Kaufsucht

Hallo allerseits,

ich habe gestern bei 37 Grad den Beitrag zum Thema Kaufsucht gesehen, und stelle mir folgende Fragen:

Ist das wirklich eine Sucht? Mir kommt es eher vor wie Probleme verwöhnter Menschen in einer Luxusgesellschaft.

Und wenn die Betroffenen, wie berichtet, jedesmal nach dem Kaufrausch sich furchtbar schämen, warum geben sie dann nicht ihre Krediktarte ab?
Lassen sich das Geld von einer Person ihres Vertrauens zuteilen?
Bringen gekauftes zurück, oder lassen es von Freunden zurückbringen?

Sicher sagen jetzt einige, das ist nicht so einfach. Nein, einfach sicher nicht, aber 100000 Euro Schulden erfordern mehr als einfache Meßnahmen.

Ein Mal pro Woche plaudern in der Selbsthilfegruppe, und danach ein gemeinsamer Einkaufsbummel (provokant ausgedrückt), das genügt halt nicht.

Also was meint ihr - warum ergreifen die Betroffenen keine ernsthafteren Maßnhmen?

Bin gespannt auf Eure Ansichten,
Ina

Hallo Ina!

ich habe gestern bei 37 Grad den Beitrag zum Thema Kaufsucht
gesehen

Ich habe mich zunächst gefragt, wo denn wohl gestern 37°C waren, aber schon klar! =)

Ist das wirklich eine Sucht? Mir kommt es eher vor wie
Probleme verwöhnter Menschen in einer Luxusgesellschaft.

Es ist weder das eine noch das andere. Also keine Sucht im klassischen Sinne, aber keine charakterliche Schwäche. Es wird entweder zu den Zwangs- oder auch zu den Impulskontrollstörungen gezählt.

Und wenn die Betroffenen, wie berichtet, jedesmal nach dem
Kaufrausch sich furchtbar schämen, warum geben sie dann nicht
ihre Krediktarte ab?
Lassen sich das Geld von einer Person ihres Vertrauens
zuteilen?
Bringen gekauftes zurück, oder lassen es von Freunden
zurückbringen?

Ich fürchte das ist schwer pauschal zu beantworten. Scham und die Möglichkeit durch den Akt des Kaufens einem unangenhmen inneren Druck begegnen zu können, könnte hier aber eine Rolle spielen.

Sicher sagen jetzt einige, das ist nicht so einfach. Nein,
einfach sicher nicht, aber 100000 Euro Schulden erfordern
mehr als einfache Meßnahmen.

Ein Mal pro Woche plaudern in der Selbsthilfegruppe, und
danach ein gemeinsamer Einkaufsbummel (provokant ausgedrückt),
das genügt halt nicht.

Also was meint ihr - warum ergreifen die Betroffenen keine
ernsthafteren Maßnhmen?

Eine ernsthafte Maßnahme wäre es sich professionalle Hilfe zu suchen, aber auch das fällt nicht immer leicht. Und das gilt im übrigen nicht nur für Kaufsucht, sondern auch für andere Störungen.

Grüße!
TAndrija

PS: Hab ich gerade noch gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Kaufsucht

Mahlzeit,

Ist das wirklich eine Sucht? Mir kommt es eher vor wie
Probleme verwöhnter Menschen in einer Luxusgesellschaft.

sicherlich hat diese Sucht auch etwas mit der Konsum-Luxusgesellschaft zu tun. Aber ich glaube nicht, dss es sich um verwöhnte Menschen handelt

Und wenn die Betroffenen, wie berichtet, jedesmal nach dem
Kaufrausch sich furchtbar schämen, warum geben sie dann nicht
ihre Krediktarte ab?

Also die erste von den vorstellten Frauen (die Mutter von 2? Kindern) hat das ja erst nach langer Zeit geschnallt, was da mit ihr passiert. Und hat dann, nachdem sie den Mechanismus ihres Handelns, die Gründe und auch die Auswirkungen realisiert hat, ja auch gehandelt.

Sehr - vielleicht zu - konsequent bis hin zur Selbsteinweisung in die Psychatrie.

Bei der zweiten Frau war es ja wohl so, dass sie mit Bargeld, das wohl in gewisser Weise zugeteilt war, bezahlt hat (die Uhr z.B.).

Sie sagte ja selbst, dass sie dann u.U. kein Geld mehr für Lebensmittel hat für den Monat, wenn sie das zugeteilte Geld für „Unsinn“ ausgibt.

Aber sie hat es wohl noch nicht so ganz begriffen… bzw. der Leidensdruck ist noch nicht 100% angekommen bei ihr. Ich fand die Reaktion ihrer Mutter ziemlich daneben.

Du kannst den Betroffenen ja nicht alles, vor allem nicht die Verantwortung, aus der Hand nehmen. Von daher ist eine Therapie die einzige Möglichkeit für Hoffnung auf Besserung.

Nimm einen Alkoholiker. Der ist oft auch nicht beim ersten Versuch trocken. Er muss u.U. immer wieder auf die Fresse fliegen, damit er begreift, was er sich und anderen antut.

Der Typ mit Kind und Frau wirkte auf mich recht gut drauf. Ich denke aber vor allem durch seine beinharte Frau, die alles ganz klar fordert und an ihn kommuniziert, was wie zu laufen hat, hat er eher eine Chance.

Bei dieser Frau mit über 60 Jeans und hunderten Paaren Schuhen hab ich dann mental abgeschaltet… :wink:

Ein Mal pro Woche plaudern in der Selbsthilfegruppe, und
danach ein gemeinsamer Einkaufsbummel (provokant ausgedrückt),
das genügt halt nicht.

Nein - das Umfeld muss auch funktionieren… und am besten wäre sicherlich eine Therapie würde ich aus Laiensicht sagen.

Also was meint ihr - warum ergreifen die Betroffenen keine
ernsthafteren Maßnhmen?

was meinst Du damit? Sie müssen erst mal tief genug in der Sche… sitzen, dann klappt das auch… haste ja sehen können an der zuerst vorgestellten Frau.

Gruß
Demenzia

Also was meint ihr - warum ergreifen die Betroffenen keine
ernsthafteren Maßnhmen?

was meinst Du damit?

Hallo Demenzia,

damit meine ich das, was ich auch schon vorgeschlagen hatte: Kreditkarte abgeben, sich das Geld einteilen lassen.

Zum Beispiel diese Junge Frau, die auch schon das Geld ihrer Eltern ausgegeben hatte und sich angeblich ja so schämt:

Sie könnte ihre Kreditkarte abgeben, ihren Lohn direkt auf das Konte der Eltern überweisen lassen und sich vn den Eltern Taschengeld zuteilen lassen (vorausgesetzt, die machen das mit, sonst könnte ja auch eine andere Person das tun).
So bekämen die Eltern wenigstens einen Teil ihres Geldes wieder und das Töchterchen könnte nicht weiter Schulden machen.

Das war meine Frage: warum tun die Betroffenen nicht diesen entscheidenden Schritt und geben ihr Geld erstmal ab?
Zeit für Therapie wäre ja dann…

Hi,

(…) den Beitrag zum Thema Kaufsucht
gesehen, und stelle mir folgende Fragen:
Ist das wirklich eine Sucht? Mir kommt es eher vor wie
Probleme verwöhnter Menschen in einer Luxusgesellschaft.

Es gibt stoffliche und nicht-stoffliche Süchte - Kaufsucht gehört zur letzteren Kategorie. Sucht hat immer etwas mit dem „Belohnungssystem“ zu tun, sprich mit der Ausschüttung von Endorphinen - sowohl bei stofflichen als auch bei nicht-stofflichen Süchten.

Und wenn die Betroffenen, wie berichtet, jedesmal nach dem
Kaufrausch sich furchtbar schämen,

Das ist genau wie bei einem Alki, der sich schämt, nachdem er gestern nicht wie versprochen die Küche geputzt hat oder in der Kneipe ausfallend wurde und stattdessen gesoffen hat.

warum geben sie dann nicht
ihre Krediktarte ab?

Solange die Sucht noch stärker ist als die Verzweiflung (oft Leidensdruck genannt) darüber, wird das nicht funktionieren.

Lassen sich das Geld von einer Person ihres Vertrauens
zuteilen?

Der Süchtige selbst ist ein unglaublich kontrollierender Mensch. Das mag sich einem Außenstehenden nicht erschließen, aber der Süchtige kontrolliert (beobachtet) ständig sein eigenes Suchtverhalten, seinen Auftritt nach außen etc. - ohne ihn dabei unter Kontrolle zu haben.

Bringen gekauftes zurück, oder lassen es von Freunden
zurückbringen?

Weil die Scham zu groß ist.

Sicher sagen jetzt einige, das ist nicht so einfach. Nein,
einfach sicher nicht, aber 100000 Euro Schulden erfordern
mehr als einfache Meßnahmen.

Die Anonymen Alkoholiker nennen den Punkt, wo der Süchtige aufhören kann, „Kapitulation“. Und das gilt für alle anderen Süchte auch. Solange die Eigenversuche und ihre Rückfälle immer wieder zur Weiterverfolgung der Sucht führen, zieht keine Maßnahme.

Ein Mal pro Woche plaudern in der Selbsthilfegruppe, und
danach ein gemeinsamer Einkaufsbummel (provokant ausgedrückt),
das genügt halt nicht.

Das ist schon ziemlich frech, was Du da schreibst. Wer in die Selbsthilfegruppe geht, hat schon mal einen ganz wichtigen Schritt getan. Und mit anschließendem Einkaufsbummel - das glaubst Du doch selbst nicht.

Also was meint ihr - warum ergreifen die Betroffenen keine
ernsthafteren Maßnhmen?

Weil sie nicht kapituliert haben vor ihrer Sucht (s.o.).

Gruß,

Anja
die findet, das Thema wäre besser im Brett „Sucht und Prävention“ aufgehoben

Hi,

Zum Beispiel diese Junge Frau, die auch schon das Geld ihrer
Eltern ausgegeben hatte und sich angeblich ja so schämt:
Sie könnte ihre Kreditkarte abgeben, ihren Lohn direkt auf das
Konte der Eltern überweisen lassen und sich vn den Eltern
Taschengeld zuteilen lassen (vorausgesetzt, die machen das
mit, sonst könnte ja auch eine andere Person das tun)

mag sein, dass es mir entgangen ist, aber hat sie denn noch mit Kreditkarte bezahlt? Und das Bargeld, das sie für die Uhr ausgegeben hatte, war zugeteiltes Geld. Daher fragte ich Dich, was du meinst…

Die Reaktion ihrer Muter, der sie dann scheinheilig die Uhr, die sie nun nicht mehr wollte, weil der Kick weg war, schenkte, war kontraproduktiv. Sie meinte nur "hm - gefallen tut sie mir schon, aber eigentlich müsste ich sie zurückbringen.

Da liegt für mich ein Irrtum und Fehlverhalten vor. Sie hätte die Uhr ablehnen müssen und die Tochter hätte sie zurück bringen müssen.

Aber nein, es wird drüber geschmunzelt… ich fürchte, so wird kein Betroffener den Ernst der Lage erkennen. Und Schulden sind für viele Leute - so mein Eindruck - nichts bedrohliches… das sieht man doch nicht (wenn man keine Kontoauszüge oder Rechnungen liest) und so lange es Menschen gibt, die die Schulden dann übernehmen (Eltern, Partner), ist man ja auch immer fein rauch.

Gruß
Demenzia

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