Selbstverständlich liegt die Sache jetzt beim RA.
Hallo Marco,
Ziele jeder Auftragsabwicklung sind Geldeingang und ein zufriedener Kunde. Zum Geldeingang kam es nicht - Gründe spielen erst einmal keine Rolle - und der weitere Verlauf läßt vermuten, daß der Kunde nicht zufrieden ist - wiederum spielt der Grund für die weitere Betrachtung keine Rolle. Mir kommt es zunächst nur auf die wertfreie Feststellung an, daß an diesem Geschäft nach diesem Verlauf mit diesem Kunden nichts mehr zu verdienen ist.
Unabhängig von Verschuldensfragen ist vor solchen Verläufen von Aufträgen niemand sicher. Jetzt kann man mit Hartnäckigkeit und weiterem Personal-, Zeit - und Geldeinsatz nachsetzen. Dabei muß klar sein, daß kein Anwalt dieses Geschäft zu einem befriedigenden Abschluß bringen und für ein gedeihliches Verhältnis zum Kunden sorgen kann. Es besteht vielmehr das Risiko, daß der Kunde endgültig verloren ist und man auf weiteren Kosten für den Rechtsanwalt sitzen bleibt. Auf diesem Weg gibt es deshalb nichts zu gewinnen, aber man kann noch weiteres Geld zusetzen.
Weil Juristen kein Produkt verkaufen und in Gang bringen können, nicht einmal für erfreuliche Kundenbeziehungen können sie sorgen, sind diese Jungs für das Alltagsgeschäft eine teure Fehlbesetzung. Sie leben eben davon, zu streiten. Eine der Grundregeln für jedes Geschäft lautet aber: Streite nicht mit Deinen Kunden! Ich würde deshalb einen weiten Bogen um die Advokatenkaste machen und versuchen, die Kohlen auf andere Weise aus dem Feuer holen.
In solchen Fällen muß der Chef ran. Persönlich! Er darf beim Kunden nicht mit Schmidtchen reden, er muß auch dort unbedingt mit dem Vortänzer reden. Unter 4 Augen mit abgeschaltetem Handy. Sowas erledigt man nach außen jovial und locker, aber bestens informiert und mit der harten Linie, diesen Kunden augenblicklich wieder zu gewinnen. Das geht nur absolut unbürokratisch und mit der unbeschränkten Handlungs- und Entscheidungsfreiheit, die nur der Chef hat.
Wer schon eine Weile im Geschäft ist, weiß ohne weiteres, daß die Kasse klamm sein kann und sich das in merkwürdigem Verhalten des Kunden äußern kann. Also vergißt man alle früheren Vereinbarungen, AGBs und sonstiges gedruckte, tote Zeugs und baut mit Fingerspitzengefühl und Menschenkenntnis goldene Brücken. Man schaltet augenblicklich die Software wieder frei, Änderungswünsche werden schriftlich fixiert, steckt sofort einen Scheck über eine bescheidene Anzahlung ein, vereinbart ein neues Zahlungsziel für den Rest, Handschlag drauf und je nach Situation unterschreiben beide ein handschriftliches Protokoll, das in wenigen Stichworten nur die wesentlichen Eckpunkte fixiert. Das Ganze findet in irgendeinem ruhigen (!) Büro statt (wer stört, wird sofort erschossen
) oder in den Privatgemächern oder in einem erstklassigen Restaurant. „Falls es irgendwo klemmt, erreichen Sie mich hier“ (das ist nicht die Büro-Sammelnummer!) - Prost! - und die Sache ist in trockenen Tüchern.
Damit man mit solcher Vorgehensweise binnen Stundenfrist ein schief gelaufenes Geschäft wieder aufs Gleis setzen kann, muß man es nur verstehen, die Fassade seiner Gesprächspartner zu knacken, ohne plump vertraulich, unterwürfig oder sonstwie abstoßend zu wirken. Man muß es verstehen, den persönlichen Kontakt herzustellen, das gemeinsame Interesse und den beiderseitigen Nutzen in den Vordergrund zu rücken.
Gruß
Wolfgang