detaillierte, objektivierte und vor
allem steuerlich relevante Einschränkungen ein. U.a. geht es
dabei darum, dass Ermessen des Bewerters nahezu vollständig
auszuschalten. Von daher würde ich dieses Verfahren wirklich
nur dann anwenden, wenn es erforderlich ist. Alles andere
könnte sich zum Nachteil des Käufers entwicklen.

Vielleicht habe ich vergessen zu sagen, dass dieser Wert für mich die Obergrenze des Kaufpreises darstellt und das Objekt der Begierde zu diesem Preis garantiert kein Schnäppchen mehr ist. Natürlich setzt man das Angebot für den Kaufpreis möglichst niedrig an, um anschließend in der Verhandlung über das Gesetz der Angebot und Nachfrage einen optimalen Preis zu erhalten.

Wie komme ich auf 20% ?
Wenn ich an die Börse (Fonds) gehe, bekomme ich langfristig
auch schon fast 10%. Bei einem eigenen Unternehmen ist die
Risikostreuung wesentlich geringer (nur 1 Unternehmen) und das
Pleiterisiko größer (kleines Unternehmen). Ausserdem zahlt ein
kleines Unternehmen oftmals höhere Zinsen (Basel II lässt
grüssen) und der Inhaber muss sich wesentlich mehr reinhängen
(und soll somit auch etwas mehr davon haben…).

Ja, zwar auf den ersten Blick ein gangbarer Weg, allerdings
sollte man oder besser darf man auch nicht vergessen, dass das
Risiko des zu bewertenden Investitionsprojektes mit demjenigen
der Alternativanlage (das wäre hier die Rendite eines Fonds)
übereinstimmen sollte bzw. muss. Will also heißen, man kann
nicht jede x-beliebige Alternativanlage heranziehen.

Wie ich ja schon geschrieben habe, unterscheidet sich eine Existenzgründung von einem Fonds. Ich habe diesen lediglich als Ausgangsbasis genommen (da viele Personen damit etwas anfangen können und die Gefahren evtl. im Börsencrash 2000 auch schon selbst erlebt hatten), um darauf aufbauend eine Deltabetrachtung zu machen.
Interessant wäre sicherlich ein 2-dimensionales Diagramm „Rendite über Risiko“, angefangen beim Tagesgeld bis hin zum Glücksspiel.

Grüsse

Sven